Warum die Modebranche anti-rassistisch handeln sollte

Deutschland ist rassistisch sozialisiert. Punkt. Wiederhole diesen Satz: Deutschland ist rassistisch sozialisiert. Was heißt das? In erster Linie, dass jede Person, die in diesem Land aufwächst, rassistische Verhaltensweisen und Muster internalisiert. Jede Person. Egal, wie ich mich politisch verorte, bin ich rassistisch sozialisiert. Die Amadeo Antonio Stiftung schreibt „…Rassismus beruht auf einem realen Machtunterschied in unserer Gesellschaft.“ Und genau das ist das Problem: In all unseren Strukturen stecken diskriminierende Machtunterschiede, die wir a) hinnehmen oder b) denen wir uns entgegenstellen können. Hanau konnte aufgrund dieser Strukturen passieren. Hanau konnte passieren, weil Deutschland eine gewisse Feigheit an den Tag legt, wenn es um den Umgang mit Rechtsextremismus und der Aufarbeitung der eigenen Geschichte geht.

Rassismus in der Modebranche

Wenn Rassismus so unabdingbar tief in unserer Gesellschaft steckt, führt kein Weg daran vorbei, dass dies auch die Modebranche berührt. Es ist schlichtweg unmöglich, dass es nicht so ist. So sehr wir uns auch wünschen, Mode losgelöst von politischen Prozessen und Meinungen zu sehen, so sehr ist eben genau diese Mode politisch. Und das immer! Dabei wird gerade in der Modebranche oft nicht klar benannt, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt. Sogenannte „Fauxpas“, die immer wieder auftreten, werden dabei zu leidigen Einzelfällen, die eine Einzelperson verzapft hat. Wenn die Elle mit „Back to Black“ Schwarzsein zum Trend erklärt oder Gucci einen „Blackfacing-Pullover“ für 900 Dollar designt, sei das nicht etwa ein strukturelles Problem, sondern das Versagen eines*einer Einzelnen. Wenn auch im 21. Jahrhundert antiasiatischer Rassismus mit vermeintlichem Humor und stereotypem Denken begründet wird, werden immer nur Einzelne zur Rechenschaft gezogen.

Hier liegt der Denkfehler: Diese vermeintlichen Fauxpas sind systemisch bedingt. Das entschuldigt nicht die Verantwortung der Einzelnen, macht aber deutlich, dass die Lösung viel komplexer ist. Solange wir keine Aufarbeitung leisten, solange Diversität als Buzzword behandelt wird, solange Modeunternehmen sich nicht anti-rassistisch positionieren – solange wird die Modebranche rassistisch sein.

Nicht zuletzt wiegt auch das historische Erbe schwer. Blicken wir zurück auf die Nazivergangenheit von Hugo Boss oder die Zerstörung der Berliner Modekultur, die vor dem Zweiten Weltkrieg schätzungsweise zu 90 Prozent von jüdischen Modeschöpfer:innen kreiert wurde, dann wird deutlich, wie verstrickt nationalistische Machtstrukturen mit der Mode sind. Der Historiker Uwe Westphal, der sich intensiv mit der Modeindustrie in der Zeit vor 1945 beschäftigt hat, sagt im Deutschlandfunk: „Es gibt eine gewisse, wenn man es positiv sagt, eine Laissez-faire-Haltung. Es wird nicht darauf geachtet, was deutsche Mode auch historisch ausgemacht hat, welchen Anteil die jüdischen Modeschöpfer hatten. Das ist etwas, was sich Paris, was sich London überhaupt nicht erlauben kann. Sie referieren immer wieder zurück auf ihre Vergangenheit.“

Was heißt das also für heute?

Wenn in Deutschland ein rassistisches Attentat verübt wird, können auch wir als Mode- und Medienschaffenden uns nicht davon freimachen, Stellung zu beziehen. Haltung zu zeigen, war und ist immer wichtig. Es hat in der Vergangenheit nur mehr oder weniger gut funktioniert.

Es ist nicht mutig, sich der eigenen historischen Verantwortung zu stellen. Und es ist auch nicht zu anstrengend, diese Verantwortung anzunehmen. Nicht, wenn wir in einer Gesellschaft leben, die erkennt, dass Heilung, Vergebung und Miteinander nur passieren kann, wenn wir anfangen, Offenheit, Toleranz und eine Gesellschaft der Vielen wirklich zu leben.

Wenn es ein Land nicht schafft, sich dieser Aufgabe zu stellen, dann kann es doch wenigstens eine Branche versuchen? Wenn wir nicht wollen, dass sich Hanau, Halle, Kassel, München, der NSU, Düsseldorf und viele andere wiederholen, dann können wir mit gutem Beispiel vorangehen. Gerade weil Mode das unglaubliche Potenzial hat, Botschaften zu vermitteln, Menschen zu empowern und politische Statements zu setzen.

Die Modebranche muss sich anti-rassistisch positionieren. Es ist in ihrer Verantwortung.

In Gedenken an

Gökhan Gültekin
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Mercedes Kierpacz
Hamza Kurtović
Vili Viorel Păun
Fatih Saraçoğlu
Ferhat Unvar
Kaloyan Velkov

Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Spende findet ihr bei der Initiative 19. Februar Hanau.

*Bei dem Attentat wurden insgesamt zehn Menschen ermordet. Der Täter tötete neun Menschen aus rassistischen Motiven, seine Mutter und dann sich selbst.

25 gute Dinge in 2020

Und diese guten Dinge in 2020 und 2021 solltet ihr nicht verpassen:

Populismus ist rückläufig

In der Coronakrise hatten viele oft das Gefühl, dass populistische Meinungen gestärkt werden und damit auch mehr Anhänger:innen finden. Das Populismusbarometer der Bertelsmann-Stiftung kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach sind populistische Meinungen 2020 stark rückläufig, vor allem in der sogenannten politischen Mitte. Was jedoch nicht zu unterschätzen ist: Die Radikalisierung nimmt dennoch zu.

Oeko-Tex® integriert CO2- und Wasserfußabdruck als Prüfkriterium

Einmal im Jahr stellt das Prüfunternehmen Oeko-Tex® die eigenen Kriterien auf die Probe und entwickelt diese mit den neuen wissenschaftlichen Standards weiter. 2021 werden in das Oeko-Tex-Label MADE IN GREEN auch der CO2- und Wasserfußabdruck integriert. Somit bekommt das Siegel eine weitere Dimension in Sachen Klimaschutz.

Equal Pay Neuseeland

Neuseeland verabschiedet 2020 unter Premierministerin Jacinda Ardern das Lohngleichstellungsgesetz. Der neu entstandene Gesetzesentwurf besagt, dass Frauen in historisch unterbezahlten und von Frauen dominierten Bereichen denselben Lohn erhalten, wie Männer für andere, aber gleichwertige Tätigkeiten.

Mehr als 400 Unternehmen Mitglied von Climate Neutral Now

In der von der UN gelaunchten Initiative Climate Neutral Now verpflichten sich Stand 2020 bereits mehr als 400 Unternehmen klimaneutral zu wirtschaften. Unter ihnen zum Beispiel Microsoft, Sony oder auch die Airline Norwegian.

Trump wird abgewählt

Es wurde nicht nur Joe Biden zum neuen Präsidenten der USA gewählt. Mit ihm wird auch Kamala Harris als erste Schwarze Frau Vizepräsidentin. Die Wahlbeteiligung war mit 66,4 Prozent die höchste seit 1900. Die neue Regierung steht nun vor der Mammutaufgabe, das Land wieder zu einen.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Kamala Harris (@kamalaharris)


Die Agentur Fair Models hat mittlerweile über 30 Models

Vor zwei Jahren gründete die Fotografin Anna Voelske eine Modelagentur, die ausschließlich Models vermittelt, die sich verpflichten für faire und nachhaltige Marken zu modeln. Der Erfolg gibt der Gründerin recht: Mittlerweile hat die Agentur mehr als 30 Models in ihrer Kartei.

Wasser aus Wüstenluft umwandeln

Das Massachusetts Institute of Technology entwickelte 2020 ein Gerät, das aus sehr trockener Luft, wie z.B. Wüstenluft mit einem Feuchtigkeitsanteil von 20 Prozent, Wasser gewinnen kann.

Nemonte Nenquimo verhindert Regenwaldabholzung

Die ecuadorianische Umweltaktivistin Nemonte Nenquimo verhindert 2020, dass Teile des Regenwalds in Ecuador für Ölförderung abgeholzt werden. Sie ist Anführerin der Waorani, einer indigenen Gruppe Ecuadors, die sich erfolgreich gegen das umwelt- und klimaschädliche Verhalten von Präsident Lenín Moreno auflehnen.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Nemonte Nenquimo (@nemonte.nenquimo)


Recycling für Mischgewebe möglich

Die H&M Foundation hat nach fünf Jahren Forschungszeit gemeinsam mit dem Hong Kong Research Institute of Textiles and Apparel einen Durchbruch in Sachen Textilrecycling vollbracht. Ihnen ist es gelungen das bisher unmögliche Recycling von Mischgeweben zu ermöglichen. Bei dem hydrothermalen Prozess konnten erstmals erfolgreich Baumwoll- und Polyesterfasern intakt getrennt werden.

The Lissome veröffentlicht erste Printausgabe

Das bis dato als Onlinemagazin agierende The Lissome hat 2020 ihre erste physische Ausgabe „Awakening“ auf den Markt gebracht. Unter dem Motto „Climate. Fashion. Vision.“ verdeutlicht die Printausgabe, wie viele herausragende und zukunftsgerichtete Projekte es, vor allem im Modebereich, gibt, die zeigen, dass eine klimafreundliche Zukunft möglich ist. The Lissome war mit dem Magazin für den Bundespreis ecodesign 2020 nominiert. Die zweite Ausgabe kann man derzeit schon vorbestellen.

 

Prince Charles ruft Modern Artisan Project ins Leben

Prince Charles gilt schon viele Jahre als Verfechter nachhaltiger Mode. Besonders wichtig ist ihm dabei das Erhalten des textilen Handwerks. Um dies weiter zu gewährleisten ging er bzw. seine The Prince’s Foundation im November 2020 eine neue Partnerschaft mit der YOOX Net-a-Porter Group ein. Mithilfe dieses Projekts sollen Modestudierende eine nachhaltige Capsule-Collection entwerfen, die sich insbesondere handwerklicher Techniken bedient.

Kostenfreie Menstruationsprodukte an der Uni Merseburg und in Schottland

Als erste Hochschule Deutschlands gibt es seit 2020 an der Uni Merseburg für alle Menstruierenden kostenfreie Periodenprodukte. Diese stehen seitdem auf allen Frauen-, Unisex- und barrierefreien Toiletten zur Verfügung.

Außerdem ist Schottland seit dem letzten Jahr das erste Land, das für alle Menstruierenden Hygieneprodukte kostenfrei zur Verfügung stellt.

Fortschritte in Sachen Kreislaufwirtschaft mit New Blue

Der Produktdesigner Tim van der Loo entwickelt eine neue Methode, um Denimmaterial in den textilen Kreislauf zurückzuführen. Mit seinem Projekt New Blue wird aus alten, zerrissenen oder nicht mehr reparablen Jeans ein neues Material hergestellt und dieses wieder in eine Jeans umgewandelt. Die Faserrückgewinnung entwickelte der Student der Kunsthochschule Weißensee mithilfe von digitaler Stickerei und Vliesbildung.

 

Reparaturlabel für Elektrogeräte in Frankreich

Frankreich ist der EU in Sachen umweltfreundliche Maßnahmen einen Schritt voraus. Seit dem 1. Januar 2021 bekommen dort alle Elektrogeräte ein sogenanntes Reparaturlabel. Dieses weist aus, ob das entsprechende Gerät leicht zu reparieren ist oder nicht. Entsprechende Vorhaben werden auch auf EU-Ebene von, vor allem grünen, Politiker:innen vorangetrieben.

Lenzing bietet erste vollständig klimaneutrale Faser an

Mit der Marke Tencel® bietet das österreichische Unternehmen Lenzing 2020 die ersten CO2-neutralen Lyocell- und Modalfasern an. Die Emissionen, die bei der Herstellung und dem Vertrieb entstehen werden berechnet und entsprechend kompensiert. Die Faser sind CarbonNeutral zertifiziert.

DIES KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN:
Wie nachhaltig ist „klimaneutral“ oder „klimapositiv“?

Greenpeace Magazin Warenhaus bringt erste Kollektion nach Detox-Standards heraus

Das Greenpeace Magazin Warenhaus hat erstmals einen Anbieter gefunden, der alle strengen Kriterien der Greenpeace-Detox-Kampagne erfüllen kann. Mit diesem brachte das Greenpeace Magazin Warenhaus nun eine eigene Kollektion heraus und verspricht damit höchste Standards in Sachen Nachhaltigkeit. Die Detox-Kampagne startete Greenpeace 2011 mit dem Ziel die Textilindustrie giftfrei zu bekommen. 

Lieferkettengesetz findet weitere Befürworter:innen

Nachdem Bundesarbeitsminister Heil (SPD) und Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) im Juli verkündeten, dass sie nun einen ersten Entwurf für das Lieferkettengesetz haben und dieses noch 2020 auf den Weg bringen wollen, war die Freude zunächst groß. Ende Juli äußerte sich dann auch endlich das Umweltministerium und forderte die Etablierung von Umweltstandards im Lieferkettengesetz. All das waren gute Neuigkeiten für #fairbylaw und das Lieferkettengesetz. Stand heute blockiert leider immer noch Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) das Fortschreiten des Lieferkettengesetzes und verzögert die Verhandlungen erheblich. Noch ist es also ungewiss, ob in dieser Legislaturperiode das im Koalitionsvertrag vereinbarte Lieferkettengesetz kommt.

Influencer:innen Gewerkschaft in UK

2020 gründete sich in Großbritannien die TCU – The Creator Union. Gemeinsam wollen sie neue, faire Standards in der Branche für Content Creator etablieren. Dabei ist es auch erklärtes Ziel mit eigenen Kampganen mehr Sichtbarkeit und Diversität zu schaffen.

EU begrenzt Plastik-Export in Drittländer seit dem 1. Januar 2021

Kurz vor Ende des Jahres 2020 teilte die EU-Komission mit, dass ab dem ersten Januar 2021 der bis dato außer Kontrolle geratene Plastikexport, vor allem in Länder des Globalen Süden, stark eingeschränkt werde. So dürfen ab sofort nur noch sauberer Plastikmüll und sortierte Kunststoffe in OECD-Länder exportiert werden.

Großbritannien plant nach Brexit verbesserte Bedingungen für Tiere, die zur Schlachtung gezüchtet werden

Weihnachten 2020 war es soweit: Der Brexit wurde auf den letzten Drücker von der EU und Großbritannien formal vollzogen. Damit wurde auch das Anfang Dezember geplante Exportverbot von Schlachttieren aus UK auf den Weg gebracht. Ziel ist es lebende Rinder und Pferde nicht mehr ins Ausland zu exportieren, um so das Tierwohl zu verbessern und den Stress für die Tiere zu minimieren.

Das Einwegplastikverbot kommt

Ab Juli 2021 wird in der gesamten EU der Verkauf von Einwegbesteck und -tellern, Trinkhalme sowie Styroporbecher und -behälter für Essen zum Mitnehmen verboten sein.

Coronakrise führt zu mehr Solidarität in der Fair-Fashion-Branche

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und den daraus entstehenden Herausforderungen hat sich in kürzester Zeit eine solidarische Initiative in der Fair-Fashion-Branche formiert. Unter dem Namen Fair Fashion Solidarity fanden sich LangerChen, Loveco, Lanius und Avocadostore zusammen um gemeinsam ein Statement auszuarbeiten und damit der Branche Rückendeckung zu geben. Zentrale Forderung: Saisonale Modyzyklen sollten wieder etabliert werden.

SCHON GELESEN?
Interview mit Lanius-Gründerin Claudia Lanius „Wir brauchen eine bedarfsgerechtere Textilindustrie“

Berechnung der Umweltschadenkosten zeigt: Klimaschutz ist eine wirtschaftliche Komponente

Das Bundesumweltministerium hat 2021 die sogenannte „Methodenkonvention 3.1 zur Ermittlung von Umweltkosten“ herausgebracht. Diese wissenschaftlich fundierte Methode berechnet zum Beispiel die Kosten für umweltschädliche Baustoffe und zeigt, dass das Einsetzen von Recycling-Stahl in der Baubranche 350 Euro pro Tonne einsparen würde. Die Rechnung zeigt auch, dass das Einsetzen von Stickstoff und Phosphor in der Landwirtschaft Deutschland mehrere Milliarden kostet.

Adidas wird 2021 mehr als 60% nachhaltigere Materialien verwenden

Der Sporttextilhersteller Adidas geht weitere Schritte in Sachen Nachhaltigkeit. 2021 soll die gesamte Produktpalette aus mehr als 60 Prozent nachhaltigerem Materialien gefertigt werden. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf recyceltes Polyester, das bis 2024 Virgin Polyester gänzlich ablösen soll. Auch wenn sich das Unternehmen gerne mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen brüstet, ist der Gesamtanteil immer noch überschaubar. Von 448 Millionen Paar Schuhen 2019 sind lediglich 17 Millionen in Kooperation mit der Umweltschutzorganisation „Parley for the Oceans“ aus gesammeltem Meeresplastikmüll entstanden.

Mehr Vielfalt im neuseeländischen Parlament

Nach den Wahlen im Oktober 2020, die die amtierende Premierministerin Jacinda Ardern deutlich für sich entscheiden konnte, formte ebendiese das bisher diverseste Parlament Neuseelands. Von 20 Regierungsmitglieder:innen sind acht Frauen, fünf Māori, drei Pasifika und drei LGBTQ+-Angehörige. Ardern ist damit nicht nur in Sachen Coronabekämpfung ein Vorbild, sondern auch in Hinblick auf gelebte Diversität.

Mit diesen 25 guten Dingen aus 2020 heißt es: Kopf hoch und den Blick nach vorne richten.

Wieso wir die Fashion Changers Konferenz brauchen

Am 15.10.2020 war es endlich soweit und die erste Fashion Changers Konferenz fand unter dem Motto „Mode & Verantwortung“ digital statt. In diesem Beitrag wollen wir einen Einblick über die Hintergründe der Konferenz geben: Wieso brauchen wir sie gerade jetzt, was ist das Potenzial einer solchen Konferenz? Und wo soll es in Zukunft mit dem Format hingehen?

Wieso „Mode & Verantwortung“?

Wir haben der Fashion Changers Konferenz letztes Jahr den Namen Mode & Verantwortung gegeben. Ohne zu ahnen, was das Jahr 2020 an Herausforderungen bereithält. Und genau deswegen ist klar, dass nicht erst dieses Jahr – nicht Corona – uns zeigt, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Der Ruf nach mehr Verantwortung in der Modebranche ist schon lange da, wurde aber von zu vielen immer wieder ignoriert. 

Mit der Fashion Changers Konferenz wollen wir diesem Ruf Gehör verschaffen – gemeinsam mit der Branche. Denn es gibt sie längst: die verantwortungsvollen Vordenker*innen, die Innovativen, die Modeverbesser*innen mit richtig guten Ideen. Um genau diese Menschen und ihre Ideen nach vorne zu bringen, brauchen wir nicht nur mehr Sichtbarkeit und mehr Unterstützung der Politik. Wir brauchen auch einen Ort, an dem wir uns professionell austauschen können. Denn oft stehen wir vor spezifischen Problemen, die auftreten, wenn man die Branche positiv beeinflussen will: Wie geht Wirtschaftlichkeit und Verantwortung zusammen? Wie funktioniert Gemeinwohl-Ökonomie? Sollten Unternehmen sich politisch positionieren und was macht man eigentlich, wenn plötzlich alle vermeintlich „nachhaltig“ sind?

Diesen spezifischen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir mit der Fashion Changers Konferenz 2020 begonnen. Und wir sind überzeugt davon, dass in diesem Format noch sehr viel Potenzial steckt, um die Modebranche gemeinsam in eine verantwortungsvollere Zukunft zu bewegen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kamera, Regie und Schnitt: nXm
Musik: Marcel Braumüller-Neumann

Individuelle Verantwortung vs. kollektive Verantwortung

Es folgen einige Auszüge aus unserer Eröffnungskeynote der Fashion Changers Konferenz 2020, die wir an dieser Stelle nochmal teilen möchten.

2020 hat uns alle an unsere individuelle Verantwortung in der Gesellschaft erinnert. Doch kann verantwortungsvolles Handeln auch darüber hinausgehen? Können wir Verantwortung übernehmen, ohne die Auswirkung davon direkt zu spüren oder zu sehen? Können wir vielleicht sogar kollektiv Verantwortung übernehmen?

Wir glauben fest daran, dass dies möglich ist. Und dass die Mode das Potenzial hat genau diese Veränderung im Verantwortungsbewusstsein zu schaffen. Mode ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Welches Spiegelbild wollen wir sehen? Genau das möchten wir heute gemeinsam mit euch herausfinden.

2020 – das Lieferkettengesetz-Jahr

2020 war aber nicht nur das Jahr von Corona, sondern auch das Lieferkettengesetz-Jahr. Viel hat sich getan, was wir mitunter schon gar nicht mehr für möglich gehalten hätten – auch wenn Aktivist*innen sich neue kreative Wege ausdenken mussten, um ihren Protest auf die Straße zu bringen.

Als wir im letzten Jahr mit vielen Unterstützer*innen Lisa Jaspers Petition #fairbylaw an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales übergeben haben, spürten wir, was es bedeutet als Bürgerin und Bürger Verantwortung zu übernehmen. Und wir fühlten uns gestärkt in der Gemeinschaft mit anderen etwas bewirken zu können. Schon wenig später verflog jedoch diese Euphorie und wir mussten auch erkennen, dass politisches Engagement Grenzen haben kann.

Vor einigen Monaten dann endlich der erste Entwurf von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zum Lieferkettengesetz. Doch was bedeutet dies nun? Wo stehen wir? Welchen Einfluss kann das Lieferkettengesetz auf die Modebranche haben? Was bedeutet das für uns? Und noch viel wichtiger: Was bedeutet es für die globalen Lieferketten, die ihren Ursprung oft im Globalen Süden haben oder gänzlich dort liegen? 

Wir brauchen nicht mehr Charity-Aktionen, sondern echte Solidarität. 

© Constanze Neubert

Individueller Konsum vs. gesellschaftliche Verantwortung

In Interviews werden wir häufig gefragt, wie denn nun der gute Konsum aussieht. Oft sagen wir dann: Darum geht’s nicht, es ist komplizierter. 

Was sind hier die richtigen Fragen? Die nach individuellem Konsum, die nach gesellschaftlicher Verantwortung? Und wie kann das aussehen, wenn wir uns einen zukunftsgerichteten, nachhaltigen Konsum vorstellen? Kann Mode als System noch so bestehen bleiben? 

Dieses Jahr hat uns die Schwachstellen dieses Systems mehr denn je vor Augen geführt und spannende Fragen für eine breitere Masse in der Modebranche auf den Tisch gebracht: 

Machen die Modezyklen, so wie sie sind, noch Sinn? Abläufe, die lange nicht hinterfragt wurden, erschienen plötzlich absurd. Wie kann es sein, dass bereits nach 2-3 Wochen Ausfall des Einzelhandels Millionen Textilarbeiter*innen von Entlassungen betroffen sind?

Auch diese Fragen sind Teil der Fashion Changers Konferenz.

Ciani-Sophia Hoeder im Gespräch mit Vreni Jäckle
© Constanze Neubert
“It’s not a movement, if everyone’s just sitting. That’s a support group.”

Wenn wir die Missstände der Modeindustrie aufzeigen, werden wir oft gefragt, ob Mode nicht auch Spaß machen darf.
Na klar, darf Mode Spaß machen. 
Wenn wir zeigen, dass Mode Spaß machen darf, werden wir oft gefragt, ob das nicht im Widerspruch zu Überkonsum und Kapitalismus steht.
Na klar, streng genommen tut es das.
Aber nur weil ich Spaß an Mode habe und du dich für Mode interessierst, heißt das nicht, dass wir das System nicht kritisieren dürfen. Im Gegenteil.

Die Tochter von Ruth Bader Ginsburg, Jane Ginsburg, soll einmal zu ihrer Mutter gesagt haben: “It’s not a movement, if everyone’s just sitting. That’s a support group.”
Die Fashion Changers Konferenz soll keine Selbsthilfegruppe sein, auch wenn es sich manchmal angesichts all der Herausforderungen in der Welt so anfühlt. Um wirkliche Veränderung voranzubringen und eine Bewegung entstehen zu lassen, müssen wir uns in Bewegung setzen.

Dass auch die nachhaltige und faire Modebranche endlich anti-rassistisch handeln muss und Mode als Vehikel für soziale Teilhabe, Diversität und Inklusion begreifen muss, steht für uns außer Frage.
Solange Fair Fashion nicht intersektional agiert, kann sie den Mainstream nicht erreichen. Solange Mode nur nachhaltig ist, kann sie keinen wirklichen Unterschied machen. 

Die Verantwortung von Mode – ökologisch und sozial – ist groß. Wir sollten diese Verantwortung nicht als Bürde, sondern als Chance begreifen. Als Chance dafür, Bestehendes zu hinterfragen und Neues zu wagen. Mode kann Menschen empowern und sichtbar machen – entlang der kompletten Lieferkette. Das ist ihr Potenzial. Und genau das sollte ihr Anspruch sein. Lasst uns dieser Verantwortung gemeinsam nachkommen und uns in Bewegung setzen.

Die Fashion Changers Konferenz – ein Aufbruch

Die erste Fashion Changers Konferenz 2020 fühlte sich für viele von uns nach Aufbruch und Kooperation an. Wir sind dankbar, dass wir trotz der herausfordernden Umstände einen Tag voll guter Impulse schaffen konnten und bedanken uns sehr bei allen Beteiligten.

„Danke, es war total inspirierend für unser neu gegründetes Kinder-Label."
„A massive shoutout to the Fashion Changers team for their incredible organizational skills and for making the process so smooth and easy - one of the best digital conferences I have been part of."
„Danke an Fashion Changers für diese unglaublich informative und inspirierende Konferenz."
„So ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Habe einiges Neues gelernt, schon Bekanntes vertiefen können und auch darin neue Aspekte gesehen. Hat richtig gut getan und mich weiter bestärkt, indem was ich tue."
„Es war wahnsinnig spannend und auch sehr vielfältig und empowernd."
„Eine Top-Auswahl an Speaker*innen"
„Wir haben viel gelernt und können nun viel an unser Team weitergeben."

Die Fashion Changers Konferenz Mode & Verantwortung wurde gefördert durch die Landesstelle für entwicklungspolitische Zusammenarbeit Berlin und unterstützt von Wildling Shoes, Tchibo, Lanius, i+m Naturkosmetik, Lebenskleidung, Good Garment Collective, Creative Waste Collective, Elmer & Zweifel, Ecosia, Jan 'n June und Dzaino. Vielen Dank!

Sponsoren Fashion Changers Konferenz 2020

Modeaktivismus und Corona: Wie wir unsere Wut nutzen können, um weiterzumachen

Frage: „Bitte stell dich und deine Arbeit vor.“ – Antwort: „Ich bin Nina. …“

Zwei Tage lang war das der einzige Satz, den ich in das Dokument für ein Interview tippen konnte. Die Nachrichten überschlugen sich und ich kam aus dem Scrollen gar nicht mehr raus. Und dann waren da noch diese zusammengesetzten Substantive, die in den nächsten Wochen Teil meines Vokabulars werden sollten, wie „Kontaktsperre“  oder „Abstandsregeln“. In Zeiten, in denen alles, was man dachte zu wissen, auf einmal ungewiss ist, kann es schonmal sein, dass man nur noch den eigenen Namen weiß. Und überhaupt: Interessiert sich da draußen noch jemand für meine Arbeit?

Das Leben hat manchmal andere Pläne

Zum 18. Geburtstag bekam ich einen Bilderrahmen geschenkt – um das Foto herum stand in Schnörkelschrift „Life is what happens to you when you’re busy making other plans“ geschrieben, diese berühmte Songzeile von John Lennon. Immer wenn seitdem irgendwas Unvorhergesehenes passiert, muss ich an diesen Spruch zurückdenken. Als es vor ein paar Wochen hieß, wir sollten jetzt alle lieber zu Hause bleiben, war ich auf jeden Fall schön busy am Planen und hatte überhaupt keinen Bock, mich dem Leben zu beugen. Damn you, John Lennon! Und ehe man sich versieht, muss man am Veröffentlichungstag des ersten eigenen Buchs die Buchpremiere absagen. Das passte mir gar nicht, hatte ich doch schließlich andere Pläne! Wenig später poppte die „Veranstaltung abgesagt“-Notification auf meinem Handybildschirm auf und die Lesungsplakate wurden wieder abgehängt. Am nächsten Tag räumte ich die Regalfächer im Büro aus und nahm alles mit, was ich in den nächsten Wochen im Home Office brauchen würde. Unsere Demoschilder lehnen seitdem an der Bürowand.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Fashion Changers (@fashionchangers) am

Die Tage danach suhlte ich mich in Selbstmitleid und fand das eigentlich schwer in Ordnung. Bis die ersten Dankbarkeitsmantras in meinem Insta-Feed auftauchten: Sei dankbar, dass du gesund bist! Sei dankbar, dass du ein Dach überm Kopf hast! Sei dies, sei das, Ananas! Was mehr oder weniger bedeutet: Sei so, aber nicht so! Fürs Protokoll: Ich bin (meistens) dankbar für all diese Dinge, aber meine Privilegien ändern trotzdem nichts daran, dass auf einmal niemand mehr über den Klimawandel sprechen wollte und ein scheinbar zum Greifen nahes Lieferkettengesetz fast unbemerkt vom Tisch gefegt wurde. Okay, und wir unsere Buchpremiere absagen musste. 

Modeaktivismus – Who cares?

Diese Krise stellt alles in Frage. Und alles abseits von Corona-News hat sich brav hinten anzustellen. Klar: Wir befinden uns inmitten einer Pandemie. Niemand weiß, wie das geht, und wir wollen hier alle nur durchkommen. Die einen fangen dann an zu rennen, die anderen zu flennen (das mit dem Reimen gebe ich nach diesem Satz wieder auf). Interessanterweise hat mein Selbstmitleid seinen Platz nach ein paar Tagen mit einem anderen Gefühl getauscht: Frust. Es geht jetzt nicht mehr um die eigene gekränkte Eitelkeit, sondern um die Themen, für die man sich jahrelang stark gemacht hat. Who cares? Ähm, I do…!

Die Pandemie legt genau die Probleme in der Modeindustrie offen, die schon immer da waren: Die reichsten Unternehmen der Welt stornieren Aufträge im Wert von mehreren Milliarden Dollar im Globalen Süden, stellen Mietzahlungen für ihre Geschäfte ein und beantragen im selben Atemzug Kredite in schwindelerregender Höhe. Aber klar, we are all in this together. Nur die Solidarität hat dann auch mal – im wahrsten Sinne des Wortes – ihre Grenzen. Genau diese Doppelmoral ist es, die mich richtig frustriert und wütend macht. (Oh nein, jetzt ist sie auch noch wütend…) Zum Glück beflügelt Wut meine aktivistische Arbeit. Wenn ich die letzten Jahre nicht immer mal wieder wütend geworden wäre, dann wäre ich jetzt nicht Teil dieser Community.
Als ich 2013 zum ersten Mal über die nachhaltige Modemesse gelaufen bin, war da eine Hand voll anderer Medienschaffende, meistens aus dem Printbereich. Die Fragen kreisten hauptsächlich um Stilthemen, schließlich mussten wir uns alle erstmal daran gewöhnen, nicht mehr jeden Trend auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Und ich dachte mir ab und zu: Ist hier eigentlich niemand wütend?
Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Jahre danach den Kampagnen-Hashtag #whomademyclothes von Fashion Revolution in die Tastatur gehauen habe. Zum ersten Mal hatte ich als Konsumentin das Gefühl, einen Mini-Beitrag zur Sichtbarmachung von Missständen entlang der Wertschöpfungskette zu leisten. Sieh an, da geht ja doch noch mehr als dieses „dein-Kassenzettel-ist-dein-Stimmzettel“-Mantra.  

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von FASHION REVOLUTION GERMANY (@fashrev_de) am

Mode ist zutiefst politisch, egal wie man sie dreht und wendet. Ja, Mode ist natürlich auch Lust, Ausdruck und (für einige) Exzess, aber Mode ist in erster Linie politisch. Wer sich dem Fakt gegenüber verwehrt, lebt in einer Utopie: eine Welt, in der maßloser Konsum ein Grundbedürfnis ist und wir zu jeder Gelegenheit shoppen gehen sollen. Meine persönliche Version der Dystopie. Das mag zwar eine Weile lang ganz bequem sein, aber wenn uns diese Pandemie eine Sache zeigt, dann hoffentlich, dass eine Gesellschaft, die allen Menschen gleichermaßen Schutz bieten soll, von aktiver und grenzenloser Solidarität lebt. Das gilt für die geflüchteten Menschen in Griechenland genauso wie für die Erntehelfer*innen auf unseren Spargelfeldern und die Näher*innen im Globalen Süden. Wie kann es also sein, dass Unternehmen keine Verantwortung für alle Menschen entlang ihrer Lieferketten übernehmen? Dass sie für erledigte Arbeit keinen einzigen Cent zahlen? Dass sie unternehmerische Verantwortung scheuen, weil diese angeblich wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt? Dass eine mögliche Rezession nun ein Schlupfloch für unethische und unökologische Geschäftspraktiken ist? Wie kann es sein, dass – obwohl der Schutz von Menschenleben in Corona-Zeiten offiziell an erster Stelle steht – Profit doch am Ende die Oberhand hat?

Frust und Wut in Aktivismus umwandeln

„Transparenz kann Leben retten“, habe ich mal bei Fashion Revolution gelesen. Seit der Corona-Krise habe ich das Gefühl, dass unsere Forderungen nach einer gerechteren Modeindustrie noch deutlicher werden müssen. Ich weiß, wir sind alle niedergeschlagen und müde, schließlich machen viele von uns das nicht erst seit gestern. (Reality-Check-Einschub: Es gibt Menschen da draußen, die schon seit Jahrzehnten aktivistisch unterwegs sind. Wie jung unsere Bewegung ist, muss man sich auch ab und zu vor Augen führen). Nur: Wenn wir uns jetzt nicht aufbäumen, dann werden sich die Klimaschutzmaßnahmen, auf die sich Politik und Wirtschaft geeinigt haben, im Wind zerschlagen. Genauso wie die sozialen Missstände, die die Corona-Krise verdeutlicht, in Vergessenheit geraten werden. Deswegen liegt es auch mal wieder an uns, jetzt gemeinsam aktiv zu werden. Als Bürger*innen müssen wir unseren Frust und unsere Wut so einsetzen, dass Solidarität mehr als eine bloße Worthülse ist. Das wird hart, aber lasst uns die Ärmel hochkrempeln, bevor das Leben wieder einen Strich durch unsere Pläne macht.  

Diese Aktionen solltet ihr jetzt unterstützen
  1. Femnet e.V., die sich seit Jahren insbesondere für Frauenrechte in der Textilbranche einsetzen, sammeln im Corona-Nothilfefonds für die Existenzsicherung der Textilarbeiter*innen und deren Familien. Sie ermitteln dafür mit ihren Partnerorganisationen in Indien und Bangladesch recht kurzfristig, wo aktuell der größte Bedarf besteht.
  2. Auch das Inkota Netzwerk sammelt mit ihrem länderübergreifenden Corona-Hilfsfonds Spenden für Schutzkleidung über Lebensmittelhilfen bis hin zu Saatgut.
  3. Frage aktiv selbst nach und fordere Modelabels mit dem Hashtag #WHOMADEMYCLOTHES dazu auf, Stellung zu beziehen. Einfach Selfie posten und los geht’s!
  4. Shoppt bei dem neuen Onlineshop Crisis Fashion euer neues Shirt zum Supersonderpreis!

Titelfoto: Emilie Elizabeth

So war der Fashion Changers Think Tank zu „Diversität in der Mode“

Am 16.11. fand der erste Fashion Changers Think Tank statt. In einem eintägigen Workshop beschäftigten wir uns mit der Frage: Wieso ist die (faire) Modebranche in Bezug auf Schönheitsbilder, Gender und Repräsentation von BIPoC so homogen? Was kann für mehr Diversität getan werden?

Die Motivation dahinter: Wieso macht Fashion Changers ein solches Event?

Drei weiße, priviligierte Frauen initiieren ein Event, das sich mit Diversität beschäftigt und man fragt sich zurecht: warum? Als wir mit Fashion Changers angefangen haben Events zu organisieren und Podiumsdiskussionen auf die Beine zu stellen, dämmerte uns mehr und mehr, wie weiß und female unsere „Bubble“ ist. Wir merkten, dass wir kaum BIPoC (Black/Indigenous/People of Color) in den eigenen Reihen haben, keine Menschen mit Behinderung sehen und größere Größen in der Fair Fashion-Szene Mangelware sind. Uns war klar, dass wir dieses Thema ansprechen müssen, da wir mit unseren Events eine Strahlkraft haben und damit auch eine Verantwortung tragen, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen.

Für den Think Tank konnten wir tolle Speakerinnen gewinnen, die in ihren Vorträgen wichtige Anstöße gaben, die anschließend in zwei Workshopgruppen diskutiert wurden, um Herausforderungen zu besprechen und neue Lösungsansätze für mehr Diversität in der (fairen) Modebranche zu finden. In diesem Artikel fassen wir einige Inhalte der Vorträge zusammen. Die Ergebnisse der Workshopgruppen arbeiten wir in den nächsten Wochen auf, um sie gemeinsam mit den Ergebnissen unserer Umfrage (die aktuell auch noch läuft!) in einem E-Book verfügbar zu machen.

Die Fashion Changers Gründerinnen Jana und Nina eröffnen den Think Tank

Moderation: Merve Kayikci – Spiegel-Journalistin und Podcasterin bei „Mashallah!”

Sonja Eismann – Mitgründerin vom Missy Magazin, Autorin & Journalistin hielt einen Vortrag zu Mode, Gender und Feminismus

Mode, Gender und Feminismus

Sonja Eismann führte tief in die Modegeschichte ein und leitete für uns her, woher die extreme Aufteilung von Geschlechtern in der Mode überhaupt kommt. Im Bürgertum trugen Männer plötzlich Hosen, um sich vom Adel abzuwenden und lehnten Röcke ab, die in der Folge dann nur noch von Frauen getragen wurden. Sonja zeigte außerdem viele tolle Beispiele von Menschen, die Mode und Gender anders denken. Sie kam immer wieder darauf zurück, dass Mode vielmehr ist als nur Kleidung auf der Haut. Mode bedeutet zugehörig sein (oder eben auch ausgeschlossen werden) und besitzt ein utopisches Potenzial. Mode kann somit unsere Welt neu denken. Sie zeigte uns zum Beispiel den Revolution Suit, den eine Designerin kreiert hatte, um im Falle einer Revolution gut gekleidet zu sein.

Sonja sprach außerdem über die Kapitalisierung des Feminismus und wie Firmen feministische Slogans nutzen, um Profit zu schlagen und ihr Image aufzupolieren. Sie stelle die Frage in den Raum: Wo führt das hin? Bringt das der Bewegung wirklich was?

Sonja brachte weitere wichtige Fragen auf den Tisch:

Wer hat die Macht? Wer bestimmt die Mode?

Was macht eigentlich unser westlich geprägter Blick auf die Mode? Sonjas Prognose: das wird sich in den nächsten Jahren verschieben, da marginalisierte Märkte nun „kommen“.

Wie definieren wir uns über Mode? Warum ist Mode Status?


Sonja Eismann ist Mitgründerin und -herausgeberin sowie Redakteurin beim Missy Magazin, das Magazin für Pop, Politik und Feminismus. Die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin schreibt, referiert, forscht und unterrichtet zu Themen rund um Feminismus und Popkultur. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Repräsentation von Geschlecht in der Populärkultur, Dritte-Welle-Feminismus, gendersensibles (pop)journalistisches Schreiben, Do-It-Yourself-Kulturen und Modetheorie. Zudem ist sie Autorin und Herausgeberin diverser Bücher, u.a. „absolute fashion“ (2012), „Ene Mene Missy. Die Superkräfte des Feminismus“ (2016) und „Wie siehst du denn aus? Warum es normal nicht gibt“ (2020).


Reger Austausch zwischen den Vorträgen. Sema Gedik – CEO und Gründerin von Auf Augenhöhe hielt einen Vortrag zu Mode, Körper und Schönheit.

Mode, Körper und Schönheit

Sema Gedik sprach zunächst über die Entstehung von Schönheitsidealen: Was bedeutet überhaupt Schönheit? Wer ist mitgemeint, wenn es um Schönheit geht?

Sie zitierte unter anderem Ninia la Grande, was sie unter Schönheit verstehe:

„Wann fühle ich mich schön? Wenn innerlich im Reinen und stressfrei bin – und nicht gerade meine Periode habe – dann fühle ich mich schön. Oft auch, wenn ich gute Musik höre oder einen erfolgreichen Auftritt hatte – das übertraägt sich dann auf die gefühlte Ausstrahlung“ – Ninia La Grande

Eine der zentralen Fragen von Sema Gedik ist: Warum denkt Schönheit nur in Konfektionen? Um diesen Normen entgegen zu wirken, arbeitet sie mit ihrem Label Auf Augenhöhe an der Entwicklung einer eigenen Konfektionierung für kleinwüchsige Menschen (1XS – XL, 2XS – XL, 3XS – XL – die Zahl steht jeweils für die Körpergröße)

Wir diskutierten außerdem über den Begriff „Sondergrößen“ und warum dieser eher ausschließt und diskriminierend ist und darüber, ob es Sinn macht, einfach ein neues Modelabel zu machen oder lieber bestehende Labels neue Konfektionierungen aufnehmen sollten. Auf Augenhöhe arbeitet dafür aktuell zum Beispiel mit Tommy Hilfiger zusammen. Generell sollte die Branche das Verständnis von Körpern generell neu denken.

Wer bekommt Zugang zur Modewelt (und wer nicht)?

Wie schaffen wir es, marginalisierte Gruppen zu inkludieren?

Was bedeutet Exklusion in der Inklusion?


Sema Gedik ist CEO und Gründerin von dem Label AUF AUGENHOEHE. 2013 war es ihre Idee, das erste Label für kleinwüchsige Menschen ins Leben zu rufen. Anstoß dafür war ein Gespräch mit ihrer kleinwüchsigen Cousine Funda, die ihr erzählte, welche Probleme sie beim Kleiderkauf hatte. Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, hat sie unter anderem die weltersten Konfektionsgrößen für Menschen mit Achondroplasie entwickelt und forschte dafür mehrere Jahre bis zur Gründung des Labels 2017.  Sie ist Geschäftsführerin und vertritt das Unternehmen in der Öffentlichkeit. Zusätzlich übernimmt sie das Design der Produktlinien. Durch ihre Arbeit mit AUF AUGENHOEHE will Sema nicht nur kleinwüchsigen Menschen die Partizipation an einer gleichberechtigten Modewelt ermöglichen, sondern auch auf soziale Ausgrenzung und Benachteiligung aufmerksam machen.


Kemi Fatoba – Journalistin (Vogue, Zeit) und Mitgründerin von DADDY (auch auf dem Titelbild zu sehen) hielt einen Vortrag zu Repräsentation von BIPoC in den (Mode-)Medien und gab außerdem wertvolle Impulse in den Workshopgruppen.

Repräsentation von BIPoC in den (Mode-)Medien

Kemi Fatoba berichtete zunächst, wie es zur Mitarbeit an der Vogue-Kampagne „Warum Sichtbarkeit das Wichtigste ist“ gekommen ist und warum sie erst skeptisch war. Sie bestand darauf, dass nicht nur vor der Kamera Diversität herrschen muss, sondern auch dahinter. Das Team selbst war dann tatsächlich auch sehr divers. Trotzdem sind ihnen sind „Fehler“ unterlaufen. Zum Beispiel hatten sie an einem Shooting-Tag nicht bedacht, dass sie mehrere Hijabi-Models da haben und nicht genug Outfits, um Modest Fashion gerecht zu werden.

Kemi sprach darüber, dass das große Problem ist, dass sich viele Firmen jetzt Diversität auf die Fahnen schreiben, diese aber nicht wirklich leben, weil die Chefetagen nach wie vor häufig weiß (und männlich) sind und es somit nie zu wahrer Vielfalt kommen kann.

Ein wichtiger Punkt: Es muss unbedingt vermieden werden, dass diverse Menschen nicht als Token fungieren und somit eigentlich nur Stereotype bedient werden. Eine Person kann nie für eine ganze Gruppe von Menschen sprechen oder exemplarisch dafür stehen. Oft geraten Diversitätskampagnen in Klischees, was es unbedingt zu vermeiden gilt. Das grundlegende Problem ist Rassismus. So lange sich dies nicht ändert, wird sich auch in der Darstellung nichts ändern.


Kemi Fatoba ist freie Journalistin und Content-Strategin. Sie ist die Mitgründerin von DADDY, ein Berliner Onlinemagazin, das sich auf Identitätspolitik, Diversität und Stereotype fokussiert. Kemi kommt ursprünglich aus Wien, wo sie Kommunikationswissenschaften studiert hat, lebte vorübergehend in London und jetzt in Berlin. Sie berät Unternehmen, wie diese besser mit ihren vielfältigen Kund*innen kommunizieren können. Sie schreibt u.a. für Vogue Deutschland, Zeit Online und i-D. Sie setze u.a. die Diversity-Kampagne bei Vogue um, die den Hashtag #representationmatters trug und Diversität in die Mitte der (Mode)Gesellschaft trug.


links: Janine Nagel – Model für Auf Augenhöhe und Lifestyle-Bloggerin rechts: Bao Pham – Eco-Influencer und Künstler

links: Lydia Maurer – Gründerin des größen-inklusiven Labels Phylyda rechts: Natalia aus dem Auf Augenhöhe-Team

Der Think Tank wurde durch unsere Supporter möglich gemacht: GLS Bank, Wildling, erlich Textil, LOVECO, Tchibo, Ooshi, i+m NATURKOSMETIK und Shipsheip – wir freuen uns sehr, dass wir Unternehmen für dieses Thema gewinnen konnten und sie uns damit in dem Vorhaben, die Modebranche gerechter zu gestalten, unterstützen.

links: Jazz vom RosaMag mitte: Sema Gedik von Auf Augenhöhe rechts: Christina Eckert von Wildling

links: Cosima von i+m NATURKOSMETIK mitte: Christina von Wildling rechts: Benjamin von erlich Textil

links: Jan Paaul und Nixxon von For Sinners Not For Saints mitte: Autorin und Journalistin Nadire Biskin rechts: Maren von Your Personal Stylist

links: Jana Nörenberg von Tchibo rechts: Jan Paaul und Nixxon von For Sinners Not For Saints

links: Fashion Changers-Co-Gründerin Nina rechts: Susann von Tchibo

Vielen Dank außerdem an Sirplus, die uns gerettetes Essen und Inju, die uns die FLASH Limonade zur Verfügung gestellt haben.

Fotos: © Melanie Hauke

Mehr Fotos vom Think Tank findest du auf unserer Facebookseite.

Fashion Changing News #9: Eine Kapsel, der laute Ruf nach Transparenz und mehr Aktivismus

Mehr Aktivismus und spannende Mode-News! Einmal monatlich tragen wir in den Fashion Changing News zusammen, was sich gerade in der (fairen) Modeszene bewegt und was man nicht verpasst haben sollte. In diesem Monat haben wir schöne Mode-News für euch und natürlich auch einige Entwicklungen in Sachen Klimaaktivismus.

Fashion Changers x Fairnica

News in eigener Sache: Für die Vermietplattform Fairnica haben wir eine Herbstkapsel mit fünf Fair Fashion-Teilen gestylt, die ab sofort gemietet werden kann. Mit der Kapsel LUISE können nach dem Capsule Wardrobe-Prinzip insgesamt 30 Outfits kombiniert werden (zusammen mit eigenen Basics wie Jeans, schwarze Hose, weißes und schwarzes Shirt). Da wir Drei eigentlich einen recht unterschiedlichen Kleidungsstil haben, war es anfangs gar nicht so leicht die Teile zu finden, die für uns alle in Frage kommen.

Umso mehr freuen wir uns jetzt mit richtig tollen Statement Pieces kleine Highlights dabei zu haben. Der Zweiteiler von Jan ’n June steht im Zentrum und wird von einem schönen, rosa Farbklecks in Form eines Rollis von Shipsheip ergänzt. Dazu gibt es noch einen schlichten, schwarzen Wickelrock von esthétique, der im Prinzip zu allem kombiniert werden kann und eine kuschelige Samtjacke in einem warmen Herbst-Rot von Lana Organic. Die gesamte Kapsel kann für 1 bis 3 Monate ausgeliehen werden. Alle Outfitkombinationen könnt ihr euch online bei Fairnica ansehen.

Hallo Luise! Der Herbst wird farbenfroh. Foto © Emilie Elizabeth

Neue Petition für mehr Transparenz in der Lieferkette

Einen Tag nach dem Launch des Grünen Knopfs, dem ersten staatlichen Textilsiegel, haben 17 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter Brot für die Welt, INKOTA und BUND, eine Kampagne für ein Lieferkettengesetz lanciert. Der Transparenz halber: Die Petition fordert einen gesetzlichen Regelrahmen für Unternehmen, wie es auch die von Lisa Jaspers initiierte Kampagne #fairbylaw tut. Auch wenn beide Petitionen dasselbe wollen, ist es wichtig, beide zu unterschreiben, insofern man ein Ende der unternehmerischen Sorgfaltspflicht möchte. Der Druck auf die Politik, ein Gesetz zu diskutieren, wird so auf jeden Fall deutlich erhöht.

Das Klimapaket der Bundesregierung ist da

Das Klimakabinett hat in der Nacht vom 19. auf den 20. September getagt und ist zu einem Ergebnis gekommen. Am Tag des globalen Klimastreiks, als allein in Berlin 270.000 Menschen für mehr Klimaschutz und politische Lösungen auf die Straßen gingen, brachte das Kabinett einen Vorschlag eines Klimapakets auf den Weg, das unter Klima- und Umweltschutzaktivist*innen für Unverständnis sorgt. Die angestrebten Maßnahmen sind nach Aussagen von Klimaschützer*innen, Wissenschaftler*innen, Fridays For Future, aber auch von Politiker*innen aus den eigenen Reihen der CDU und SPD, viel zu lasch, viel zu langsam und zu wenig innovativ.

Ein Teil der Maßnahmen im Überblick:

  • 10 Euro pro Tonne CO2 im Sektor Verkehr und Wärme ab 2021, mit jährlicher Erhöhung
  • Senkung der EEG-Umlage um 0,25 Cent pro kWh ab 2021
  • Anhebung der Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer auf 35 Cent bis Ende 2026
  • Erhöhung des Wohngeldes um 10 Prozent
  • Steuerliche Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen, auch Einzelmaßnahmen wie Heizungstausch und Dämmung
  • Bundesförderung für effiziente Gebäude
  • Förderung der seriellen Sanierung im Gebäudebereich
  • Austauschprämie für die Erneuerung von Ölheizanlagen (Förderanteil: 40%)
  • Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für die Elektromobilität mit Förderungen bis 2025
  • Steuerbefreiung von Elektrofahrzeugen bis 2025 verlängert
  • Kaufprämie für Elektro-, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge verlängert
  • ab 2021 1 Milliarde Euro jährlich für den Ausbau des ÖPNV, ab 2025 2 Milliarden Euro jährlich
  • Ausbau von Radwegen
  • Investition von 86 Milliarden Euro von Bund und Deutscher Bahn bis 2030 für den Ausbau und die Erneuerung des Schienennetzes
  • Konsequent CO2-bezogene Reform der Kfz-Steuer
  • Senkung der Mehrwertsteuer im Fernverkehr von 19% auf 7% ab 2020
  • Ausbau des Ökolandbaus (Anm. d. Red.: Generell steht beim Landwirtschaftspart sehr wenig bis gar nichts)

Alle Maßnahmen und weitere Beschlüsse findet ihr in dem Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung, das online einsehbar ist.

Anna Schunck & Marcus Werner erinnern uns daran, dass wir alle im selben Boot sitzen. © Viertel\Vor

Viertel\Vor launcht neue Kampagne

Mit der Kampagne „It’s your Climate, too“ will das Onlinemagazin Viertel\Vor auch die Menschen abholen, die sich bis dato noch nicht so ausführlich mit der Klimakrise beschäftigt haben. Das Mittel der Wahl: ein einfaches, aber wirkungsvolles, Statement-Shirt, das in Zusammenarbeit mit dem Fair Fashion-Label Armedangels entstanden ist. Die limitierte Auflage des T-Shirts war innerhalb eines Tages komplett ausverkauft. Zeitgleich launchte das Viertel\Vor-Duo einen Instagram-Kanal, der das Thema weiter bespielen soll. Wir haben bereits gehört, dass es das nicht gewesen sein soll und sind gespannt, was demnächst passiert.

Zweite Vegan Fashion Week

Mit dem Slogan „Fashion is activism“ startet am 10. Oktober die zweite Vegan Fashion Week in Los Angeles. Die Messe findet auf etwa 4.600 Quadratmetern im Penthouse des California Market statt und beinhaltet Fashion-Shows sowie einen Designer-Showroom mit veganen Marken. Neben des veganen Aspekts liegt der Fokus bei der zweiten Ausgabe auch auf ökologischen Themen. Die Vegan Fashion Week war das erste Format dieser Art weltweit. Die Gründerin – Emmanuelle Rienda – sieht im Veganismus eine große Zukunft für soziale Gerechtigkeit und eine Antwort auf die Herausforderungen, die dem Planeten aktuell gegenüberstehen. Besucher*innen erwarten auch Inhalte zu Circularity, Inklusivität und. Speziezismus. Die Medienaufmerksamkeit war bereits bei der ersten Ausgabe im Frühjahr 2019 sehr groß und das Format könnte ein Beispiel in der Modebranche sein, das Nachahmer*innen findet.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Emmanuelle Rienda (@veganfashionstylist) am

Luisa Neubauer ruft zu mehr Aktivismus auf

In ihrem ersten TEDx-Talk appelliert Luisa Neubauer an uns, dass wir alle Klimaaktivist*innen werden können. Im Rahmen der TEDxYouth @ München hält Luisa einen fast 20-minütigen Vortrag darüber, was es bedeutet aktiv zu werden und warum heutzutage viel mehr Menschen diese Möglichkeit haben und in Angriff nehmen sollten. Der im Juli gehaltene Talk hat bis dato allein über die offizielle TED-Plattform mehr als 1,2 Millionen Menschen erreicht.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von embed.ted.com zu laden.

Inhalt laden

Fashion Changing News #8: Klimaaktivismus überall!

Es wird klimaaktivistisch! Einmal monatlich tragen wir in den Fashion Changing News zusammen, was sich gerade in der (fairen) Modeszene bewegt und was man nicht verpasst haben sollte. In diesem Monat wird es höchst politisch und aktivistisch.

Demoblock „Mode & Klima“ in Berlin beim globalem Klimastreik am 20.9.

Dass Mode eine Auswirkung auf unser Klima hat, ist längst klar. Die Modeindustrie ist die zweitgrößte Konsumgüterbranche Deutschlands und trägt maßgeblich dazu bei, dass Flüsse, Meere, Böden (und Menschen) weltweit ausgebeutet, verschmutzt und nicht mehr nutzbar gemacht werden. Die Bekleidungs- und Schuhindustrie produziert mehr CO2 als der Schiffs- und Flugverkehr zusammen. 20% der weltweiten, industriellen Wasserverschmutzung kann dem Färben und Behandeln von Textilien zugeordnet werden. Für die Herstellung einer Jeans werden 7.000 bis 8.000 Liter Wasser benötigt.

Mode ist Teil des Problems und genau deshalb organisiert Fashion Changers mit den helfenden Händen von weiteren engagierten Menschen und in Absprache mit Friday’s for Future den Demoblock „Mode & Klima“. Gemeinsam zeigen wir, dass sich etwas in der Modeindustrie verändern muss!

So kannst du unterstützen:

Um unsere Ausgaben zu decken, haben wir eine Go Fund Me-Kampagne eingerichtet, bei der ihr uns schon mit wenig Geld riesig unterstützen könnt.
Wir benötigen Spendengelder für folgende Dinge:
– Flyer drucken, die wissenswerte Fakten zur Textilindustrie aufzeigen
– Demo-Plakate drucken, die die Botschaft auf die Straßen Berlins tragen
– Sticker drucken, um Material zum Verteilen zu haben
– einen Bollerwagen + Technik mieten, um Expert*innen zum Thema während des Demozugs zu Wort kommen zu lassen
– einen großen Demobanner herstellen, der unseren Block mit eindeutiger Message anführt

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

GLOBALER KLIMASTREIK 🌍 @fridaysforfuture.de ruft zum Klimastreik und wir streiken mit! Wir wollen unsere Wegwerfmode zum Thema machen. Unsere Kleidung ist ein Teil des Problems. Das wollen und können wir nicht länger ignorieren. In Zeiten von Fast Fashion sind wir uns sicher, dass Mode eine neue Wertschätzung braucht, Konsum überdacht werden muss und Systeme grundlegend verändert werden müssen, damit wir auch weiterhin auf einem lebenswerten Planeten wohnen können. Die Modeindustrie ist die zweitgrößte Konsumgüterbranche Deutschlands und trägt maßgeblich dazu bei, dass Flüsse, Meere, Böden (und Menschen) weltweit ausgebeutet, verschmutzt und nicht mehr nutzbar gemacht werden. Die Bekleidungs- und Schuhindustrie produziert mehr CO2 als der Schiffs- und Flugverkehr zusammen. 20% der weltweiten, industriellen Wasserverschmutzung kann dem Färben und Behandeln von Textilien zugeordnet werden. Für die Herstellung einer Jeans werden 7.000 bis 8.000 Liter Wasser benötigt. 👖 Wenn wir über die Klimakrise und dem Entgegenwirken sprechen, müssen wir über Mode & Klima sprechen! Macht es zum Thema. Seid neugierig und aufmerksam. Und lasst uns gemeinsam am 20.09. zeigen, dass es neue Wege braucht, die wir laut (oder gerne auch leise, wenn dir danach ist) einfordern. Schließ dich unserem Demo-Block in Berlin an. Oder organisiere dich in deiner Stadt! In den kommenden Tagen werden wir ein Demo-Kit bereitstellen, sodass du auch bei deinem Streik auf die Verbindungen von Mode & Klima aufmerksam machen kannst! Gemeinsam sind wir viele. Gemeinsam machen wir einen Unterschied. #AlleFürsKlima #letschangethatfashiongame #fashionchangers #klimastreik Design: @andrea_schindler & @kristinawedel Link zur Veranstaltung in der Bio! ☝️

Ein Beitrag geteilt von Fashion Changers (@fashionchangers) am

Die Auswirkungen der Klimakrise auf Londa

Es gibt erhebliche Klimaschäden in Londa, Süd-Indien. Menschen vor Ort haben aktuell mit überdurchschnittlichen Ausmaßen an Regen und Wind zu kämpfen – mit dem Ergebnis zerstörter und beschädigter Häuser. Davon betroffen sind auch zwei Teammitglieder des Berliner Fair Fashion Labels Jyoti Fair Works, die nun mit der Hilfe von Spenden versuchen die dringensten Schäden zu beseitigen und eine Werkstatt vor dem Einsturz zu bewahren. In einem Blogpost erklären sie, was genau passiert ist und wie unterstützt werden kann.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

We are RESPONSable – the climate crisis is so longer an abstract threat but harsh reality in our production place Londa.⁠⠀ ⁠⠀ Thank you so much for your support so far! ⁠⠀ ⁠⠀ We already reached 25% of our funding aim.⁠⠀ The weather forcast for Londa looks a bit better by now. The rain stops periodically and people have a chance to evaluate which actions are to be undertaken first.⁠⠀ ⁠⠀ Visit our blog to find out more about the currecnt situation: https://jyoti-fairworks.org/en/we-are-respons-able-klimaschaeden-in-londa/⁠⠀ ⁠⠀ To donate see link in bio.⁠⠀ ⁠⠀ #climatecrisis #India #weareresponsible⁠⠀ ⁠⠀

Ein Beitrag geteilt von Jyoti – Fair Works (@jyotifairworks) am

32 Modefirmen schließen „Fashion Pact“

Kurz vor beginn des G7-Gipfels machte der „Fashion Pact“ von sich reden: Der französische Präsident Macron bringt 32 internationale, große Modeunternehmen an einen Tisch und dazu sich dem Klima zu verpflichten. Was zuerst in einem Artikel der deutschen Vogue sehr gut klingt, relativiert sich wieder durch einen ausführlichen Artikel von Fashion Revolution, in dem deutlich wird: Die Forderungen sind zu wenig und sie kommen zu spät. Die New York Times kritisiert weiterhin, dass das Fehlen von rechtlichen Rahmenbedingungen (der Pakt beruht auf freiwilligen Verpflichtungen) den Fashion Pact überhaupt erst für Unternehmen interessant mache, da im Falle einer Nichteinhaltung keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten seien.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von G7FashionPact (@g7fashionpact) am

Klimanotstand Berlin reicht Unterschriften im Abgeordnetenhaus ein

Am 20. August 2019 hat die Volksinitiative Klimanotstand Berlin 43.522 Petitionsunterschriften in Berlin an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses übergeben. Welche Forderungen der Klimanotstand Berlin stellt und wieso die Initiative nicht nur sinnvoll, sondern vor allem notwendig ist, haben wir bereits in einem ausführlichen Artikel besprochen. Die nächsten Schritte sind nun: Nach der offiziellen Auszählung müssen die Forderungen im Abgeordnetenhaus diskutiert werden. Sollte es Zustimmung von Seiten der Abgeordneten geben, könnte Berlin nach London und Paris als weitere europäische Hauptstadt den Klimanotstand ausrufen.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Wir haben heute unser erstes Ziel erreicht und über 43.000 Unterschriften (ja, das sind doppelt so viele wie benötigt!) an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses übergeben. What a feeling.👏 . . Ein riesengroßes DANKE an euch alle, die so fleißig mitgesammelt haben und uns bis heute morgen noch weitere ausgefüllte Listen haben zukommen lassen. Ihr seid spitze! . . #Klimawandel#Klimaschutz #FridaysForFuture#ParentsForFuture #Climatejustice#Berlin #Aktion #Aktivisten#Klimakrise #extinctionrebellion#endegelände #Kohleausstieg #Feuer#Waldbrand #Klimafolgen#Klimastreik #Jugend #klimanotstandberlin #berlino #climateemergency #originalunverpackt #extinctionrebellionberlin #greenpeaceberlin

Ein Beitrag geteilt von KlimanotstandBerlin (@klimanotstandberlin) am

Fashion Changing News #7: Mango klaut Fair Fashion Design & mehr Diversität bei Chanel

Am Ende eines jeden Monats fassen wir in den News zusammen, was die Fair Fashion-Szene umgetrieben hat. Was war los, was durfte man nicht verpassen? Hier gibt es die spannendsten Fair Fashion News im Überblick.

Mango kopiert Fairtrade-Design von The Dharma Door

Seit 15 Jahren arbeitet die australische Designerin Shannon Sheedy daran, die Menschen hinter unserer Kleidung zu empowern. Mit ihrem Label The Dharma Door setzt sie auf traditionelle Handwerkskunst und fördert Kunsthandwerker*innen aus Bangladesch, um ihnen den Weg aus der Armut zu ermöglichen. Dass die spanische Fast Fashion-Kette Mango Profit über Menschen stellt, wissen wir. Egal, an welchem Ende der Produktionskette diese stehen. Und so musste Shannon Sheedy feststellen, dass Mango kürzlich eine nahezu identische Kopie ihrer 2017 entworfenen Carly Bag auf den Markt gebracht hat. Hierbei geht es um mehr als den Diebstahl von geistigem Eigentum. Denn Mango klaut das Design eines Fair Fashion Labels, das mit seiner Produktion Frauen* stärkt und traditionelle Handwerkskunst fördert, die durch die schneller werdende Modeproduktion immer stärker verdrängt wird. Während The Dharma Door jahrelang Beziehungen zu den Produzent*innen aufgebaut hat, um ihre Kultur und ihr Handwerk zu verstehen, profitiert Mango von Shannons Arbeit und tritt sie gleichzeitig mit Füßen. Denn hier geht es nicht um Empowerment und Respekt, hier geht es nur um schnelles Wachstum.

https://www.instagram.com/p/BzaNs7hlaJz/


Chanel schafft Stelle für Diversity und Inklusion

Karl Lagerfeld liebte die Provokation und machte regelmäßig mit abfälligen Äußerungen zu Körperformen, Immigration und zuletzt der #MeToo-Bewegung von sich reden. Knapp ein halbes Jahr nach Lagerfelds Tod, holt sich Chanel Fiona Pargeter ins Haus, die ab sofort die neu geründete Abteilung „Diversity & Inclusion“ leiten wird, wie Fashion United berichtet. Modehäuser wie Dolce & Gabanna und Gucci haben in der Vergangenenheit mit ihren Werbekampagnen und Kollektionen immer wieder unter Beweis gestellt, dass es in der Couture keinen Platz für Diversität und Inklusion gibt, dafür aber für kulturelle Aneignung von Designs. Deshalb werten wir diese Entwicklung als einen positiven Schritt Richtung mehr Sichtbarkeit und Respekt.

https://www.instagram.com/p/ByVbgvHIynF/

Wie das deutsche Wirtschaftsministerium alles dafür tut, um ein Gesetz zu verhindern

Während wir lautstark ein Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht fordern, tut sich einiges hinter den politischen Kulissen. Laut Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD muss die Regierung bis 2020 herausfinden, wie es um die freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen mit Sitz in Deutschland steht. Dafür hat man im Rahmen eines Nationalplans einen Fragebogen entworfen, der herausfinden soll, wie gut deutsche Unternehmen ihre Lieferketten kennen und wie sie dafür Sorge tragen, dass keine Menschenrechte und Umweltstandards verletzt werden. Um ein mögliches Gesetz zu blockieren und die Unternehmen in ein möglichst positives Licht zu rücken, hat das Wirtschaftsministerium und Kanzleramt kräftig eingelenkt, um die Fragen abzuschwächen. Warum und wie man das Verfahren verwässern will, weiß das Handelsblatt.

https://www.instagram.com/p/Bwotv1ZnQ5j/

Eine neue App für Gebrauchtes

In Norwegen schon ein Erfolg, nun auch in Deutschland verfügbar: die neue App Tise. Tise mutet wie ein soziales Netzwerk an, dient aber für den Kauf und Verkauf von gebrauchter Kleidung dient. Apps und Plattformen zum (Ver)kaufen von Kleidung gibt es schon einige, jedoch ist die neue App noch mehr auf Interaktion angelegt: zum Beispiel das Folgen von anderen Nutzer*innen und das Durchscrollen des eigenen Feeds. Neben Mode kann auch Interior und Elektronik aus zweiter Hand ver- und gekauft werden, bisher ist in Deutschland allerdings nur der Fashion-Bereich gut gefüllt. Wir sind gespannt, wie sich die App entwickelt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Tise (@tise) am

Bento verteidigt Fast Fashion und erntet Kritik

In der letzten Woche machte ein Video von Bento Furore. Eine Bento-Redakteurin erklärt in einem Video, wieso man „endlich aufhören sollte“ Fast Fashion zu bashen. Als Gründe bringt sie an, dass sie sich als Studentin schlicht nichts anderes leisten könne und dass Fast Fashion Klassenunterschiede „verschwinden“ ließe. Mode- und Umweltaktivistin Madeleine Alizadeh (DariaDaria) hatte darauf eine Antwort parat und erklärte in ihrer Instagram Story, die ihr auf ihrem Profil immer noch unter „Fast Fashion“ sehen könnt, wieso die Argumentation hakt und welche wichtigen Punkte außer Acht gelassen wurden:

  1. Fast Fashion spart kein Geld, sondern ist darauf angelegt, möglichst vielen Menschen möglichst viel Geld für Kleidung zu entlocken. Fast Fashion Konzerne machen Milliardenumsätze, weil Konsument*innen viel und nicht wenig Geld bei ihnen ausgeben. Dazu kommt, dass die Nutzungsdauer von Fast Fashion häufig so weit herabgesetzt ist, dass Menschen häufig insgesamt mehr ausgeben, weil die einzelnen Teile schnell kaputt sind.
  2. Durch Fast Fashion werden keine Klassenunterschiede überwunden. Wenn man Fast Fashion mit Klassenunterschieden in Verbindung bringt, muss man sagen, dass sie die Unterschiede für sich ausnutzt und verstärkt, indem sie einerseits Arbeiter*innen ausnutzt und Menschen im globalen Norden Reichtum suggeriert.
  3. Es wird nicht alles in den gleichen Fabriken gefertigt. Im Video macht es den Anschein, als wäre sowieso alles an Mode unfair. Das diskreditiert die Arbeit von vielen Fair Fashion Labels, die ernsthaft versuchen, etwas in der Modewelt zu verändern und ist schlichtweg falsch.

Über welche Fair Fashion News habt ihr im Juli gesprochen?

Warum Aktivismus evidenzbasierte Fakten braucht

Nachdem ich mit einer Freundin kurz über Detox-Programme und anderen Healthy-Trends diskutiert habe, nannte sie ihr Totschlagargument gegen evidenzbasierte Erkenntnisse: „Ich vertraue keiner Studie.“ Puh, das musste ich erst mal sacken lassen, bis ich meine Gedanken dazu ordnen konnte.

Warum sind die Themen Forschung, Studien, Fakten und Analysen so wichtig für uns Fashion Changers?

Wir sind hier kein Wissenschaftsmagazin und keine Forschungsgruppe. Aber um die Themen, die uns beschäftigen, unter die Leute zu bringen, müssen unsere Argumente auf Fakten beruhen. Wie können wir Menschen davon überzeugen, mehr pflanzlich basiert zu essen, wenn wir nicht unmissverständlich klarmachen können, dass die vegane Ernährung besser fürs Klima ist? Wie können wir das Umsetzen von Petitionen und Regelungen einfordern, wenn wir die Auswirkungen der Fast Fashion-Industrie unserem Gegenüber nicht glaubwürdig anhand von Zahlen und Fakten erklären können? Wie können wir feministischen Themen ohne Daten und Fakten das politische Gewicht geben, das sie brauchen? Wie können wir uns durch den Dschungel an Daten kämpfen und Greenwashing in der Modeindustrie erkennen?

https://www.instagram.com/p/Bs_htxKF09L/

Auch in der fairen Mode brauchen wir Fakten, um unsere Anliegen glaubwürdig zu vermitteln und unsere Forderungen zu untermauern.

Facts Matter

Wir brauchen also verlässliche Zahlen und Fakten für unsere Mission und Ziele statt aufmerksamkeitsstarker Fake News. Aber wie trennen wir nun die Spreu vom Weizen?

Das Problem: Nicht jede Studie ist eine gute Studie

Leider ist es so: Nicht jede wissenschaftliche Studie ist eine gute Studie, verwendet einwandfreie Methoden oder ist reproduzierbar (sprich bei der nochmaligen Durchführung einer Studie entstehen ähnliche Ergebnisse).

Es kann zum Beispiel ein sogenannter “Publication Bias” bestehen. Das heißt, wissenschaftliche Journals veröffentlichen eher statistisch signifikante Ergebnisse (also ganz grob gesagt, dass der beobachtete Effekt nicht auf einen Zufall zurückgeführt werden kann) als nicht-signifikante Ergebnisse. Ein eindeutiges Resultat klingt immer für die wissenschaftliche Welt “sexier” als kein Resultat (Quelle).

Andere Gründe, warum eine Studie nicht einwandfrei glaubwürdige Ergebnisse liefern kann, sind zum Beispiel das sogenannte “p-hacking” (das heißt, man sucht in einem Datenset mit verschiedenen Tools und Methoden nach statistisch signifikanten Ergebnissen, nachdem man nach der ersten Analyse keine Effekte sehen konnte), Nachlässigkeit bei der Studienplanung und Datensammlung sowie “Data peeking” (das heißt, man analysiert die Daten vor dem Ende der Datensammlung; im Detail hier nachzulesen: Quelle).

Nur ein verschwindend geringer Teil kann wirklich auf grobe Fahrlässigkeit und Betrügerei zurückgeführt werden (Quelle).

6 Tipps, wie ihr “gute” Studien erkennt

Laut Eva Vivalt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Australian National University, gibt es folgende Kriterien, anhand derer man eine “gute Studie” erkennt:

1. Verlasst euch nicht zu sehr auf eine Studie. Wenn möglich, sucht nach Meta-Analysen oder systematischen Bewertungen, die die Ergebnisse mehrerer Studien zum gleichen Thema miteinander vergleichen. Dies liefert eher glaubwürdige Aussagen und kann erklären, warum sich unterschiedliche Ergebnisse gezeigt haben.

2. Wenn es nur wenige Studien zu einem Thema gibt, achtet darauf, dass ihr Ergebnisse, Meinungen von Expert*innen und Erfahrungsberichte aus vielen unterschiedlichen Quellen analysiert.

3. Schaut euch die Stichprobengröße an. Wissenschaftler*innen können seltener ein Studienergebnis reproduzieren, wenn die Studie nur eine kleine Gruppe an Menschen oder Unternehmen untersucht hat.

4. Genauso ist ein Blick auf die Besonderheiten der Stichprobe sowie die verwendeten Methoden wichtig. Wie kam die Forschungsgruppe genau auf diese Stichprobe? Welche Faktoren könnten die Ergebnisse verfälschen?

5. Wenn die Ergebnisse zu gut klingen, um wahr zu sein, dann muss man erst recht kritisch sein.

6. “Stronger by Science”-Autor Greg Nuckols ergänzt noch einen letzten Punkt: den Blick auf die Finanzierung des Projekts. Wer finanziert die Studie, wer steht hinter der Forschungsarbeit? Die Antwort darauf kann uns auch einige Schlussfolgerungen über die Glaubwürdigkeit der Analysen bieten.

Zur Interpretation von Studien

Ein wichtiger Punkt ist auch die Interpretation von Studienergebnissen. Reißerische Überschriften von Artikeln über krasse, neue Erkenntnisse spiegeln nicht wirklich immer die echten Studienergebnisse wider. Es lohnt sich bei Magazin-Artikeln auch einen kurzen Blick auf den Abstract (die Zusammenfassung) der Original-Studie zu werfen (Ich nenne hier speziell den Abstract, da meistens leider nur dieser umsonst für die Öffentlichkeit zugänglich ist). Fasst der Artikel die Studie korrekt zusammen, oder wird zugunsten reißerischer Headlines übertrieben oder werden Inhalte gar falsch dargestellt? Diesen Vorgang sehen wir auch oft in pseudowissenschaftlichen Claims auf Blogs, dubiosen Unternehmensseiten und mehr. “Pseudowissenschaftlich” deshalb, weil sie nicht evidenzbasierte Informationen wiedergeben und bewerben, aber in einer vermeintlich wissenschaftlichen Sprache die Studienergebnisse darstellen.

Ein Beispiel, um diesen Punkt besser zu erklären: 2008 wurde eine Studie mit dem Titel “Evidence for Sugar Addiction: Behavioral and Neurochemical Effects of Intermittent, Excessive Sugar Intake” im Neuroscience and Biobehavioral Reviews Journal veröffentlicht. Die New York Daily News nahm diese Studie daraufhin mit dem Titel  “Sugar as addictive as cocaine, heroin” (leider nicht in der Europäischen Union verfügbar, mehr Infos zu dem Artikel hier) auf und erklärte, dass die Studie von Princeton University-Professor Bart Hoebel besagt, dass Zucker beim Menschen genauso süchtig machen soll wie Kokain. Ein Blick auf die Original-Studie zeigt aber, dass die Untersuchung nur mit Ratten gemacht wurde, und weitere Forschung für eine zuverlässige Interpretation für den Menschen nötig wäre.

https://www.instagram.com/p/BxJqNPyH7ms/

Bei der Faktenrecherche ist die größte Herausforderung der sogenannte „Bestätigungsfehler“, den es regelmäßig zu überprüfen gilt.

Confirmation Bias oder “Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt”

Diesen Punkt möchte ich auch kurz ansprechen, da mir dieser in unserer Community sehr oft begegnet. Wir alle haben eine bestimmte Vorstellung von der Welt, auch ich natürlich, und wir fühlen uns am wohlsten, wenn diese Vorstellung bestätigt wird. Wir alle neigen automatisch dazu, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass diese unsere eigenen Erwartungen erfüllen (Quelle). Dies nennt man auch “Confirmation Bias” oder auf Deutsch “Bestätigungsfehler”. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass wir genau die Studienergebnisse auswählen, die unserem Confirmation Bias entsprechen und diese als einzige Wahrheit darstellen. Gerade in der Politik spielt der Confirmation Bias eine große Rolle und erklärt, warum insbesondere rechtsgerichtete Parteien und deren Anhänger*innen Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen (Quelle). Denn die Krux ist: Auch wenn Informationen Personen präsentiert werden und diese Informationen nicht dem Bestätigungsfehler entsprechen, aber dennoch korrekt erscheinen, kann genau dieser Confirmation Bias sogar noch verstärkt werden (Quelle). Wir glauben also sogar noch mehr daran, dass die eigene Weltanschauung die korrekte sein muss. Der Confirmation Bias ist also eine große Herausforderung.

Was bedeutet das konkret für uns? So unangenehm es sein mag: Probiert immer mal wieder, Informationen näher zu betrachten, die vielleicht nicht sofort dem eigenen Weltbild entsprechen. Fokussiert euch auf Neugier, statt auf eure eigene Überzeugungen. Hört euch die andere Seite an, lasst uns versuchen diese zu verstehen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Fazit: Aktivismus braucht evidenzbasierte Fakten

Ich habe noch einen kurzen Gedankenanstoß für euch, warum dieses Thema so wichtig für uns sein sollte: Wie sollen wir zum Beispiel mit dem Promoten von Veganismus, pflanzlicher Ernährung etc. von Expert*innen, Entscheidungsträger*innen und Politik ernst genommen werden, wenn Veganismus auf Social Media & Co. mit immer mehr pseudowissenschaftlichen Detox-Programmen in Verbindung gebracht wird? Wie kann jemand im Bereich Fair Fashion als seriöse Quelle und Expert*in aufgefasst werden, wenn diese Person regelmäßig Fake News verbreitet?

Lasst uns also kritisch bleiben, aber nicht in Pseudowissenschaften und Fake News abdriften. Lasst uns Fakten regelmäßig checken, den eigenen Confirmation Bias überprüfen und offen für Diskussionen und andere Quellenangaben sein. Das kann uns viele neue Erkenntnisse bringen. Lasst uns auch mehr Wissen darüber aneignen, wie wir uns korrektes Wissen aneignen, also die richtigen Fakten finden, analysieren, interpretieren und für uns verwenden können. Because facts matter!

P.S. Ich gebe zu, ich konnte hier viele Punkt nur anreißen, ich bin auch keine wissenschaftliche Expertin. Wenn ihr euch mehr für dieses Thema interessiert, empfehle ich euch zum Beispiel folgende Artikel und Studien:

 

Titelbild: (c) The Climate Reality Project via unsplash
Vorschaubild: (c) Elijah O’Donnell via unsplash

5 Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren

Der Wunsch, sein Leben mit einem tieferen Sinn zu füllen, ist bei vielen Menschen vorhanden. Diese Sehnsucht wird dann oftmals mit ehrenamtlichen Engagement gestillt. Allerdings ist aller Anfang schwer und aus den ersten guten Vorsätzen ergeben sich auch gleich die ersten Fragen: Für welchen Zweck oder welche Organisation möchte ich mich engagieren? Wie genau funktioniert das? Was muss man mitbringen und wieviel Zeit sollte man investieren können? Ich möchte euch fünf Möglichkeiten vorstellen, wie ihr euch ehrenamtlich engagieren könnt.

Die guten Vorsätze, sich ehrenamtlich zu engagieren, werfen sogleich die ersten Fragen auf

Was der Wunsch nach ehrenamtlichen Engagement mitbringt: vor allem Eigeninitiative, denn die ersten Schritte musst du selbst gehen. Damit die ersten Vorsätze nicht schnell wieder im Sande verlaufen, solltest du in dich hineinhorchen, welches Thema dir wirklich am Herzen liegt. Nur wenn man mit Leidenschaft für eine Sache brennt, wird man auch seine wertvolle Freizeit in sie investieren.

Bei der ersten Kontaktaufnahme geht es auch um eine realistische Einschätzung: Welche Eigenschaften und Qualifikationen bringst du mit? Wo könntest du ein Mehrwert für eine Organisation sein? Und wieviel Zeit kannst du realistisch in ein neues Projekt investieren? Außerdem solltest du möglichst langfristig denken, denn es kostet Organisationen auch immer wieder Zeit und Energie, neue Mitglieder*innen einzuarbeiten.

Um den Einstieg für dich ein wenig leichter zu machen, zeige ich dir fünf Möglichkeiten, je nach Zeitumfang, wie man sich ehrenamtlich engagieren kann. Die Bereiche dabei sind vielfältig – ob nun Tier- oder Umweltschutz, bei den Tafeln oder für Menschenrechte.

Werde finanzielles Fördermitglied

Es klingt zwar banal, aber Organisationen sind von finanziellen Mitteln abhängig. Die wenigsten werden staatlich gefördert. Die meisten finanzieren sich rein über Spendengelder. Deswegen hilft es bei der langfristigen Planung, wenn man Fördermitglieder*innen hat, die regelmäßig einen Beitrag zahlen. Man ist dann zwar kein aktives Mitglied, aber mit der regelmäßigen Spende können Aktionen geplant werden und der ganze Organisationsapparat bleibt am Laufen.

Trag dich in den Newsletter eines Vereins oder einer Organisation ein

Viele Organisationen – wie zum Beispiel PETA – haben einen Newsletter für Menschen, die an Aktionen interessiert sind. So bleibst du auf dem Laufenden, welche Aktion, wo, in welcher Stadt stattfindet, und kannst dich anschliessen, wenn Ort und Zeit für dich passen. Auch das mag banal klingen, aber je mehr Menschen sich solchen Aktionen anschließen, umso effektiver sind sie. Oft wird in diesen Newslettern auch darum gebeten, Protestbriefe an Politiker*innen oder Unternehmer*innen zu verfassen oder Petitionen zu unterzeichnen. So bist du mit wenigen Minuten in der Woche schon aktiv für eine gute Sache.

Werde ein aktives Mitglied

Wenn du eine Organisation gefunden hast, die dich interessiert, dann zeig Initiative und schreib sie direkt an. Erzähl von deinen Qualifikationen und wieviel Zeit zu investieren kannst. Die meisten Organisationen sind dankbar für aktive Mitglieder*innen. Manchmal muss man sich aber auch erst bewähren und in der Hierarchie nach oben arbeiten. Ob du dich nun im Hintergrund mit den bürokratischen Angelegenheiten beschäftigst, einen Social Media-Kanal betreust oder Aktionen organisierst, hängt von dir und dem Bedarf der Organisation ab.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Fashion Changers (@fashionchangers) am

Werde Vorsitzende*r in einem Verein oder einer Organisation

Du bist schon aktives Mitglied in einem Verein oder einer Organisation und möchtest noch mehr Einfluss ausüben oder Entscheidungen aktiver vorantreiben? Dann bewirb dich als Vorsitzende*r. Es ist enorm wichtig, dass an der Spitze von Vereinen/Organisationen Menschen sitzen, die viel Herzblut in die Sache stecken.

Gründe einen eigenen Verein oder eine eigene Organisation

Manchmal findet man für sich einfach nicht die richtige Sache, die den Einsatz lohnt. Oder du hast selbst gute Ideen, die du umsetzen möchtest. Fang an! Es geht immer mit einer Aktion los und mündet dann vielleicht sogar in einen eigenen Verein. Wenn du zum Beispiel Sachspenden in andere Länder fahren willst, dann sammle im Freundes- und Bekanntenkreis, mach öffentliche Aufrufe, schreib Unternehmen an, ob sie dich unterstützen möchten. Jede Aktion bringt neue Expertise. Nach und nach kann man mehr wagen – vielleicht ebnet das den Weg für dein eigenes Wunschprojekt.

Sprich über deine Taten und motiviere andere ebenfalls

Jetzt kommt noch ein Gratis-Tipp zum Abschluss. Denn Bescheidenheit hilft bei der ehrenamtlichen Tätigkeit leider nicht weiter. Sprich mit anderen darüber, was du machst und was du damit bewegst. Nur so werden auch andere Menschen motiviert, ebenfalls Gutes zu tun. Sprich über deine Erfahrungen und zeig, dass der erste Schritt eben doch leicht gemacht ist und es manchmal nur wenige Minuten im Alltag braucht, um eine Veränderung in der Welt zu erzielen.

Organisationen oder Vereine, in denen du dich ehrenamtlich engagieren kannst

Ich liste hier nur ein paar Vorschläge für dich aus verschiedenen Bereichen auf. Die Möglichkeiten sind aber sicher unendlich. Wichtig ist es, sich vor dem ehrenamtlichen Engagement ein eigenes Bild von der Organisation zu machen. Welche Themen liegen dir besonders am Herzen? Wie möchtest du dich engagieren? Außerdem solltest du abgleichen, ob du mit den Werten der Organisation oder des Vereins übereinstimmst. Immer wieder geraten leider auch Non-Profit-Organisationen in die Kritik, weil die Arbeitsbedingungen nicht stimmen oder selbst zum Beispiel sexistisches Verhalten reproduziert wird. Die Auswahl hier gilt also lediglich als kleiner Überblick.

Menschenrechte

  • Amnesty International deckt weltweit Menschenrechtsverletzungen auf und wird aktiv, wenn Menschen akut bedroht sind. Leider sind in den letzten Jahren die Arbeitsbedingungen bei Amnesty International immer wieder in Frage gestellt worden, sodass man sich vor dem ehrenamtlichen Engagement auf jeden Fall informieren sollte, wie es am eigenen Standort abläuft.
  • Unicef ist eine Organisation der UN, die Kindern in Entwicklungsländern und Krisengebieten hilft.
  • Terre des Femmes kämpft für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben von Frauen und Mädchen.
  • FEMNET e.V.  setzt sich mit politischem Engagement, Bildungs- und Beratungsarbeit
    sowie einem Solidaritätsfonds für die Rechte von Frauen in der globalen Bekleidungsindustrie
    ein.
  • future fashion forward e.V. fördert die Aufklärung in der Textil- und Modeproduktion und koordiniert in Deutschland die Fashion Revolution-Kampagne. Besondere Schwerpunkte legen sie auf Nachhaltigkeit, Umwelt, Sozialstandards und soziale Gerechtigkeit.
  • Sea-Watch e.V. ist eine gemeinnützige Initiative, die sich der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden verschrieben hat.

Tierschutz

  • Die bekannteste Tierrechtsorganisation ist wohl PETA – sie wird aber auch immer wieder kritisch durch gewagte (und teilweise sexistische) Werbung und aufsehenerregende Aktionen betrachtet.
  • VIER PFOTEN kämpft für jede Tierseele. Die Organisation finanziert sich allein durch Spenden und du kannst sogar Patenschaften für einzelne Tiere übernehmen.
  • Die Albert Schweitzer Stiftung setzt sich für weniger Tierleid in der Lebensmittelindustrie ein.
  • Sea Shepherd sind die tierfreundlichen Piraten der Meere und setzen sich für den Schutz mariner Ökosysteme ein.

Umweltschutz

  • Greenpeace hat in Deutschland ca. 560.000 Mitglieder (Quelle: Utopia) und macht ebenfalls mit spektakulären Aktionen auf sich und den Umweltschutz aufmerksam.
  • DAV – Deutscher Alpenverein ist die größte Umweltorganisation Deutschlands und besticht durch Naturschutzaktivitäten hauptsächlich im alpinen Raum.
  • Den WWF kennt wohl so ziemlich jede*r – allein durch das prägnante Panda-Logo. Die Organisation setzt sich für den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten ein. Jedoch stand auch der WWF bereits öfters in der Kritik.

Lebensmittelrettung

  • Die Tafeln retten noch gut erhaltene und essbare Lebensmittel und helfen damit sozial benachteiligten Menschen.
  • Foodsharing setzt sich gegen die Lebensmittelverschwendung ein und rettet ungewollte und überproduzierte Lebensmittel.

 

Mit diesem Beitrag erhältst du nur einen kleinen Einblick in die unzähligen Möglichkeiten vom ehrenamtlichen Engagement. Hoffentlich ist er dir eine kleine Hilfestellung bei den ersten Schritten. Das Wichtigste ist deine eigene Einstellung und Eigeninitiative, die ersten Schritte zu gehen. Einen großen Überblick über die unterschiedlichen Möglichkeiten, weitere Tipps und Organisationen findest du zum Beispiel bei Gute Tat oder Betterplace. Wenn du dich bereits ehrenamtlich engagiert, freuen wir uns über deine Erfahrungsberichte und Empfehlungen.

Titelbild: © Arjunsyah/unsplash.com, © Markus Spiske/unsplash.com