Was passiert, wenn du „Aufräumen mit Marie Kondo“ kritisierst

Wir können es nicht oft genug sagen, wir sind in allererster Linie Fashion Changers, weil wir einen gesellschaftlichen Diskurs anregen wollen. Der Mittelpunkt dieses Diskurses: unser Kleiderschrank. Denn die unschöne Kehrseite der Modeindustrie ist ein Geschäft mit Ressourcen, Billigarbeitskräften und einer Wegwerfmentalität, wie wir sie noch nie erlebt haben.

Und was hat das jetzt alles mit Marie Kondo zu tun, die Millionen von Menschen mit ihrer herzlichen Art verzaubert?

In der Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“ zeigt ebendiese auf sehr sympathische Art und Weise, wie man die Unordnung im eigenen Haus in den Griff bekommen kann. So hat die berufliche Aufräumerin Kondo eine eigene Methode, die sogenannte KonMari-Methode, entwickelt, um wirklich nachhaltig auszumisten. Sie verspricht, wenn du erst einmal Ordnung schaffst, bringst du auch Ordnung in dein ganzes Leben. Dass das nur in Ansätzen stimmt und nicht bei jedem gleichermaßen funktioniert, haben schon so manche Psycholog*innen mittlerweile ergründet. So beschreibt Psychologin Sandra Jankowski bei LN Online zum Beispiel, dass nicht das Ausmisten per se glücklich mache, sondern eher das Erreichen der gesteckten Ziele und diese Trigger auch mit anderen Erlebnissen, wie Leistungssport, erreicht werden könne.

An diesem Punkt setzen wir an und verkünden bei Instagram, dass wir, neben all den positiven Effekten des Marie Kondo-Hypes, wie der achtsamere Umgang mit Dingen oder eine minimalistischere Lebensweise, auch Schwierigkeiten sehen. Gerade dass es vielen Menschen eben nicht um Minimalismus, sondern nur darum geht, diese Zielerreichung zu genießen, sorgt bei uns für Unbehagen. Am Ende einer jeden Folge „Aufräumen mit Marie Kondo“ stapeln sich große, schwarze Müllsäcke voll mit allerlei Hab und Gut. Wir wissen natürlich, dass nicht jeder dieser Müllsäcke so in der Tonne landet, sondern dass eben auch einige der Teile gespendet werden.

Aber die Grundproblematik bleibt, wir werfen Dinge weg, um unser Leben in Ordnung zu bekommen und denken viel weniger darüber nach, was der Auslöser für diese Unordnung ist. Die Serie gibt keine Antworten auf unser maßloses Konsumverhalten, das sich über die letzten Jahrzehnte quasi perfektioniert hat. Es wird nicht darauf hingewiesen, dass die Probleme nicht in den Dingen liegen, die uns Freude bereiten und für die wir dankbar sein sollen, sondern in unserer exzessiven Überflussgesellschaft.

Bei Instagram machen wir also darauf aufmerksam, dass entscheidende Fakten, sowohl in der Serie als auch auf dem basierenden Buch „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“, nicht aufgegriffen werden. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir einfach insgesamt weniger konsumieren müssen und nicht alles einfach entsorgt werden kann. Dass wir generell einfach weiterdenken sollten als nur an unsere Befriedigung nach einer Aussortier-Aktion, denn natürlich kennen wir alle die befreiende Wirkung eines aufgeräumten Zuhauses. Das ist nicht der Punkt. „Aufräumen mit Marie Kondo“ beschreibt ein Symptom, keine Lösung. Und dafür sind wir den Macher*innen eigentlich auch schon wieder dankbar. Denn tatsächlich regt die Serie damit auch zum Diskurs an, den wir mehr als begrüßen.

 

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Marie Kondos world summarized in one picture. 🙄 Don’t get us wrong. We love the idea of getting an overview about the things you have (and need!). But the @netflix series „Tidying Up With Marie Kondo“ promotes a world full of trash bags and supports the throw-away-culture. We think there is something important missing: the fact that every single one of us consumes too much and everything can be thrown away anytime. We need to think deeper. If we want to make a change in our lives (and for the better) we need to rethink our wardrobes and choose sustainable options right from the beginning. This is when change really happens and things (and clothes) start to spark joy. ✨😉 How do you think about it? [german] Mit der @berliner_zeitung haben wir ebenfalls über diese Wegwerfproblematik gesprochen und stattdessen Tipps für einen fairen Kleiderschrank gegeben. Den Artikel verlinken wir euch in der Story. Pic via @fashiontakesaction #letschangethatfashiongame #tidyingupwithmariekondo #throwawayculture #rethink #consciousliving #wardroberevolution #fashionchangers

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Marie Kondo-Befürworter*innen lassen nicht lange auf sich warten und halten dagegen. Marie Kondo würde tatsächlich im Leben vieler etwas verändern. Und dieser erste Schritt sei wichtig, damit langfristig eine Konsumänderung passieren kann.

„(…) insgesamt glaube ich, dass die Serie im besten Fall positive Auswirkungen auf die Art des Konsums von vielen Menschen haben könnte.“

„She thanks all the things in your house and NEVER gives the advice to restock all your given-away things with other things.“

„Maybe I am naive but I see it as a positive direction to a society with less consumerism and more focus on value.“

„Ich finde, wir werden durch die Technik von Marie bewusster im Umgang mit Konsum.“

Was wir jedoch aktuell sehen, sind Tausende von Menschen, die ihr altes Hab und Gut in Müllsäcke stopfen mit dem Versprechen glücklicher zu werden. Dass die Suche nach Glück jedoch weder im Konsum noch im Wegwerfen liegt, wird mit keiner Silbe erwähnt. Das viel beschworene Glück und die große Zufriedenheit könnten vielleicht eintreten, wenn ganz generell über den Umgang mit Ressourcen, das eigene Konsumverhalten und die Verknüpfung von Emotionen mit Kaufentscheidungen nachgedacht werden würde. Doch dazu kommt es weder im Buch noch in der Serie. Hierfür werden keine Antworten gegeben. Man kann natürlich argumentieren, dass das nicht Marie Kondos Expertise und deshalb auch nicht der Fokus ihres Buchs ist. Point taken. Aber spätestens bei der Produktion der Serie, die immerhin vier Jahre nach Erscheinen des Buchs ausgestrahlt wird, hätten die Produzent*innen sich bewusst dafür entscheiden können, diesen Fragen mehr Raum zu geben. Denn wir brauchen Antworten auf diese drängenden Fragen, wenn wir tatsächlich Bewusstsein schaffen wollen.

David Hugendick schrieb zum Thema des neuerdings allseits beliebten Minimalismus-Trends bereits 2016, nach dem Erfolg von Marie Kondos Buch, in der Zeit: „Was allerdings als Postmaterialismus ausgegeben werden soll, also die Abkehr vom Besitztum, ist lediglich verdichteter Materialismus, der nicht mehr fragt „Wie viel?“, sondern „Wovon?“.“

Die Zahlen sprechen für sich

2014 erschien Kondos Buch „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“. Es wurde mittlerweile in 27 Sprachen übersetzt und weltweit über sieben Millionen Mal verkauft. Ein Bestseller. Der Start einer bewusste Konsumbewegung? Wohl kaum. Greenpeace teilt mit, dass seit dem Aufstieg von Fast Fashion Menschen doppelt so viel Kleidung kaufen als noch vor der Jahrtausendwende. Ein trauriger Aufwärtstrend. Laut einer Umfrage hatten die Deutschen 2016 rund 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in ihren Schränken, wovon 40 Prozent nie getragen werden. Viele der unerwünschten Kleidungsstücke landen im Mülleimer. Fast die Hälfte der Befragten(!) hatte in den letzten sechs Monaten Kleidungsstücke weggeworfen. US-Bürger*innen entsorgen jährlich rund 10,5 Millionen Tonnen Kleidung.

Und mit Entsorgen meinen wir nicht zur nächsten Kleiderspende bringen oder an Secondhand-Shops geben, sondern tatsächlich einfach in den Müll werfen. Denn auch dieser Punkt wird vermehrt angesprochen, dass es doch toll sei, dass all die aussortierten Dinge, die ja oftmals noch mehr als gut sind, endlich jemand anderem „in need“ noch ein bisschen Freude bereiten. Win-Win für alle also?

Für uns geht diese Rechnung nicht auf. Zumal es auch eine mehr als privilegierte Sichtweise ist. Denn nur, wer wirklich viel hat, kann auch viel weggeben. Noch dazu ist der Markt an Secondhand-Kleidung mittlerweile mehr als gesättigt. Längst wird mehr Wegwerfmode produziert als Bedürftige überhaupt tragen können. So gibt das Berliner Rote Kreuz auf unsere Nachfrage diese Woche an, dass gewisse Kleidungsstücke immer händeringend fehlen, während andere im Überfluss vorhanden sind. Regina Radke-Lottermann vom DRK Berlin erklärt uns: „Da der größte Anteil der Kleiderspenden aus Damenbekleidung besteht, fehlen uns genügend Kleiderspenden für Herren.“

Und auch der Aufstieg der Fast Fashion-Industrie ist ein generelles Problem für die Weiterverwendung von Kleidungsstücken. „Leider sinkt in den letzten Jahren durch den „Fast-Fashion-Trend“ die Qualität der gespendeten Kleidung – parallel zur Qualität in den Fashion-Ketten, die zunehmend auf eine kürzere Haltbarkeit ihrer Kollektionen setzen.“, so Radke-Lottermann weiter.

Was außerdem auffällt, wenn man sich ein wenig durch die Social Media-Kanäle diverser KonMari-Anhänger*innen wühlt, die Serie regt unermüdlich dazu an, neue Dinge zu kaufen. Dinge, die das Sortieren leichter machen. Dinge, in die wir andere Dinge verstauen können. Dinge, in die wir die aussortierten Dinge packen können usw. Besonders auffällig dabei, der Konsum dieser Dinge, um Dinge zu verstauen etc., wird überhaupt nicht hinterfragt oder bewertet. So ist zum Beispiel absurder Weise der Secondhand-Laden nur etwas für Bedürftige. Nicht ein Gedanke daran, zum Beispiel Aufbewahrungskästen gebraucht zu kaufen oder die aussortierten Kleidungsstücke vielleicht an eine liebe Freundin zu verschenken.

 

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Wir kommen also nicht umhin, grundsätzlich über unseren verschwenderischen Umgang mit Kleidungsstücken nachzudenken. Denn so schön und gut gemeint Marie Kondos Ansätze auch sein mögen, am Ende des Tages sind sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein unseres Konsumwahnsinns.

Vorschaubilder: © Modern Essentials/unsplash.com – © Screenshot Netflix „Aufräumen mit Marie Kondo“

Fashion Changing News #1: von Spice Girls, Fashion-Week-Vibes und einem Aufräum-Hype

Worüber die (Fair) Fashion-Modeszene im Januar gesprochen hat, erfahrt ihr in unseren ausgewählten Branchennews.

Wollen wir nicht alle ein Spice Girl sein?

Baby Spice, Ginger Spice, Posh Spice, Scary Spice, Sporty Spice  – so viel Identifikationsfläche gab es in den 1990er Jahren selten in einer Band. Ob man sie mochte oder nicht: Die Spice Girls wirbelten die männlich dominierte Musikbranche mächtig auf und machten „Girl Power!“ zu einem popkulturellen Phänomen, das sogar ins Oxford English Dictionary aufgenommen wurde.

© Comic Relief

Passend zur bevorstehenden Comeback-Tour haben die Spice Girls nun mit ihrer T-Shirt-Kollektion #IWannaBeASpiceGirl eine große Marketingkampagne gelauncht. Ein Teilerlös soll an die Charity Comic Relief gehen, die sich für Gleichberechtigung einsetzt. Nur leider ist nicht überall Girl Power drin, wo #IWannaBeASpiceGirl draufsteht. Recherchen von The Guardian ergaben, dass die rund 20 Euro teuren T-Shirts für einen Stundenlohn von knapp 40 Cent in Bangladesch genäht wurden.

Die Shirts wurden größtenteils von Frauen genäht, die gegenüber dem Guardian angaben, während ihrer 16-Stunden-Schichten verbale Gewalt erfahren zu haben, um schneller zu produzieren. Die Spice Girls und Comic Relief haben im Vorfeld die Produktionsstätte im Hinblick auf soziale Standards überprüfen lassen und für gut befunden. Dass der von ihnen beauftragte Online-Händler die Fabrik gewechselt hat, hat, laut Comic Relief, keiner mitbekommen. Wie genau es soweit kommen konnte, könnt ihr hier nachlesen.

Um eines klar zu stellen: Niemand spricht den Spice Girls ab, es mit Geschlechtergleichberechtigung nicht ernst zu meinen. Aber es wird eben – wie bei vielen anderen Stars auch – nicht zu Ende gedacht. Feminismus ist mehr als ein cooler Statement-Spruch und nicht etwas, was wir exklusiv für uns beanspruchen können, während am anderen Ende der Welt Arbeiter*innen unter menschenunwürdigen Bedingungen Tag und Nacht dafür arbeiten, dass wir auf unseren Shirts Girl Power verbreiten können. Wenn die Merchandise-Produkte von einflussreichen Popgrößen wie den Spice Girls, Beyoncé oder Madonna von Anfang bis Ende fair produziert wären, hätte das positive Auswirkungen auf das Leben der Frauen entlang der textilen Lieferkette und wäre ein wirklich starkes Statement.

#WeWouldNeverWorkWithPrimark

Ein ebenso fragwürdiges Statement setzt die aktuelle Denim-Kampagne von Primark. Unter dem Hashtag #IWorkWithPrimark bewerben Influencer*innen die neue Jeanskollektion des Fast Fashion-Riesen. Kritische Nachfragen oder Kommentare unter den Posts werden oftmals gelöscht. Auch wenn es natürlich einfacher ist, großes Geld mit großen Fast Fashion-Unternehmen zu verdienen, so tragen alle Content Creators – egal, ob 100 oder 100.000 Follower – Verantwortung und sollten mit ihrer Social Media-Power achtsam umgehen.

Wie schnell man die sozialen Netzwerke für Gutes nutzen und sogar eine Gegenbewegung ausrufen kann, zeigt die #IWouldNeverWorkWithPrimark-Aktion von Fair Fashion-Blogger*innen, die von Madeleine Alizadeh (@dariadaria) initiiert wurde. Über 600 Posts sind auf Instagram bereits unter dem Hashtag erschienen. Das verdeutlicht einmal mehr die Power des #consciousbloggercollective – ein Zusammenschluss, der für alle offen steht, die mehr Verantwortung übernehmen wollen.

 

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Time to take a stand, dear #fashionchangers! 💥 #iwouldneverworkwithprimark #wewouldneverworkwithprimark Dear lovely influencers and media people out there, of course we all have a hard time earning our money in times when everyone is a blogger or influencer and we all want our share. But every collaboration comes at a price. There is always one big question: Do I want to support this or that brand? We, as Fashion Changers, think that we all have a certain responsibility and should only support brands and labels that make a difference in this crazy consumption-oriented world or that try at least to do better – even if they still have a long way to go. @primark is definitely not a company like that. Primark earns its money on the back of cheap labor. Primark produces cheap throw-away-fashion that comes with a cost. Maybe not for you but for all workers attached to their supply chain. And it affects not only the textile workers in foreign countries like China, India or Bangladesh – where primark produces – but also even the saleswomen and -men in the stores here who complain about pretty bad working conditions. Primark is not a company you should be proud of promoting and even if this pays your rent, you should think about twice where your money comes from. If you have questions concerning fairly produced fashion and don’t know where to start, drop us a line or two. We are so happy to help and to connect you to a community – #consciousbloggercollective – that receives you with open arms. Maybe take the first step today. What are you waiting for? ❤️ Thanks to @dariadaria and @kora.mikino.menstruation.panty for initiating this. 💫 #letschangethatfashiongame P.s.: for the very first step you could check out the (denim) labels we tagged. The rest is vintage or secondhand (also a great source for denim fashion). Happy to help!🚀

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Jyoti Fair Works x heylilahey

Das deutsch-indische Fair Fashion-Label Jyoti Fair Works hat gemeinsam mit Mia vom Blog heylilahey zwei Zero Waste-Wickelblusen aus Baumwolle und Peace-Seide designt, die während der Berliner Fashion Week gelauncht wurden. Genäht wurden die Blusen in der eigenen Nähwerkstatt in Chittapur in Südindien, in der sozial benachteiligte Frauen arbeiten. Als gemeinnütziges Label investiert Jyoti die Gewinne aus der Bluse und aus der regulären Kollektion in die Nähwerkstatt, um so den Näherinnen neben fairen Löhnen auch Weiterbildungskurse zu finanzieren und zinslose Kredite anzubieten. Empowerment pur!

Mia von heylilahey und das Team von Jyoti Fair Works beim Launch-Event. Foto: © Jesse Abrams

Aufräumen mit Marie Kondo weitergedacht

Alles auf neu im Januar. Kein Wunder, dass so viele ganz besessen von der Serie „Tidying up with Marie Kondo“ (2019, Netflix – DE: „Aufräumen mit Marie Kondo“) sind, die auf Marie Kondos 2014 erschienenem Buch und Weltbestseller „The Life-Changing Magic of Tidying Up“ basiert. Nun berät Japans wahrscheinlich bekannteste Aufräum- und Ordnungsberaterin US-Amerikaner*innen beim Entrümpeln und entfacht so den KonMari-Hype aufs Neue. Die Serie ist ein guter Motivator, um sich von angehäuften Dingen zu trennen und durch weniger Besitz mehr Klarheit zu erlangen. Doch wie bereits im Buch, werden auch in der Serie die ungewollten Dinge in große Müllsäcke gepackt und teilweise einfach weggeschmissen. Darunter auch Berge an Kleidung. Denn Marie Kondo hilft zwar beim Aufräumen, aber nicht beim Entsorgen.

Die grüne Blogosphäre nimmt die Serie nun vermehrt als Aufhänger, um den Wegwerf-Hype etwas zu entzaubern und stattdessen Konsumkritik zu üben. Jenni von Mehr als Grünzeug hat sich auf ihrem Blog näher mit der Serie auseinandergesetzt und mitunter das Kondo’sche Versprechen von „weniger Besitz macht dich zu einem besseren und glücklicheren Menschen“ in der postkapitalistischen Gesellschaft hinterfragt. Mia von heylilahey (Hello again!) hat Marie Kondos Serie zum Anlass genommen und erzählt auf YouTube, wie wir wirklich nachhaltig ausmisten können. Auf dem Blog A Hungry Mind entkräftet Sabine die komplette Serie und räumt damit auf, dass Marie Kondo unser aller Leben verändern kann.

© Sabine Appel/A Hungry Mind

Und auch die Berliner Zeitung hat uns gefragt, wie wir all die ungewollten Klamottenberge am besten entsorgen und, noch viel wichtiger, wie wir überhaupt Kleidungsmüll vermeiden können. Wer keine Lust auf Aufräumen hat, kann übrigens alternativ die Dokumentation „The True Cost“ (2015, Regie: Andrew Morgan) über den wahren Preis unserer Kleidung auf Netflix schauen. Happy to help!

Erste vegane Fashion Week in L.A.

Genau, was die Welt braucht: noch eine Fashion Week. Aber zu früh aufgestöhnt! Denn Le French Lab-Kreativdirektorin und Tierschutzaktivistin Emmanuelle Rienda will mit ihrer in Los Angeles stattfindenden Vegan Fashion Week (1. bis 4. Februar 2019) eine Plattform schaffen, die die Zukunft der Mode auf den Laufsteg bringt.

Damit richtet sich Rienda nicht ausschließlich an vegane Modebrands, sondern an Designer*innen, die daran arbeiten, ihre Produktionsbedingungen dahingehend zu verändern, dass Menschen- und Tierrechte geachtet werden. „It’s not a matter of style anymore. It’s a matter of choice”, so Rienda. Die Vogue hat mit Rienda über ihr Vorhaben gesprochen.

 

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Titelbild: © Vegan Fashion Week/Instagram; © Creative Commons/Wikipedia; © heylilahey; © Comic Relief

Konsumalternativen für Anfänger*innen und Fortgeschrittene

Kleidungsstücke oder Lebensmittel – Wir produzieren und konsumieren viel zu viel von allem und leben in einer Überflussgesellschaft. Dass uns der massenhafte Konsum zu Kopf steigt, beweisen die bekannten Gegenbewegungen wie Slow Living oder Minimalismus.

Fakt ist, dass wir momentan definitiv nicht wertschätzend mit den verfügbaren Ressourcen umgehen, sondern sie eher als Wegwerfware behandeln. Immer schneller, immer minderwertiger, immer mehr. Dass solche Denkweisen nicht nachhaltig sind, sollte jede*m von uns klar sein. Auch eine Änderung des Lebensstils sollte und müsste nicht auf Kosten neuer Ressourcen stattfinden. Fangen wir doch viel lieber an, mit dem zu arbeiten, was wir schon haben oder was es schon gibt, anstatt immer alles neu zu kaufen.

Überflussgesellschaft – Müssen wir noch etwas neu kaufen? Foto: (c) Unsplash / Samuel Zeller

Konsumalternativen für Kleidung

Laut einer Greenpeace-Studie kauft jede*r Deutsche etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr – trägt diese aber nur halb so lange wie noch vor 15 Jahren. Bei verschiedenen Umfragen hat sich herausgestellt, dass so gut wie jede*r Deutsche ungetragene Kleidungsstücke im Kleiderschrank hat. Zum Kauf kam es dabei meistens durch Rabattaktionen. Die Studie zeigt, dass wir letztlich 80 Prozent unserer Zeit nur 20 Prozent unserer Kleidung tragen. Die ungetragenen Kleidungsstücke sind symptomatisch für unsere Überflussgesellschaft. Es ist unsere Aufgabe, die Ressourcen so lange wie möglich zu erhalten und zu nutzen. Daher sollten wir nur das kaufen, was wir wirklich brauchen und was wir wirklich tragen. Neue Kleidungsstücke können heutzutage beispielsweise sehr gut gebraucht gekauft werden. Wer keine Secondhand-Läden in der Nähe hat, kann Online-Plattformen wie Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt nutzen. Als weitere Alternative bieten sich Kleidertauschpartys an, die entweder in einem öffentlichen oder privaten Rahmen stattfinden können. Wer sucht, der oder die findet auch. Und das sogar günstiger als neu.

Konsumalternativen für Kleidung:

  • Upcycling
  • Secondhand (Flohmärkte, Kleiderkreisel, Mädchenflohmarkt)
  • Kleidung mieten (Fairnica, stay awhile, Kilenda für Baby- und Kinderkleidung)
  • Kleidertauschpartys

Weitere Tipps findest du in der 30 Days of Fair Fashion-Challenge.

Alternativer Konsum, auch bei Lebensmitteln? Foto: (c) Sylvie Tittel

Konsumalternativen für Lebensmittel

Die Überflussgesellschaft spiegelt sich auch bei den Lebensmitteln wider. Momentan leben 7,5 Milliarden Menschen auf der Welt, wir produzieren aber Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen. Das Makabere daran ist, dass auf der einen Seite etwa täglich eine Milliarde Menschen hungert, auf der anderen Seite aber jeden Tag 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Stolze 40% unserer Lebensmittel gehen entlang der globalen Wertschöpfungskette verloren – Verbraucher*innen eingeschlossen (Quelle: WWF Studie). So wie unsere Kleiderschränke, platzen auch oft unsere Lebensmittelvorratsschränke aus allen Nähten. Knapp 11 Millionen Tonnen schmeißen wir Endverbraucher*innen jährlich in Deutschland in die Tonne (Quelle: Bundesregierung). Um diese Mengen zu verringern, muss ein Umdenken stattfinden.

Weniger kaufen, bewusst entscheiden, was man wirklich braucht und der wichtigste Punkt: Aufessen statt wegschmeißen! Auf Plattformen wie Foodsharing können wir mittlerweile unsere Lebensmittel kostenfrei abgeben. Bevor wir wieder zu neuen Lebensmitteln greifen, sollten wir erstmal zu Hause überprüfen, was wir noch haben und was noch aufgegessen werden sollte. Lasst uns sowohl Lebensmittel als auch Kleidungsstücke nicht zu Schrankleichen verkümmern, sondern sie wieder zu dem machen, wofür sie eigentlich produziert wurden. Denn so schenken wir den Ressourcen wieder die notwendige Wertschätzung, die in unserer Überflussgesellschaft verloren gegangen ist.

Statt neu kaufen gerettete Lebensmittel konsumieren:

  • Tafel
  • Foodsharing
  • To Good To Go
  • SirPlus
  • Etepetete
  • Rübenretter
  • The good food

Weitere Tipps:

  • Resteverwertung
  • nur so viel kaufen, wie man isst
  • wöchentlichen Essensplan erstellen
  • richtige Lagerung im Kühlschrank

Um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, sollten wir Vorhandenes erst verbrauchen – neu kaufen sollte niemals an erster Stelle stehen. Das gilt nicht nur für Kleidung oder Lebensmittel, sondern ist auch auf unsere Technikgeräte, Kosmetika oder andere Gebrauchsgegenstände übertragbar.

Was sind deine Tipps für Konsumalternativen?

Titelbild: (c) Unsplash / Jazmin Quaynor

Was ist eigentlich noch guten Gewissens tragbar?

Es gibt Fragen, die man einer*m Textiler*in einfach nicht stellen darf, weil man nur eine vage oder nicht zufriedenstellende Antwort darauf bekommen wird. Das sind aber meist genau die Fragen, die viele von euch gerne klar beantwortet hätten – und da gehört die Frage „Was ist eigentlich noch tragbar?“ sicher dazu.

Ich versuche euch jetzt also die Gedankengänge einer Textiltechnologin näher zu bringen, die die Fragen „Was ist jetzt eigentlich das nachhaltigste Textil?“, „Was kann ich noch guten Gewissens tragen?“ und „Was ist denn überhaupt noch tragbar?“ so zu beantworten versucht, dass es am Ende irgendwie Sinn macht.

Zunächst einmal müssen wir uns um das Wort „Nachhaltigkeit“ kümmern. Was ist das eigentlich? Was bedeutet Nachhaltigkeit im Jahr 2019 noch, wo es doch von der Marketingmaschinerie mit Füßen getreten wird und man ungefähr Alles und Nichts damit aussagen kann.

Wenn ich mir jetzt also ein Textil anschaue, nehmen wir als Beispiel ein weißes Bio-Baumwoll-T-Shirt mit 20% recyceltem Baumwoll-Anteil, und ich frage mich „Wie nachhaltig ist dieses T-Shirt?“, dann ist das gar nicht mal so einfach zu beantworten.

Willkommen im „Wie nachhaltig ist dieses T-Shirt?“-Gedankenkarussell!

Um euch zu zeigen, warum es mir so schwer fällt, eine so profan scheinende Frage zu beantworten, nehme ich euch auf einen Spaziergang durch mein Hirn mit:

„Bio-Baumwolle. Die ist also nicht genmodifiziert. Der*die Färber*in hat gute Arbeit geleistet, Bio-Baumwolle ist nämlich gar nicht so leicht zu färben, weil sich jede Partie anders verhält. Ist eben Bio und da ist nicht jede Faser gleich. Oh, und außerdem hat der*die Stricker*in hoffentlich nicht allzu viele Schwierigkeiten gehabt. Bio-Baumwolle kann, je nach Herkunft, klimatischen Verhältnissen und Qualität, bei der Verarbeitung schneller reißen. Bio bedeutet nämlich nicht gleich hochwertig – da kommt es jetzt auf das Unternehmen an, ob es qualitativ minderwertige oder hochwertige Bio-Baumwolle gekauft hat.

Der recycelte Anteil macht die Beurteilung nicht leichter. Recycelte Baumwolle ist meist Baumwolle aus geschredderten Textilien. Das bedeutet kurze Fasern, bei denen es kaum möglich ist, sie in ein anständiges Garn zu verspinnen. Diese recycelten Fasern beizumischen, setzt die Qualität des Produktes definitiv herab. Das ist, als würde man versuchen mit kurzen und langen Fäden eine anständige Kordel zu drehen. Jedes Kind weiß, dass das weniger Spaß macht, als die Kordel nur mit langen Fäden zu drehen, und dass das Ergebnis mit den kurzen Fäden nicht sonderlich stabil sein wird.

Wenn wir jetzt also – dank Recycling-Baumwolle – ein eher nicht so stabiles Garn haben, und wenn das Unternehmen dann auch noch eine eher minderwertige Bio-Baumwolle eingekauft hat, dann können sich auch schneller mal Löcher bilden, weil es eben mehr Dick- und Dünnstellen im Garn gibt oder weil das T-Shirt nach einer bestimmten Anzahl an Waschgängen der Beanspruchung nicht standhält.

Ist das jetzt gebrauchsökologisch betrachtet nachhaltig, wenn ich zwar Bio-Baumwolle mit recycelter Faser habe, das T-Shirt aber schneller ein Loch bekommt und ich so schneller ein neues brauche – wie steht da der Ressourceninput im Verhältnis zum Nutzen?

Wenn ich also anstelle der recycelten Baumwolle auf teure, hochwertige Baumwolle setze und hier Elasthan reinmische, dann wäre die Nutzungsdauer länger, was aus gebrauchsökologischer Sicht wiederum „nachhaltiger“ wäre.

Aber…wenn ich jetzt Elasthan verwende, ist die Materialmischung nicht gebrauchsökologisch nachhaltig, weil Elasthan eine erdölbasierte Chemiefaser ist, die in der Waschmaschine Mikroplastik verliert. Außerdem gibt es hier Abzüge in Punkto Entsorgungsökologie, weil meine Elasthan-/Baumwollmischung nicht biologisch abbaubar und somit nicht kreislauffähig ist. Und überhaupt: Warum denn überhaupt Baumwolle, ist Baumwolle als Faser an sich wirklich zukunftsorientiert? Das sollte ich als Ingenieurin jetzt mal für das jeweilige Produkt durchkalkulieren, Waschproben machen und am Ende alles miteinander vergleichen…“

Und so weiter und so fort.

(Diese Gedanken basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen in der Industrie und auf Forschungsergebnissen des Lehr- und Forschungszentrums Reutlingen.)

Welche Materialien sind eigentlich wirklich nachhaltig? Foto: (c) Unsplash / Mel Poole

Ihr seht schon, wir sind bei Problem Nummer eins angelangt. Und dieses Problem ist wirklich auf alle Aspekte in der Textilindustrie übertragbar. Es ist schwer zu pauschalisieren, aber nicht selten steht man vor dem Dilemma, was in Bezug auf Nachhaltigkeit im technologischen/gebrauchsökologischen Sinn, im produktionsökologischen Sinn und/oder im entsorgungsökologischen Sinn am sinnvollsten ist.

Und was mit der Humanökologie?

Wenn ich die oben genannten Aspekte in meinem Hirn durchgespielt habe, kommt der emotionale Part hinzu. Denn mein Kleidungsstück soll ja auch humanökologisch nachhaltig sein. Damit sind die altbekannten Sozialstandards gemeint, die alle Stationen des Wertschöpfungsprozesses abdecken sollen. Mittlerweile gehört für mich auch die vegane Diskussion dazu. So ist beispielsweise aus textiltechnologischer Sicht Wolle die hundertprozentig perfekte Wunderfaser. Durch ihren unethischen Fasergewinn ist sie für mich aber definitiv mit einer emotionaler Diskussion verbunden.

Puh, jetzt ist der erste Teil meines Gedankengangs zum Thema „Wie nachhaltig oder tragbar ist das T-Shirt eigentlich?“ abgeschlossen. Das Problem ist, dass viele nur bis zur Produktion denken. Sagen wir mal, wir haben ein T-Shirt, das alle oben genannten Kriterien erfüllt und wir waschen es viel zu oft mit einem konventionellen Waschmittel, stecken es danach noch in den Trockner – oder noch schlimmer, wir ziehen es nur fünf Mal an –, dann haben wir es erfolgreich geschafft, aus dem super grünen Textil, eine ganz schöne Ressourcenfalle zu machen.

Okay, CUT, zurück zum Anfang.

„Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.” (Hardtke/Prehn 2001, S. 58)

Es gibt zig verschiedene Definitionen von Nachhaltigkeit, aber diese gefällt mir am besten, weil es danach fragt, wie wir konsumieren können, sodass es auch noch in Zukunft möglich ist, auf diesem Planeten zu leben. Und da komme ich jetzt „leider” mit einer Aussage, die ihr vielleicht schon öfter gehört habt.

Tragbar ist das, was so lange getragen wird, bis es in seine Einzelteile zerfällt, und wenn man diese Einzelteile dann auch noch in Putzlappen umfunktioniert. Wir können uns noch so oft über die nachhaltigste Faser oder den nachhaltigsten Färbeprozess unterhalten. Solange wir nicht sparsamer mit unseren Ressourcen umgehen und gedankenlos konsumieren, ist kein Textil hundertprozentig nachhaltig oder tragbar. Das heißt: Wenn wir weiter so konsumieren wie bisher, ist viel „Nachhaltigkeit“ im Textilbereich einfach nur großer Mist. Wenn aber Forschung und Innovation Hand in Hand mit Konsumreduktion und einem bewussteren Konsumverhalten gehen, Firmen ihr Qualitätsmanagement ernst nehmen und dabei auch auf die humanökologischen Auswirkungen Rücksicht genommen wird, dann macht es Spaß eine Antwort auf die Frage „Was ist eigentlich noch tragbar?“ zu finden.

Und was ist jetzt überhaupt noch tragbar?

Zurück zur Wertschätzung von Kleidung

Und das ist jetzt wiederum eine Antwort, die vielen von euch wahrscheinlich schon auf die Nerven geht. Aber wir haben heutzutage ein ganz großes Problem mit diesem Begriff. Wir müssen wieder Wertschätzung finden – für die Menschen hinter dem Produkt, für den Entstehungsprozess und für das Produkt an sich. Wir müssen bereitwillig mehr Geld für eine menschliche Produktion zahlen wollen und öfter Oma mal beim Socken stopfen zuschauen. Unser Konsum ist in den letzten Jahren exponentiell explodiert – und das ist weder tragbar noch nachhaltig.

Verlängerung der Nutzungsdauer von Kleidung

Ich will nicht mit irgendwelchen Studien um mich werfen, aber wir tragen unsere Kleidung viel zu kurz, werden sie viel zu schnell los oder ersetzten sie durch Neues. Gehen wir mal davon aus, dass alleine die Produktion eines Baumwoll-T-Shirts, das ca. 240-250 Gramm wiegt, einen Ressourcenverbrauch von 1,73 Tonnen mit sich bringt, dann ist es eigentlich schon peinlich, dass unsere Gesellschaft es heutzutage bewiesener Maßen nicht schafft, das Shirt öfter als zehn Mal im Schnitt zu tragen. Wir müssen wieder anfangen, unsere Kleidung so lange zu tragen, bis sie wirklich ausgedient hat, und nicht nur solange sie trendy ist. Und wenn ihr da keine Lust drauf habt, ist vielleicht ein Kleiderverleih, eine Kleidertauschparty oder der Secondhand-Store eures Vertrauens die richtige Adresse (das Secondhand-Thema ist, für alle, die jetzt kritisch die Stirn runzeln, auch ein Thema für sich – würde hier aber den Rahmen sprengen ). Hauptsach dem Produkt wird eine angemessene Nutzungsdauer ermöglicht.

Die ultimative Faserfrage

Müsste ich mich jetzt für eine Faser entscheiden, würde ich wahrscheinlich Lyocell nennen. Dabei handelt es sich um eine regenerative Cellulosefaser. Und wer genau wissen will, was hinter diesem langen Wort steckt, darf gerne hier mal vorbeischauen. Grob gesagt, ist Lyocell eine Chemiefaser auf Basis eines natürlichen Rohstoffs, der Cellulose, die aus Holz gewonnen wird. Meine Entscheidung liegt vor allem darin begründet, dass bei dieser Faser sowohl der Flächenbedarf als auch der Wasserverbrauch massiv geringer ist als bei Baumwolle. Im allgemeinen Vergleich von der Umweltbelastung pro Tonne Faser schlägt Lyocell sowohl Baumwolle als auch Polyester und Polypropylen, also all die Fasern, die aktuell den weltweiten Faserverbrauch größtenteils ausmachen (vgl. Statistiken der Firma Lenzing, Folien 21-23). Die technologischen Eigenschaften von Lyocell sind toll und das Tragegefühl unschlagbar.

Und wenn jetzt immer noch unklar ist, was ich mit den letzten 1400 Wörtern sagen wollte:

Es gibt nicht die eine Antwort auf die Frage. Es gibt viele und im Endeffekt kommt es auf jede*n Einzelne*n von uns an. Wenn du etwas Neues kaufst, dann ist es tragbar, wenn du es wirklich brauchst und wenn deine Art der Nutzung dem Textil und der investierten Zeit, Arbeit und Ressource gerecht werden. Sprich, wenn die Verringerung des Konsumniveaus und die Verlängerung der Nutzungsdauer Hand in Hand gehen.

Titlbild: (c) Rawpixel / Kaboompics

So war die Fashion Changers Launchparty

Am 2. Januar ging diese Plattform online – da wir daran längst nicht nur zu dritt beteiligt waren und wir Fashion Changers generell als Zusammenschluss vieler gleichgesinnter Modeverbesser*innen sehen, war klar, dass das gefeiert werden muss. Am 16. Januar, inmitten der Fashion Week,  hatten wir über 150 (Fair Fashion)-Blogger*innen, Medienschaffende, Labelgründer*innen und andere Game Changer aus der Szene eingeladen, mit uns anzustoßen und das Tanzbein zu schwingen.

Schon kurz nach Beginn war die Location voll und die Atmosphäre wahnsinnig schön. Wir merken immer wieder: Die Fair Fashion-Szene ist besonders. Denn hier gilt nicht der tollste Style, das beste Make-up oder die ausgefallenste Designerhandtasche, sondern echter Zusammenhalt, Austausch und Networking, das zu weiteren, tollen Projekten führt. Und wenn wir online dann diese Kommentare lesen, bestätigt sich das einmal mehr:

„Die Stimmung war am Flirren vor guter Laune und positiven Vibes!“ – @kissenundkarma

„Ihr macht das so toll und sympathisch – bitte mehr! Durch euch hab ich schon so viel gelernt!“ – @vrenifrost

„Gleichgesinnte treffen gibt jedes Mal so viel Kraft!“ – @mehralsgruenzeug

„The great Fashion Changers threw a party packed with cool people that wanna make a change.“ – @almost_30_magazine

„It was more than just a typical fashion week party. (…) So many positive and supportive vibes, less small talk and more deep conversations and cool ideas!“ – @heylilahey

 

An dieser Stelle nochmal ein großes DANKE an unsere Supporter GLS Bank und Lanius, die unter Anderem auch unsere Fotobox für den Abend unterstützt haben.

In der Sharingbox sind jede Menge witziger Erinnerungsbilder entstanden

Dank unseres Fotografen Beto Ruiz Alonso haben wir die schönsten Schnappschüsse vom Abend. Bereit für einen kleinen Foto-Spam?

Co-Founder-Love <3
Cheers, to all you beautiful likeminded people! Von links nach rechts: Laura Mitulla von The OGNC, Cherie Birkner von Sustainable Fashion Matterz, das Almost 30-Team
Tunes von Marcus Wener (Viertel\Vor) & Dandy Diary
Positive Vibes, die über Fashion hinausgehen: Mia vom eco-fairen Blog heylilahey, Noemi, Podcasterin und Life-Coach, Autorin Kea von Garnier, die mentale Gesundheit als Hauptthema hat, und Corinna vom Blog Kissen&Karma, die kürzlich ihr eigenes Unterwäschenlabel CocoMalou gegründet hat. Rechts im Bild: Emilie Elizabeth, Fotografin
Gleichgesinnte: Der eco-faire Onlineshop Loveco & das Label Rotholz
Der Fair Fashion-Store Loveco gehörte auch zu unseren Supportern mit ihrer #letswearfair Kampagne, bei der sie die Instagram-Community dazu aufrufen, nicht nur Stil, sondern auch Haltung zu zeigen. Teil von #letswearfair sind auch regelmäßige Events, die hier angekündigt werden.
Nachhaltige Modedesignerinnen: Hanna von Dzaino und Natascha von Hirschhausen. Rechts im Bild: Anna von Die Konsumentin
Es wurde getanzt, getrunken, gequatscht und gelacht. Und als kleine Überraschung gab es exklusiv die Fashion Changers-Printausgabe mit Auszügen aus Magazinbeiträgen und vielem mehr, das Sylvie von Miss Interpreted für uns layoutet hat.
Dank Doli wurden keinerlei Plastikstrohhalme an der Bar ausgegeben – stattdessen gab es die Drinks mit Glasstrohhalmen. Außerdem: Bei Doli gibt es aktuell eine limitierte Flaschen-Edition, bei deren Kauf 5 Euro an das Pacific Garbage Screening gehen.
Danke auch an alle Unterstützer*innen der wunderschönen #NoPlastic-Goodie Bag, die unsere Gäste an diesem Abend erhalten haben. – GLS Bank, Lanius, Doli, Juno&Me, i+m Naturkosmetik Berlin, Studio Botanic, RK Textil und CleverShuttle. Als weiteres Goodie wird Ecosia für jeden Partygast einen Baum pflanzen.

 

Vielen Dank an alle für diesen grandiosen Start! Wir freuen uns auf alles, was kommt und mit dieser Community möglich ist.

Noch mehr Fotos von der Party gibt es auf unserer Facebookseite.

 

Fotos (außer Sharingbox und Instagram): (c) Beto Ruiz Alonso

Diese 5 Labels der Neonyt solltet ihr im Auge behalten

Die letzte Woche stand für uns ganz im Zeichen der Berliner Fashion Week. Dort waren wir auch auf der Neonyt – ehemals Ethical Fashion Show und Greenshowroom – unterwegs. Die Neonyt gilt als weltweit größte nachhaltige Modemesse und richtet sich an Fachbesucher*innen, darunter Einkäufer*innen und Medienschaffende. Diese Saison haben 150 internationale und nationale Modelabels ihre Herbst- und Winterkollektionen 2019/20 vor der ehemaligen Heizwerkkulisse des Kraftwerks gezeigt. Zwischen unserem Talk übers Scheitern auf der prepeek – einem Networking-Event für Content Creators auf der Neonyt – und der Neonyt-Modenschau haben wir uns ins Messetreiben gestürzt und ein paar alte und neue Lieblingslabels entdeckt, die wir euch unbedingt näher vorstellen möchten. Entweder, weil sie uns mit ihren Designs vom Hocker hauen oder mit ihren innovativen Ideen neuen Wind in die Fair Fashion-Szene bringen. Welche Entdeckungen die Neonyt für uns bereithielt, lest ihr hier.

1. Lana

Das Traditionsunternehmen aus Aachen hat sich in den letzten Jahren förmlich neu erfunden – diese Saison dann auch mit neuem Logodesign. War Lana bis vor wenigen Saisons noch nicht auf unserem modischen Radar, haben sie es spätestens jetzt geschafft, uns vollends zu begeistern. Denn Lana wird immer mutiger. Im Schnitt, in den Mustern und auch in der Farbwahl. Adé, triste Winterfarben. In der nächsten Saison tragen wir bunt und farbenfroh.

Das Team von Lana Organic am Messestand der Neonyt
Das Team von Lana Organic trägt natürlich auch selbst die tollen Muster.

Ein besonderes Highlight: Die Zweiteiler, die wir uns am liebsten direkt vom Stand mitgenommen hätten, so sehr sind sie uns ins Auge und Herz gesprungen. Lana legt mit der neuen Kollektion den Fokus auf urbanes Layering, das durch kreatives Styling auch saisonübergreifend bestehen bleiben kann. Das ist nicht nur besonders schön anzusehen, sondern vor allem auch eine nachhaltige Lösung gegen den Massenkonsum. Chapeau, Lana, wir sind im 7. Modehimmel!

Ein Beitrag geteilt von LANA (@lana.organic) am

2. Jan ’n June

Jan ’n June ist eines unserer absoluten Lieblingslabels, dessen Reise wir von Beginn an mitverfolgt haben, und bei dem wir jedes Mal wieder gespannt sind, mit welcher Neuigkeit die beiden Gründerinnen Anna und Jula dieses Mal um die Ecke kommen. Die letzte News war wirklich groß: Jan ’n June designt ab jetzt auch eine Männerkollektion und wagt sich damit an neue Schnitte und natürlich auch an einen neuen Kund*innen-Kreis. Finden wir großartig, mutig und vor allem richtig schön anzusehen.

Frau hält weiß-schwarze Musterbluse in die Kamera
Auch neu in der Kollektion: ein abstraktes Schwarz-Weiß-Muster. We like!

Ihre auf der Neonyt präsentierte Kollektion „For Phoebe“ – eine Hommage an die ehemalige Céline-Chefdesignerin Phoebe Philo – spielt dabei, wie gewohnt, mit unterschiedlichen Stoffen, traut sich aber auch an außergewöhnliche Muster ran. Was in der letzten Saison der florale Print war, sind dieses Mal das Karo-Muster, ein Sternenstaub-Print und zwei raffinierte Muster, die in Schwarz-Weiß unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Außerdem wird es in der Kollektion auch eine zeitgemäße Interpretation des Hosenanzugs geben, womit auch endlich ein wenig Businesswear in die Fair Fashion einzieht. Neben Maxikleidern setzt Jan ’n June auf längere Röcke mit farblich passenden Oberteilen. Das Farbspektrum der neuen Kollektion bietet neben zurückhaltenden Farben – darunter Schwarz, Weiß, Grau, Rosa – auch lautere Farbtöne, wie Nachtblau und Senfgelb, an.

Die Männerkollektion trumpft mit klassischen Teilen, hat aber dank leichtem Oversize oder raffiniertem Kragen immer auch einen lässigen Touch. Gut gemacht, Ladies. Wir freuen uns schon auf den Winter mit euch!

3. Melawear

Das Label MELAWEAR begeistert uns mit seiner Entschlossenheit und dem unbedingten Willen, eine tatsächlich große Veränderung in der Modewelt vorantreiben zu wollen (Mela bedeutet auf Hindi übrigens „Gemeinsam handeln“). Am Messestand hat Marcus Werner von Viertel\Vor seinen Film über seine Reise nach Indien gezeigt, wo er gemeinsam mit MELAWEAR und weiteren Content Creators war, um sich die Baumwollproduktion vor Ort anzuschauen – ziemlich beeindruckend! Die Message ist klar: Wenn Labels und Brands nach fair-produzierter Bio-Baumwolle verlangen, kann diese vor Ort produziert werden. Laut Produzent*innen ist nur die Nachfrage bisher nicht stark genug.

Hände halten schwarzen Sneaker mit weißer Sohle in die Kamera
Der wohl nachhaltigste Sneaker der Welt!

MELAWEAR möchte das ändern und zwar im großen Stil. Deswegen setzt das Label aus Kassel auf eine durchdachte Bio-Baumwollproduktion für ihre Shirts, Rucksäcke, Taschen und Sneaker. Auf letztere sind sie besonders stolz, denn der MELA-Sneaker soll der nachhaltigste Turnschuh der Welt sein. Alle 25 Einzelteile des Sneakers sind zertifiziert. Das ist gänzlich neu und selten auf dem Markt.

Was uns besonders gut gefällt: MELAWEAR möchte nicht nur unter fairen Bedingungen und hohen Sozialstandards produzieren, sondern auch einen fairen Preis für die Abnehmer*innen bieten, deswegen sind MELAWEAR-Produkte auch preislich besonders fair. Weiter so!

Melawear auf Neonyt
MELAWEAR-Gründer Henning ist es wichtig, dass der Schuh wieder in seine Bestandteile zerlegt werden kann, um recyclingfähig zu sein.
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4. Komana

Eine absolute Neuentdeckung unter den 150 ausstellenden Labels der Neonyt ist Komana. Die auffälligen Prints des Schweizer Labels sind uns sofort ins Auge gesprungen. Die Kollektion „Melody Medusa“ setzt auf Illustrationen, die von den beiden Gründerinnen und Schwestern Livia und Nina selbst designt wurden. Die traditionelle Produktion der Kleidungsstücke findet in London, Indien und Slowenien statt. Dabei setzt Komana auf traditionelles Handwerk, faire Bezahlung und GOTS-zertifizierte Färbemethoden.

Komana auf der Neonyt
Komana bietet neben einer Linie mit sehr extravaganten Kleidern auch eine Casualwear-Linie.

Außerdem reinvestiert das Label einen Teil seiner Gewinne direkt in seine produzierenden Kunsthandwerker*innen. Zuletzt wurde zum Beispiel ein Wasser-Recycling-System eingerichtet, das den Wasserverbrauch um 80 Prozent senkt.

Wir sind ganz verliebt in die auffälligen Muster und die Message hinter der aktuellen Kollektion. Die abgebildeten Schlangen stehen für die starken Frauen, die sie tragen. Moderne Hexen, die voller Power, unabhängig und im Einklang mit sich und ihrer Verletzlichkeit sind. Diese Frauen leben ihre Freiheit, tanzen durch das Leben und sind in der Lage, ihre heilende Kraft dafür einzusetzen, um zu verwandeln und zu verändern. Denn für Komana ist Veränderung die einzige Konstante (und für uns auch).

Ein Beitrag geteilt von KOMANA (@_komana_) am

5. Maqu

Natürlich darf in dieser Liste ein Label aus Berlin nicht fehlen. Maqu steht für minimalistische und zeitlose Mode, was sie auch in dieser Saison wieder unter Beweis stellen. Die sympathische Designerin Marisa Fuentes Prado, die bereits für bekannte Namen wie Henrik Vibskov in Kopenhagen gearbeitet hat, lässt sowohl ihre peruanischen Wurzeln als auch eine reduzierte und skandinavisch anmutende Designästhetik in ihre Arbeit einfließen. Gefertigt wird ausschließlich mit Produzent*innen in Peru und Berlin, die man persönlich kennt.

Maqzu auf der Neonyt
Minimalistische Schnitte und schöne Stoffe bei Maqu

Die neue Kollektion ist gewohnt klassisch und trotzdem alles andere als langweilig. Während wir am Stand mit Marisa sprechen, wird die skandinavisch-peruanische Fusion in der Kollektion besonders schön deutlich, als die Designerin einen Oversize-Pullover aus peruanischer Wolle (muelsing-free natürlich) von der Puppe nimmt und wir ein halbtransparentes Kleid darunter entdecken. Manchmal passt Unerwartetes eben sehr gut zusammen.

Insgesamt werden die ausstellenden Modelabels auf der Neonyt von Saison zu Saison mutiger in ihrer Designsprache, was wir großartig finden. Denn wenn es nach uns geht, dann kann Fair Fashion ab uns zu auch mal etwas (Bio-)Glitzer und Farbakzente vertragen.

Titelbild Denim-Look: (c) Messe Frankfurt GmbH / Zacharie Scheurer / Getty Images for Neonyt
Titelbild All White-Look: (c) Messe Frankfurt GmbH / John Phillips / Getty Images for Neonyt
Messebilder im Beitrag: (c) Fashion Changers
Bilder von Instagram: (c) Lana / Jan ’n June / Komana / Maqu

„Wir haben die Verantwortung, die Welt zu erhalten!“

Faire Mode hat 2017 einen Umsatz von 129 Millionen* in Deutschland erreicht. Das klingt viel. Wenn man aber weiß, dass der Umsatz von Textilien und Bekleidung insgesamt bei 36 Milliarden** lag, tut es das nicht mehr. Fair Fashion bewegt sich immer noch in einem relativ kleinen Feld, in dem gegenseitiger Support nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig ist, um im Ganzen die Modebranche verändern zu können. Trotz Idealismus ist jedes Fair Fashion-Label natürlich auch immer ein Business, das sich im Wettbewerb durchsetzen muss.

Wir haben mit Claudia Lanius, der Gründerin des Labels LANIUS über Konkurrenzdenken und gegenseitiges Empowerment in der fairen Modebranche gesprochen.

LANIUS macht immer wieder Kooperationen mit anderen Marken, zum Beispiel Weleda oder Kunert. Wieso sind solche Kooperationen für euch wichtig?

Claudia Lanius: „Jede dieser symbiotischen Zusammenarbeiten hat sich ganz natürlich ergeben. Der gemeinsame Nenner ist die nachhaltige Philosophie, der Grundstein, der LANIUS mit den Komplizen – so nennen wir die Unternehmen, mit denen wir kooperieren, gerne – verbindet. Das hat uns jedes Mal weitergebracht. Durch die Kooperation mit Kunert sind wir auf die Organisation Healthy Seas und die synthetische Faser Econyl® aufmerksam geworden- eine zu 100% regenerierte Nylonfaser aus Fischernetzen und anderem Nylonabfall, aus der unsere Strumpfhosen gemacht sind.“

Und wie geht ihr mit Marken um, die noch näher an euch dran sind, vielleicht dieselbeZielgruppe haben? Gibt es da Konkurrenzdenken oder sitzen letztendlich alle im selben Boot?

Claudia Lanius: „Ich sehe den Wettbewerb innerhalb des Segments Fair Fashion grundsätzlich als etwas Positives an. Denn er bedeutet, dass die Branche wächst und das ist gut so. Es kommt oft vor, dass junge Designer*innen zu mir auf den Messestand kommen mich ausfragen. Ich gebe da gerne Antworten, denn mit ‚Wieso, weshalb, warum?‘ hat bei mir auch alles begonnen, als ich mit zwanzig Jahren anfing, mich auf die Spuren von nachhaltigen Fasern und fairer Produktion zu begeben. Wettbewerb belebt und es ist das Angebot, das breiter werden muss, um die Gesellschaft überall zu erreichen. Von daher: Wir nachhaltigen Labels sitzen definitiv im selben Boot.“

Wie könnten sich Marken gegenseitig dabei helfen, faire Mode voranzubringen?

Claudia Lanius: „Für viele nachhaltige Marken ist Marketing ein mittelschweres Problem. Das Budget hierfür freizumachen kann wirklich wehtun, denn die Preiskalkulation soll natürlich ebenfalls fair sein. Eine gemeinsame Marketingmaßnahme umzusetzen, wie zum Beispiel das ‚11 Loving Brands‘ Booklet, das von recolution bereits zum zweiten Mal herausgegeben wurde, ist super! Man präsentiert sich selbst den Kund*innen, aber stellt auch andere Brands vor.“

Was hältst du von einer Open-Source-Mentalität? Könnte das auch ein Weg sein?

Claudia Lanius: „Eine gute Frage. Wir haben intern auch häufig über das Thema diskutiert: Wie transparent sind wir? Wie transparent wollen wir sein? Und wie viel Transparenz können wir uns leisten? Mein Standpunkt ist: Ich bin eine Geschäftsfrau, der ein gewisser Pioniergeist nachgesagt wird. Innovationen, wie das Thema Natural Dyeing – die Färbung mit Naturfarbstoffen – erfordern viel Recherche, Zeit und auch Mut. Wenn ich hier alle meine Quellen offenlegen würde, würde ich meinen Wettbewerbsvorteil verschenken. Dazu bin ich gerade zum Launch eines Projekts oder einer Produktlinie nicht bereit. Aber dafür gibt es andere Bereiche, in denen ich gerne meine Erfahrungen, meine Ideen und meine Kontakte zur Verfügung stelle, wie beispielsweise bei unserer #NOPLASTIC Initiative.“

LANIUS #NOPLASTIC Bag, Foto: (c) LANIUS

Apropos #NOPLASTIC. Wieso ist Plastik ein Thema für euch?

Claudia Lanius: „Dass wir Lösungen für die immensen Mengen an Verpackungen im Modebereich finden, ist mir schon länger ein großes Anliegen. Als wir vor vier Jahren den Onlineshop gestartet haben, ist auch im E-Commerce von LANIUS das Thema aufgekommen. Bei unseren internen Nachhaltigkeitstagen haben wir dann beschlossen, dass wir unbedingt etwas unternehmen möchten. Um hier wirklich etwas zu bewegen, haben wir uns für den Start der #NOPLASTIC-Initiative mit dreizehn anderen nachhaltigen Modeunternehmen, u.a. ARMEDANGELS, hessnatur, Bleed, MAAS NATUR und uvm. sowie mit Organisationen, wie dem IVN und der NGO STOP! Micro Waste zusammengeschlossen.“

Und was genau wollt ihr erreichen?

Claudia Lanius: „Unser kurzfristiges Ziel ist es, die Nutzung von Polybags [Anm. d. Red. Verpackungsbeutel aus recyclingfähigem, aber aus Erdöl gewonnenem Kunststoff] zu reduzieren. Ein Teil der F/S 2019-Kollektion wird erstmals in Beuteln aus Pergamin-Papier ausgeliefert und verschickt. Pergamin ist ein rein pflanzliches Produkt, das wir so in der Praxis auf wichtige Faktoren, wie Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit prüfen werden. Der Einsatz von Papier-Banderolen soll zudem bei manchen Kleidungsstücken die Polybag-Verpackung ersetzen. Mittelfristig haben wir das Ziel, in regelmäßigen Treffen zusammenzukommen, um mit vereinten Kräften wirksame Lösungen in der Reduktion des Plastikverbrauchs voranzutreiben. Wir möchten alternative, skalierbare Möglichkeiten der Verpackung finden und diese gegebenenfalls sogar selbst entwickeln. Unser langfristiges Ziel ist es, mit unseren Fortschritten und den entwickelten Alternativen uns und auch anderen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, Polybags nachhaltig zu ersetzen und die Entstehung von unnötigem Abfall aus fossilen Rohstoffen zu verhindern.“

Beutel aus Pergaminpapier, Foto: (c) LANIUS

Das ist ein starker Ansatz! Wie schafft man es als Modelabel sich zu gesellschaftlich relevanten Themen zu positionieren und andere zu empowern?

Claudia Lanius: „Ich glaube, das passiert im Bereich von nachhaltiger Mode fast automatisch. Man könnte fast sagen: eine Art Berufskrankheit (lacht). Mein Ziel ist es, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufzutreten, sondern durch positive Alternativen Wege aufzuzeigen, mit denen man es besser machen kann. Wenn mir ein Thema wichtig ist, dann positioniere ich mich klar und eindeutig. Bin ich selbst überzeugt, gelingt es mir meist sehr gut, andere ebenfalls zu empowern. Vielleicht ist also das nötige Herzblut für eine Sache das Geheimnis.“

Du bist inzwischen schon lange in der Modebranche unterwegs. Was rätst du jungen Modelabels?

Claudia Lanius: „Angst ist meiner Ansicht nach kein guter Begleiter. Seid offen und hinterfragt bestehende Strukturen und Prozesse. Geht selbst in Produktionsstätten und sprecht mit den Menschen. Seid präsent und vernetzt euch.“

Was wünschst du dir für die Modebranche?

Claudia Lanius: „Ich wünsche mir, dass die Menschen weltweit adäquat bezahlt werden, sodass sie ihr Leben würdevoll bestreiten können. Und ich wünsche mir, dass endlich allen klar wird, dass wir nur eine Welt haben und wir eine Verantwortung für die Generationen nach uns tragen, diese Welt zu erhalten.“

[edgt_highlight background_color=“#6ec5bc“ color=“#000000″]Nachhaltige Mode muss strengen Kriterien gerecht werden, um als nachhaltig zu gelten. Bei der Verpackung gibt es diese Richtlinien allerdings nicht. Im Oktober 2018 hat LANIUS zum ersten Mal 13 Modeunternehmen und Organisationen an einen Tisch gebracht, um gemeinsam nach Lösungen für alternative Verpackungen zu suchen.[/edgt_highlight]

* „Umsatz mit Fairtrade-Textilien in Deutschland in den Jahren 2011 bis 2017 (in Millionen Euro)“ via Statista.com
** „Bruttoumsatz mit Textilien und Bekleidung in Deutschland nach Vertriebsformat in den Jahren 2007 bis 2017* (in Millionen Euro)“ via Statista.com

Titelbild: (c) Olaf Wull-Nickel

Liebe faire Mode, wir müssen reden! Ein Brief über Geld und Support

Liebe faire Mode,

Du bist wichtig, denn die Welt braucht Dich und wofür Du stehst. Für Fairness, für ein anderes Wirtschaften und für Kleidung, die allen Beteiligten Spaß macht und niemanden ausbeutet oder krank macht.

Von Dir wird viel verlangt. Manchmal zu viel. Du musst den ständigen Vergleichen mit der „anderen“ Mode standhalten und mindestens genauso gut aussehen. Oft musst Du Dich erklären und von Deinen Vorteilen überzeugen. Permanent Deine Bekanntheit zu steigern und das Wachstum Deiner gesamten Branche voran zu bringen, gehört ebenso zu Deinen Aufgaben wie das Suchen und manchmal auch Entwickeln von nachhaltigen und innovativen Materialien.

Kurzum, Du hast viel um die Ohren und immer was zu tun. Aber gerade weil Du so unverzichtbar bist, müssen wir mal Klartext reden.

Faire Bezahlung für alle

Dich zeichnet aus, dass alle Beteiligten der Lieferkette fair bezahlt werden. Im Gegensatz zur Fast Fashion und anderen Unternehmen in der Modeindustrie sind Dir auch die Menschen wichtig, die an der Nähmaschine sitzen und mit ihren Händen Deine Kleidungsstücke herstellen. Du achtest darauf, dass sie regelmäßige Pausen bekommen, ihr Arbeitsplatz keine Gefahr für sie darstellt und sie fair entlohnt werden. Das schätzen wir an Dir.

Umso mehr verwundert es uns dann, wenn unsere Arbeit bisweilen ohne oder mit sehr niedriger Bezahlung erfolgen soll – manchmal sogar regelrecht eingefordert wird. Wir helfen Dir mit Vergnügen dabei, der ganzen Welt von Dir zu erzählen, Deine Vorzüge zu preisen und unsere Begeisterung für Dein Engagement zu teilen. Nicht zuletzt tragen wir Dich ausgesprochen gerne und können uns in unseren Kleiderschränken nichts anderes als Dich vorstellen. Allerdings sind wir als Blogger*innen, Content Creators und Influencer*innen auch Teil der Kette und somit gilt auch für uns: bitte faire Bezahlung für unsere Arbeit.

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Support ist keine Einbahnstraße

Du kannst immer auf unsere Unterstützung zählen. Allerdings forderst Du auch viel von uns. Und wir geben Dir diesen Support, wann immer wir können und sehr häufig sogar ungefragt. Wenn wir dagegen Deine Hilfe bei der Umsetzung von Ideen und Projekten brauchen, die am Ende auch wieder Dir zugute kommen, hören wir oft, dass Du keine Kapazitäten oder finanziellen Mittel für uns hast. Das stimmt uns traurig und manchmal auch wütend. Denn immer nur zu fordern, macht Dich egoistisch und irgendwann geht uns die Geduld aus, ständig nur für Dich da zu sein.

Wir haben bei der Gründung unserer Blogs und auf dem Weg in unsere Selbstständigkeiten gelernt, Budgets für unser eigenes Marketing einzuplanen. Es macht uns deshalb immer ein wenig fassungslos, wenn andere Unternehmer*innen diese Ausgaben nicht im Vorfeld einkalkulieren und davon ausgehen, diese Aktivitäten würden selbstverständlich kostenlos für sie zur Verfügung stehen. Dann sprechen wir nämlich nicht mehr von Unterstützung, das geht schon in Richtung Ausbeutung.

PR-Samples zahlen keine Miete

Unsere Vermieter*innen und auch die netten Menschen im Bioladen um die Ecke kennen leider nur eine Währung: cold hard cash (oder die EC-Karte der nachhaltigen Bank unseres Vertrauens). PR-Samples sind Teil unserer Arbeit, denn wie der Name sagt: Sie sind zur Produktvorstellung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit gedacht. In unserem Fall, um sie unseren Leser*innen und unserer Community zu zeigen. Oft sogar mit uns als Model, das vorführt, wie schön die Kleidungsstücke aussehen.

Diese Samples sind für uns Arbeitsutensilien und notwendig, wenn wir Inhalte über Dich produzieren und die Geschichte hinter einzelnen Labels erzählen wollen. Natürlich freuen wir uns sehr, wenn wir die Samples nach getaner Arbeit behalten dürfen. Dann wandern sie in unsere Kleiderschränke und wir ziehen sie häufig und gerne an. Sicherlich auch zu weiteren Fotoshootings oder Veranstaltungen, bei denen wir nach unseren fairen Outfits gefragt werden. Allerdings sind PR-Samples keine Währung, die wir auf Dauer als Austausch für unsere Arbeit akzeptieren können.

Und wenn wir gerade schon dabei sind: Es ist sehr schön, dass Dir die Fotos gefallen, auf denen wir Deine Mode präsentieren. Das heißt, wir haben unseren Job gut gemacht. Diese Fotos auf Deinen Social-Media-Kanälen (mit den entsprechenden Verlinkungen und Tags) zu teilen, trägt auch dazu bei, uns und unsere Arbeit sichtbar(er) zu machen. Aber auch das ist kein Honorar für unsere Leistung, wie uns das leider noch viel zu oft eingeredet wird. Wenn Du die Bilder für Deinen Webshop benutzt oder auf Instagram „shopbar“ machst, dann handelt es sich übrigens um eine kommerzielle Nutzung Deinerseits, die streng genommen zusätzlich (finanziell) vergütet werden müsste.

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Für die gute Sache

Genau wie Du, glauben wir an eine Modewelt ohne Ausbeutung und eine andere Art von Konsum. Das treibt uns an, motiviert uns und lässt uns jeden Morgen aus dem Bett springen. Oft wird dieses „für die gute Sache sein“ leider von Dir ausgenutzt – schließlich setzen wir uns doch alle für eine bessere Welt ein, müssen zusammenhalten und uns gegenseitig helfen.

Das ist vollkommen richtig, denn gegenseitiger Support und damit die Unterstützung der guten Sache ist wichtig und notwendig. Sich gemeinsam für dasselbe Thema stark zu machen, kann aber nicht bedeuten, dass wir unsere Zeit und Leistung immer kostenlos zur Verfügung stellen müssen oder können. Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur unser Thema, auch unser Wirtschaften muss nachhaltig sein (genau wie Deins). Wenn wir am Ende vom Tag nicht von unseren Jobs leben können, endet im schlimmsten Fall unser beruflicher Einsatz für die faire Mode.

Liebe Fair Fashion, das lag uns schon eine ganze Weile auf unseren Modeherzen. Wir arbeiten so gerne mit Dir. Lass uns deshalb bitte viel mehr darüber sprechen, wie wir uns wirklich gegenseitig unterstützen können – sodass wir alle davon profitieren.

Deine Franziska

P.S. Franziska wird ihre Brieffreundschaft mit der fairen Mode in ihrem nächsten Artikel fortsetzen.

Titelbild: (c) Frederik Ferschke
Foto Franziska: (c) Grit Siwonia

 

Was du trägst? Nichts weniger als ein politisches Statement

⎯ »Unpolitisch sein heißt politisch sein, ohne es zu merken.« (Rosa Luxemburg)

Wir sehen dieses Bild überall: volle Einkaufspassagen, bevölkert von ausschließlich glücklichen Menschen, die viele Tüten tragen. Die Verbindung ist leicht hergestellt – es sind diese prall gefüllten, bunten Tragetaschen, die das breite Grinsen auf den glückseligen Gesichtern zu verantworten haben. Die Figuren in den Primetime-Serien, die Menschen auf der leuchtenden Werbetafel an der Bushaltestelle, die Haul-Videos auf YouTube machen es uns vor: Konsum macht Spaß. Oder mehr noch: glücklich.

(Spaß und Glück sind sowohl in Intensität als auch in nachhaltiger Wirkung grundverschieden voneinander. Aber das ist an dieser Stelle nicht so wichtig. Für weitere Gedanken dazu schau‘ doch mal hier vorbei.)

Für viele von uns ist Einkaufen daher weit mehr als das Besorgen von Dingen, die wir brauchen.

Wobei „brauchen“ ganz klar eine Definitionssache ist: Denn was brauchen wir in gut ausgestatteten Wohnungen lebenden, gut genährten und mitten im Leben stehenden Individuen in postmodernen Industriegesellschaften schon?

Die zusätzlichen 60 Kleidungsstücke, die wir jedes Jahr nach Hause tragen, fallen wohl kaum in die Kategorie Lebensnotwendiges. Trotz voller Kleiderschränke kaufen wir jedoch weiter – obwohl wir theoretisch wissen, dass das investierte Geld für den zehnten Rock eigentlich in anderen Projekten besser aufgehoben wäre.

Und noch etwas wissen wir (auch, wenn wir gerne vorgeben, dass dem nicht so ist): Die allermeiste Kleidung, die sich so schön weich und bunt verpackt nach Hause transportieren lässt, macht am Ende vermutlich nur eine*n glücklich. Uns.

Und das auch nur kurzfristig.

Fast Fashion macht nur eine*n glücklich. Und das sind wir. Foto: (c) The True Cost

Die verdrängte Realität

Rana Plaza ist ein Stichwort, bei dem sich die Haare der CEOs von großen Modekonzernen sträuben dürften. Der Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch am 24. April 2013, in dem unter anderem KiK und Primark fertigen ließen, kostete über 1130 Menschen das Leben. Mehr als 2400 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Folgeschäden für die Biografien der Überlebenden sind weder vorstellbar noch im Detail nachweisbar. Man spricht von abgerissenen Händen, Beinen, Armen, Depressionen – physischer wie mentaler Arbeitsunfähigkeit.

Die Aufnahmen gingen um die Welt und brachten die Weltbilder der wohlhabenden Industrieland-Konsument*innen durcheinander. Zum ersten Mal, so scheint es, wurde in vollem Umfang deutlich, was unbedachter Konsum anrichten kann.

Und auch, wenn kein Fabrikgebäude einstürzt: Die Arbeitsbedingungen, unter denen die meiste konventionelle Kleidung hergestellt wird – sei da nun ein preissteigerndes Markenlogo draufgestickt oder nicht – sind alles, nur nicht menschlich.

–        Wenn es gut läuft, verdient eine Näherin in Bangladesch bis zu 32 Cent pro Stunde. Das macht 60 Euro im Monat.

–        Unbezahlte Überstunden (20 oder mehr) gehören zum Alltag.

–        Wer den Produktionssoll nicht schafft, wird entlassen.

–        Pausen gibt es – je nach Firma – wenige bis keine.

–        Sichere Verträge gibt es nicht – die Arbeiter*innen müssen in ständiger Angst vor plötzlicher Kündigung leben.

–        Die Versammlung zu Gewerkschaften und Vertriebsverbänden wird systematisch verhindert.

–        Die Sicherheitsstandards der Produktionsstätten lassen in der Regel zu wünschen übrig und werden wenig bis gar nicht kontrolliert. So kommt es regelmäßig zu Einstürzen und Bränden in Fabrikgebäuden (ein Fall landete kürzlich erstmals in Deutschland vor Gericht).

–        Ungeschützte Arbeit mit Chemikalien und unergonomische Bewegungsabläufe lassen die Arbeiter*innen krank werden und jeden Tag ihr Leben riskieren.

–        Die Kampagne für Saubere Kleidung rechnet vor: Von einem T-Shirt, das 29 Euro kostet, kommen gerade einmal 18 Cent (0,6%) bei den Näher*innen an. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

(Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass diese Zustände nicht nur auf Länder wie Bangladesch oder Indien zutreffen. Auch Mode aus China, Indonesien, El Salvador, der Türkei und aus Europa (Italien, Spanien, Portugal, Polen etc.) wird zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert.)

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Meine Menschenwürde, meine Identität

“Werteorientierungen” spielen eine wichtige Rolle beim Kaufen von Kleidung, sagt Oliver Gansser, Marktforscher für die Essener Hochschule für Ökonomie und Management, in dem vielzitierten Video »Unfaire Mode – der hohe Preis für unsere Kleidung« von der ARD (zu finden hier in der ARD-Mediathek).

“Wir ziehen im Prinzip unsere Wertvorstellungen an, indem wir versuchen, das Image von einer Marke oder eines Herstellers auf uns zu übertragen und damit dieses Image nach außen auszustrahlen.” – Oliver Gansser

Das klingt nachvollziehbar und ist leicht am eigenen Kaufverhalten zu überprüfen. Kleidung bedeckt nicht nur unseren Körper, sie ist darüber hinaus Statement und trägt einen wesentlichen Teil zu unserer täglichen Selbstinszenierung bei.

Kleidung und Identität – diese beiden Aspekte sind eng miteinander verwoben.

“We communicate who we are through clothing.” – The True Cost, Trailer

Ist das noch tragbar oder kann das fair?

Nun stellt sich allerdings die naheliegende Frage: Wenn das der Fall ist – warum sind viele der populären Labels (H&M, Zara, Primark – um nur ein paar zu nennen) eigentlich noch tragbar?

Wenn wir durch die bewusste Entscheidung für Kleidung von spezifischen Labels deren Wertevorstellungen nicht nur zur Schau stellen, sondern außerdem ganz tuchfühlmäßig an unsere Körper lassen, sollten wir wissen, welche Message (und welche Materialien) wir da eigentlich in die Welt tragen.

Das beginnt nicht bei der offensichtlichen Schizophrenie von GRL PWR-Shirts für fünf Euro.

Es beginnt bei einem scheinbaren blinden Vertrauen in Großkonzerne – das in Wahrheit keines ist, sondern auf einer ebenso massiven wie massenhaften Verdrängungsleistung beruht.

Diese Leistung besteht insbesondere darin, nicht sehen zu wollen, dass die Voraussetzung für die Klamotten-Schnäppchenjagd am Samstagnachmittag die systematische Verletzung von Menschenrechten ist.

(Auf Nachfrage geben viele Menschen nämlich an, dass sie sehr wohl glauben, dass mit der Produktion der Kleidungsstücke nicht alles in Ordnung sein kann, wenn man sie für diesen niedrigen Preis erwerben kann. Warum sie dann trotzdem kaufen? In erster Linie aus Bequemlichkeit.)

Mehr noch: dass an unserer Kleidung Blut von Millionen von Menschen klebt, deren Geruch man nur aufgrund der vielen Chemikalien nicht wahrnehmen kann.

“Ich möchte nicht, dass irgendjemand auf dieser Welt Kleidung trägt, die mit unserem Blut hergestellt wurde.” (Shima, 23, Textilarbeiterin im Film The True Cost)

Du hast es dir verdient

Schicksale am anderen Ende der Welt sind physisch weit weg. Das macht es einfach, die Entscheidung für oder gegen das neue Teil auch mental in den hintersten Winkel des Bewusstseins zu verbannen.

Manchmal schleicht er sich hervor (zum Beispiel, wenn jemand kritisch nachfragt oder man eine Doku im Fernsehen sieht, die die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Sweatshops aufzeigt). Statt in unserem Rausch innezuhalten, konsumieren wir noch ein bisschen mehr als sonst. Als könnten wir das schlechte Gewissen mit dem Geld, das wir in den Kaufhäusern lassen, die Rolltreppe Richtung Ausgang hinunterspülen.

Und überhaupt: Wir haben es verdient!

Für die zahllosen Überstunden. Die nervige Nachbarin. Die doofe Steuererklärung.

Dank Dauerniedrigpreise konsumieren wir Mode wie Fast Food – als Belohnung. Zum Spaß, zum schnellen Genuss, der allzu oft einen schalen Nachgeschmack hinterlässt.

Wenn das Kleid nur halb so gut sitzt wie gedacht, weil man sich nicht die Zeit genommen hat, es vor dem Kauf anzuprobieren. Wenn das Shirt nur einen Waschgang in der Maschine überlebt, bevor es die ersten Löcher hat.

Ist nicht so schlimm, war ja nicht teuer. Weggeworfen wird das Teil, auf den Haufen der anderen 1,3 Millionen Tonnen Kleidungsmüll, die wir in Deutschland jährlich produzieren.

Dabei verlieren wir aus den Augen, dass das häufige Kaufen nicht nur für diejenigen, die unsere Kleidung herstellen, kein gutes Geschäft ist. Sondern auch für uns selbst, in zweifacher Hinsicht.

Zum einen sparen wir durch den Kauf günstiger Kleidung nicht – denn das täten wir nur, wenn wir nichts kaufen würden.

Zum anderen dürfen wir uns die Frage stellen, was das Konsumieren von Fast Fashion eigentlich über unser Verhältnis zu uns selbst aussagt.

Wir sagen, wir hätten sie verdient, diese schnell verfügbaren Belohnungen für die Strapazen unseres Alltags.

Doch ähnlich wie Fast Food kann auch Fast Fashion den Hunger nur kurzfristig stillen. Die Begehrlichkeiten werden im Handumdrehen wieder geweckt – und die Jagd geht weiter.

Abgesehen von der Frage, was wir im nicht aufhörenden Produktregen zu finden wünschen und wovor wir weglaufen, ist es wichtig, dass wir uns mit Folgendem beschäftigen: Wir sind doch mehr wert als Polyesterfaser-Mischungen, Kratzen auf der Haut, schiefe Schnitte und Nähte, die sich viel zu schnell verselbstständigen.

Wenn wir es genauer betrachten, ist das Hetzen von Kollektion zu Kollektion und von Trend zu Trend langfristig nichts, was uns glücklich machen kann. Und doch spielen wir das Spiel mit.

Sei es, weil wir über das nötige Kleingeld verfügen, massentauglich angezogen oder gar Trendsetter*in sein wollen oder einfach Spaß am Kaufen haben: Das System Fast Fashion kann nur überleben, weil wir (noch) nicht verstanden haben, dass die Dinge, die wir eigentlich suchen (Anerkennung und Zuneigung) nicht materialisierbar sind.

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Ein System im System

Was wir darüber hinaus nicht verstanden haben, ist die Rolle von Fast Fashion innerhalb des kapitalistischen Systems, in dem wir auch genauso Produzent*innen wie Konsument*innen sind.

Das bedeutet: Einige der wesentlichen Motivatoren für das massenhafte Kaufen und Anhäufen von Kleidung (aber auch von anderen Dingen) können direkt mit den Verhältnissen, denen wir uns aktuell ausgesetzt sehen, um gesellschaftlich zu überleben, in Verbindung gebracht werden.

Und das wiederum heißt unter anderem Folgendes:

–        Je mehr wir arbeiten und je stärker wir das Gefühl haben, nichts für uns selbst tun zu können, desto größer wird unsere Ersatzbefriedigung ausfallen (d.h. desto mehr konsumieren wir).

–        Je weniger Zeit wir zur Verfügung haben, weil wir den Großteil davon arbeitend verbringen, desto eher werden wir das Shopping zum gesellschaftlichen (und damit: sozialen) Event stilisieren (d.h. Verabreden zum Shoppen, riesige Happenings und Event-Kampagnen, die regelmäßig und für immer neue fiktive Anlässe aus dem Boden gestampft werden).

–        Je größer die vermittelte Mangelhaftigkeit des Einzelnen stilisiert wird und je omnipräsenter Vergleichsmöglichkeiten sind, desto mehr konsumieren wir. Vor allem die postmoderne Verpflichtung zur Überindividualisierung lässt in uns ständig das Gefühl aufkommen, nicht genug zu sein. Egal, wie viel wir auf welcher Ebene (an uns) arbeiten.

Sich dieser Mechanismen bewusst zu werden und ihre Wirkmächtigkeit im Hinterkopf zu behalten, hat vor allem einen Effekt: Emanzipation.

Slow und Fair Fashion – sei das nun der Umschwung auf Vintage- und Secondhand-Kleidung, ausschließlich Kleidung aus fairer Produktion oder eine Mischung aus beidem – ist demnach nicht nur eine emancipatio für die Produzent*innen, sondern auch für uns als Konsument*innen.

Emancipatio ist hier wörtlich zu verstehen: Freilassung eines Sklaven.

Was wir brauchen: eine laute, öffentliche Debatte

Das Jahr 2018 hat uns bezüglich öffentlicher Debatten viel gebracht. Wir haben gestritten gegen §219a, haben #wirsindmehr gerufen, sind gegen RWE und für den Hambi marschiert, haben unter #metoo und #metwo über Dinge debattiert, über die wir schon viel zu lange geschwiegen haben.

70 Jahre Menschenrechte (beziehungsweise Menschenrechtserklärung) haben uns daran erinnert, dass die gewichtigen Worte auf Papier nach wie vor für Millionen auf dieser Welt nicht gelten. Für 2019 wünsche ich mir, dass wir für genau diese Menschen laut werden. Wir können den Ruf anschwellen lassen, langsam. Das erste Echo ist der Griff zur verantwortungsvoll produzierten Kleidung.

 

Titelbild Foto: (c) Rawpixel

Deine 30 Days of Fair Fashion-Challenge

Auch, wenn man innerlich schon längst beschlossen hat, dass faire Mode unterstützens- und beachtenswert ist, fällt der eigentliche Umstieg oftmals doch schwer. Gerade zu Beginn erwarten einen hier und da immer wieder kleine Tücken, die es gekonnt zu überlisten gilt. Die erste Jeans, die ersetzt werden muss. Der Wintermantel, der schon lange nicht mehr hält, was er verspricht. Wir kennen diese Probleme und wir können uns noch gut an unsere ersten Tage im Fair Fashion-Kosmos erinnern.

Anfangs möchte man gerne alles perfekt machen, vergleicht sich vielleicht auch viel mit anderen, die schon länger dabei sind. Vergesst aber nie: Nobody’s perfect. Alle haben irgendwann einmal angefangen, ihren Kleiderschrank auf den Kopf zu stellen. Manche radikal von heute auf morgen. Andere step by step. Für die ersten 30 Tage Fair Fashion haben wir eine kleine Starthilfe für euch. Ganz ohne Druck, im eigenen Tempo.

Bist du dabei?

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1 Best Friends

Schnapp dir deine*n beste*n Freund*in und stöbere mit ihr/ihm durch die Vintage- und Secondhandläden deiner Stadt. Vintage und Seconhand sind nämlich (in der Regel) ziemlich nachhaltig, weil nichts Neues produziert werden muss, und machen zusammen gleich doppelt Spaß.

2 Erst denken, dann kaufen

Überlege dir heute nochmal, ob du das Teil, das du dir diese Woche kaufen möchtest, wirklich brauchst. Gibt es vielleicht eine Alternative? Ist es eventuell nur ein Impulskauf? Viele Kleidungsstücke führen ein ziemlich tristes Dasein in unseren Kleiderschränken ohne, dass wir sie überhaupt jemals bräuchten.

3 Repariere dein Lieblingsteil

Oftmals kaufen wir neue Kleidungsstücke, weil die alten ausgedient haben. Das kann das klassische Loch in der Hose sein, der Mantel, bei dem immer alle kleinen Dinge durch die Taschen fallen oder auch der Strickpullover, der Fäden zieht.

In den allermeisten Fällen lassen sich all diese kleinen Unperfektheiten mit ein bisschen Geschick wieder beheben. Wenn du selbst nicht so talentiert mit Nadel und Faden bist, suche dir Hilfe beim Profi. Kleine Reparaturen kosten meistens nicht die Welt und so musst du dein Lieblingsteil nicht ersetzen.

4 #whomademyclothes

Etwas, das wir im täglichen Konsumrausch oft vergessen: Woher kommt dieses oder jenes eigentlich? Wer hat das überhaupt gemacht? Welche Person steckt dahinter? Fashion Revolution fragt seit 2013: Wer hat meine Kleidung gemacht? Du kannst dich dieser Frage anschließen und bewusst nachfragen. Sei es über die sozialen Medien oder direkt in den Shops, in denen du sonst deine Kleidung kaufst.

5 Schaffe dir Raum

Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Kleiderschrank, ist vor allem eines wichtig: Klarheit. Denn nichts ist befreiender als das Auflösen alter Gewohnheiten. Was unbedingt dazugehört? Der Kleiderschrank-Check. Verschaffe dir einen Überblick über deine Kleidungsstücke und sortiere auch die Teile aus, die du schon seit Monaten nicht mehr getragen hast. Heute könnten zum Beispiel deine Pullover dran sein.

Expert*innen-Hilfe gibt es zum Beispiel in dem Buch „Das Kleiderschrank Projekt“ von Anuschka Rees, „Einfach anziehend“ von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn und für die Lesemuffel unter uns bei der neuen Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“, basierend auf Marie Kondos Buch „Magic Cleaning“. Danach hast du nicht nur mehr Platz im Schrank, sondern auch für neue Gedanken im Kopf.

6 Support your locals

Das geht auf vielerlei Wegen. Zum einen ist es toll, wenn du die Läden in deinem Umkreis entdeckst und diese supportest – vor allem natürlich die Fair Fashion-Läden (Lies dazu weiter bei Challenge 13). Aber auch die Dienstleister um die Ecke sind ihren Gang wert. Bring heute doch mal deine Lieblingsschuhe zum Schuster um die Ecke. Eine neue Sohle ist schnell gemacht und du hast für kleines Geld einen fast neuen Schuh.

7 Social Media-Inspo

Suche dir auf deinen Social Media-Kanälen schöne Inspirationen, die dich nicht stressen, sondern dich beim Umstieg auf Fair Fashion motivieren. Folgst du eigentlich schon Fashion Changers auf Instagram?

8 Reinigung statt Neukauf

Anstatt immer gleich alles zu ersetzen, lohnt sich auch der Gang zur Reinigung. Du denkst, der olle Wintermantel tut es nicht mehr? Wart mal ab, wie das Teil strahlt, nachdem du es von der Reinigung abholst! Und das gilt nicht nur für die klassische Textilreinigung. Es gibt zum Beispiel auch spezielle Schuhreinigungs-Dienstleister wie Reshoe aus Berlin.

9 Starte mit Basics

Gerade am Anfang fragt man sich, wo man denn jetzt überhaupt anfangen soll. Basics sind dafür ein guter Start. Sie sind nicht allzu teuer und man kann sich so langsam aber sicher an nachhaltige und faire Mode herantasten. Tolle Shirts findest du wirklich fast überall!

Schau doch mal bei einem dieser Labels vorbei: Grüne Erde, hessnatur, Jan ’n June, Armedangels, Lovjoi oder Melawear. Weitere Inspirationen findest du in unserer Label-Liste.

10 Zeit für Fakten

Du bist jetzt schon gute zehn Tage dabei und einiges hat sich bereits in deinem Kleiderschrank getan. Vielleicht fragen sogar die ersten Freund*innen, was bei dir abgeht? Wenn du für ein Gespräch über faire Mode gute Fakten parat haben willst, schaue dir heute mal den Film The True Cost an. Dort erfährst du jede Menge Hintergründe über die Textilindustrie und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Mensch.

11 Reparieren mit Freund*innen

Du hast es schon ausprobiert und weißt mittlerweile: Reparieren macht Spaß. Diese Freude kannst du jetzt auch mit anderen teilen. Organisiere einen Reparier-Nachmittag. Mit leckeren Getränken, Keksen, ein, zwei oder drei Nähmaschinen und Freund*innen, die Lust auf etwas Neues haben.

12 Mehr Platz im Schuhschrank

Schuhe sind bei vielen ein leidiges Thema. Meistens hat man viel zu viele von ihnen, kann sowieso immer nur einen Bruchteil davon tragen, hat Schuhe, die nicht so richtig passen oder einem schon lange nicht mehr gefallen. Damit ist ab heute Schluss: Der Schuhschrank wird aussortiert. Alles, was nicht wirklich genutzt wird, darf gehen. Wohin, verrät dir Challenge Nummer 16.

13 Offline statt Online

Schaue heute mal, welche kleinen Shops es in deiner Nähe gibt. Oftmals übersehen wir die schönen Alternativen vor Ort. Offline-Shoppen macht ganz oft nicht nur mehr Spaß und unterstützt die Wirtschaft in deinem Kiez, sondern ist auch nachhaltiger und ressourcenschonender.

Die Transportkosten für einzelne Teile durch die Post fallen weg und der CO2-Ausstoß wird somit verringert – vor allem bei Retouren, die du einfach, falls notwendig, zu Fuß erledigen kannst. Außerdem sparst du so unnötige Verpackungsmaterialien, die im Onlineversand zum Einsatz kommen.

14 Deep Talk

Frage dich bei jedem Neukauf: „Brauche ich dieses Teil wirlich?“ „Werde ich es lange tragen?“ „Wie wurde es gemacht?“ Gerade, wenn das kleine Verlangen nach einem schnellen Kauf im nächsten Fast Fashion-Laden aufkommt, hilft es, kurz in sich zu gehen und dann zu entscheiden, ob es das wert ist.

15 Social Media Clean-Up

Halbzeit! Du bist jetzt schon 15 Tage dabei – herzlichen Glückwunsch! Um dich weiter zu bestärken, entrümpel heute mal deine Social Media-Accounts und such dir stattdessen empowernde Feeds. Wer das zum Beispiel sein könnte? Hier findest du eine Liste toller Content Creator im Fair Fashion-Bereich.

16 Spenden statt Wegwerfen

Du hast in den letzten Tagen einiges in deinem Kleiderschrank aussortiert. Bitte wirf diese Sachen nicht weg, sondern spende sie lieber an die Obdachlosen- oder Geflüchtetenhilfe in deinem Ort. Weitere Tipps, was du mit Dingen tun kannst, die du nicht mehr brauchst, findest du hier.

17 Trend-Alert

Ja klar, wir alle lieben Trends. Wir lieben das Spielen mit Mode. Das Ausprobieren, das Neue. Gerade am Anfang kann es so aussehen, als gingen viele Trends an einem vorbei, wenn man nicht jede Woche ins Einkaufszentrum rennt. Aber nicht nur dort warten Trendteile darauf, von dir entdeckt zu werden.

Geh heute mal in einem der zahlreichen Secondhandläden auf die Suche nach Trendteilen. Du willst etwas Spitze? Gab’s schon mal! Du bist Rüschen verfallen? Findest du ganz sicher! Die Schlaghose ist zurück? Richtig, sie war nämlich schon mal da.

18 Time to talk

Du bist jetzt schon über zwei Wochen dabei, hast einiges gelernt und sicherlich viele Erkenntnisse über dich und deinen Kleiderschrank gesammelt. Erzähle heute mal einer*einem Freund*in davon und teile deine neue Fair Fashion-Leidenschaft.

19 Upcycling

Dieses eine Kleidungsstück hat nun wirklich endlich mal ausgedient? Klar, wird auf jeden Fall vorkommen. Statt es direkt auszusortieren, kannst du dir überlegen, ob man vielleicht noch etwas Neues daraus machen kann. Eine Jeans wird im Handumdrehen zur Tasche. Ein alter Pullover zum Kissenbezug.

20 Neue Lieblinge

Entdecke neue Lieblings-Labels. Nach all den Jahren im Fast Fashion-Geschehen, kann es richtig befreiend sein, endlich mal wieder so richtig auf Schatzsuche zu gehen. Sieh es als motivierende Challenge an, Kleidungsstücke zu finden, die deinem Geschmack entsprechen. Vorschläge dafür findest du zum Beispiel in der Fashion Changers Label Liste.

21 Spare Geld und Zeit!

Okay, sparen klingt jetzt erstmal nicht so wahnsinnig attraktiv. Du wirst aber schnell merken, dass durch das Wegfallen ständiger Shopping-Eskapaden schnell mehr Zeit da ist. Und ja, auch mehr Geld. Denn, wenn man nicht drei Mal im Monat fünfzig Euro bei H&M, Zara & Co. lässt, hat man am Ende des Monats vielleicht 150 Euro übrig, die man in das Fair-Fashion-Teil der Begierde investieren kann. Wirklich wahr.

22 Give back

Freund*innen und Familie machen wir oftmals gerne eine kleine Freude in Form von Textilien & Co. Statt dem x-ten H&M-Gutschein könntest du heute die coolen, nachhaltigen Socken aus dem Fair Fashion-Laden um die Ecke kaufen. Versprochen: Dieses Socken-Geschenk macht (fast) jeden glücklich.

23 Family First

Durchstöbere mal den Schrank deiner Mama, Oma oder den eines*einer Freund*in und nimm dir, nachdem du natürlich gefragt hast, die schönsten Teile mit. Dabei kommen oftmals richtige Schmuckstücke zum Vorschein!

24 Kleidertausch-Fun

Veranstalte eine Kleidertauschparty mit Punsch und Freund*innen. So kann man nicht nur endlich mal das schöne Kleid, was man schon lange bei der Freundin angehimmelt hat, tragen und ausleihen, sondern vielleicht auch ein wenig mit dem eigenen Stil experimentieren.

25 Repair-Café

Es ist wieder Zeit zum Reparieren. Und das geht nicht nur alleine, mit Freund*innen oder bei einem Dienstleister, sondern auch in sogenannten Repair-Cafés, die es immer häufiger gibt. Dort kann man in Gesellschaft alles Mögliche reparieren – auch deine kaputte Hose.

26 Flohmarkt statt Fast Fashion

Wochenende ist Flohmarkt-Zeit. Schau dich auf einem Flohmarkt in deiner Nähe nach neuen Lieblingsteilen um. Sowohl Vintage als auch Secondhand findet man oftmals zuhauf. Und das zu echt unschlagbaren Preisen. Oder miete dir selbst einen Flohmarktstand und verkaufe deine aussortierten Sachen!

27 Frag nach!

Frage heute mal in deinem (einstigen) Lieblings-Shop, ob sie auch fair produzierte Kleidung im Sortiment haben oder ob sie wissen, wo ihre Kleidung herkommt. So kommt man über ein so wichtiges Thema nicht nur easy ins Gespräch, sondern bekommt vielleicht sogar ganz nebenbei noch mit, dass doch schon einiges vorhanden ist.

28 Mode ist politisch

Zeit deine neu gewonnene Fair Fashion-Stimme zu nutzen. Mode ist immer auch politisch. Nimm dir heute ein wenig Zeit einem*einer Abgeordneten in deinem Bezirk oder auch im Bundestag zu schreiben. Teile ihm/ihr mit, dass du dir eine gerechtere Modeindustrie wünscht.

29 Pimp your style

Wie gesagt, es kann manchmal ein wenig dauern, bis man auch komplett fair seinen eigenen Stil gefunden hat und alles so umsetzbar ist, wie man es sonst so schnell gewohnt war. Eine gute Möglichkeit, um wieder etwas mehr Aufregung in die Garderobe zu bringen, sind Accessoires. Diese findest du zum Beispiel in Secondhandläden. Außerdem kannst du jetzt mal schauen, wo man schönen und fairen Schmuck herbekommt.

30 Werde aktiv!

Du hast jetzt schon richtig viel Power und in den letzten 30 Tagen so einiges geschafft. Nutze dies und schaue, wo du deine Stimme noch für eine fairere Welt einsetzen kannst. Egal, ob online oder offline. Alles ist wichtig! #letschangethatfashiongame

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Titelbild: © Thu Anh