Wie fair ist der Black Friday?

Morgen ist wieder Black Friday – einer der umsatzstärksten Tage des Jahres für den (Mode-)Einzelhandel. Der Handelsverband Deutschland rechnet 2020 mit einem Umsatz von 3,7 Milliarden Euro rund um Black Friday. Mit sehr hohen Rabatten von 70 Prozent und mehr wird es vom 27.11. bis zum Cyber Monday, dem 30.11., aller Voraussicht nach auch dieses Jahr wieder Rekordverkäufe geben.

Traditionell wird der Black Friday am letzten Novemberwochenende, dem Freitag nach Thanksgiving begangen. Damit läutet der gefeierte Shopping-Tag die Weihnachtssaison im Einzelhandel ein. In den USA, dem Ursprung dieser kauffreudigen Tage, ist diese Tradition bereits fest verankert. 1961 lockten erstmals findige Einzelhändler:innen mit gezielten Rabattaktionen ihre Kund:innen in die Stadt. Und das so erfolgreich, dass die Menge an Menschen nur noch als schwarze Masse zu erkennen war: der Black Friday war geboren. Der Cyber Monday hingegen entstand als Antwort des Onlinehandels auf den Erfolg des stationären Handels. Auch sie wollten von den Rabattaktionen und dem Kaufrausch profitieren.

Nachdem diese Tage auch in unseren Innenstädten und Onlineshops Einzug gehalten haben, wurden in den letzten Jahren aber auch kritische Stimmen immer lauter. Der oft maßlose Konsum so kurz vor Weihnachten lässt viele Fragen offen: Wie können so extrem hohe Rabatte eigentlich entstehen? Und wie funktioniert das System dahinter? Muss es am Ende nicht immer auch Verlierer:innen geben, die vom vermeintlichen Black-Friday-Erfolg wenig sehen?

Black Friday-Rabatte könnten 2020 noch extremer ausfallen als in den Jahren zuvor

Auch Marian von Rappard, der Gründer des Eco Jeans Labels DAWN Denim, glaubt, dass die Rabatte und Verkaufszahlen dieses Jahr sogar noch mehr in die Höhe schnellen werden: „Viele haben volle Lager und müssen die Sachen loswerden, um genug Cashflow zu haben, um Gehälter zu bezahlen.“ Das sieht er kritisch, denn die hohen Rabatte bleiben nicht ohne Folgen. Mit seinem Label DAWN hat er sich dazu entschieden, überhaupt keine Rabatte während des Black Friday-Wochenendes anzubieten.

Wieso Marian diese Entscheidung für die Glaubwürdigkeit seines Labels wichtig findet, wie es überhaupt zu solchen Preisen kommen kann und was das am Ende mit partnerschaftlichem Arbeiten auf Augenhöhe zu tun hat, haben wir mit dem Gründer des Jeans-Modelabels besprochen.

Interview mit Marian von Rappard, Gründer DAWN Denim

„Als nachhaltige Brand muss man sich immer fragen, ob man Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt, wenn man plötzlich am Black Friday Konsum propagiert.“

Fashion Changers: Jedes Jahr werden am Black Friday hohe Rabatte angeboten. Für Unternehmen und den Einzelhandel ist es einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. Bei Dawn sagt ihr ganz bewusst, dass ihr keine Rabatte anbietet. Verzichtet ihr damit auch auf Umsatz?

Marian von Rappard: „Bei Dawn propagieren wir einen nachhaltigen Lebensstil und wollen bewussten Konsum fördern. Bei so hohen Rabatten mitzumachen wäre für uns ein Widerspruch, das passt nicht zusammen. Klar, wir sind trotz unserer nachhaltigen Ausrichtung natürlich auch eine Brand, die Produkte verkaufen möchte. Solche Rabattaktionen, die zu gedankenlosem Konsum ankurbeln würden wir aber nie machen. Vielleicht verzichten wir dadurch auf Umsatz, das kann sein. Wir haben tatsächlich noch nie bei so einer Aktion mitgemacht und haben daher keinen Vergleich. Unsere Glaubwürdigkeit ist uns wichtiger.“

Auf eurer Webseite kommuniziert ihr auch, dass die nachhaltigste Jeans die ist, die schon im Schrank hängt und dass Dawn Denim nur die Option danach sein möchte.

„Genau, das ist einer unserer Leitsätze. Das gehört für mich auch zum Thema Glaubwürdigkeit dazu. Als nachhaltige Brand muss man sich immer fragen, ob man Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt, wenn man plötzlich am Black Friday dann Konsum propagiert. Gleichzeitig ist die Situation mit Corona jetzt besonders schwierig. Viele haben volle Lager und müssen die Sachen loswerden, um genug Cashflow zu haben und Gehälter zu bezahlen. Deswegen denke ich auch, dass der Black Friday dieses Jahr besonders extrem ausfallen wird. Die Lager sind voll und der Verkaufsdruck steigt, auch weil man Umsatzausfälle aus dem Frühjahr vielleicht wieder reinholen will oder muss.“

Wie stehst du generell zum Thema Sale und Rabatte – auch außerhalb des Black Fridays?

„Ganz drumherum kommt man nie. Es ist schwierig, immer nur zu den regulären Preisen zu verkaufen, zum Beispiel, wenn man nur noch wenige Größen zur Verfügung hat. Dann ist es meist schwer am ursprünglichen Preis festzuhalten, weil einzelne Größen oft als totes Kapital im Lager liegen. Man sollte aber Rabattaktionen nicht schon von Anfang an mit einplanen. Genau das passiert aber zum Beispiel am Black Friday. Für solche Rabattaktionen wird häufig extra billiger eingekauft. Am Ende steht da dann 70 Prozent Rabatt, in Wahrheit war aber einfach der Einkaufspreis viel geringer. Stattdessen sollte es darum gehen, bedarfsorientiert zu handeln, das ist mit dem Saisongeschäft in der Modebranche oft schwierig und Corona macht es noch komplizierter.

Als Einzelhändler steht man in diesem Jahr auch vor Fragen wie: Kaufe ich jetzt von diesem Produzenten oder werden sie wegen eines Lockdowns die Ware viel zu spät liefern? Ist mein Laden vielleicht selbst bald wieder einige Wochen zu? Auch für Produzenten ist es schwierig: Werden meine Kunden digital bei mir ordern? Welcher meiner Kunden gibt es überhaupt in ein paar Monaten noch und wie viel soll ich produzieren?“

Du hast gerade schon Rabatte mit 70 Prozent oder sogar noch mehr angesprochen und wie das überhaupt sein kann, zum Beispiel indem extra dafür eingekauft wird. Welche Strukturen stecken noch dahinter?

„Am Black Friday stehen neue, volle Sortimente im Laden. Da geht es also nicht darum, dass man Restware aus den Lagern nun zu einem günstigeren Preis anbietet, um sie loszuwerden. Diese Sachen werden extra für den Black Friday eingekauft – und zwar so günstig, dass man sie gut zu einem sehr kleinen Sale-Preis anbieten kann und das über die Masse trotzdem sehr lukrativ ist. So entstehen ‚Fake-Preise‘, da nicht wirklich 70 Prozent reduziert wird. Wenn man solche Preise anbieten will, muss man entweder die Menge der verkauften Teile erhöhen oder die Qualität runterschrauben. Die bekannten Fast Fashion-Brands suchen gezielt Textilfabriken, die gerade keine Aufträge haben, aber unbedingt welche brauchen, um überleben zu können. Dann ist die Ansage: ‚Willst du nicht lieber diesen sehr schlecht bezahlten Auftrag als gar keinen?‘ Wenn man keine andere Wahl hat, geht man darauf ein, um wenigstens die Fixkosten in der Fabrik zu decken.“

Ware, die extra für Black Friday billig eingekauft wird? Wir wollten es genauer wissen und baten Ökonomin und Geschäftsführerin von UnternehmensGrün Dr. Katharina Reuter zum Gespräch. Problematisch sei aus Sicht von Katharina Reuter, dass mitten in der Rabattschlacht wichtige Produkteigenschaften wie Qualität, Service oder Nachhaltigkeit in den Hintergrund rücken. Und das Geschäft der billigen Beschaffung ist, wie von Marian von Rappard festgestellt, tatsächlich kalkuliert. „Wenn die Rabatte an den Hersteller weitergegeben werden, passiert das nicht spontan. Solche Vereinbarungen sind Teil der Einlistungsgespräche.", so Reuter.

Mal angenommen, ihr würdet die gleichen Rabatte zu Black Friday anbieten wollen, wie konventionelle Anbieter – was müsstet ihr tun? Oder geht das mit einem fairen und nachhaltigen Geschäftsmodell eigentlich nie?

Marian von Rappard: „Das würde vielleicht gehen, wenn wir die 10 oder 100-fache Menge verkaufen würden. Wir haben ja eine eigene Textilfabrik in Vietnam, das heißt auch, dass wir den Betrieb gleichmäßig am Laufen halten wollen, ohne extreme Peaks. Wenn ich jetzt die Kapazitäten verzehnfachen will, weil ich Black-Friday-Preise anbiete, dann müsste ich viele neue Leute anstellen. Aber was passiert dann danach mit diesen Leuten, wenn man diese Kapazitäten nicht mehr braucht? Die meisten Brands haben keine eigenen Textilfabriken und beauftragen dann zum Beispiel acht zusätzliche, externe Fabriken, wenn sie das Produktionsvolumen erhöhen wollen. Nach dem Black Friday sackt dann alles wieder ab und das ist wiederum eine gute Vorlage für das Dumping, das wir vorher am Fast Fashion-Beispiel besprochen haben – ein Teufelskreis. Man kann also sagen: Wenn man langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe pflegen will, kann man diese Preise nicht anbieten.“

Open Factory Day in Saigon. Damit alle kontinuierlich beschäftigt sein können, ist Marians Ziel, die Auslastung konstant zu halten und keine extremen Peaks im Produktionsvolumen anzustreben.

Es kommt also auch darauf zurück, dass das System Mode generell seine Tücken hat.

„Im Moment versuchen Idealist:innen die Modeindustrie zu verbessern und etwas anders zu machen. Für den großen Shift brauchen wir aber die Politik, die Incentives schafft und Rahmenbedingungen gibt. Ich habe zum Beispiel seit drei Jahren versucht, Solarpanels auf dem Dach unserer Fabrik zu installieren. Wir wollten einen Permakulturgarten auf dem Dach mit Solarpanels, unter denen man in der Pause sitzen kann. Das wurde mir aus bürokratischer Richtung so schwer gemacht, dass ich nach zwei Jahren aufgegeben habe.

Durch den Mangel an Energieversorgung gibt es jetzt eine Solar-Strategie der vietnamesischen Regierung und entsprechende Förderungen. Es ist oft frustrierend, wenn man sich vergebens an solchen Vorhaben abarbeitet. Aber es stimmt mich auch hoffnungsvoll, dass die richtigen Rahmenbedingungen dazu führen können, dass nicht nur kleine Idealist:innen-Gruppen am Wandel arbeiten. Es gäbe da viele Möglichkeiten, zum Beispiel weniger Besteuerung für Unternehmen mit CSR-Abteilung.“

„Wenn man langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe pflegen will, kann man diese Preise nicht anbieten."

Einen weiteren wichtigen Aspekt, den die Black-Friday-Aktionen mit sich bringen, spricht Ökonomin Katharina Reuter an: „Ich sehe die Gefahr von Spontankäufen, ohne dass sich die Menschen fragen, ob sie das super-günstige Schnäppchen überhaupt benötigen. Rabattschlachten sind für den Handel wie süchtig sein – du brauchst für deinen Erfolg gleich wieder die nächste Rabatt-Aktion. Das ist alles andere als nachhaltig.“

Was nachhaltige Unternehmen dem sinnlosen Konsum entgegensetzen können

Fashion Changers: Dieses Jahr startet ihr auch die Aktion #SaveDreamsNotMoney um deutlich zu machen, dass die Rabatte sich auch wieder konkret auf Menschen auswirken. Warum habt ihr euch für diesen Kommunikationsweg entschieden?

Marian von Rappard: „Wir wollen erreichen, dass man nicht nur versteht, das da ein Mensch hinter der Kleidung steht, sondern auch, dass dieser Mensch Träume und Wünsche hat, genau wie du und ich. Wir haben unsere Mitarbeiter:innen für ein Video gefragt, was ihre Träume sind. Sie reichen vom Wunsch, dass Covid verschwindet bis zu einem eigenen Haus oder dass die Luft in Saigon besser wird. Das zeigt auch, dass unsere Wünsche überall auf der Welt manchmal gar nicht so unterschiedlich sind.

Deswegen haben wir auch Tipme eingeführt, ein Service, mit dem Konsument:innen direkt an Näher:innen ein Trinkgeld geben können. Es geht nicht so sehr um das Geld an sich, denn unsere Mitarbeiter:innen in der Fabrik haben sowieso ein Living Wage (Anm. d. Redaktion: Existenzsichernder Lohn, der zum Leben reicht). Vielmehr stärkt es die Verbindung zueinander und ist ein guter Treiber für Transparenz. Denn man kann nur Trinkgeld geben, wenn man genau weiß an wen die Überweisung geht und entsprechend die Kontonummer hat. Außerdem wollten wir unseren Mitarbeiter:innen zeigen, dass die Leute in Europa während Corona nicht nur Klopapier auf Vorrat kaufen, sondern auch Solidarität zeigen. In der Fabrik haben wir eine Grafik, auf dem wir das Trinkgeld einzeichnen. Vor drei Wochen gab es die erste Auszahlung an unsere Mitarbeiter*innen. Es kamen über 4000 Euro zusammen und das war schon sehr cool. “

Eins ist klar: Das System der Rabattschlachten bringt nicht nur Gewinner:innen hervor. Unser Konsum beeinflusst Menschen sehr direkt. Denn es sind immer Menschen, die in der Wertschöpfungskette dafür sorgen, dass ein Produkt entstehen kann. Wenn wir fair und gerecht gegenüber diesen Menschen sein wollen, müssen wir extreme Rabattsysteme wie das von Black Friday hinterfragen.

Fashion Changing News: Reparaturpflicht und klare Kante gegen Rechts

Ihr wollt wissen, was in der (Fair) Fashion Branche passiert? Welche spannenden Entwicklungen und News es gibt? Dann kommen hier unsere Fashion Changing News für euch.

Gesetzliches Recht auf Reparatur kommt

Aus einer Stellungnahme der EU-Grünen-Politikerin Anna Cavazzini geht hervor, dass sich der Binnenhandelausschuss des EU-Parlaments für ein Recht auf Reparatur ausspricht. Die Stellungnahme der Ausschussvorsitzenden Cavazzini wurde demnach im Ausschuss angenommen und beinhaltet folgende Punkte, auf die man sich in Zukunft einstellen darf.

  • Right2Repair – Recht auf Reparatur
    Zentrale inhaltliche Forderung der Stellungnahme war das grundlegende Recht auf Reparatur. Das bedeutet: Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Updates und Anleitungen für unabhängige Werkstätten und Initiativen sowie eine Garantie, die die Reparatur dem Austausch bevorzugt.
  • Digitaler Produktpass
    Verbraucher:innen sollen Zugang zu allen Informationen haben. Darum will der Ausschuss einen digitalen Produktpass für mehr Transparenz in der Lieferkette und Öko-Labels, die halten was sie versprechen.
  • Nachhaltigkeitsstandards
    Nachhaltigkeitsstandards wie Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit sollen für alle Produktgruppen gewährleistet werden. Verbraucher:innen müssen wissen, dass alles, was sie kaufen können, Mindestanforderungen an Nachhaltigkeit entspricht.
  • Herstellerverantwortung im gesamten Lebenszyklus des Produkts
    Nachhaltigkeitsstandards dürfen nicht auf Kosten der Verbraucher:innen gehen. Es muss geprüft werden, ob die Garantie an die erwartete Lebensdauer angepasst werden kann. Die Grünen plädieren für die direkte Herstellerverantwortung – von Produktion bis Entsorgung.
  • Re-Use in öffentlicher Beschaffung
    Grüne und Soziale Beschaffung soll sektorspezifisch gesetzgeberisch festgelegt werden. Hierzu gehört auch der Einkauf von Secondhand-Waren. Außerdem soll durch den Zerstörungsstopp unverkaufter Waren die Wiederbenutzung angeregt werden. 

Buki Akomolafe für L’Belle Awards nominiert

Das Berliner Modelabel Buki Akomolafe ist bei den diesjährigen L’Belle Awards in der Kategorie „Fashion Icon of the Year“ nominiert. Die Preisverleihung findet am 28.11.2020 in Paris statt. Wir drücken die Daumen!

Das Motto des Awards 2020: World of Colors, also die Welt der Farben. Das Motto ist nach Angaben der Macher:innen inspiriert von der großen kulturellen Vielfalt Afrikas, das sich in den Menschen, den Sprachen, den verschiedenen Ethnien, Traditionen, Religionen, Ressourcen und den individuellen Vergangenheiten widerspiegelt. Die Preisverleihung soll dazu dienen genau diese Vielfalt zu zelebrieren und dabei den afrikanischen Kontinent, dessen Wirkung weltweit spürbar ist, erstrahlen zu lassen.

Über die gleichnamige Modedesignerin Buki Akomolafe findet ihr auch ein spannendes Porträt in unserem Buch „Fashion Changers – Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können.“

Kollektions-Launch MOOT

Das Label MOOT haben wir euch bereits als eines der Newcomer-Entdeckungen des Jahres vorgestellt. Jetzt launcht das Label eine neue Kollektion und die kann sich wirklich sehen lassen. MOOT überzeugt nicht nur durch freshes Design, sondern auch durch ihre Philosophie hinter dem Label.

Made Out Of Trash – der Name, der sich hinter dem Akronym MOOT versteckt, ist Programm: Das Upcycling-Label produziert tragbare Unisex-Mode massentauglich aus Textilmüll. Gefertigt werden die Kleidungsstücke in Berlin. Die T-Shirts und Longsleeves aus der neuen Kollektion entstehen aus ausrangierter Jersey-Bettwäsche. Die kuscheligen Winterjacken aus Wolldecken. Diese stammen aus der Sortierung in Quakenbrück. Die gewählten Stücke kommen dann in die Färberei nach Marburg und von dort zur Näherei nach Berlin. All in all legt ein Kleidungsstück bei MOOT lediglich 500 – 800 Kilometer zurück.

Wer sich jetzt persönlich von den Teilen überzeugen will, dem sei der Pop-up-Shop bei rack ’n white in der Brunnenstraße 12 in Berlin empfohlen. Dort gastiert das Label aktuell.

Yogis gegen Rechts

Mit dem Instagram-Kanal @shantifa_yogisgegenrechts launcht ein Kollektiv aus Yogi:nis ein starkes Statement gegen Rechts. Das Motto: „Manchmal erfordert Anstand Abstand“. Auf dem Social-Media-Kanal zeigen sich viele verschiedene Yoga-Praktizierende mit eindeutigen Botschaften gegen Menschenfeindlichkeit und für ein tolerantes Miteinander. Auch mit dabei: unsere Lieblings-Yoginis von Fuck Lucky Go Happy.

Dass die Yogaszene politisch Stellung bezieht, ist längst überfällig. Gerade in Zeiten von Coronaleugner:innen und dem oft schmalen Grat zu esoterischen, alternativen Heilmethoden, Impfgegner:innen & Co.

Neuer Podcast: Fashion Africa Now

Lange war es angekündigt, jetzt ist er endlich da: der Fashion Africa Now Podcast. In diesem spricht die Fashion Africa Now-Gründerin Beatrace Angut Oola mit Designer:innen, Kreativen, Historiker:innen, Wissenschaftler:innen, Modemenschen und Branchenexpert:innen darüber, was Mode heutzutage für den afrikanischen Kontinent bedeutet. Wie es in der Vergangenheit aussah und was die Zukunft bringt.

Und auch das Thema Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit darf nicht zu kurz kommen. Genau deswegen war auch Fashion-Changers-Co-Gründerin Jana zu Gast bei Beatrace. In Folge 2 könnt ihr den Beiden (auf Englisch) lauschen, wie sie darüber sprechen, warum Conscious Fashion die Zukunft ist.

„Fashion is a vehicle to improve certain things and empower people.“

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Lovjoi gewinnt Vegan Fashion Award

Bereits zum siebten Mal zeichnet PETA Deutschland in diesem Jahr Labels aus, die auf eine vegane Verarbeitung Wert legen. Damit will die Tierrechtsorganisation zeigen, dass stylische Kleidung auch ganz ohne Tierleid auskommen kann.

In diesem Jahr ist auch das vegane Fair-Fashion-Label Lovjoi unter den Gewinner:innen. Ihr Kleid ERICA kann in der Kategorie „Bestes Fashion Piece Damen Sommer“ punkten. Überzeugt hat die Jury wohl das farbenfrohe Muster. Wir gratulieren!

Weitere Fair-Fashion-Labels unter den Gewinner:innen: Dariadeh, HempAge, EYD Clothing, Dedicated, Doublethwears, LangerChen und Monkind

Neue Leihmode: Fairnica x Greenstyle

Fairnica, das Mietmodell mit Capsule-Wardrobe-Prinzip, hat eine neue besonders interessante Kapsel zum Leihen herausgebracht. Gemeinsam mit der Journalistin, Content Creatorin und Messeveranstalterin Mirjam Smend von Greenstyle hat Kapsel Pauline das Licht der Welt erblickt. Das Besondere? Die Capsule Wardrobe wurde insbesondere an den Bedürfnissen einer Businessgarderobe ausgerichtet. Clever!

Public Climate School von Students for Future

Vom 23. bis 27.11. rufen die Students for Future zur dritten "Public Climate School" (PCS) auf. Diese wird aufgrund der Corona-Pandemie komplett digital in Deutschland und Österreich stattfinden. Mit dem Projekt soll ein Modell für zukünftige Bildung geschaffen werden, in dem die Klimakrise verstärkt thematisiert wird und in dem Bildung offen für alle ist.

Ziel der dritten Public Climate School ist es, Bildungskonzepte und klimapolitische Inhalte in einem „alternativen Stundenplan“ zu vermitteln, um so aufzuzeigen, wie Bildung im Kontext von Visionen der Klimagerechtigkeit aussehen könnte. Hierzu werden Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus verschiedensten Fachbereichen, Vorträgen, Diskussionen und Workshops anbieten.

Innovatives Design von Akjumii

Das Fair-Fashion-Label Akjumii geht mit einem besonders ausgeklügelten Design ins Rennen. In ihrer aktuellen Crowdfunding-Kampagne präsentieren sie den 3in1 Coat. Der Mantel ist nicht nur super innovativ wandel- und einsetzbar - er fungiert als Mantel, Jacke und Weste. Nein, das Label geht noch einen Schritt weiter und gibt eine lebenslange Garantie auf das besondere Kleidungsstück. Akjumii zeigt, dass es viele Ideen gibt, die Modewelt besser zu machen.

Special Black-Friday-Aktion: Xeno verdoppelt Preise

Statt sich an der Black-Friday-Rabattschlacht zu beteiligen, erhöht die Hamburger Naturkosmetikmarke Xeno am Black Friday ihre Preise um 100 Prozent. „Fehlkäufe sind für niemanden gut. Noch nicht mal für den
Verkäufer. Ich rate manchmal Kunden vom Kauf unserer Produkte ab, wenn ich merke, dass die Kundin oder der Kunde eigentlich etwas anderes benötigt. Ich glaube daran, dass das langfristig für alle am besten ist: Für unsere Kunden, für die Umwelt, für uns und damit auch für unsere Lieferanten“, begründet Xeno-Gründerin und -Geschäftsführerin Lara Schimweg den Hintergrund der Aktion.

Dass sie dadurch am Black Friday wahrscheinlich keinen nennenswerten Umsatz machen wird, nimmt Lara in Kauf. Und falls die Kasse doch klingeln sollte: Der Umsatz aller am 27.11. verkauften Produkte wird in die Weiterentwicklung eines Refill-Systems investiert. Starke Aktion!

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Was ist eigentlich Naturkosmetik?

Weitere Black-Friday-Aktionen in der Modewelt

Bei dem Fair-Fashion-Label ARMEDANGELS heißt es dieses Jahr: Regenwald statt Konsumwahn. Kund:innen können während der sogenannten Green Vote Week statt Discount-Codes ein Stück Regenwald in ihren Warenkorb packen. Bei jedem Einkauf, der zwischen dem 25. und 30. November getätigt wird, können bis zu drei tennisplatzgroße Flächen des ecuadorianischen Nebelwaldes geschützt werden. Den Käufer:innen ist dabei selbst überlassen, ob und wie viel sie zum Erhalt des Regenwaldes beitragen möchten.

Auch das Fair-Fashion-Label NIKIN möchte sich nicht an Rabattschlachten beteiligen. Stattdessen setzt das Label auf noch mehr Klimaschutz. Anlässlich des Green Friday Wochenendes vom Freitag, 27. November bis Montag 30. November 2020 pflanzt NIKIN für jedes verkaufte Produkt zwei Bäume statt nur einem. Das Unternehmen möchte so einen Teil der am Black Friday verursachten Emissionen kompensieren.

Auch der Fair-Fashion-Store Loveco aus Berlin lässt sich nicht von Rabattschlachten beeindrucken. Bei Loveco heißt es: Fair Friday statt Black Friday. Das Unternehmen dreht den Spieß um und spendet 100 Prozent der Gewinne, die zwischen dem 27. und 30. November erzielt werden. Die Aktion jährt sich bereits zum dritten Mal. In den Jahren zuvor konnten dabei jeweils 1000 Euro und 1250 Euro für gemeinnützige Zwecke gespendet werden.

New Label: tiija

Unsere Contributorin Mia Marjanovic von heylilahey hat gemeinsam mit ihrem Mann Jesse Abrams ein Fair-Fashion-Label gelauncht. tiija macht wunderschöne, lässige, und dennoch schicke Kleider mit vielen tollen Features. Die erste Kollektion besteht aus zwei Modellen (ein Maxikleid, ein Wickelkleid) in je zwei verschiedenen Farben. Die Kleider werden unter fairen Bedingungen in Bulgarien hergestellt, bestehen aus Tencel oder Leinen und haben alle Taschen! Das Label arbeitet aktuell nur on demand. Vorbestellen kann man die schönen Kleider deswegen vorerst nur noch bis zum 27.11..

Was du über Denim und die Jeansproduktion wissen solltest

Im August 2019 hat Öko-Test 21 Jeans getestet – und keine davon hat im Gesamturteil besser als „befriedigend“ abgeschnitten. Getestet wurden auch einige faire und nachhaltige Marken. Grund genug, sich die Jeansproduktion und die Verfahren dahinter einmal genauer anzusehen.

Was sind die Basics der Denim-Färbung?

Wie kann es sein, dass Anilin in eco-fairen Jeans festgestellt wurde?

Die Jeansproduktion – ein dreckiges Geschäft?

Damit aus einem ganz normalen, gewebten Baumwollstoff ein Denimstoff und schlussendlich eine Jeans wird, bedarf es vieler Schritte. Das Färben, Waschen und weitere Bearbeiten (alles, was nach der Herstellung einer textilen Fläche chemisch oder mechanisch mit den Stoffen passiert) nennt man Textilveredlung. Nach Schätzungen der Weltbank ist dieses Färben und Veredeln von Textilien für 17 bis 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung verantwortlich. Wenn es um die Nachhaltigkeit von Textilien geht spielt der Veredlungsprozess also eine entscheidende Rolle – so auch bei Jeans.

Wie genau der Veredlungsprozess in der Jeansproduktion ab und wo gibt es ökologische Probleme?

1. Der Stoff für Jeans

Für Jeanshosen wird der bereits benannte gewebte Baumwollstoff eingesetzt. Klassisch aus 100% Baumwolle oder mit einem Elasthan Anteil, um der Jeans mehr Stretch und Elastizität zu geben. Um diesen Artikel nicht zu verkomplizieren wird auf weitere Materialmischungen, die es auf dem Markt gibt, nicht eingegangen.

Der Ausgangsstoff einer Jeans ist also ein gewebter Baumwollstoff – eine Naturfaser. Baumwolle ist eine Pflanzenfaser und so in ihren Grundbausteinen aus Cellulose. Diese Information brauchen wir, um das weitere Verfahren besser zu verstehen.

2. Die Auswahl des Färbeverfahrens

Warum es so wichtig ist zu wissen, aus welchem Material der Jeansstoff ist? Es gibt mehr als neun verschiedene Färbeverfahren. Die Entscheidung, welches der neun Verfahren man verwendet, hängt von Fasermaterial, Farbspektrum, gewünschter Intensität und Budget ab.

Aus diesem Grund ist es auch schwierig pauschal von „dem Färben von Textilien” zu sprechen, weil man bei den neun Färbeverfahren in Bezug auf Prozesse und verwendete Chemikalien differenzieren muss.

Für die klassische Blue Denim-Färbung wird in der Jeansproduktion Indigo verwendet. Indigo fällt unter das Küpenfärben, das weiter im Text noch genauer erklärt wird. Traditionell wird das tiefe Blau, wie man es von Jeans kennt, mit der Indigopflanze erzielt. Mit dem traditionellen pflanzlichen Verfahren könnte man allerdings nie den Bedarf, den wir heutzutage an Blue Denim haben, decken. Aus diesem Grund wird das Indigo synthetisch hergestellt.

Zusammengefasst: die klassische Jeanshose besteht aus einem Baumwollgewebe. Weil Baumwolle eine Pflanzenfaser ist, wird mit einem Färbeverfahren für cellulosische Fasern gearbeitet. Bei Jeans ist es das Küpenfärben mit dem Farbstoff Indigo.

3. Der Farbstoff und das Küpenfärben

Im Öko-Test wurde sehr oft „Anilin” erwähnt, und selbst die eco-faire Marke Armedangels hat nach den Test Ergebnissen ein Statement zum getesteten Anilingehalt in ihren Jeans veröffentlicht. Um zu verstehen, wo dieses Anilin herkommt, warum es in Jeans nachgewiesen werden kann und was daran so giftig ist, dafür müssen wir uns den Farbstoff genauer anschauen, der unsere Jeans so schön blau macht.

Indigo wird, wie bereits erwähnt, heutzutage synthetisch hergestellt. Es gibt geschichtlich bedingt verschiedene Methoden für diese Synthese. In ihrer Basis sind aber fast alle Synthesen auf den Stoff Anilin zurückzuführen. Es entsteht über mehrere Reaktionsschritte mit verschiedenen Hilfsstoffen das Indigo-Molekül – also der Farbstoff der am Ende zum Färben verwendet wird.

Wenn wir uns an den Chemieunterricht in der Schule erinnern: wenn zwei Stoffe miteinander zu einem neuen Stoff reagieren, dann ist das immer ein Hin und Her zwischen Edukten und Produkten und am Ende stellt sich ein Gleichgewicht ein. Das heißt: in der Theorie sollte aus Anilin und einem zweiten Stoff am Ende Indigo hergestellt werden. Aber es kann natürlich immer sein, dass irgendwo in der Reaktion etwas nicht astrein verläuft und Anilin irgendwo nicht richtig gebunden wurde.

Gehen wir einmal weiter zum eigentlichen Färbeprozess, dem Küpenfärben:

Indigo ist in Wasser nicht löslich. Es muss über eine chemische Reaktion, einer Reduktion mit Hydrosulfit und Lauge, von der unlöslichen in eine lösliche Form gebracht werden. Dann kann die Baumwolle mit dem Farbstoff gefärbt werden. Danach wird der Farbstoff über eine Oxidation mit Wasserstoffperoxid wieder in die unlösliche Form gebracht und bleibt so als blaue Farbe auf dem Garn.

Einfach gesagt: Wir haben einen unlöslichen Farbstoff, den machen wir löslich, bringen ihn auf die Faser, und damit er da auch bleibt, machen wir ihn wieder unlöslich.

4. Wie konnte Anilin in Jeans nachgewiesen werden und was ist an Anilin so schlimm?

Öko-Test arbeitet hier mit einer Methode nach DIN EN 14362-1, bei der eine Reduktion des Indigo mit Natriumdithionit bei einem Ph 6 und ca. 70° durchgeführt wird. Darüber werden die fixierten Indigokristalle zerstört und aufgelöst. Wie wir bereits unter 3. gelernt haben, kann es sein, dass ein winziger Anteil der Anilin-Moleküle im Indigo nicht 100 Prozent fest eingebunden sind, und so kann Anilin nachgewiesen werden.

Das, was Öko-Test also nachweist, ist nicht freies Anilin, das gegebenenfalls über die Jeans auf unsere Haut gelangen könnte. Öko-Test weist nach, dass es eine Verunreinigung des Indigomoleküls mit Anilin gibt, also dass die Synthese nicht zu 100 Prozent sauber durchgeführt wurde. Öko-Test konnte 5mg/kg bei Herstellern wie ArmedAngels oder HessNatur nachweisen. Die GOTS-Grenzwerte liegen bei 100 mg/kg.

Ist Anilin krebserregend?

Wie giftig und krebserregend Anilin ist, ist ein schwieriges Thema. Nachzuweisen, ob ein Stoff krebserregend ist, ist nämlich gar nicht so einfach, da man Kohorten-Studien durchführen muss, die auf lange Zeit gesehen statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen Anilin und Krebs beweisen müssen. Zum Thema Anilin finde ich vor allem das folgende Statement des internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft sehr gut:

„Laut Umweltbundesamt gibt es bereits seit 100 Jahren Indikatoren dafür, dass Arbeiter in Anilin-Färbereien verstärkt an Blasenkrebs erkrankt sind. Aber: Entsprechende Testreihen am Tier oder Menschen liegen bislang jedoch nicht vor, daher existiert auch noch kein gesetzlicher Grenzwert für Anilin – weder in Deutschland noch in der EU. Also ist der Farbbaustein in der Gefahrenstoffverordnung der EU als ‚steht in Verdacht, Krebs zu erzeugen‘ eingestuft. Die MAK (Maximale Arbeitsplatz Konzentration) 1)-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft erarbeitet u.a. Vorschläge für maximale Arbeitsplatz-Konzentrationen von flüchtigen Chemikalien und für Analyseverfahren. Sie kategorisiert Chemikalien gemäß ihres Risikopotentials. Anilin ist als MAK III-Kategorie 4 eingestuft worden, d.h. als ein Stoff mit krebserzeugendem Potential, der keine erbgutverändernde Wirkung hat. Bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes ist kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten. Die IARC2) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Anilin unter Gruppe 3, dh. ‚Nicht klassifizierbar bezüglich der Karzinogenität für den Menschen‘. Die United States Environmental Protection Agency, eine unabhängige Behörde der amerikanischen Regierung zur Umwelt und Gesundheit, bewertet Anilin als mutmaßliches Karzinogen und sieht keine Anzeichen dafür, dass es selbst karzinogen ist.” (Pressemeldung vom 12.01.2017, iNV)

Für alle, die sich noch tiefer in die Thematik einlesen wollen, empfiehlt sich dieser Bericht des Umweltbundesamtes: Stoffmonographie und Referenzwerte für monocyklische Aminoaromaten im Urin.

5. Warum Indigo und nicht ein anderer Farbstoff?

Es stellt sich natürlich auch die Frage, wieso Indigo überhaupt der bevorzugte Farbstoff ist und nicht etwas Anderes eingesetzt wird. Indigo zeichnet sich durch seine geringe Substantivität aus. Das bedeutet, dass er nicht so tief in die Faser eindringt. Das führt zu mäßigen Echtheiten, die den klassischen Blue Denim Look provozieren, weil sich der Farbstoff mit der Zeit abreibt oder auswäscht. Das kann so mit keiner anderen Färbung erzeugt werden. Außerdem ist keines der neun anderen Färbeverfahren frei von toxischen Chemikalien oder Nebenprodukten.

6. Wie gehen wir jetzt mit dem Dilemma um?

Zunächst einmal wäre es wichtig, dass unabhängige Studien durchgeführt werden würden, die einen eindeutigen Zusammenhang von Anilin in Indigo und Verdacht auf eine Krebserzeugende Wirkung bestätigen würden. Diese Ergebnisse würden je nach Ausgang dann zu einer gesetzlichen Regulierung führen, was die Industrie zwingen würde sauberer und gewissenhafter zu arbeiten. Anilin ist in Indigo fest gebunden, und ist so bei sachgemäßer Anwendung in der Produktion ungefährlich, genauso wie für den Träger der Jeans. Dass diese sachgemäße Anwendung durch mangelnde Standards leider nicht immer gegeben ist, ist in der Textilindustrie leider gang und gäbe. Die Indigo-Synthese wird seit 1870 durchgeführt und auch hier benötigt es womöglich das Hinterfragen der gängigen Methodik auf der sich die Industrie bisher ausgeruht hat. Es gibt Ansätze, wie das Färben mit Bakterien. Bei dieser Methode wird der Farbstoff mit gentechnisch veränderten Escherichia-coli-Bakterien nachgeahmt. Diese Verfahren sind aber noch nicht Industrie reif und in der Optimierung.

Die Auswirkungen von Anilin in öko-fairen Jeans

Zusammengefasst ist hier also festzuhalten, dass es wirklich schwierig ist das Thema Jeansproduktion und toxische Chemikalien ganzheitlich abzubilden. Wir haben uns in diesem Text nur mit dem Färben mit Indigo von Denim und speziell Anilin beschäftigt, nicht aber mit der Veredlung, die darauf folgt oder alternative Färbemethoden, die noch angewendet werden können. In der textilen Welt werden stoffliche Hilfsmittel verwendet, die selbst Textiltechniker*innen kaum greifen können, weil sie so variieren und in so unterschiedlichen Momenten der Prozesse eingesetzt werden können.

Für uns als Konsument*innen bedeutet das Folgendes: Dass Anilin im Rahmen des Öko-Tests in Indigo-Molekülen nachgewiesen wurde, ist zwar nicht toll, aber hat auf uns als Träger keine direkten Auswirkungen. Wenn ich eine Jeans kaufe, geht es vielmehr darum, darauf zu achten bei einem Hersteller zu kaufen, der mit dem Arbeitsschutzrechten seiner Mitarbeiter*innen und Abwasserschutzgesetzen des Produktionsstandortes gewissenhaft umgeht. Das Färben von Textilien ist eine schmutzige Angelegenheit und sollte in einem möglichst geschlossenen und sicheren Prozess stattfinden. Das unterstützen Fair Fashion Brands, denen der gewissenhafte Umgang entlang der Produktionskette wichtig ist. Außerdem ist der Kauf einer Jeans ohne modische optische Effekte ein einfacher Schritt, die Verwendung von Chemikalien oder anderen energieaufwendigen oder gefährlichen Prozessen zu minimieren.

Quellen:

  • Revolution in Blau, Juni 2019, Texpertise Network News
  • Vorlesungsinhalte an der Hochschule Reutlingen, Skripte können auf persönliche Nachfrage vorgezeigt werden
  • bei MaiLab erfahrt ihr in mehreren Videos detailliert warum Kohorten Studien so wichtig sind
  • Zur Synthese von Indigo findet ihr beispielsweise bei Seilnacht eine exakte Erklärung

Adaptive Fashion – „Unsere Mode stellt die Ansprüche von Rohlstuhlnutzenden ins Zentrum.“

„Diversity“ ist in den letzten Monaten zum absoluten Buzzword für progressive Modelabels geworden und aus der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Modebranche nicht mehr wegzudenken. Doch obwohl Vielfalt ein gern gesehener Gast bei reichweitenstarken Kampagnen und eindrücklichen Formaten großer Modehäuser ist, ist ein Begriff zuweilen noch immer vernachlässigt wurden: Adaptive Fashion.

Dabei ist das Potenzial adaptiver Kleidung auch wirtschaftlich enorm, wie Vogue 2019 feststellte. Bis 2026 soll der globale Markt für Adaptive Fashion über 400 Milliarden Dollar wert sein. Setzen sich Labels also heutzutage bereits mit adaptiver Mode auseinander, bringt das auch ökonomische Vorteile gegenüber der Konkurrenz mit sich.

Genau das haben die Pioniere unter den Adaptive-Fashion-Labels bereits jetzt schon erkannt. Newcomer wie das österreichische Label MOB Industries leisten wegbereitende Arbeit, die auch anderen Labels zeigt, was noch alles möglich ist. MOB Industries produziert ausschließlich Kleidung, die sowohl für Menschen mit Behinderung als auch nichtbehinderte Menschen designt ist. Dabei legen sie nicht nur einen besonderen Fokus auf Funktionalität, sondern vor allem auch auf zeitgeistige Styles und Designs.

„Barrierfreie Mode richtet sich an Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen: Rollstuhlnutzer*innen, Prothesenträger*innen, Menschen mit temporären Verletzungen oder Frakturen, Menschen mit altersbedingten Einschränkungen oder Autoimmunerkrankungen.“

Wir haben mit den Gründer*innen Johann Gsöllpointner und Josefine Thom gesprochen, um herauszufinden, was ihre Designs so besonders macht. Welche Chancen Adaptive Fashion bietet und wie die inklusive Modebranche der Zukunft aussieht. Außerdem konnten wir uns selbst ein umfassendes Bild der cleveren Designs machen.

Vreni auf Stuhl mit Kleidung von Adaptive Fashion, rechts zieht das mit Magneten festgemachte Hosenbein runter
Adaptive Fashion bedeutet für MOB Industries barrierefreie Mode. © Fashion Changers

Fashion Changers: Wie definiert ihr für euch Adaptive Fashion?

Johann Gsöllpointner: „Adaptive Fashion ist eher im englischsprachigen Raum gebräuchlich und heißt übersetzt ‚adaptiert, anpassungsfähig‘. Wir bevorzugen den Begriff barrierefreie Mode, da es das Problem und die Lösung gleich auf den Punkt bringt. Barrierefreie Mode richtet sich an Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen: Rollstuhlnutzer*innen, Prothesenträger*innen, Menschen mit temporären Verletzungen oder Frakturen, Menschen mit altersbedingten und kognitiven Einschränkungen oder Autoimmunerkrankungen.

Barrierefreie Mode, die Spaß macht. Wie das aussehen kann, zeigt MOB Industries. Fotos: Anna Breit

Für diese Personen ist es oft gar nicht so leicht, Knöpfe zu öffnen, sich selbstständig, oder mit Assistenz-Unterstützung, an- und auszukleiden oder Kleidung leicht über den Gips oder die Prothese zu ziehen. Kleidungsbedingte Barrieren können Materialien, Verschlüsse, zu enge Schnitte, zu wenige Öffnungen oder Passformen sein, die nur für ‚stehende‘ Personen, bzw. normierte Körper, entwickelt sind. Es fehlt der Mode schlichtweg an Funktion. Barrierefreie Mode ist aber nicht nur für die Träger*innen von Vorteil, sondern auch für die assistierende Personen. Es kann zeiteffizienter sein oder einen Assistenzmangel ausgleichen und ist gesundheitsschonender für die persönliche Assistenz, weil es zum Beispiel potenzielle Rücken- und Schulterverletzungen vorbeugt."

Und euer Label deckt all diese unterschiedlichen Bedürfnisse ab?

Josefine Thom: „Der Fokus von MOB liegt auf Rollstuhlnutzer*innen. Wir entwickeln spezielle Schnitte, die für die Körperformen von Rollstuhlnutzer*innen optimiert sind. Einen guten Überblick gibt die Seite Cur8able von der Aktivistin und Disability-Stylistin Stephanie Thomas. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema und zeigt auf ihrer Seite wie vielfältig dieses Thema ist."

Stephanie Thomas von Cur8able

“As the Founder of Cur8able, I made sure the mission statement was simple and laser focused; use fashion styling as a tool to challenge negative perceptions of people with disabilities. This mission is closely tied to the psychology of dress and how people perceive you based on appearance. Without going to deep into this idea it’s basically challenging role schemas as outlined in the “Social Psychology of Dress” (Lennon, Johnson, Rudd 2017) “Role schemas are the sets of behaviors expected of a person in a particular social position.” This is what leads to organizing ideas about people and their value. Schemas in general feed into categorizing others which inevitably contributes to stereotyping.”

Was ist das Besondere am MOB Design?

Johann Gsöllpointner: „MOB steht für Mode ohne Barrieren. Unsere Mode entwickeln wir gemeinsam mit Rollstuhlnutzer*innen und jungen Modelabels. Unsere Produkte sind inklusiv und barrierefrei: Praktische Funktionalität trifft modischen Anspruch, egal ob im Sitzen oder Stehen. Unter Verwendung hochwertiger Materialien und innovativer Verschlusssysteme produzieren wir in Österreich."

Josefine Thom: „Unsere Designs sind easy und schmerzfrei. Dank des ergonomischen Designs ist das An- und Auskleiden einfacher, schneller und angenehmer.

Es ist magnetisch. Unsere MOB-Fashion-Produkte fördern die Autonomie, weil weniger oder keine Hilfe beim An- und Auskleiden benötigt wird. Unsere Magnetverschlüsse machen es möglich. Wir verwenden ein weltweit einzigartiges und innovatives Verschlusssystem, das in Österreich produziert wird.

Vreni knöpft die magnetischen Knöpfe am Ärmel auf
Magnetische Knöpfe machen das An- und Ausziehen der MOB Industries Bluse sehr einfach. © Fashion Changers

Unsere Designs funktionieren im Sitzen und Stehen. MOB-Produkte sind für die Körperformen von Rollstuhlnutzer*innen optimiert. Dadurch gewährleisten sie einen höheren Tragekomfort. Auch Nichtrollstuhlnutzer*innen erfreuen sich an den Funktionen: stylish und praktisch zugleich.“

Johann Gsollpointer: „Wir machen Mode mit Leidenschaft. Wir stellen die Ansprüche von Rollstuhlnutzer*innen ins Zentrum. Deshalb sind diese von Anfang an maßgeblich an der Entwicklung der Kollektionen beteiligt. Zudem kooperieren wir mit jungen Modelabels. Dadurch können wir eine Bandbreite an unterschiedlichen Designs anbieten.

Und wir sind stolz auf: Made in Austria. Wir kooperieren nicht nur mit österreichischen Modelabels, sondern setzen auch auf heimische Produktion. Wir verwenden dabei modernste, hochwertige Materialien und weltweit innovative Verschlusssysteme.“

© Fashion Changers

Wie kam es dazu, dass ihr MOB gegründet habt?

Josefine Thom: „Die MOB Idee ist aus persönlichen Motivationsgründen entstanden. Ich habe eine ältere Schwester mit Be_hinderung. Es war immer eine Herausforderung passende Kleidung für sie zu finden, die nicht nur funktional, sondern auch schön ist. Es gibt zu wenig Hersteller, die barrierefreie Mode entwickeln. Und wenn, dann ist die Auswahl eher beschränkt: Die Hauptzielgruppe sind ältere Menschen. Die Kleidung hat dabei überwiegend Funktionsästhetik.

Das Produktangebot in puncto Stoffen, Verschlüssen oder Styles ist wenig divers und zeitgemäß. Das spiegelt sich auch in den Markennamen wider, die meist ‚Rolli‘, ‚Reha‘ oder ‚Pflege‘ enthalten. Dadurch wird Behinderung als bloßes Defizit und einzige Eigenschaft wahrgenommen. Gemeinsam mit Johann Gsöllpointner haben wir im März 2019 MOB Industries gegründet, um frischen Wind in den Markt für barrierefreie Mode zu bringen.“

Was wollt ihr mit MOB erreichen und was wünscht ihr euch für die Zukunft der Modebranche?

Josefine Thom: „Mode kann zu strukturellen Veränderungen beitragen, indem zum Beispiel Arbeitsplätze für Menschen mit Be_hinderungen geschaffen werden, anstatt sie bloß über den Laufsteg laufen oder rollen zu lassen. Es geht für uns auch darum, neue, ‚vermischte‘ Expert*innenschaften zu entwickeln. Bislang ist Design für Be_hinderungen von einer Kultur der ‚Probleme‘ geprägt, die technisch-medizinisch oder bürokratisch-administrativ ‚gelöst‘ werden. Ein größeres Gleichgewicht zwischen Problemlösung und spielerischer Exploration könnte neue, wertvolle Perspektiven eröffnen. Dies reicht von Allianzbildung mit der bildenden Kunst, die das Verhältnis von Körpern und Ästhetik schon lange befragt, bis zur Schaffung neuer Öffentlichkeiten.

Die Gestaltung von Kooperationsformen und Austauschprozessen zwischen bislang getrennten Feldern, Sensibilitäten und Praxisformen halte ich für eminent politisch. Handlungsfähigkeit erwächst aus einem Geflecht von Dingen, Organisationsformen und Lebewesen. Dies bedeutet Handlungsmacht nicht bloß einzelnen genialen Held*innen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zuzusprechen, sondern von verteilter Akteurschaft auszugehen. Die Rolle von Menschen mit Be_hinderung auf allen Ebenen neu in den Blick zu nehmen, bietet reichlich emanzipative Potenziale — auch für das scheinbar ‚Nicht-Behinderte‘.“

Die Gestaltung der Taschen für die Vorderseiten der Hosenbeine ist ein einfaches, aber essentielles Tool, um inklusive Mode zu schaffen. © Fashion Changers

Ihr arbeitet mit verschiedenen Designer*innen zusammen. Wie entstehen diese Zusammenarbeiten?

Josefine Thom: „Viele Rollstuhlnutzer*innen haben wir auf der Straße angesprochen oder über einen Open Call erreicht. Die meisten unserer Rollmodels waren auch an der Produktentwicklung beteiligt. Ähnlich war es mit den Designer*innen. Manche kannten wir persönlich oder sie sind Kund*innen. Wir wollten vor allem auch mal sehen, wie das Thema Barrierefreiheit und Mode aufgenommen wird und zu welchen Lösungen die Designer*innen kommen. Für die meisten eine komplett neue Erfahrung. Inklusion und Be_hinderungen ist für viele kein Thema, weil sie damit keine Berührungspunkte haben. Über das Thema Mode und eine neue Herangehensweise wollen wir das ändern. Wir wollen MOB als Adaptive Fashion- und Lifestylelabel positionieren, welches mit unterschiedlichen Designer*innen kooperiert und mit Menschen mit Be_hinderungen zusammenarbeitet. Ich bin der Meinung, dass man hier viel tun und gestalten kann."

Die Kleidungsstücke von MOB zeichnen sich durch einen lockeren, gut sitzenden Schnitt und genug Bewegungsfreiheit aus. © Fashion Changers

Wie laufen eure Design-Prozesse ab?

Josefine Thom: „Die unterschiedlichen Ansprüche moderner Rollstuhlnutzer*innen sind wesentlich für die Entwicklung unserer Produkte und wären ohne ihre Beteiligung bei den zahlreichen Anproben, Re-Designs und Fittings gar nicht möglich gewesen. MOB stellt damit die übliche Vorgehensweise auf den Kopf: Die Ansprüche von Rollstuhlnutzer*innen (Standards) sind die Norm, die dann für Nichtrollstuhlnutzer*innen (Companions) adaptiert wird. Gemeinsam mit jungen Designschaffenden und deren gestalterischen Strategien kommen wir dann zu unterschiedlichen Lösungen."

Was kann Mode eurer Meinung nach für Inklusion bewirken?

Josefine Thom: „Barrierefreie Mode kann einen wichtigen Beitrag für die soziale Inklusion, Partizipation und Selbstbestimmung ihrer Träger*innen leisten. Denn Menschen mit Be_hinderungen haben einen erschwerten Zugang zu passender Kleidung für Beruf, Freizeit und besondere Anlässe. Dies schränkt ihre gesellschaftliche Teilhabe erheblich ein. Wir haben selbst lange wissenschaftlich dazu geforscht und wissen aus der Theorie folgendes: Der eklatante Mangel an situativ angemessener Bekleidung für gesellschaftlich behinderte Menschen steigert, wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge, nachweislich ihre Stigmatisierung und reduziert die persönliche Zuversicht aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können.

Durch die multifunktionale Herangehensweise sind die Kleidungsstücke des jungen Labels für viele unterschiedliche Anspruchsgruppen zugänglich. © Fashion Changers

Während das öffentliche Bewusstsein hinsichtlich Umweltbarrieren (Transportmöglichkeiten, Zugänglichkeit zu gebauten oder digitalen Räumen) in den letzten Jahren zugenommen hat, werden kleidungsbedingte Barrieren und die damit verbundene soziale Exklusion jedoch meist übersehen. Bekleidung als wesentlicher Teil des persönlichen Erscheinungsbilds ist aber eine essenzielle Komponente des Selbstausdrucks. Dies gilt besonders für Menschen mit einem nicht-normierten Körpern, denn erst situativ probate und taugliche Kleidung macht Körper gesellschaftlich akzeptabel. Angemessene Kleidung verstehen wir hier als jene „Kleidung, die es ermöglicht den Regeln und Normen spezifischer sozialer Räume zu entsprechen.“

Denn werden gesellschaftlich behinderte Menschen nicht bloß als Patient*innen verwaltet und dementsprechend eine sehr selektive Palette – bestenfalls funktionaler – Kleidung zugewiesen, sondern auch ästhetisch als Konsument*innen, Träger*innen und Nutzer*innen in den Mittelpunkt von Mode- und Design-Praktiken gerückt, steigen nachweisbar Selbstachtung und Selbstbewusstsein der Betroffenen und ihrer Angehörigen , ihr Wohlbefinden und subjektives Lebensglück nehmen deutlich zu und ihre gesellschaftliche Inklusion wird massiv befördert.“

Kleidung kann ein effektiver Hebel für mehr Inklusion sein. Foto: Anna Breit

Sichtbarkeit ist bei diesem Thema enorm wichtig. Habt ihr noch Follow-Tipps für uns, um unsere Social-Media-Feeds diverser auszurichten?

Josefine Thom: „Diese Influencer bzw. Inkluencer inspirieren uns zum Beispiel sehr und es lohnt sich ihnen zu folgen.“

Vielen Dank für das spannende Gespräch. Wir freuen uns auf weitere tolle Designs von MOB!

© Fotos Vreni Jäckle: Josephine Knoll für Fashion Changers