Fashion Changing News: Fast-Fashion-Enttäuschungen und Fashion-Week-Highlights

Neuer Marktplatz für nachhaltige Sportausrüstung und Sportswear

Nachhaltige Sportswear ist noch immer schwierig zu finden. Der neue Marktplatz Planetics will dies ändern. Hier finden sich allerhand eco-faire Marken, die fair produzierte Sportbekleidung, aber auch Equipment und Nahrungsergänzungsmittel anbieten.

Bridge & Tunnel launchen Podcast

Das Hamburger Upcycling-Label Bridge & Tunnel hat einen eigenen Podcast gelauncht. In „Talk Slow“ sprechen die Gründerinnen Conny und Lotte mit Menschen, die Mode anders denken und sich trauen, neue Wege zu gehen. Bislang gibt es drei Folgen zu den Themen nachhaltiges Einkaufen, Konsum und Überkonsum sowie Überproduktion. Der Podcast wird von Nordisch Filmproduction Hamburg aufgezeichnet.

News zum Lieferkettengesetz

Auf EU-Ebene hat der Rechtsausschuss des EU-Parlament am 27.01.2021 seine Richtlinien für ein Lieferkettengesetz veröffentlicht. Damit ist die EU-Kommission nun gezwungen zu reagieren und ein entsprechendes Gesetz zu liefern. Die Abstimmung im Rechtsausschuss wurde fast einstimmig beschlossen.

Leider folgten daraufhin in dieser Woche keine gute Neuigkeiten aus Deutschland. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stellt sich weiterhin gegen ein Lieferkettengesetz, sodass die Diskussion um diesen nun in den Koaltionsausschuss muss.

Johannes Heeg, Sprecher der Initiative Lieferkettengesetz sagt dazu: „Es ist grob verantwortungslos, dass Wirtschaftsminister Altmaier sogar einen Kompromissvorschlag blockiert, bei dem ihm die Minister Heil und Müller in seinen zentralen Forderungen so weit entgegenkommen. Altmaier sabotiert damit jeden Versuch, deutsche Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten und Umweltstandards im Ausland zu verpflichten und dies auch wirksam durchzusetzen.

Alle Informationen dazu gibt es bei der Initiative Lieferkettengesetz.

Sabinna Valentines Special

Das Modelabel Sabinna hat ein kleines Valentines Special vorbereitet. Das kreislauffähige Shirt “Love isn’t always fair but Fashion can be” sowie unser Buch “Fashion Changers. Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können” gibt es zum Special-Preis von 51,00 Euro.

Patagonia erklärt Wachstumsstopp

Patagonia gilt schon lange als Vorreiter im Outdoorbereich, was Nachhaltigkeit, politisches Engagement und innovatives Unternehmertum angeht. Jetzt legt Patagonia noch eine Schippe drauf: CEO Ryan Gellert gibt im Interview mit NZZ am Sonntag an, dass das Outdoorbekleidungsunternehmen nicht mehr wachsen wolle. So sollen alle Zahlen und Ziele, die in der Unternehmensstrategie am Wachstum orientiert sind langfristig gestrichen werden. Außerdem wolle das US-amerikanische Unternehmen zukünftig ins Verleihgeschäft einsteigen. Patagonia zählt damit zu den wenigen Großunternehmen, die echte Suffizienz in ihrer Unternehmensphilosophie ausleben.

Sustainable Fashion Matterz wird 4

Das Blogazine Sustainable Fashion Matterz ist im Januar vier Jahre alt geworden. Wir freuen uns mit Gründerin Cherie Birkner, die immer wieder in Editorials, inspirierenden Fotostrecken oder spannenden Materialbeiträgen gemeinsam mit ihrem Team ihre Kreativität unter Beweis stellt. Congratulations!

Capsule Wardrobe Workbook von Dariadeh

Madeleine Alizadeh, Gründerin von Dariadeh, hat ein frei verfügbares e-Book zum Thema Capsule Wardrobe veröffentlicht. In dem Workbook finden sich sowohl alle wichtigen Basics zum Thema Capsule Wardrobe als auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man es schafft den eigenen Kleiderschrank darauf umzustellen.

Das e-Book ist in englischer Sprache und kostenlos.

Fäustlinge von Bernie Sanders gehen in Massenproduktion

Für Furore in den Social-Media-Netzwerken weltweit sorgten Look und Outfit Bernie Sanders bei der Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar 2021. Zuerst machten Tausende Memes von Sanders, nun schon legendärer, Sitzposition die Runde, dann wurde seine nachhaltige Herangehensweise in Sachen Winterjacke gelobt (die hatte er nämlich schon eine ganze Weile) und nicht zuletzt wurden die gestrickten Handschuhe aus recycelter Wolle zum absoluten Star. Diese wurden dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Sanders von einer Grundschullehrerin aus seinem Heimatort Vermont geschenkt. Der Hype um die nachhaltigen Teile war so groß, dass sie nun wohl in Serie gehen sollen.

Fashion Open Studio & Berlin Fashion Summit

Für viele war die Januarausgabe der Fashion Week 2021 deutlich leiser als gewöhnlich. Dabei gab es einige Formate, die online überraschen konnten.

In Kooperation mit der Mercedes Benz Fashion Week Berlin gelang es Fashion Revolution Deutschland das bereits in England etablierte Format Fashion Open Studio nach Berlin zu holen. Hierin präsentieren sich Designer:innen und Labels und gewähren einen nahbaren Einblick in ihr Studio.

Außerdem erblickte der 202030 Berlin Fashion Summit das Licht der Welt. Ein Online-Konferenz-Format, das die Vordenker:innen und wichtigen Nachhaltigkeitsakteur:innen zusammenbringt.

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Lovjoi launcht Swimwear-Kollektion

Das Fair Fashion Label Lovjoi überrascht mit einer neuen Linie. Ab März 2021 wird es von der süddeutschen Brand auch Swimwear geben. Und was für welche! Die erste Kollektion zeigt viele wunderschöne Designs im klassischen Schwarz. Bei den Designs wurde darauf geachtet sowohl für kleine als auch große Brüste den passenden Komfort möglich zu machen.

Zu den Highlights zählen Bikinis mit spannenden Rückansichten sowie ein asymmetrischer Badeanzug mit High-Cut-Legs. Die Bikiniober- und -unterteile können nach dem Mix-and-Match-Prinzip miteinander kombiniert werden. Beim Material setzt Lovjoi auf recyceltes Polyester, Econyl® und biobasiertes Polyamid aus der Rizinuspflanze.

Massenentlassungen bei Fast-Fashion-Riese H&M

In der letzten Woche wurde bekannt, dass der Fast-Fashion-Konzern H&M nach erheblichen Umsatzeinbußen 2020 nun bis zu 800 Angestellte in Deutschland entlassen will. Der Skandal: Die Kündigungswelle soll vor allem Alleinerziehende, Langzeitkranke und Menschen mit Behinderung treffen. Dies wurde durch den Betriebsrat und Medienberichte nun öffentlich.

Schon im vergangenen Jahr zählte H&M zu den Unternehmen, die ihre bereits hergestellten Aufträge aufgrund der Coronakrise stornierten. Damit sorgten sie auch dafür, dass Tausende Näher:innen von Entlassungen, Lohnkürzungen und Lohnausfällen betroffen waren.

25 gute Dinge in 2020

Und diese guten Dinge in 2020 und 2021 solltet ihr nicht verpassen:

Populismus ist rückläufig

In der Coronakrise hatten viele oft das Gefühl, dass populistische Meinungen gestärkt werden und damit auch mehr Anhänger:innen finden. Das Populismusbarometer der Bertelsmann-Stiftung kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach sind populistische Meinungen 2020 stark rückläufig, vor allem in der sogenannten politischen Mitte. Was jedoch nicht zu unterschätzen ist: Die Radikalisierung nimmt dennoch zu.

Oeko-Tex® integriert CO2- und Wasserfußabdruck als Prüfkriterium

Einmal im Jahr stellt das Prüfunternehmen Oeko-Tex® die eigenen Kriterien auf die Probe und entwickelt diese mit den neuen wissenschaftlichen Standards weiter. 2021 werden in das Oeko-Tex-Label MADE IN GREEN auch der CO2- und Wasserfußabdruck integriert. Somit bekommt das Siegel eine weitere Dimension in Sachen Klimaschutz.

Equal Pay Neuseeland

Neuseeland verabschiedet 2020 unter Premierministerin Jacinda Ardern das Lohngleichstellungsgesetz. Der neu entstandene Gesetzesentwurf besagt, dass Frauen in historisch unterbezahlten und von Frauen dominierten Bereichen denselben Lohn erhalten, wie Männer für andere, aber gleichwertige Tätigkeiten.

Mehr als 400 Unternehmen Mitglied von Climate Neutral Now

In der von der UN gelaunchten Initiative Climate Neutral Now verpflichten sich Stand 2020 bereits mehr als 400 Unternehmen klimaneutral zu wirtschaften. Unter ihnen zum Beispiel Microsoft, Sony oder auch die Airline Norwegian.

Trump wird abgewählt

Es wurde nicht nur Joe Biden zum neuen Präsidenten der USA gewählt. Mit ihm wird auch Kamala Harris als erste Schwarze Frau Vizepräsidentin. Die Wahlbeteiligung war mit 66,4 Prozent die höchste seit 1900. Die neue Regierung steht nun vor der Mammutaufgabe, das Land wieder zu einen.

 
 
 
 
 
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Die Agentur Fair Models hat mittlerweile über 30 Models

Vor zwei Jahren gründete die Fotografin Anna Voelske eine Modelagentur, die ausschließlich Models vermittelt, die sich verpflichten für faire und nachhaltige Marken zu modeln. Der Erfolg gibt der Gründerin recht: Mittlerweile hat die Agentur mehr als 30 Models in ihrer Kartei.

Wasser aus Wüstenluft umwandeln

Das Massachusetts Institute of Technology entwickelte 2020 ein Gerät, das aus sehr trockener Luft, wie z.B. Wüstenluft mit einem Feuchtigkeitsanteil von 20 Prozent, Wasser gewinnen kann.

Nemonte Nenquimo verhindert Regenwaldabholzung

Die ecuadorianische Umweltaktivistin Nemonte Nenquimo verhindert 2020, dass Teile des Regenwalds in Ecuador für Ölförderung abgeholzt werden. Sie ist Anführerin der Waorani, einer indigenen Gruppe Ecuadors, die sich erfolgreich gegen das umwelt- und klimaschädliche Verhalten von Präsident Lenín Moreno auflehnen.

 
 
 
 
 
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Recycling für Mischgewebe möglich

Die H&M Foundation hat nach fünf Jahren Forschungszeit gemeinsam mit dem Hong Kong Research Institute of Textiles and Apparel einen Durchbruch in Sachen Textilrecycling vollbracht. Ihnen ist es gelungen das bisher unmögliche Recycling von Mischgeweben zu ermöglichen. Bei dem hydrothermalen Prozess konnten erstmals erfolgreich Baumwoll- und Polyesterfasern intakt getrennt werden.

The Lissome veröffentlicht erste Printausgabe

Das bis dato als Onlinemagazin agierende The Lissome hat 2020 ihre erste physische Ausgabe „Awakening“ auf den Markt gebracht. Unter dem Motto „Climate. Fashion. Vision.“ verdeutlicht die Printausgabe, wie viele herausragende und zukunftsgerichtete Projekte es, vor allem im Modebereich, gibt, die zeigen, dass eine klimafreundliche Zukunft möglich ist. The Lissome war mit dem Magazin für den Bundespreis ecodesign 2020 nominiert. Die zweite Ausgabe kann man derzeit schon vorbestellen.

 

Prince Charles ruft Modern Artisan Project ins Leben

Prince Charles gilt schon viele Jahre als Verfechter nachhaltiger Mode. Besonders wichtig ist ihm dabei das Erhalten des textilen Handwerks. Um dies weiter zu gewährleisten ging er bzw. seine The Prince’s Foundation im November 2020 eine neue Partnerschaft mit der YOOX Net-a-Porter Group ein. Mithilfe dieses Projekts sollen Modestudierende eine nachhaltige Capsule-Collection entwerfen, die sich insbesondere handwerklicher Techniken bedient.

Kostenfreie Menstruationsprodukte an der Uni Merseburg und in Schottland

Als erste Hochschule Deutschlands gibt es seit 2020 an der Uni Merseburg für alle Menstruierenden kostenfreie Periodenprodukte. Diese stehen seitdem auf allen Frauen-, Unisex- und barrierefreien Toiletten zur Verfügung.

Außerdem ist Schottland seit dem letzten Jahr das erste Land, das für alle Menstruierenden Hygieneprodukte kostenfrei zur Verfügung stellt.

Fortschritte in Sachen Kreislaufwirtschaft mit New Blue

Der Produktdesigner Tim van der Loo entwickelt eine neue Methode, um Denimmaterial in den textilen Kreislauf zurückzuführen. Mit seinem Projekt New Blue wird aus alten, zerrissenen oder nicht mehr reparablen Jeans ein neues Material hergestellt und dieses wieder in eine Jeans umgewandelt. Die Faserrückgewinnung entwickelte der Student der Kunsthochschule Weißensee mithilfe von digitaler Stickerei und Vliesbildung.

 

Reparaturlabel für Elektrogeräte in Frankreich

Frankreich ist der EU in Sachen umweltfreundliche Maßnahmen einen Schritt voraus. Seit dem 1. Januar 2021 bekommen dort alle Elektrogeräte ein sogenanntes Reparaturlabel. Dieses weist aus, ob das entsprechende Gerät leicht zu reparieren ist oder nicht. Entsprechende Vorhaben werden auch auf EU-Ebene von, vor allem grünen, Politiker:innen vorangetrieben.

Lenzing bietet erste vollständig klimaneutrale Faser an

Mit der Marke Tencel® bietet das österreichische Unternehmen Lenzing 2020 die ersten CO2-neutralen Lyocell- und Modalfasern an. Die Emissionen, die bei der Herstellung und dem Vertrieb entstehen werden berechnet und entsprechend kompensiert. Die Faser sind CarbonNeutral zertifiziert.

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Wie nachhaltig ist „klimaneutral“ oder „klimapositiv“?

Greenpeace Magazin Warenhaus bringt erste Kollektion nach Detox-Standards heraus

Das Greenpeace Magazin Warenhaus hat erstmals einen Anbieter gefunden, der alle strengen Kriterien der Greenpeace-Detox-Kampagne erfüllen kann. Mit diesem brachte das Greenpeace Magazin Warenhaus nun eine eigene Kollektion heraus und verspricht damit höchste Standards in Sachen Nachhaltigkeit. Die Detox-Kampagne startete Greenpeace 2011 mit dem Ziel die Textilindustrie giftfrei zu bekommen. 

Lieferkettengesetz findet weitere Befürworter:innen

Nachdem Bundesarbeitsminister Heil (SPD) und Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) im Juli verkündeten, dass sie nun einen ersten Entwurf für das Lieferkettengesetz haben und dieses noch 2020 auf den Weg bringen wollen, war die Freude zunächst groß. Ende Juli äußerte sich dann auch endlich das Umweltministerium und forderte die Etablierung von Umweltstandards im Lieferkettengesetz. All das waren gute Neuigkeiten für #fairbylaw und das Lieferkettengesetz. Stand heute blockiert leider immer noch Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) das Fortschreiten des Lieferkettengesetzes und verzögert die Verhandlungen erheblich. Noch ist es also ungewiss, ob in dieser Legislaturperiode das im Koalitionsvertrag vereinbarte Lieferkettengesetz kommt.

Influencer:innen Gewerkschaft in UK

2020 gründete sich in Großbritannien die TCU – The Creator Union. Gemeinsam wollen sie neue, faire Standards in der Branche für Content Creator etablieren. Dabei ist es auch erklärtes Ziel mit eigenen Kampganen mehr Sichtbarkeit und Diversität zu schaffen.

EU begrenzt Plastik-Export in Drittländer seit dem 1. Januar 2021

Kurz vor Ende des Jahres 2020 teilte die EU-Komission mit, dass ab dem ersten Januar 2021 der bis dato außer Kontrolle geratene Plastikexport, vor allem in Länder des Globalen Süden, stark eingeschränkt werde. So dürfen ab sofort nur noch sauberer Plastikmüll und sortierte Kunststoffe in OECD-Länder exportiert werden.

Großbritannien plant nach Brexit verbesserte Bedingungen für Tiere, die zur Schlachtung gezüchtet werden

Weihnachten 2020 war es soweit: Der Brexit wurde auf den letzten Drücker von der EU und Großbritannien formal vollzogen. Damit wurde auch das Anfang Dezember geplante Exportverbot von Schlachttieren aus UK auf den Weg gebracht. Ziel ist es lebende Rinder und Pferde nicht mehr ins Ausland zu exportieren, um so das Tierwohl zu verbessern und den Stress für die Tiere zu minimieren.

Das Einwegplastikverbot kommt

Ab Juli 2021 wird in der gesamten EU der Verkauf von Einwegbesteck und -tellern, Trinkhalme sowie Styroporbecher und -behälter für Essen zum Mitnehmen verboten sein.

Coronakrise führt zu mehr Solidarität in der Fair-Fashion-Branche

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und den daraus entstehenden Herausforderungen hat sich in kürzester Zeit eine solidarische Initiative in der Fair-Fashion-Branche formiert. Unter dem Namen Fair Fashion Solidarity fanden sich LangerChen, Loveco, Lanius und Avocadostore zusammen um gemeinsam ein Statement auszuarbeiten und damit der Branche Rückendeckung zu geben. Zentrale Forderung: Saisonale Modyzyklen sollten wieder etabliert werden.

SCHON GELESEN?
Interview mit Lanius-Gründerin Claudia Lanius „Wir brauchen eine bedarfsgerechtere Textilindustrie“

Berechnung der Umweltschadenkosten zeigt: Klimaschutz ist eine wirtschaftliche Komponente

Das Bundesumweltministerium hat 2021 die sogenannte „Methodenkonvention 3.1 zur Ermittlung von Umweltkosten“ herausgebracht. Diese wissenschaftlich fundierte Methode berechnet zum Beispiel die Kosten für umweltschädliche Baustoffe und zeigt, dass das Einsetzen von Recycling-Stahl in der Baubranche 350 Euro pro Tonne einsparen würde. Die Rechnung zeigt auch, dass das Einsetzen von Stickstoff und Phosphor in der Landwirtschaft Deutschland mehrere Milliarden kostet.

Adidas wird 2021 mehr als 60% nachhaltigere Materialien verwenden

Der Sporttextilhersteller Adidas geht weitere Schritte in Sachen Nachhaltigkeit. 2021 soll die gesamte Produktpalette aus mehr als 60 Prozent nachhaltigerem Materialien gefertigt werden. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf recyceltes Polyester, das bis 2024 Virgin Polyester gänzlich ablösen soll. Auch wenn sich das Unternehmen gerne mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen brüstet, ist der Gesamtanteil immer noch überschaubar. Von 448 Millionen Paar Schuhen 2019 sind lediglich 17 Millionen in Kooperation mit der Umweltschutzorganisation „Parley for the Oceans“ aus gesammeltem Meeresplastikmüll entstanden.

Mehr Vielfalt im neuseeländischen Parlament

Nach den Wahlen im Oktober 2020, die die amtierende Premierministerin Jacinda Ardern deutlich für sich entscheiden konnte, formte ebendiese das bisher diverseste Parlament Neuseelands. Von 20 Regierungsmitglieder:innen sind acht Frauen, fünf Māori, drei Pasifika und drei LGBTQ+-Angehörige. Ardern ist damit nicht nur in Sachen Coronabekämpfung ein Vorbild, sondern auch in Hinblick auf gelebte Diversität.

Mit diesen 25 guten Dingen aus 2020 heißt es: Kopf hoch und den Blick nach vorne richten.

Fashion Changing News: Reparaturpflicht und klare Kante gegen Rechts

Ihr wollt wissen, was in der (Fair) Fashion Branche passiert? Welche spannenden Entwicklungen und News es gibt? Dann kommen hier unsere Fashion Changing News für euch.

Gesetzliches Recht auf Reparatur kommt

Aus einer Stellungnahme der EU-Grünen-Politikerin Anna Cavazzini geht hervor, dass sich der Binnenhandelausschuss des EU-Parlaments für ein Recht auf Reparatur ausspricht. Die Stellungnahme der Ausschussvorsitzenden Cavazzini wurde demnach im Ausschuss angenommen und beinhaltet folgende Punkte, auf die man sich in Zukunft einstellen darf.

  • Right2Repair – Recht auf Reparatur
    Zentrale inhaltliche Forderung der Stellungnahme war das grundlegende Recht auf Reparatur. Das bedeutet: Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Updates und Anleitungen für unabhängige Werkstätten und Initiativen sowie eine Garantie, die die Reparatur dem Austausch bevorzugt.
  • Digitaler Produktpass
    Verbraucher:innen sollen Zugang zu allen Informationen haben. Darum will der Ausschuss einen digitalen Produktpass für mehr Transparenz in der Lieferkette und Öko-Labels, die halten was sie versprechen.
  • Nachhaltigkeitsstandards
    Nachhaltigkeitsstandards wie Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit sollen für alle Produktgruppen gewährleistet werden. Verbraucher:innen müssen wissen, dass alles, was sie kaufen können, Mindestanforderungen an Nachhaltigkeit entspricht.
  • Herstellerverantwortung im gesamten Lebenszyklus des Produkts
    Nachhaltigkeitsstandards dürfen nicht auf Kosten der Verbraucher:innen gehen. Es muss geprüft werden, ob die Garantie an die erwartete Lebensdauer angepasst werden kann. Die Grünen plädieren für die direkte Herstellerverantwortung – von Produktion bis Entsorgung.
  • Re-Use in öffentlicher Beschaffung
    Grüne und Soziale Beschaffung soll sektorspezifisch gesetzgeberisch festgelegt werden. Hierzu gehört auch der Einkauf von Secondhand-Waren. Außerdem soll durch den Zerstörungsstopp unverkaufter Waren die Wiederbenutzung angeregt werden. 

Buki Akomolafe für L’Belle Awards nominiert

Das Berliner Modelabel Buki Akomolafe ist bei den diesjährigen L’Belle Awards in der Kategorie „Fashion Icon of the Year“ nominiert. Die Preisverleihung findet am 28.11.2020 in Paris statt. Wir drücken die Daumen!

Das Motto des Awards 2020: World of Colors, also die Welt der Farben. Das Motto ist nach Angaben der Macher:innen inspiriert von der großen kulturellen Vielfalt Afrikas, das sich in den Menschen, den Sprachen, den verschiedenen Ethnien, Traditionen, Religionen, Ressourcen und den individuellen Vergangenheiten widerspiegelt. Die Preisverleihung soll dazu dienen genau diese Vielfalt zu zelebrieren und dabei den afrikanischen Kontinent, dessen Wirkung weltweit spürbar ist, erstrahlen zu lassen.

Über die gleichnamige Modedesignerin Buki Akomolafe findet ihr auch ein spannendes Porträt in unserem Buch „Fashion Changers – Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können.“

Kollektions-Launch MOOT

Das Label MOOT haben wir euch bereits als eines der Newcomer-Entdeckungen des Jahres vorgestellt. Jetzt launcht das Label eine neue Kollektion und die kann sich wirklich sehen lassen. MOOT überzeugt nicht nur durch freshes Design, sondern auch durch ihre Philosophie hinter dem Label.

Made Out Of Trash – der Name, der sich hinter dem Akronym MOOT versteckt, ist Programm: Das Upcycling-Label produziert tragbare Unisex-Mode massentauglich aus Textilmüll. Gefertigt werden die Kleidungsstücke in Berlin. Die T-Shirts und Longsleeves aus der neuen Kollektion entstehen aus ausrangierter Jersey-Bettwäsche. Die kuscheligen Winterjacken aus Wolldecken. Diese stammen aus der Sortierung in Quakenbrück. Die gewählten Stücke kommen dann in die Färberei nach Marburg und von dort zur Näherei nach Berlin. All in all legt ein Kleidungsstück bei MOOT lediglich 500 – 800 Kilometer zurück.

Wer sich jetzt persönlich von den Teilen überzeugen will, dem sei der Pop-up-Shop bei rack ’n white in der Brunnenstraße 12 in Berlin empfohlen. Dort gastiert das Label aktuell.

Yogis gegen Rechts

Mit dem Instagram-Kanal @shantifa_yogisgegenrechts launcht ein Kollektiv aus Yogi:nis ein starkes Statement gegen Rechts. Das Motto: „Manchmal erfordert Anstand Abstand“. Auf dem Social-Media-Kanal zeigen sich viele verschiedene Yoga-Praktizierende mit eindeutigen Botschaften gegen Menschenfeindlichkeit und für ein tolerantes Miteinander. Auch mit dabei: unsere Lieblings-Yoginis von Fuck Lucky Go Happy.

Dass die Yogaszene politisch Stellung bezieht, ist längst überfällig. Gerade in Zeiten von Coronaleugner:innen und dem oft schmalen Grat zu esoterischen, alternativen Heilmethoden, Impfgegner:innen & Co.

Neuer Podcast: Fashion Africa Now

Lange war es angekündigt, jetzt ist er endlich da: der Fashion Africa Now Podcast. In diesem spricht die Fashion Africa Now-Gründerin Beatrace Angut Oola mit Designer:innen, Kreativen, Historiker:innen, Wissenschaftler:innen, Modemenschen und Branchenexpert:innen darüber, was Mode heutzutage für den afrikanischen Kontinent bedeutet. Wie es in der Vergangenheit aussah und was die Zukunft bringt.

Und auch das Thema Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit darf nicht zu kurz kommen. Genau deswegen war auch Fashion-Changers-Co-Gründerin Jana zu Gast bei Beatrace. In Folge 2 könnt ihr den Beiden (auf Englisch) lauschen, wie sie darüber sprechen, warum Conscious Fashion die Zukunft ist.

„Fashion is a vehicle to improve certain things and empower people.“

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Lovjoi gewinnt Vegan Fashion Award

Bereits zum siebten Mal zeichnet PETA Deutschland in diesem Jahr Labels aus, die auf eine vegane Verarbeitung Wert legen. Damit will die Tierrechtsorganisation zeigen, dass stylische Kleidung auch ganz ohne Tierleid auskommen kann.

In diesem Jahr ist auch das vegane Fair-Fashion-Label Lovjoi unter den Gewinner:innen. Ihr Kleid ERICA kann in der Kategorie „Bestes Fashion Piece Damen Sommer“ punkten. Überzeugt hat die Jury wohl das farbenfrohe Muster. Wir gratulieren!

Weitere Fair-Fashion-Labels unter den Gewinner:innen: Dariadeh, HempAge, EYD Clothing, Dedicated, Doublethwears, LangerChen und Monkind

Neue Leihmode: Fairnica x Greenstyle

Fairnica, das Mietmodell mit Capsule-Wardrobe-Prinzip, hat eine neue besonders interessante Kapsel zum Leihen herausgebracht. Gemeinsam mit der Journalistin, Content Creatorin und Messeveranstalterin Mirjam Smend von Greenstyle hat Kapsel Pauline das Licht der Welt erblickt. Das Besondere? Die Capsule Wardrobe wurde insbesondere an den Bedürfnissen einer Businessgarderobe ausgerichtet. Clever!

Public Climate School von Students for Future

Vom 23. bis 27.11. rufen die Students for Future zur dritten "Public Climate School" (PCS) auf. Diese wird aufgrund der Corona-Pandemie komplett digital in Deutschland und Österreich stattfinden. Mit dem Projekt soll ein Modell für zukünftige Bildung geschaffen werden, in dem die Klimakrise verstärkt thematisiert wird und in dem Bildung offen für alle ist.

Ziel der dritten Public Climate School ist es, Bildungskonzepte und klimapolitische Inhalte in einem „alternativen Stundenplan“ zu vermitteln, um so aufzuzeigen, wie Bildung im Kontext von Visionen der Klimagerechtigkeit aussehen könnte. Hierzu werden Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus verschiedensten Fachbereichen, Vorträgen, Diskussionen und Workshops anbieten.

Innovatives Design von Akjumii

Das Fair-Fashion-Label Akjumii geht mit einem besonders ausgeklügelten Design ins Rennen. In ihrer aktuellen Crowdfunding-Kampagne präsentieren sie den 3in1 Coat. Der Mantel ist nicht nur super innovativ wandel- und einsetzbar - er fungiert als Mantel, Jacke und Weste. Nein, das Label geht noch einen Schritt weiter und gibt eine lebenslange Garantie auf das besondere Kleidungsstück. Akjumii zeigt, dass es viele Ideen gibt, die Modewelt besser zu machen.

Special Black-Friday-Aktion: Xeno verdoppelt Preise

Statt sich an der Black-Friday-Rabattschlacht zu beteiligen, erhöht die Hamburger Naturkosmetikmarke Xeno am Black Friday ihre Preise um 100 Prozent. „Fehlkäufe sind für niemanden gut. Noch nicht mal für den
Verkäufer. Ich rate manchmal Kunden vom Kauf unserer Produkte ab, wenn ich merke, dass die Kundin oder der Kunde eigentlich etwas anderes benötigt. Ich glaube daran, dass das langfristig für alle am besten ist: Für unsere Kunden, für die Umwelt, für uns und damit auch für unsere Lieferanten“, begründet Xeno-Gründerin und -Geschäftsführerin Lara Schimweg den Hintergrund der Aktion.

Dass sie dadurch am Black Friday wahrscheinlich keinen nennenswerten Umsatz machen wird, nimmt Lara in Kauf. Und falls die Kasse doch klingeln sollte: Der Umsatz aller am 27.11. verkauften Produkte wird in die Weiterentwicklung eines Refill-Systems investiert. Starke Aktion!

Weitere Black-Friday-Aktionen in der Modewelt

Bei dem Fair-Fashion-Label ARMEDANGELS heißt es dieses Jahr: Regenwald statt Konsumwahn. Kund:innen können während der sogenannten Green Vote Week statt Discount-Codes ein Stück Regenwald in ihren Warenkorb packen. Bei jedem Einkauf, der zwischen dem 25. und 30. November getätigt wird, können bis zu drei tennisplatzgroße Flächen des ecuadorianischen Nebelwaldes geschützt werden. Den Käufer:innen ist dabei selbst überlassen, ob und wie viel sie zum Erhalt des Regenwaldes beitragen möchten.

Auch das Fair-Fashion-Label NIKIN möchte sich nicht an Rabattschlachten beteiligen. Stattdessen setzt das Label auf noch mehr Klimaschutz. Anlässlich des Green Friday Wochenendes vom Freitag, 27. November bis Montag 30. November 2020 pflanzt NIKIN für jedes verkaufte Produkt zwei Bäume statt nur einem. Das Unternehmen möchte so einen Teil der am Black Friday verursachten Emissionen kompensieren.

Auch der Fair-Fashion-Store Loveco aus Berlin lässt sich nicht von Rabattschlachten beeindrucken. Bei Loveco heißt es: Fair Friday statt Black Friday. Das Unternehmen dreht den Spieß um und spendet 100 Prozent der Gewinne, die zwischen dem 27. und 30. November erzielt werden. Die Aktion jährt sich bereits zum dritten Mal. In den Jahren zuvor konnten dabei jeweils 1000 Euro und 1250 Euro für gemeinnützige Zwecke gespendet werden.

New Label: tiija

Unsere Contributorin Mia Marjanovic von heylilahey hat gemeinsam mit ihrem Mann Jesse Abrams ein Fair-Fashion-Label gelauncht. tiija macht wunderschöne, lässige, und dennoch schicke Kleider mit vielen tollen Features. Die erste Kollektion besteht aus zwei Modellen (ein Maxikleid, ein Wickelkleid) in je zwei verschiedenen Farben. Die Kleider werden unter fairen Bedingungen in Bulgarien hergestellt, bestehen aus Tencel oder Leinen und haben alle Taschen! Das Label arbeitet aktuell nur on demand. Vorbestellen kann man die schönen Kleider deswegen vorerst nur noch bis zum 27.11..

Schatzkiste Instagram: 10 coole Fair-Fashion-Labels

Immer wieder fragen Fair-Fashion-Neulinge, aber auch lange Wegbegleiter*innen: Wo finde ich denn jetzt coole, neue Fair-Fashion-Labels? Die Antwort darauf lautet: auf jeden Fall immer bei Instagram.

Nirgendwo sonst laufen uns so viele neue Fair-Fashion-Labels über den Weg, wie auf der Social Media Plattform. Das Schöne: Durch die visuelle Wahrnehmung bekommt man immer auch gleich ein Feeling für die Brand, entdeckt absolute Geheimtipps und auch Macher*innen deren Marketingbudget noch nicht für die ganz großen Kampagnen reicht.

10 neu entdeckte, coole Fair-Fashion-Labels

Wir öffnen heute unsere Schatzkiste für euch und stellen euch 10 Fair-Fashion-Labels vor, die uns in den letzten Wochen via Instagram über den Weg gelaufen sind. Habt ihr sie schon gekannt?

– Werbung (unbezahlt): Dieser Artikel enthält Links zu kommerziellen Webseiten –

birdsong

birdsong ist ein UK-Label, das nicht nur durch ein cleveres Made-to-Order-Prinzip auffällt, sondern auch durch ihre inklusive Größentabelle. Wenn Kleidung nur auf Bestellung hergestellt wird, ist dies natürlich auch leichter umzusetzen. Dennoch würden wir uns einen solchen Ansatz von noch mehr Labels wünschen. birdsong überzeugt sowieso durch komplette Transparenz. An den einzelnen Kleidungsstücken gibt es nicht nur alle Informationen zu den Materialien, sondern auch zu den Macher*innen.
Das sieht dann zum Beispiel so aus:

[ads-quote-center cite=“]“Your new favourite dress will be cut and sewn by Fateha, Malika and the gang at Stitches In Time community arts charity in Limehouse.  Our postage and packaging is carried out by adults with learning disabilities in Kentish Town, and all orders will go out via Royal Mail First Class.“[/ads-quote-center]

Auf ihrem Instagram-Account leisten sie außerdem hervorragende Aufklärungsarbeit und stellen vor ihre Mode immer wieder andere Themen rund um Frauenrechte, Gerechtigkeit und soziale Verantwortung. We like!!!

 
 
 
 
 
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Neumühle

Das Schweizer Fair-Fashion-Label Neumühle hat nicht nur eine sehr sympathische Gründungsgeschichte, sondern überzeugt auch durch soziale und ökologische Verantwortung. Mutter Edith ist für die hauseigene Häkel-Kollektion zuständig, während sich Sohn Andreas um die Entwicklung neuer Produkte kümmert. Ansässig sind sie in dem beschaulichen Tal Neumühle, das dann auch gleich mal Namensgeber wurde.

Das Sortiment ist überraschend vielfältig: Von coolen Caps über Swim- und Activewear aus Econyl bis hin zu Rucksäcken und Taschen ist alles dabei. Viele der Produkte werden in Zusammenarbeit mit Organisationen gefertigt, die insbesondere marginalisierte Gruppen fördern. Weiterer Pluspunkt: Eure Swimwear könnt ihr bis zu fünf Jahre kostenfrei reparieren lassen.

 
 
 
 
 
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Fanfare (ehemals Fabric For Freedom)

Fanfare ist ebenfalls eine in UK ansässige Brand, die sich vor allem gegen moderne Sklaverei und Armut, erzeugt durch die Textilbranche, stellt. Dabei setzen sie gleichermaßen auf ökologlische und Re- bzw. Upcycling-Materialien. Die Plattform bietet verschiedenen Fair-Fashion-Labels die Möglichkeit sich zu positionieren. Grundvoraussetzung: eine ethische Produktion.

Außerdem veranstaltet Fanfare regelmäßig Events und klärt im firmeneigenen Blog über viele verschiedene Nachhaltigkeitsthemen auf.

 
 
 
 
 
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Salzwasser

Salzwasser produziert nicht nur ökofaire T-Shirts, Hoodies und Accessoires, sondern hat auch einen sehr ganzheitlichen Ansatz an Unternehmenspolitik. Bei dem Label aus Hamburg steht nicht Wachstum an erster Stelle, stattdessen verfolgen sie unternehmerische Ansätze, „um Geldströme im Sinne des Meeres-, Küsten- und Umweltschutzes sinnvoll zu lenken.“

Ihre Kommunikation ist auffallend transparent und systemkritisch. Über jeden einzelnen Schritt ihrer Produktion informieren die Gründer Jan und Lennart auf ihrer Webseite. Außerdem findet sich dort ein großes Angebot an Informationen rund um Meeresschutz und nachhaltiges Wirtschaften.

 
 
 
 
 
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Gnana

Das Fair-Fashion-Label Gnana fertigt wunderschöne Kleidung, um Weiblichkeit, Einfachheit und die Natur zu feiern. Die Produktion erfolgt ausschließlich in Rumänien in Produktionsstätten, die sie, nach eigenen Angaben, alle persönlich kennen. Außerdem wird lediglich in sehr kleinen Auflagen produziert, um eine Überproduktion zu vermeiden.

Mehr als die Hälfte der Stoffe kommt aus unverkauften Restbeständen, weitere 40 Prozent der Materialien werden direkt vor Ort in der Nähe von Bukarest, Rumänien gefertigt. Das Label verzichtet komplett auf Polyester und Nylon.

 
 
 
 
 
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N’go

Wie wichtig die Förderung traditioneller Handwerkskunst ist, können wir nicht oft genug betonen. Umso besser, wenn es sich Fair-Fashion-Labels zur Aufgabe machen genau diese in ihre Produkte einfließen zu lassen bzw. ihre Produkte so designen, dass, oftmals marginalisierte, indigene Gruppen ihre traditionelle Kunst weitertragen können. Sie tragen damit aktiv dazu bei, dass altes Kulturerbe bewahrt werden kann.

Der Schuhhersteller N’go tut genau das in Vietnam. Zusammen mit 15 Frauen der White Thai Minority in den Provinzen Nghe An und Hoa Binh entwickeln sie Schuhe, die die alte Webtradition weiterträgt. So trifft französisches Sneakerdesign auf vietnamesische Webkunst. Auch der Rest des Schuhs wird unter fairen Bedingungen in Vietnam gefertigt. Die Ledervarianten sind mit chromfrei gegerbtem Leder ausgestattet, die Sohlen bestehen aus Naturkautschuk. Ganz neu ist auch eine vegane Linie, die komplett aus Textil und Naturkautschuk besteht. On top gibt es einen Recyclingservice für ausgediente Schuhe.

 
 
 
 
 
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StudioKôr

StudioKôr bietet Secondhand- und Vintagemode auf sehr hohem Niveau an. Die Gründerin Laura Pauswang will zeigen, dass ein nachhaltiger Ansatz an Mode auch sehr trendbewusst und modern sein kann. StudioKôr fokussiert sich in der Auswahl der Vintagesstücke auf zeitlose Klassiker und schlichte Formen.

 
 
 
 
 
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Rakkit

Sportkleidung ist ja immer so ein Ding. Klar gibt es im nachhaltigen Bereich viel Yoga- und Swimwear. Aber was ist eigentlich mit anderen Sportarten? Wie zum Beispiel Tennis? Genau das muss sich wohl auch der Gründer von Rakkit Can gedacht haben. Deswegen ging er das Thema kurzerhand selbst an und produziert nun T-Shirts, die perfekt zum Training auf dem Platz, aber auch fürs Laufen oder Gewichtheben gemacht sind.

Cans Mission ist klar: Er möchte dazu beitragen, dass die Meere vom Plastikmüll befreit werden. Sein Ansatz läuft deswegen über dieses Shirt, das aus Econyl gefertigt wird. Produziert wird in Österreich. Außerdem arbeitet Rakkit mit der NGO Healthy Seas zusammen, um noch mehr Impact in Sachen Meeresschutz leisten zu können.

 
 
 
 
 
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BYADÈLE

Der Newcomer unter den Fair-Fashion-Labels: BYADÈLE setzt auf Langlebigkeit und eine hochwertige Verarbeitung, sodass die wunderschönen Stücke am besten von Generation zu Generation weitergegeben werden können. Das Label möchte radikale Transparenz üben und zeigt deswegen auf seiner Webseite, wie sich die Preise zusammensetzen und wo produziert wird. Gespickt mit kleinen, persönlichen Geschichten lässt es die Kund:innen eintauchen in die Prozesse hintern den Kleidungsstücken.

BYADÈLE hat wirklich sehr besondere Kleider, Blusen und sogar hochzeitstaugliche Stücke in ihrer bewusst saisonlosen Kollektion. Eine wunderschöne Instagram-Neuentdeckung!

moot

Ebenfalls ein Newcomer aus der Hauptstadt: moot steht für „made out of trash“. Und das Label nimmt das durchaus wörtlich. Ihr erstes Produkt: Ein cooles T-Shirt aus alter Bettwäsche. Dafür verwerten die Macher:innen aussortierte zum Wegwerfen verdammte Baumwoll-Jersey-Bettwäsche und fertigen daraus astreine Shirts, die allesamt direkt in Berlin produziert werden.

Mit diesem Ansatz entstehen sogenannte Massenunikate. Alle Stücke sind durch den Upcyclingprozess einzigartig, aber in Schnitt und Verarbeitung gleich. Überzeugend!

Fashion Changing News: Emma Watson sorgt für Furore und Influencer*innen gründen Gewerkschaft

In den letzten Wochen hat sich wieder einiges getan in der (nachhaltigen) Modebranche. Warum Emma Watson jetzt mehr Einfluss denn je hat und Medienschaffende sich weltweit besser organisieren wollen, erfahrt ihr hier. Außerdem gibt es News von vielen Fair-Fashion-Labels wie Ecoalf, Maska und erlich Textil.

Emma Watson wird Nachhaltigkeitsbeauftragte bei Kering

Emma Watson steht seit einigen Jahren für Fair Fashion, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeitsthemen, wie kaum eine andere Schauspielerin oder Medienfigur. So ist es nicht verwunderlich, dass sie nun auch den entsprechenden Jobtitel trägt. Im Juni wurde Emma Watson Nachhaltigkeitsbeauftrage bei Kering, dem Mutterkonzern von Gucci.

Sie ist damit das jüngste Vorstandsmitglied in dem Unternehmen und möchte gerade deswegen die Interessen der jungen Generation vertreten. Dies bedeute, dass Unternehmen jetzt Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft übernehmen müssen, so Watson. Zu Kering gehören u.a. außerdem die Moderiesen Yves Saint Laurent, Balenciaga und Alexander McQueen. Weitere Infos zu der Neuigkeit und wie die Schauspielerin ihre Rolle bei Kering ausfüllen möchte, lest ihr im großen Vogue-Interview.

„Zu diesem noch nie dagewesenen Zeitpunkt in der Geschichte müssen wir große Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen, um das, was wir tun und wie wir es tun, positiv neuzuerfinden und umzugestalten.“ Emma Watson für Vogue Deutschland

Ob die Rolle im Vorstand auch kritisch betrachtet werden kann, haben unsere Kolleginnen von Sustainable Fashion Matterz unter die Lupe genommen. 

Womom, jetzt Adieu Cliché, ist auf der Reise

Das Münchner Label Adieu Cliché, ehemals Womom hat bereits im Mai große News verkündet. Nach längerer Suche haben Sie nun eine eigene Produktionsstätte in Portugal. Dort werden ab sofort unter fairen Bedingungen ihre Sweater gefertigt. Und auch bei ihren Druckfarben tut sich einiges. Die Prints bzw. deren Farben sind nun OEKO-Tex-zertifiziert. Womom geht also weitere, wichtige Schritte in Richtung Nachhaltigkeit.

Ihre neue Kollektion „On a Journey“ ist ab sofort in deren Onlineshop erhältlich. Begleitet wurde der Launch der Kollektion mit der Kampagne „Faces of the phases„, die ganz in schönster Womom-Manier verschiedene Frauen und ihre Geschichten zu Wort kommen lässt.

Neonyt und Premium ziehen nach Frankfurt

Reise ist auch das passende Stichwort für die kommenden Fashion Weeks. Die nachhaltige Modemesse Neonyt und die internationale Handelsmesse Premium gaben im Juni bekannt, dass sie ab Sommer 2021 in Frankfurt Zuhause sein werden. Als Gründe dafür wurden vor allem logistische Verbesserungen genannt. Fakt ist, dass Frankfurt am Main Dreh- und Angelpunkt für internationale Routen ist und selbstverständlich gut gelegen ist, um in die Welt zu kommen.

Gemeinsam mit den beiden Messen werden zukünftig auch die Konferenz Fashionsustain und ein großes Rahmenprogramm in Frankfurt stattfinden. Was genau dies für die Zukunft der Berliner Fashion Week bedeutet, bleibt bislang unklar, da sich die Veranstalter*innen beider Seite dazu eher bedeckt halten. Der Kreativstandort Berlin steht nun aber definitiv vor einer Herausforderung.

Zur kommenden Fashion Week vom 19. bis 21. Januar 2021 wird die Neonyt weiterhin in Berlin ausstellen.

Maska launcht Unisex-Kollektion

Überraschende News von dem schwedischen Label Maska: für den kommenden Herbst/Winter 2020 wird die erste Unisex-Kollektion präsentiert. Gemeinsam mit der Designerin Esmeralda Vidfar, die vorher bei Jil Sander tätig war, bringt Maska eine Kollektion heraus, die mit ihren nachhaltigen, zeitlosen Styles ein klares Zeichen gegen „Fast Fashion“ setzt. Und damit auch noch, ganz nebenbei, für Geschlechtergerechtigkeit steht.
Jede*r kennt die flimmernden Lichter, die erscheinen, sobald man die Augen schließt. Dieses Phänomen diente als grundlegende Inspiration für die neue Kollektion. Maria Svensson, CEO und Founder von Maska, sagt:

„I find breaking points very interesting and we’re actually in one right now. It’s a raw, yet refined collection, that unfolds through the eye of mind.”

Die Farbpalette ist angelehnt an die sogenannten „Dream Paintings” von Miro aus den späten 1920ern, und reicht von Canvas White, über dunkles Grau, Blau, Grün bis hin zu Erdtönen. Im Kontrast dazu stehen Farben wie Geranienpink, leuchtendes Petrol und Himmelblau. Auch die Silhouetten der Kollektion erinnern an die späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre: Gerade und kastige Schnitte, mit einer hohen Taille, die Akzente setzt. Die Kollektion ist elegant und dennoch spielerisch, und spiegelt die freien Gedankenflüsse wider, die den Surrealismus auszeichnen. Das Team ließ sich zudem von früheren Maska-Modellen aus dem Archiv inspirieren, um mit der aktuellen Kollektion dem ursprünglichen Stil treu zu bleiben.

In Deutschland findet man Maska zum Beispiel in sämtlichen Glore Stores, bei About Given in München, bei Wertvoll in Berlin und Paletti in Hamburg.

Britische Influencer*innen gründen Gewerkschaft

Als Antwort auf Diskriminierung und Marginalisierung, insbesondere von Influencer*innen of Color, haben sich in den USA und Großbritannien Medienschaffende organisiert, um sich zukünftig über die Gewerkschaft The Creator Union absichern zu können. UK folgt damit dem Beispiel aus den USA, das im Juni diesen Jahres gelauncht wurde: American Influencer Council.

Ziel der beiden Organisationen ist es, Influencer*innen künftig in ihren Verhandlungen zu stärken und für Transparenz in der Branche zu sorgen. Das Fehlen dieser sorgt nämlich unweigerlich dafür, dass Unternehmen Content Creator ausbeuten können, indem sie für Kampagnen und Zusammenarbeiten Honorare zahlen, die teilweise weit unter dem Branchendurchschnitt liegen. Dies belegte nicht zuletzt der anonym geführte Instagram-Account @influencerpaygap.

Da das Influencermarketing mittlerweile ein Milliardengeschäft ist, ist es umso wichtiger, dass Medienschaffende sich organisieren und gegen Diskriminierung und Intransparenz organisieren. Diese zeigt sich, wenig überraschend, vor allem im Hinblick auf Hautfarbe und normative Schönheitsideale.

Ecoalf eröffnet Flagship-Store in Tokio

Das spanische Label Ecoalf expandiert in die japanische Hauptstadt. Mitten im belebten Stadtviertel Shibuya eröffnete nun Anfang Juni ein einzigartiger Store auf 264 Quadratmetern. Architektonisch orientiert sich der Store an der Symbiose von Innovation und Nachhaltigkeit. So setzt der japanische Architekt Yohei Sakamaki bewusst auf natürliche, lokale Materialien wie Bambus, Stein und Holz. Bei der Ausgestaltung wurde insbesondere auf recycelte Materialien und Upcycling wertgelegt

Upcycling-Prozesse spielen im Inneren des Shops eine zentrale Rolle. So schweben die Kleidungsstücke an Bambusbügeln, die mit Bändern, aus recycelten Materialien einer Lederwarenfabrik, befestigt sind. Das Holz des Bodens und der Wände stammt von den Gerüstbrettern aus dem Bauprozess. 

Das Obergeschoss dient vor allem als Raum für Bildungsveranstaltungen, Workshops und Vorträge.  Die oberen Räumlichkeiten sind den Ecoalf #ACTNOW Events gewidmet: regelmäßigen Veranstaltungen, bei denen Ecoalf verschiedene Akteure mit Projekten rund um Mode, Innovation oder Nachhaltigkeit einlädt, ihre Philosophie zu teilen, das Bewusstsein zu schärfen und über Nachhaltigkeit aufzuklären.

Unterwäsche-Label erlich wird 4

Das Kölner Fair-Fashion-Label erlich wird vier Jahre alt und wir gratulieren ganz herzlich. In den letzten Jahren ist das Sortiment des einstigen Unterwäscheherstellers immer weiter gewachsen und bietet mittlerweile vielfältige Möglichkeiten, um sich nachhaltig einzukleiden, im Interiorbereich grüner zu werden oder sich sogar natürlich um die eigene Hautpflege zu kümmern.

Die nachhaltige Unterwäsche wird in Deutschland auf der Schwäbischen Alb gefertigt und bewahrt so ein Handwerk, das lange Zeit schon in der Region präsent ist. Die Produktion der Heimtextilien, T-Shirts und Socken wurde in die Region rund um Porto, Portugal ausgelagert. Wir wünschen alles Gute für die Zukunft und freuen uns, euch beim Wachsen zuzuschauen!

Puma experimentiert mit nachhaltigen Herstellungsverfahren

Das deutsche Sportswear-Label Puma macht weitere Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Nachdem sie in den letzten Jahren immer mal wieder kleine Kollektion auf den Markt brachten, kommen sie nun mit einer ganz neuen Innovation um die Ecke. Die Kollektion „Design To Fade“ stellt zum einen Kleidungsstücke vor, die mithilfe von Bakterien gefärbt wurden und setzt zum anderen auf einhundertprozentige Kreislauffähigkeit. Dafür kollaboriert das Unternehmen mit den Biodesign-Expert*innen von Living Colour und Streamateria.

Die kleine Kapselkollektion zeigt auf jeden Fall Ansätze, die im großen Stil wirklich etwas in der Modebranche verändern könnten. Die natürliche Färbung mit Bakterien, wie es Living Colour zeigt, ermöglicht eine Entlastung des Ökosystems und das Wegfallen hochschädlicher Chemikalien. Streamateria setzt auf die Schließung des Kreislaufs, indem die Kleidungsstücke wirklich ein Verfallsdatum bekommen und nach gewisser Zeit vollständig renaturiert bzw. kompostiert werden können. Ob diese Schritte auch strukturell bei Puma etwas ändern werden, bleibt abzuwarten.

Weitere Infos dazu findet ihr u.a. bei Fashion United oder bei Puma direkt.

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Eine Branche im Stillstand – Wie kaputt ist die Modeindustrie?

„Sollte die Schließung über den April hinaus fortbestehen, rechnen wir nicht nur mit tausenden Insolvenzen in Textil-, Schuh- und Lederwarenbranche, sondern auch mit über einer Milliarde unverkaufter Artikel“

Die textile Welt steht still. Der Einzelhandel scheint tot und auch der Onlinehandel, auf den zu Beginn alle setzten, hat laut HDE (Handelsverband Deutschland) Hauptgeschäftsführer Genth um 20 – 30 Prozent abgenommen. Laut Tagesschau sogar um 35 Prozent. Das war der Stand Ende März.

Diese Woche, Ende April, öffnet der Einzelhandel nun langsam wieder seine Türen, die Prognosen sind aber verhalten. Der Tourismus, der in manchen Städten 20 – 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, bricht weg und das Kaufverhalten der Deutschen ist eher vorsichtig.

Die große Chance für Slow Fashion

„Ja endlich!“, mögen Fast Fashion-Kritiker*innen denken, denn endlich wird dieser massive Konsum gestoppt. Aber stimmt das denn? Ist es wirklich so einfach?

Das Problem dieses disruptiven Prozesses ist, dass Slow Fashion für die gesamte Modeindustrie von heute auf morgen nicht funktioniert.

Viele fragen sich, warum Kollektionen, die jetzt eigentlich dieses Frühjahr in den Schaufenstern hängen sollten, storniert wurden. Warum kann man die Sachen nicht einfach nächstes Jahr im Frühjahr verkaufen oder einfach später im Jahr anbieten?

Das System ist träge

Der Ausfall einer einzigen Kollektion ist mit Millionen von Arbeitsplätzen, Prozessen und festgefahrenen Strukturen verbunden, die nur ganz langsam im Sinne der Slow-Fashion-Bewegung umgestellt werden könnten. Die Lieferketten sind über die Jahre immer intransparenter und dadurch träger geworden. Vorgänge wurden durch Fast Fashion immer hektischer und globaler. Konsument*innen haben sich an die bis zu 24 Kollektionen im Jahr gewöhnt – genauso wie der Einzelhandel, die Jahresbilanzen, die Fabriken in Produktionsländern, die Rohstoffpreise und Abschriften-Konzepte der Branche.

Abschriften-Konzepte besagen, wann und wie die Ware reduziert wird.

Wie funktionieren Kollektionszyklen in der Modeindustrie?

Die Komplexität der Modeindustrie, die über 60 Millionen Menschen weltweit beschäftigt, kann ein einziger Artikel nicht abdecken. Um aber trotzdem zu verstehen, wie weitreichend die Auswirkungen von Corona hier sind, muss man die Kollektionszyklen der Modeindustrie verstehen.

Wieso ist mit der Beendigung der Corona-Maßnahmen die Krise noch lange nicht vorbei? Und warum hat die Industrie so reagiert, wie sie reagiert hat?

Schauen wir uns das Ganze am Beispiel eines Unternehmen im Premiumsegment durch, das lediglich vier Kollektionen im Jahr produziert. Das ist für die konventionelle Industrie im Durchschnitt sehr wenig. Wir betrachten den Ablauf von Sommerkollektion 1 und Sommerkollektion 2 in 2021, sowie die beiden Winterkollektionen in 2021.

Abbildung zur Entwicklung von vier Kollektionen am Beispiel Premiumsegment

Von der Ideensammlung zur Sample-Produktion

Zunächst wird die Kollektion entwickelt und festgelegt, was im kommenden Jahr „in Mode“ ist. Dazu werden Muster und Prototypen konzipiert. Parallel werden Marketingkonzepte geschrieben und das Lookbook erstellt. Die Prototypen werden in enger Zusammenarbeit mit den Produktionsstätten und der Qualitätssicherung abgestimmt.

Bevor die Kollektion wirklich in die Produktion geht, muss natürlich erst festgestellt werden, was wirklich vom Einzelhandel angenommen wird. Das ist die Zeit der „Orderperiode“ (= Bestellperiode). Hier wird auf Messen oder über Vertriebsagenturen die Kollektion verkauft. So wird also knapp ein Dreivierteljahr vor der Saison festgelegt, was und wie viel später tatsächlich gekauft wird. Das was man als Sample-Sale aus Outlets kennt, sind all die Teile, die in dieser Orderperiode den Einkäufer*innen zur Verfügung standen. Einige von ihnen sind Unikate, weil sie nie jemand geordert hat und sie so gar nicht zur Produktion in Erwägung gezogen wurden.

Orderperiode und parallele Abläufe

Nach dieser Phase werden die Aufträge gesammelt. Es folgt die letzte Schleife der Produktbeurteilung. Dafür müssen zunächst Produktionsmuster auf Basis der Samples bestellt und diese noch einmal beurteilt werden. Wenn das Unternehmen zufrieden mit den Produktionsmustern ist, wird die Produktion in Auftrag gegeben. Je nach Produktionsort muss daraufhin früh genug kontrolliert werden, ob die Kollektion auch verschifft wurde. Geht man von einer Frühjahrskollektion mit Auslieferung im Februar/März und einer Produktion in Indien aus, wird die Ware spätestens im Dezember auf die Schiffe verladen.

Dieser Vorgang läuft parallel und zeitlich verschoben für alle Kollektionen im Unternehmen (siehe Grafik): Während die Sommerkollektion für die Orderperiode vorbereitet wird, wird mit der Trendresearch für die Winterkollektion angefangen und so weiter. Dazu muss man im Hinterkopf behalten, dass zeitgleich die aktuelle Kollektion 2020 verkauft wird. Ein weiterer Vorgang also, der parallel läuft.

Fast Fashion treibt diese Vorgänge auf die Spitze

Puh, ganz schön viel Arbeit! Da kann man die berechtigte Frage stellen, wie ein Fast-Fashion-Unternehmen wie Zara das mit 24 Trend-Kollektionen im Jahr anstellt. Inditex (der Mutter-Konzern von Zara) hat ein Konzept entwickelt, das die Probleme von Fast Fashion deutlich aufzeigt: das Design-Team schickt Bilder von Laufstegen der verschiedene Fashion Weeks weltweit oder Trends, denen sie begegnen, direkt an ihre Produktionsstätten. Dort werden die abfotografierten Teile sofort in die Wirklichkeit umgesetzt. Es gibt keine langen Recherchen nach Materialien, Schnitten und Verfahren. Es wird das verwendet, was schnell zur Verfügung steht, um sofort den neuesten Trend zum Nachkaufen anbieten zu können. So werden hier alle zwei Wochen neue Aufträge zusätzlich zu den klassischen Kollektionen aufgegeben. Eine grafische Darstellung all dieser parallel laufenden Vorgänge würde ein Gantt-Chart im XXL Format füllen.

Das Problem der Modeindustrie ist komplex

Mit der obigen Grafik im Blick erklärt sich nun das Dilemma der Modeindustrie. Man geht davon aus, dass alleine in Bangladesch mehr als 50 Prozent der Bestellungen, die schon so gut wie fertig beziehungsweise sogar schon fertiggestellt waren, storniert wurden. Aktuellen Berichten zufolge haben zwar mehrere große Unternehmen über ihre Sprecher*innen bestätigen lassen, dass sie für die stornierten, bereits produzierten Kollektionen finanziell aufkommen werden. Ob dieses Versprechen eingehalten wird, wird sich jedoch erst in den nächsten Wochen zeigen.

Das, was in den letzten Wochen storniert wurde, also die Ware, die April/Mai 2020 in den Läden liegen sollte, ist eben schon längst produziert und seit knapp einem Jahr vorfinanziert. Hersteller in Bangladesch oder Indien haben das Material und die Arbeitskraft vorgestreckt und bleiben nun auf den Kosten sitzen. Außerdem ist die Produktion der nächsten Kollektionen, die jetzt anlaufen, gefährdet. Die intransparenten Lieferketten sind zudem höchst instabil. Wer weiß, ob in einem Monat der Reißverschluss-Hersteller aus der Türkei aufgrund von Maßnahmen gegen die Pandemie nicht pleite gegangen ist?

Niemand will die Ware

Das Problem der Stornierungen liegt vor allem im Abschriften- und Kollektionszyklus. Die Sommerkollektion wird im Juli abgeschrieben – sprich reduziert. Denn im August kommt schon die erste Herbst/Winter-Kollektion, für die die Frühjahrs/Sommerware Platz machen muss. Durch die Ladenschließungen in den letzten Wochen ist der Verkaufszeitraum der Frühjahrsware zu regulären Preisen unnatürlich verkürzt worden. So lohnt es sich in den Augen der meisten Unternehmen nicht mehr, die Frühjahrs-Sommermode überhaupt noch zu kaufen und auszuliefern. Die Einbußen durch die Schließungen könnten so noch weniger aufgefangen werden. Wenn die Ware gleich wieder reduziert werden muss, sind die Einnahmen sehr viel geringer als üblicherweise. Dies ist der Hauptgrund der massiven Stornierungen. Keiner will die Ware, denn keiner weiß, wie man sie gewinnbringend verkaufen soll.

Der Hersteller für Outdoor-Bekleidung Salewa kündigte an, die Ware des Frühjahrs 2020 mit in das nächste Jahr zu nehmen. So etwas fordert allerdings ein massives Commitment des Unternehmens. Denn es fallen entlang der Punkte 1 – 12 der Grafik oben für die kommende Frühjahrskollektion 2021 alle Jobs weg. Diesen Ausfall muss das Unternehmen also bis nächstes Jahr Sommer auffangen können. So ist das Stornieren der diesjährigen Frühjahrskollektion in den Augen vieler Unternehmen die günstigste aller Lösungen.

Lesetipp: Der News-Ticker der Textil Wirtschaft (Corona-bezogene Artikel sind aktuell kostenfrei zugänglich) informiert über aktuelle Entwicklungen

Niemand weiß, wie es weiter gehen soll

Es gibt bereits Meldungen aus der Industrie, dass versucht werde die überstürzten Stornierungen der Waren teilweise zurückzunehmen, weil einigen Unternehmen aufgefallen sei, dass sie Teile der Ware doch brauchen. „Ein ganz großes Durcheinander, und keiner weiß so recht, was morgen passiert. Entscheidungen werden wöchentlich über den Haufen geworfen“, heißt es aus den Reihen großer Textilgiganten.

Die bereits gefertigte Frühjahrs- und Sommerware liegt in Containern irgendwo zwischen Südostasien und Hamburg. Was mit den ganzen Sachen passiert, weiß noch niemand so genau. Szenarien von „die Hersteller selbst verkaufen die Ware günstig und drücken so die Marktpreise noch mehr“ bis hin zu „wird dann halt alles verbrannt“ sind möglich oder schon umgesetzt. Auch wenn natürlich jeder versuchen wird, solange wie möglich seine Ware zum Normalpreis zu verkaufen, wird es massive Rabattschlachten geben, gerade von Seiten der Discounter. Die Gefahr dabei: Konsument*innen wird noch stärker suggeriert, wie billig ein Textil sein kann.

Das System ist kaputt

Feststeht, dass durch diese Krise mehr denn je klar wird, wie kaputt das „System Mode“ ist. Wie der Ausfall einer einzigen Saison eine Milliarden-Dollar-Industrie ins Wanken bringt und Millionen von Existenzen gefährdet. Der Müllberg an unverkauften, ungetragenen Textilien auf Kosten von Mensch und Natur wird in dieser Krise explodieren. Alles was gerade passiert, schreit nach einem lang ersehnten Umbruch, nach einem stabilen und transparenten System und einem Strukturwandel des Konsumwahnsinns. Müssen es 4 – 24 neue Kollektionen pro Jahr sein? Könnten es nicht zwei Kollektionen mit sauber produzierter, qualitativ hochwertiger und fair entlohnter Ware sein? Muss wirklich schon im Juli Sommerware rabattiert werden, damit dann schon wieder der Strickpulli der nächsten Saison Platz auf der Fläche findet? Wie viel Sinn macht der ganze Wahnsinn noch?

Mit dem Andauern dieser Krise wird sich zeigen, ob sich nur in den Marketingabteilungen der Modeindustrie etwas tun wird, oder auch entlang der Lieferkette. 

Quellen:

  • Kleiderläden vor der großen Rabattschlacht
  • Textil Wirtschaft 15, 9.04.2020, S. 12
  • Abandoned?, The Impact of Covid-19 on Workers and Businesses at the Bottom of Global Garment Supply Chains, CGWR, March 27, 2020 (updated April 1, 2020)

Titelbild: Pim Chu/Unsplash

Wie die (Fair) Fashion Branche aktuell mit der Pandemie umgeht

Schnell wurde deutlich: Die Modebranche ist besonders stark von der Ausbreitung des Corona-Virus und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen betroffen. Welche Probleme werden gerade deutlich und wie geht die (Fair) Fashion Branche damit um?

Und plötzlich waren die Lieferketten sichtbar

Von der Baumwollplantage, in die Textilfabrik, zum Modelabel, in den Einzelhandel – so könnte man die Lieferkette eines T-Shirt sehr vereinfacht beschreiben, die nun vom Einzelhandel ausgehend von der Krise betroffen ist. Vor knapp drei Wochen schlossen in Deutschland die meisten Läden. Das bedeutete Umsatzeinbußen für den Einzelhandel über Nacht – ausgerechnet in der Zeit, in der die Warenlager voll mit den neuen Frühjahrskollektionen waren. Natürlich nicht ohne Folgen: Rechnungen an Modelabels konnten und können aktuell nicht bezahlt werden, die wiederum ihre Aufträge in Textilfabriken zurückziehen, wo Textilarbeiter*innen massenhaft entlassen werden. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Baumwolle, damit natürlich auch der Baumwollpreis und das setzt Rohstoffproduzenten enorm unter Druck.

Eine Million Textilarbeiter*innen werden entlassen

Rund 50 Millionen Menschen sind schätzungsweise weltweit in der Textilindustrie angestellt. Viele davon sind Frauen, die mit ihrem Job das Haupteinkommen für ihre Familie verdienen. In Bangladesch wurden bereits Aufträge für Exportware im Wert von 2,9 Milliarden Dollar gecancelt, 58 Prozent der Textilfabriken geschlossen und in der Folge eine Million Textilarbeiter*innen entlassen oder beurlaubt. Auch andere Standorte wie Kambodscha, Tamil Nadu (Indien) oder Pakistan sind stark betroffen. Es werden zwar hier und da Hilfszahlungen auf den Weg gebracht. Ob die allerdings auch ihren Weg zu den Textilarbeiter*innen finden, bleibt fraglich.

Immerhin: Nachdem H&M erklärte keine bereits in Auftrag gegebenen Produktionen zu stornieren, folgten die Modekonzerne Inditex, Marks&Spencer, Kiabi, PVH und Target. Ob H&M und Target nun aber den öffentlichen Erklärungen auch wirklich nachkommen, ist derzeit noch unklar. Primark und C&A gaben bisher nicht bekannt, ob sie ihre Zulieferer in den Seilen hängen lassen.
Auf dem Laufenden kann man aktuell zum Beispiel über den Hashtag #PayUp bleiben. Die Fair Wear Foundation veröffentlicht außerdem ein Dossier mit aktuellen Entwicklungen und Empfehlungen für Produktionsländer und Brands.

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UPDATE: Since posting, 3 of these brands – Kiabi, Target and Inditex – have agreed to pay for their completed and in-production orders. The same is true for PVH Corp & H&M, which is why they aren’t on the chart. We would emphasise that this is the bare minimum brands can do in supporting their supply chain workers, but we are motivated to see our community’s demands being heard.🌟 In today’s updates to our ongoing coverage of the effects of COVID-19 on global garment workers, we’ve shared a list of the top brands to cancel & hold orders in Bangladesh. The data comes from a report by Mark Anner of the Center for Global Workers’ Rights, which focuses on the impact in Bangladesh. While it’s important to recognise the systemic and global nature of these order cancellations (and know that these are far from the only brands engaging in this behaviour), it’s also astounding to witness the huge impact that the biggest brands can have in a country like Bangladesh, where some 4 million people are employed by the garment industry. You can send our email template to brands at the TAKE ACTION link in our bio, and learn more about the effects of this crisis. Let’s remember that our voices are louder together, and that our power to change the system is in our persistence. #FashionRevolution #WhoMadeMyClothes? *The total reported value of orders put on hold is USD 1.8 billion. The reported value of canceled orders is USD 1.4 billion. #payup

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Der Ruf nach mehr Verantwortung von globalen Modebrands

Die Pandemie zeigt uns aktuell also die Schwachstellen und die Fragilität der Modeindustrie besonders deutlich. Und leider auch, wie wenig die Interessen von Arbeiter*innen in Zeiten der Not priorisiert werden. Entlang der textilen Lieferkette sind alle betroffen und viele sehen ihre Existenz bedroht, am stärksten trifft es jedoch erneut die Schwächsten. Das Worker Rights Consortium fordert solidarisches Handeln von globalen Modebrands ein: kein Zurückziehen von Aufträgen, die eigentlich bereits besiegelt waren oder das Teilen von Finanzhilfen mit den Zulieferern. Es ist ein Ruf danach, dass global agierende Modebrands endlich mehr Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen.

Im Prinzip werden also nun genau die systemischen Probleme der Modeindustrie deutlich, für deren Sichtbarmachung Befürworter*innen eines Lieferkettengesetzes schon lange kämpfen. Auch das Inkota Netzwerk erinnert an die Wichtigkeit von gesetzlichen Regelungen, die die Verantwortung von Unternehmen gegenüber ihrer eigenen Lieferkette einfordern würden. Die Herausforderung: In Krisenzeiten kämpfen viele um ihre Existenz und sind nicht unbedingt bereit sich an einen Tisch zu setzen, um gleich die ganze Branche zu revolutionieren.

Fair Fashion in Zeiten von Corona

Und wie sieht es in der ökofairen Szene in Zeiten der Pandemie aus? Modelabels und Unternehmen mit ökologischem und sozialem Fokus übernehmen schon lange Verantwortung für das, was in ihren Lieferketten passiert und priorisieren die Rechte von Arbeiter*innen weitaus mehr als das im konventionellen Modebereich der Fall ist. So überrascht es zum Beispiel auch nicht, dass Armedangels – eines der größten deutschen Fair Fashion-Labels – sofort verkündet, keinerlei Aufträge zu kündigen. Die Fair Fashion-Branche trifft es deswegen allerdings nicht weniger stark im wirtschaftlichen Sinne, denn aufgrund der fairen Bezahlung entlang der Lieferketten fallen die Margen oft geringer aus als bei Fast Fashion-Unternehmen.

Dabei wäre es für die Modebranche besonders wichtig, dass faire und nachhaltige Unternehmen die Krise wirtschaftlich gut überstehen – sind sie es doch, die schon seit Jahren daran arbeiten, Wirtschaftsstrukturen positiv für Mensch und Umwelt zu verändern.

Bedrohte Existenzen

„Für uns ist die Krise existenzbedrohend. Wir haben bisher für alle Mitarbeiter*innen aus unseren Stores Kurzarbeit beantragt. Unser Antrag auf einen Kredit bei der IBB ist in Bearbeitung. Es wird eine sehr einschneidende Zeit für uns“, sagt Christina Wille von Loveco. Sie betreibt drei (nun vorübergehend geschlossene) Fair Fashion-Stores in Berlin. „Um unsere Umsatzeinbußen etwas abzufedern, pushen wir gerade mit aller Kraft unseren Onlineshop, der aktuell unsere einzige Einnahmequelle ist.“ Die Not macht kreativ: Christina bietet mit ihrem Team nun mittlerweile sogar eine Online-Beratung per Videochat an.

Andere größere Fair Fashion-Unternehmen wie beispielsweise Trigema und Wolford schwenken auf die Produktion von Schutzbedeckungen für Mund und Nase für Endkonsument*innen um. Der Wäschehersteller Mey produziert seit Kurzem Mundschutz, der auch für den medizinischen Bereich zugelassen ist.


Good to know:

  • Vanessa Janneck (Gründerin der B-Lage, Hamburg) gründet die Plattform 2gather.jetzt für Zusammenhalt in Krisenzeiten. Die Plattform soll kleine Unternehmen und Freiberufler*innen unterstützen
  • Sugartrends bietet eine Plattform für Einzelhändler*innen ohne eigenen Onlineshop
  • Der Marktplatz Avocadostore erlässt allen nachhaltigen Läden ohne eigenen Onlineshop die Anmeldegebühr

Die Fair Fashion Szene rückt zusammen

Wieder andere Fair Fashion-Labels und Shops gewähren gerade großzügige Rabatte, um weiterhin Kund*innen zu erreichen. Christina Wille findet das kontraproduktiv: „Rabattschlachten wie im konventionellen Bereich können uns allen schaden. Das wollen wir verhindern und wir müssen mit allen Beteiligten (Stores, Labels, Produzent*innen, Vertrieb) eine Lösung finden, die verlorenen Verkaufsmonate nachzuholen.“ Wenn sich Shops und Labels in Rabattschlachten – also dem ständigen Überbieten der Rabatte des Anderen – verlieren, macht die gesamte Branche weniger Umsatz. In Zeiten einer Krise will das natürlich vermieden werden.

Im Zusammenschluss mit den Unternehmer*innen hinter Langerchen, Lanius und Avocadostore hat sie deshalb die Initiative #fairfashionsolidarity ins Leben gerufen: Mit einem Manifest und mit konkreten Handlungsempfehlungen soll es einen gemeinsamen Weg durch die Krise geben. Bereits über 150 Unterstützer*innen sind dabei.

Claudia Lanius beispielsweise setzt bei der Kreation der Sommerkollektion für 2021 jetzt schon auf Kombinier- und Integrierbarkeit zur aktuellen Saison. Das Fair Fashion Label möchte so vorbeugen und verhindern, dass der Einzelhandel in dieser prekären Situation zu schnell zu Sales und Preisnachlässen greift: „Unsere Ware ist wertvoll, langlebig und nachhaltig – und das auch noch im nächsten Jahr!“, so richtet sich das Label in einem Brief an seine Kund*innen und bestärkt die Händler*innen darin, Ruhe zu bewahren.


Die Empfehlungen von #fairfashionsolidarity für Shops:

  • Mit den Brands in engen Austausch über die Begleichung von offenen Forderungen gehen, damit auch sie ihre Rechnungen begleichen können
  • Die Termine für die Auslieferung der Herbst- und Winterware in Absprache mit den Brands koordinieren, so das alle ihre Verpflichtungen erfüllen können
  • Sämtliche Kanäle dazu nutzen, diese solidarische Maßnahme zu kommunizieren und die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten in den Vordergrund stellen

Die Empfehlungen von #fairfashionsolidarity für Labels:

  • Den Shops beim Ausgleich der offenen Forderungen aus Frühjahr/Sommer 2020 durch Verlängerung der Zahlungsziele oder Ratenzahlungen entgegenkommen, soweit es die eigene Liquidität zulässt
  • Den Zeitpunkt der Lieferungen für die Saison Herbst/Winter 2020 mit den Shops besprechen. Ein erster Liefertermin könnte ab Ende August erfolgen. Falls gewünscht, kann der Shop auch früher Ware beziehen
  • Die Sommerkollektion 2021 so gestalten, das sie auf der aktuellen Kollektion aufbaut. So kann der Shop Warenüberhänge in die Saison Frühjahr/Sommer 2021 übernehmen. Dabei die Übernahmemöglichkeiten rechtzeitig an die Shops kommunizieren.
  • Für eine Auswahl an Styles eine Nachordermöglichkeit schaffen, um fehlende Größen aufzufüllen.
  • Die Vertriebsstrukturen auf eine spätere Orderrunde der Kollektion Frühjahr/Sommer 2021 vorbereiten. Z.B. im Zeitraum Mitte August bis Ende September 2020
  • Sämtliche Kanäle dazu nutzen, diese solidarische Maßnahme zu kommunizieren und die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten in den Vordergrund stellen.

„Die Fair Fashion Szene braucht jetzt Zusammenhalt, Mut für Innovationen und regelmäßigen Austausch“, findet auch Bloggerin Mia Marjanovic, die bereits seit sieben Jahren über faire Mode schreibt. Auch sie ist als Medienschaffende von der Krise betroffen, denn wenn Fair Fashion-Labels ums Überleben kämpfen, sind Budgets für Online-Marketing und Freiberufler*innen meist als Erstes eingefroren. „Es ist ein stetes Auf und Ab aus Kundenabsagen, Zukunftssorgen und gecancelten Events.“

Sorgen um das, was da noch kommt

Die große Frage, die bleibt: Wie soll das für die Modebranche weitergehen? Fachleute sagen: Wenn der Höhepunkt der Ausgangsbeschränkungen zu Ostern erreicht ist und es dann Lockerungen gibt, ist ein V-Verlauf das wahrscheinlichste Szenario. Das bedeutet, dass die Verkaufszahlen zum Ende des zweiten Quartals wieder ansteigen und die ausgebliebenen Konsumausgaben nachgeholt werden würden. Bei längerem Anhalten der Maßnahmen werden die Ausgaben für Kleidung voraussichtlich weiter sinken, da Konsument*innen sich eher auf das Wesentliche konzentrieren. Eine wirtschaftliche Erholung ist 2020 dann wahrscheinlich nicht mehr in Sicht. Doch auch das ist nur eine Prognose.

„Die größte Schwierigkeit liegt darin, dass niemand wirklich weiß, was passieren wird und worauf man sich einstellen muss – das hat einfach niemand schon einmal erlebt“, sagt Anna Yona, die Gründerin des Eco-Schuhherstellers Wildling. Mit ihrem Team hat sie inzwischen Wege gefunden, sich mit allen Lieferanten und Partnern auf eine erträgliche Kostenreduktion zu einigen.

Was es jetzt braucht

Ganz anders ist es im konventionellen Modebereich: Zu Beginn der Corona-Krise machte Adidas trotz Umsatzrekord in 2019 negative Schlagzeilen mit der Stundung von Mietzahlungen. Nach einer öffentlichen Entschuldigung will der Konzern nun doch Miete zahlen, aber angeblich auch einen Kredit in Milliardenhöhe beantragen.

Währenddessen fehlt die Unterstützung für kleine Unternehmen, wie man sie in der Fair Fashion-Branche fast ausschließlich findet. „Wir brauchen für den Moment finanzielle Unterstützung, die uns als kleines Unternehmen schützt. Derzeit werden nur Unternehmen bis 10 Mitarbeiter*innen oder Großunternehmen ab 250 Mitarbeiter*innen finanziell aufgefangen. Wir fallen mit unserer Größe von 16 Mitarbeiter*innen durchs Raster und können derzeit nicht genau absehen, was das langfristig für Folgen haben wird“, erklärt Christina Wille.

Anna Yona sieht auch bei verantwortungsbewussten Konsument*innen eine Chance für die Zukunft: „Ich glaube es braucht jetzt vor allen Dingen ein noch bewussteres Konsumverhalten als sowieso schon. Gerade in der Krise ist es unglaublich wichtig, die kleinen und unabhängigen Marken und Unternehmen zu unterstützen, damit die Diversität in der Modebranche erhalten bleibt und nicht nur die Großen überleben.“

Titelbild: Marco Bianchetti / Unsplash

Fashion Changing News: „nachhaltiges“ Zalando, Petitionsübergabe für faire Mode & Pop-Ups im Dezember

Messe Frankfurt kooperiert mit UN für nachhaltige Entwicklungsziele

Die Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN sollen auf den Textilveranstaltungen der Messe Frankfurt (über 50 weltweit) vorgestellt werden. Damit werden über eine halbe Million Fachbesucher erreicht. Erstmals Thema bei einer Veranstaltung der Messe Frankfurt waren die Entwicklungsziele während der NEONYT im Januar 2019 in Berlin. Nun besteht eine Kooperation mit der Conscious Fashion Campaign und dem United Nations Office for Partnerships. Die Conscious Fashion Campaign bringt Akteur*innen der Modeindustrie zusammen, um die Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele voranzutreiben. Die Modeindustrie habe einen enormen Einfluss auf die Erreichung der Ziele, so Robert Skinner, Executive Director beim United Nations Office for Partnerships (gegenüber Fashion United). Auch während der Berliner Fashion Week im Januar 2020 werden die Nachhaltigen Entwicklungsziele wieder eine Rolle auf der NEONYT spielen.

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Petitionsübergabe #fairbylaw am 27.11.2019

Nachdem die Berliner Unternehmerin Lisa Jaspers (Folkdays) über 154.000 Stimmen für ihre Petition #fairbylaw gesammelt hat, die ein Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht fordert, konnten wir endlich den nächsten Schritt gehen. Am 27. November haben Initiatorin Lisa Jaspers und Fashion Changers als Medienpartnerinnen die Unterschriften gemeinsam mit Aktivist*innen, darunter Fridays For Future und Scientists For Future, sowie Unterstützer*innen und Pressevertreter*innen an die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese (SPD), übergeben.

In den Redebeiträgen erinnerten Lisa Jaspers und Nina Lorenzen (Fashion Changers) an den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD, der ein Gesetz vorsieht, sollten die Ergebnisse der derzeitigen Überprüfung von 500 deutschen Unternehmen zeigen, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreicht. „Fehlende Transparenz kostet Leben. Und Freiwilligkeit kostet Zeit und wir haben keine Zeit. (…) Wir stehen hier als wachsame Bürger*innen vor Ihnen, um Sie als Entscheidungstragende an Ihre ökologische und menschenrechtliche Verantwortung in einem unnachhaltigen und unfairen Wirtschaftssystem zu erinnern“, schloss Nina ihre Rede ab. Wir freuen uns, dass wir mit dem BMAS endlich einen politischen Treiber dieses Gesetzes auf unserer Seite haben. Gleichzeitig wissen wir, dass wir jetzt – mehr als vorher – Druck machen müssen, damit ein solches Gesetz auch Realität wird und die 153.000 Stimmen weiterhin gehört werden. Denn eines wurde bei der Übergabe auch klar: Die Zukunft eines Gesetzes zur unternehmerischen Sorgfaltspflichten ist noch ungewiss.

Der Klimastreik vom 29.11.2019

Am 29.11. haben Zehntausende in Berlin erneut für das Klima gestreikt und sind auf die Straße gegangen – viele weitere auch in anderen Städten. Unter dem Motto #NeustartKlima forderten sie eine angemessene Klimapolitik, die sich an das Pariser Abkommen hält und äußerten außerdem Kritik am aktuellen Klimapaket der Regierung, das während der Demonstrationen häufig als „Klimapaketchen“ bezeichnet wurde. In Berlin wurden die Demonstrationen unter Anderem auch von prominenten Musikern wie Seeed unterstützt, die ohne Gage auftraten. Außerdem kam in Berlin auch zur Sprache, wie wichtig die Betrachtung der Modeindustrie beim Klimaschutz ist: Fashion Changers-Co-Gründerin Jana hielt einen Redebeitrag (nachzusehen auf @fashionchangers).

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Wird Zalando nachhaltig?

Zalando versieht seit Kurzem Produkte mit dem Wort „Nachhaltigkeit“. Außerdem gibt es eine Filterfunktion, mit der sich Online-Shopper*innen direkt die Kleidung anzeigen lassen können, die laut Zalando nachhaltig sind. Diese Kategorisierung verwirre mehr als dass sie Klarheit schaffe, so das Handelsblatt. Anstatt die Suche nach nachhaltiger Mode wirklich einfacher zu machen, wirft Zalando hier eine neue, willkürliche Kategorisierung dessen auf den Markt, was Nachhaltigkeit bedeutet. So gelten beim Online-Riesen nämlich schon solche Produkte als „nachhaltig“, die nur eine von vielen Anforderungen erfüllen. So werden beispielweise Produkte ausgezeichnet, die nur zum Teil recyceltes Material verwenden. Hier lässt sich berechtigterweise die Frage stellen, ob dieser Schritt von Zalando nicht sogar schädlich ist, da er Verwirrung stiftet, was Nachhaltigkeit bedeutet und somit zur Verwässerung des Begriffs beiträgt.

Olympia 12/06/2020

Am 21.11. startete das Crowdfunding „12/06/2020“, das 60.000 bis 90.000 Menschen im Olympiastadion versammeln soll, um gemeinsam Petitionen zu den Themen Klimakrise und soziale Ungerechtigkeit zu unterschreiben. Es soll ein Gefühl der gemeinschaftlichen Aktivierung entstehen, zusammen etwas für Klimaschutz und Gerechtigkeit tun zu können. Initiator der Kampagne ist das Berliner Unternehmen einhorn. Das Projekt zieht seit der Liveschaltung der Crowdfunding-Kampagne sehr viel Aufmerksamkeit auf sich und so wurde auch bereits Kritik bezüglich der hohen zu finanzierenden Summe und den Motiven laut. Anfangs würde die Veranstaltung als Bürger*innenversammlung bezeichnet, davon distanzieren sich die Initiatoren aber mittlerweile. In einem ausführlichen FAQ geht einhorn-Gründer Waldemar Zeiler auf die Kritik ein. Aktuell hat das Projekt über 500.000 Euro von 1,8 Millionen eingesammelt. Die Kampagne läuft noch bis zum 24. Dezember.

Disrupting Black Friday

Die Fotografin Cherie Birkner, die außerdem die Online-Plattform Sustainable Fashion Matterz bespielt, hat gemeinsame Sache mit Tainá Guedes (Gründerin Food Art Week), Lydia Maurer (Gründerin PHYLYDA) und Camila Soares (Executive Media Producer) gemacht und eine Anti-Black-Friday-Kampagne ins Leben gerufen. Die Idee: anstatt Rabatte auf die aktuellen Kollektionen anzubieten, sollen Modelabels viel eher Produkte aus früheren Saisons, Samples oder Teile mit kleinen Makeln günstiger anbieten. Auf diese Art findet ungenutzte Kleidung neue Besitzer*innen und Modelabels können Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ohne am Rabattwahn teilzunehmen. Begleitet wird die Kampagne von kreativen Fotos, die unseren Überkonsum zum Thema machen.

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Mehrere Pop-Up-Shops im Dezember

In Vorbereitung auf die Weihnachtszeit kündigen viele Labels und Brands Pop-Up-Shops an. Das Prinzip: einen zeitlich begrenzten Shop schaffen, in dem verschiedene Brands verkauft werden – meistens kleine Labels oder Marken, die vor allem lokal bekannt sind.

Das sind die schönsten Pop-Up-Shops im Dezember:

Ode an die Freunde – Der Slow Pop-Up-Shop von Dzaino findet vom 30. November bis 14. Dezember in der Heinrich-Heine-Straße 36 in Berlin statt. Mit dabei sind u.a. Kluntje, Almost 30, New Kids In The Hood und hejhej-mats. Außerdem gibt es auch Special Events wie z.B. ein Repair Café am 07. und 08. Dezember.

FOLKDAYS & Friends Pop-up Shops – Das Fair Fashion-Label Folkdays wird gleich an zwei Standorten im Dezember präsent sein. Vom 02. bis 21. Dezember kann man in Berlin schöne, fair produzierte Waren kaufen (Mit dabei z.B. ooshi, people berlin, Sister und Conflictfood). Am 06. und 07. Dezember macht der Pop-up auch in Wien in der Burggasse 24 Halt.

Der Super Fashion Markt – In Köln hat man vom 06. – 08. Dezember die Möglichkeit im Museum für Angewandte Kunst Mode, Schmuck und Accessoires von 40 verschiedenen Labels zu shoppen. Das ist Museumserlebnis, Weihnachtsshopping und Kaffeepause in einem Event vereint.

Fashion Changing News #7: Mango klaut Fair Fashion Design & mehr Diversität bei Chanel

Am Ende eines jeden Monats fassen wir in den News zusammen, was die Fair Fashion-Szene umgetrieben hat. Was war los, was durfte man nicht verpassen? Hier gibt es die spannendsten Fair Fashion News im Überblick.

Mango kopiert Fairtrade-Design von The Dharma Door

Seit 15 Jahren arbeitet die australische Designerin Shannon Sheedy daran, die Menschen hinter unserer Kleidung zu empowern. Mit ihrem Label The Dharma Door setzt sie auf traditionelle Handwerkskunst und fördert Kunsthandwerker*innen aus Bangladesch, um ihnen den Weg aus der Armut zu ermöglichen. Dass die spanische Fast Fashion-Kette Mango Profit über Menschen stellt, wissen wir. Egal, an welchem Ende der Produktionskette diese stehen. Und so musste Shannon Sheedy feststellen, dass Mango kürzlich eine nahezu identische Kopie ihrer 2017 entworfenen Carly Bag auf den Markt gebracht hat. Hierbei geht es um mehr als den Diebstahl von geistigem Eigentum. Denn Mango klaut das Design eines Fair Fashion Labels, das mit seiner Produktion Frauen* stärkt und traditionelle Handwerkskunst fördert, die durch die schneller werdende Modeproduktion immer stärker verdrängt wird. Während The Dharma Door jahrelang Beziehungen zu den Produzent*innen aufgebaut hat, um ihre Kultur und ihr Handwerk zu verstehen, profitiert Mango von Shannons Arbeit und tritt sie gleichzeitig mit Füßen. Denn hier geht es nicht um Empowerment und Respekt, hier geht es nur um schnelles Wachstum.

https://www.instagram.com/p/BzaNs7hlaJz/


Chanel schafft Stelle für Diversity und Inklusion

Karl Lagerfeld liebte die Provokation und machte regelmäßig mit abfälligen Äußerungen zu Körperformen, Immigration und zuletzt der #MeToo-Bewegung von sich reden. Knapp ein halbes Jahr nach Lagerfelds Tod, holt sich Chanel Fiona Pargeter ins Haus, die ab sofort die neu geründete Abteilung „Diversity & Inclusion“ leiten wird, wie Fashion United berichtet. Modehäuser wie Dolce & Gabanna und Gucci haben in der Vergangenenheit mit ihren Werbekampagnen und Kollektionen immer wieder unter Beweis gestellt, dass es in der Couture keinen Platz für Diversität und Inklusion gibt, dafür aber für kulturelle Aneignung von Designs. Deshalb werten wir diese Entwicklung als einen positiven Schritt Richtung mehr Sichtbarkeit und Respekt.

https://www.instagram.com/p/ByVbgvHIynF/

Wie das deutsche Wirtschaftsministerium alles dafür tut, um ein Gesetz zu verhindern

Während wir lautstark ein Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht fordern, tut sich einiges hinter den politischen Kulissen. Laut Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD muss die Regierung bis 2020 herausfinden, wie es um die freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen mit Sitz in Deutschland steht. Dafür hat man im Rahmen eines Nationalplans einen Fragebogen entworfen, der herausfinden soll, wie gut deutsche Unternehmen ihre Lieferketten kennen und wie sie dafür Sorge tragen, dass keine Menschenrechte und Umweltstandards verletzt werden. Um ein mögliches Gesetz zu blockieren und die Unternehmen in ein möglichst positives Licht zu rücken, hat das Wirtschaftsministerium und Kanzleramt kräftig eingelenkt, um die Fragen abzuschwächen. Warum und wie man das Verfahren verwässern will, weiß das Handelsblatt.

https://www.instagram.com/p/Bwotv1ZnQ5j/

Eine neue App für Gebrauchtes

In Norwegen schon ein Erfolg, nun auch in Deutschland verfügbar: die neue App Tise. Tise mutet wie ein soziales Netzwerk an, dient aber für den Kauf und Verkauf von gebrauchter Kleidung dient. Apps und Plattformen zum (Ver)kaufen von Kleidung gibt es schon einige, jedoch ist die neue App noch mehr auf Interaktion angelegt: zum Beispiel das Folgen von anderen Nutzer*innen und das Durchscrollen des eigenen Feeds. Neben Mode kann auch Interior und Elektronik aus zweiter Hand ver- und gekauft werden, bisher ist in Deutschland allerdings nur der Fashion-Bereich gut gefüllt. Wir sind gespannt, wie sich die App entwickelt.

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Bento verteidigt Fast Fashion und erntet Kritik

In der letzten Woche machte ein Video von Bento Furore. Eine Bento-Redakteurin erklärt in einem Video, wieso man „endlich aufhören sollte“ Fast Fashion zu bashen. Als Gründe bringt sie an, dass sie sich als Studentin schlicht nichts anderes leisten könne und dass Fast Fashion Klassenunterschiede „verschwinden“ ließe. Mode- und Umweltaktivistin Madeleine Alizadeh (DariaDaria) hatte darauf eine Antwort parat und erklärte in ihrer Instagram Story, die ihr auf ihrem Profil immer noch unter „Fast Fashion“ sehen könnt, wieso die Argumentation hakt und welche wichtigen Punkte außer Acht gelassen wurden:

  1. Fast Fashion spart kein Geld, sondern ist darauf angelegt, möglichst vielen Menschen möglichst viel Geld für Kleidung zu entlocken. Fast Fashion Konzerne machen Milliardenumsätze, weil Konsument*innen viel und nicht wenig Geld bei ihnen ausgeben. Dazu kommt, dass die Nutzungsdauer von Fast Fashion häufig so weit herabgesetzt ist, dass Menschen häufig insgesamt mehr ausgeben, weil die einzelnen Teile schnell kaputt sind.
  2. Durch Fast Fashion werden keine Klassenunterschiede überwunden. Wenn man Fast Fashion mit Klassenunterschieden in Verbindung bringt, muss man sagen, dass sie die Unterschiede für sich ausnutzt und verstärkt, indem sie einerseits Arbeiter*innen ausnutzt und Menschen im globalen Norden Reichtum suggeriert.
  3. Es wird nicht alles in den gleichen Fabriken gefertigt. Im Video macht es den Anschein, als wäre sowieso alles an Mode unfair. Das diskreditiert die Arbeit von vielen Fair Fashion Labels, die ernsthaft versuchen, etwas in der Modewelt zu verändern und ist schlichtweg falsch.

Über welche Fair Fashion News habt ihr im Juli gesprochen?

Fashion Changing News #6: Greenwashing Call-Out, erfolgreiche Crowdfundings & mehr Diversität

Am Ende eines jeden Monats fassen wir in den News zusammen, was die Fair Fashion Szene umgetrieben hat. Was war los, was durfte man nicht verpassen? Hier gibt es die spannendsten Neuigkeiten im Überblick.

Macht H&M illegales Greenwashing?

Mitte Juni wurden Stimmen laut, dass es sich bei der „Conscious Collection“ von H&M um „illegales Greenwashing“ handelt. Der Vorwurf kommt von der Norwegian Consumer Authority, die das Marketing von H&M als Verstoß gegen norwegische Gesetze einstufen, da es Verbraucher*innen in die Irre führt. H&M weist die Vorwürfe zurück mit der Behauptung die Norwegian Consumer Authority besäße nicht die Kompetenzen, um die Kollektion dahingehend zu beurteilen. H&M will nun stattdessen präzisere Informationen bereitstellen. Es bleibt spannend.

 

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If you have not heard…H&M has been called out for illegal use of sustainable marketing with their Conscious Collection. The Norwegian Consumer Authority has said that H&M’s credibility about the collection’s sustainability breaches Norway’s marketing laws, using symbols and colors to mislead buyers. . . H&M has chosen to challenge the accusation and said the Norway Consumer Authority doesn’t have the background to evaluate the collection. . . This is a rare instance of greenwashing and sustainable marketing that has required a closer look from an authoritative body in the fashion industry. In a previous post we mentioned the Federal Trade Commission has cracked down on lab grown diamonds and has limited the use of the word ‘sustainability’ in marketing these diamonds, as the sustainability has not been proven and calling it that can mislead consumers. Why is this same principle not applied to the fashion industry? Should their be a base requirement for a brand to be able to use the term ‘sustainable’? . . If you want to know more read Ecotextile’s article in our stories!

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Vielversprechende Crowdfunding-Kampagnen

In den letzten Wochen waren gleich zwei Crowdfunding-Kampagnen ein beliebtes Gesprächsthema. Zwar geht es beide Male um faire Mode und doch um ganz unterschiedliche Projekte:

Silfir möchte mit der Hilfe der Crowd ihre erste Kollektion produzieren. Im Fokus stehen zeitlose Teile, die gleichermaßen stylisch und praktisch sind. Beide Attribute kombinieren sie in ihrer „Soft Workwear Uniform“, die Unisex geschnitten ist und aus einem weichen Tencel-Viskose-Gemisch besteht. Besonders ist außerdem der Circular-Ansatz: Die Kleidung hat eine 24-monatige Garantie für Reparaturen und wird nach Gebrauch für’s Recycling wieder zurückgenommen. Außerdem gibt es in Kooperation mit circular.fashion einen QR-Code in jedem Kleidungsstück, über den Details zur Produktion nachvollzogen werden können. Das scheint anzukommen: Silfir hat die Crowdfunding-Summe von 27.500 Euro bereits eingesammelt.

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The Lissome will Online-Ideen jetzt auch in Print umsetzen. Bisher ist das Online-Magazin bekannt für High Fashion Modestrecken, die ausschließlich faire Mode featuren und gedankenvolle Konversationen über die Welt der Nachhaltigkeit. Nun soll es The Lissome auch in der Print-Version geben. Der Gedanke dahinter: In einer nachhaltigen Zukunft haben hochwertige Printprodukte einen wichtigen Platz.  Die Kampagne verläuft bisher ebenfalls vielversprechend. Fast die Hälfte der Summe ist nach wenigen Tagen erreicht.

„By moving towards renewable energies, and new regenerative models of infrastructure and transport, economy, manufacturing, agriculture, and housing, we have a new change to build a compassionate and caring world for all. There is a real beauty in this thought. And this is the reason that I am writing to you now – because I believe that now is the time that we need to come together, and think and dream about the kind of world we want to inhabit and build for future generations.“ – Gründerin Dörte erklärt in einem Artikel auf The Lissome ihre Entscheidung für Print.

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Vogue.de bietet Raum für die Erfahrungen von People Of Color

„Wie können wir bei Vogue.de in einer Serie über People of Color (PoC) nachholen, was schon längst hätte stattfinden sollen?“ Diese Frage stellt sich Online-Chefredakteurin Alexandra Bondi di Antoni und erklärt in einem Artikel auf This Is Jane Wayne, wie es zur Serie kam und was sie bewirken soll. Die Antwort hieß in diesem Fall: Mit der Hilfe von Kemi Fatoba. Vogue holte sich für die Serie die Unterstützung der Journalistin und Mitbegründerin des Magazins Daddy. Kemi Fatoba sagt über die Serie:

„Auch wenn immer wieder gerne behauptet wird, dass es nicht genügend JournalistInnen, KünstlerInnen, FotografInnen, FilmemacherInnen und andere Kreative of Color gibt, war es alles andere als schwer, Menschen zu finden, die für diese Serie in Frage kamen. Im Gegenteil, die Schwierigkeit bestand darin, zu entscheiden, wer zu Wort kommen sollte, und wessen Geschichte erzählt werden sollte, da so viele Menschen ihre verdiente Plattform noch nicht bekommen haben. Genau aus diesem Grund kann diese Serie auch nur ein Anfang sein, auf den viele Artikel folgen werden.“

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Eine Kleiderei eröffnet in Freiburg

Die Kleiderei (ein Store mit Vintagekleidung und Teilen von Jungdesigner*innen, bei dem man Kleidung einfach leihen kann anstatt sie zu kaufen) hat am 29.6. eine Filiale in Freiburg eröffnet und bringt das Konzept damit nach Baden-Württemberg. Nachdem der Kleiderei-Store in Köln nun schon seit einigen Jahren Secondhandmode, Vintagekleidung und eco-faire Mode zum Verleih anbietet, gibt es nun einen zweiten Laden in Freiburg.

 

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Was waren eure Fair Fashion News-Highlights im Juni?