Oh My Valentine! – Das Geschäft mit der Liebe

Mein E-Mail-Postfach läuft über vor Liebe. Nicht etwa, weil mir alle zum Geburtstag gratulieren, sondern weil mir alle Valentinspost schicken. Schließlich sollte man den Liebsten an diesem besonderen Tag eine Freude machen – ob mit einfallslosen Geschenken wie Rosen und Pralinen (wie romantisch!), mit drei Hosen für den Preis von zwei (sharing is caring!) oder dem neuesten Amazon-Kindle-Angebot (keine Ahnung, was das mit Liebe zu tun hat!?): Irgendwas kann man immer verschenken.

Unter dem Deckmantel der Liebe

Ich bekomme mit jedem Jahr verstärkt das Gefühl, dass Valentinstag in der Liste der unnötigen Konsumtage sukzessive vorrückt. Vielleicht bin ich hier auch nicht ganz unvoreingenommen, weil ich am 14. Februar Geburtstag habe. Trotz dessen kann ich mich nicht daran erinnern, dass mir früher beim Diktieren meines Geburtstages ein begeistertes “Oh, ein Valentinskind!” entgegenkam. Heute ist das anders. Egal wo, ob beim Telefonat mit meiner Krankenkasse, beim Bürgeramt oder beim Arzt, alle sind mit Blick auf meinen Geburtstag ganz aus dem Häuschen. Seit ein paar Jahren bekomme ich zudem verstärkt diese Absagen, wenn ich zu meinem Geburtstag einlade: “Nee, sorry, da habe ich schon ein Valentinsdate.” Valentinstag ist auf einmal ein Ding. Als Kind habe ich übrigens nicht einen einzigen Gedanken an diesen Tag verschwendet – höchstens habe ich mich gelegentlich gefragt, was es mit diesem “Valendienstag” auf sich hat und warum das wider Erwarten nicht immer an einem Dienstag ist. Nun gut, meine persönlichen Befindlichkeiten mal ausgeklammert, ist mir der Valentinstag vor allen Dingen deswegen suspekt, weil sich Unternehmen immer absurdere Valentinstagsaktionen einfallen lassen. Alles unter dem Deckmantel der Liebe. Laut Statista kauft nahezu jede*r zweite Deutsche dieses Jahr ein Valentinsgeschenk und jede*r Fünfte gibt dafür mehr als 50 Euro aus (Quelle).

Wie konnte es nur soweit kommen?

Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? Kurz zusammengefasst: Der Valentinstag geht auf den heiligen Valentinus zurück, einem römischen Märtyrer, der verbotene Eheschließungen vorgenommen haben soll und dafür am 14. Februar 269 sein Leben lassen musste – eine nicht ganz unumstrittene Legende. Im 14. Jahrhundert tauchte der Valentinstag dann erstmals in Liebesgedichten auf – das bekannteste ist wohl das Gedicht “Parlement of Foules” von Geoffrey Chaucer, das er anlässlich der Verlobung von König Richard II. von England und Anne von Böhmen verfasste, und in dem die Rede vom Valentinstag ist. Heute ist der Valentinstag nicht mehr nur Dichter*innen und dem Adel vorbehalten, sondern erfreut sich dank seiner Kommerzialisierung einer weltweiten Bekanntheit, von der insbesondere Schokoladenhersteller und der Blumenhandel profitieren.

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In Deutschland wurde der Valentinstag nach dem 2. Weltkrieg von in Westdeutschland stationierten US-amerikanischen Soldaten unter die Leute gebracht und so gab es 1950 in Nürnberg den ersten Valentinsball. Im Kirchenkalender ist der Heiligengedenktag aufgrund der ungeklärten Quellenangaben übrigens seit den 1970er Jahren nicht mehr zu finden. Aber zu diesem Zeitpunkt waren ohnehin schon alle im Valentinsfieber. Laut der U.S. Greeting Card Association (yup, die gibt es wirklich) werden in den USA jedes Jahr 190 Millionen Valentinsgrüße verschickt, was 1 Milliarde US Dollar entspricht. In Deutschland zählen laut Statista Parfüm und Kosmetik (30,0 Prozent), Schokolade (23,7 Prozent), Schmuck (23,2 Prozent), Mode (18,4 Prozent) und Blumen (15,1 Prozent) zu den beliebtesten Geschenken. Angeblich steigt zum Valentinstag auch die Anzahl der Heiratsanträge und der Registrierungen bei Online-Partnerbörsen.

Dass Unternehmen keine Kosten und Mühen für eine Marketingkampagne zum Valentinstag scheuen, verwundert eher weniger. Dass aber speziell hierfür Produkte hergestellt werden, die am nächsten Tag schon niemand mehr will oder vielleicht auch einfach sexistisch sind, ist einfach nur absurd, wie zum Beispiel diese Auswahl an Valentinsprodukten und -kampagnen bei Horizont zeigt. Statt uns gegenseitig Donuts in Herzform zu schenken (was ja irgendwie schon noch ganz sweet ist) oder Sushi aus Herzplastikschalen zu essen, wären wir besser damit beraten, einen Liebesbrief an Mutter Erde zu schreiben – gerne mit einem fetten “P.S. Sorry, for breaking your heart”. Vielleicht macht Hallmark ja sogar Karten dafür?

Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen:

Endlich gibt es Sushi auch im Plastikherz:

Was würdet ihr viel lieber statt herzlosem Ramsch zum Valentinstag verschenken?

 

Titel-Collage: © Bloomy Days, © Screenshot Amazon.de, © Wyron A/Unsplash.com, © Clem Onojeghuo/Unsplash.com

Nach beruflichen Stationen im Literaturbetrieb macht Nina inzwischen das, wofür sie brennt. Neben den Fashion Changers co-gründete sie mit Melanie Hauke die Videoproduktionsfirma nXm, die 2018 den 1. Deutschen Buchtrailer Award gewann. Seit 2013 bloggt Nina auf Pink & Green über Nachhaltiges, Literarisches und Co. Außerdem träumt sie von einem eigenen Buchclub und würde gerne mal einen Tag mit Grace Coddington und ganz viel Haute Couture verbringen. Ehrenamtlich engagiert sich Nina für den Verein future fashion forward e.V.

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