Fashion Changing News #2: ein Skandal in der Eco-Community und mehr Nachhaltigkeit bei Chloé?

Da war einiges los in der Fair Fashion-Szene im Februar! Hier lest ihr, wie jeden Monat, was man nicht verpasst haben sollte.

Alden Wicker tritt als Präsidentin der Ethical Writers Community zurück

Es wurde diskutiert im Februar. Und wie! Alden Wicker (auf Instagram bisher bekannt als @ecocult) ist als Präsidentin der Ethical Writers Community (@ethicalwriters) zurückgetreten. Nachdem sie bereits mehrfach zweifelhafte Aussagen über People Of Color in ihren Stories getroffen hatte, rief sie später auch dazu auf,  einzelne People Of Color zu blockieren, die sie namentlich nannte. Außerdem blockte sie verschiedene Accounts, die sich kritisch dazu äußerten. In den darauffolgenden Tagen wurde viel über die fehlende Sichtbarkeit von Women of Color (WoC) in der Fair Fashion-Szene diskutiert. Inzwischen ist Alden zurückgetreten und ihr persönlicher Account ist von Instagram verschwunden. Das Ethical Writers-Kollektiv hat nun vor sechs Tagen ein Statement veröffentlicht, in dem sie sich von Aldens Aussagen distanzieren und sich entschuldigen. Das Kollektiv nimmt sich nun einen Monat Auszeit, um sich zu restrukturieren. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

In diesem Instagrampost lässt sich in den Kommentaren einiges der Diskussion nachlesen:

Kommt bald das Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht?

Diskussionen über die Veränderung der Modewelt kommen immer wieder an den Punkt, an dem gefragt wird: Wer ist verantwortlich? Und wer muss verantwortlich gemacht werden? Konsument*innen, Unternehmen, die Politik? In vielen Paneldiskussionen, die wir mit Fashion Changers organisiert haben, kamen wir immer wieder zu der Erkenntnis: Wir brauchen nicht nur bewusstere Konsument*innen, sondern vor allem auch endlich eine Sorgfaltspflicht für Unternehmen, die sicherstellt, dass Menschenrechte geachtet werden.

Die freiwilligen Verpflichtungen, die Unternehmen bisher eingehen, funktionieren nicht ausreichend. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) hat nun einen Gesetzesentwurf zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht für Unternehmen vorgelegt – endlich! Es geht um Großunternehmen, die in einem Hochrisikosektor tätig sind. Dazu zählt auch die Bekleidungsindustrie. Bei Verstößen soll es Freiheitsstrafen und Bußgelder geben. Aktuell wird die Umsetzung noch von der Bundesregierung evaluiert. Vereine wie Femnet e.V. begrüßen den Vorstoß.

+++ News aus der Politik +++ Viele deutsche Unternehmen profitieren von Gesetzeslücken, um ihre Waren billig im Ausland produzieren zu lassen. Nur freiwillig sind sie bislang dazu angehalten, gegen Menschenrechtsverletzungen bei ihren Zulieferern vorzugehen. Das soll sich künftig ändern: Nach Medien-Informationen hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (@bmz_bund) einen Entwurf für ein Wertschöpfungskettengesetz erarbeitet, der demnächst veröffentlicht werden soll. Bei Verstößen sollen Freiheitsstrafen und Bußgelder drohen. Das sagt unsere Vorstandsvorsitzende Dr. Gisela Burckhardt zum Entwurf „Wir begrüßen es sehr, dass Entwicklungsminister Müller einen solchen Gesetzesentwurf vorlegen will. Schon lange setzen wir uns für verbindliche Regelungen ein, denn mit nur freiwilligen Maßnahmen kommen wir mit der Umsetzung von Menschenrechten in der Lieferkette nicht weit. Ein Wertschöpfungskettengesetz würde auch das freiwillige Textilbündnis wirkungsvoll ergänzen. Dass die aktuellen Spielregeln des Marktes nachhaltig wirtschaftende Akteure benachteiligen muss endlich aufhören.“ 🌏✊💙 #verantwortung #fashrev #politics #arbeitsrechte #fairemode #westandwithgarmentworkers #supplychain

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Chefdesignerin von Chloé fordert mehr Nachhaltigkeit

In einem Interview mit dem Zeit Magazin vom 07. Februar 2019 fordert Natacha Ramsay-Levi, ihres Zeichens Chefdesignerin von Chloé, mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche. Die Pariserin hatte bereits zum Antritt ihrer Position 2017 für Schlagzeilen gesorgt, nachdem sie nach 27 Jahren als erste weibliche Führungskraft die Chefdesignerin-Rolle annahm. Im nun erschienen Interview plädiert Ramsay-Levi für eine neue, bewusstere Art des Konsums und für weniger Kollektionen in der Modewelt. Sie wünscht sich mehr Zeit für die guten Dinge und damit allein durch den Verzicht auf immer neue Produkte mehr Nachhaltigkeit.

Besonders sympathisch dabei: Ramsay-Levi möchte kein Konsumverbot oder Modediktat, sondern Bewusstsein. Wenn es nach ihr ginge, sollte man auch als Modeliebhaber*in eher alle drei Monate als alle drei Wochen shoppen. Ob wir damit in Zukunft auf mehr Fairness oder Nachhaltigkeit bei Chloé hoffen dürfen?

Starting a Revolution: Business-Buch für Revolutionär*innen

Naomi Ryland (Co-Gründerin tbd) und Lisa Jaspers (Gründerin Folkdays) sind seit zehn Jahren befreundet und haben ihre Firmen beide vor fünf Jahren gestartet. Immer wieder kamen parallel die Fragen rund ums Business auf: Wie ist man eigentlich eine gute Chefin, wie wächst man? Mit der bisher vorhandenen Literatur zum Thema konnten sich die beiden nicht so recht identifizieren. Also starteten sie ein eigenes Buchprojekt, in dem sie mit vielen tollen Female Entrepreneurs gesprochen haben, die im Buch nicht nur vorgestellt werden, sondern vor allem Hands-On-Tipps geben, die man gebrauchen kann. Finanziert werden soll das Revolutions-Projekt mithilfe der Community. Das Crowdfunding läuft noch 20 Tage.

Sad to let you go: Myrka Studios

Das vegane Fair Fashion-Label Myrka Studios von Lia Bernard und Lydia Hersberger wird es nicht mehr geben. In den letzten Jahren haben wir das Label von seinen Anfängen an aufmerksam verfolgt, oft mit Lydia und Lia zusammen gesessen und Ende 2017 auch ein gemeinsames Fashion Changers in Kooperation mit Myrka herausgebracht. Deshalb, und auch weil die Konsequenz und der Fokus auf die drei Säulen nachhaltig, fair und vegan so stark war, ist es natürlich sehr schade, dass es nicht mehr weitergeht. Wir sind uns aber sicher, dass Lia und Lydia großartige Wege gehen und wir wieder von ihnen hören werden.

Today, we have some pretty big news. Today, we came on here to thank you from the bottom of our hearts for the support you showed us throughout the last three years of MYRKA studios. Together we were able to make a real contribution to the fair fashion industry and we are beyond proud of the things we’ve learned and grateful for the people we’ve met along the way. Today, we came on here to inform you that this wonderful journey is coming to an end – at least for now. Like Marilyn Monroe already said: «Sometimes good things fall apart so better things can fall together.» Although it may be the end of MYRKA studios as you know it, it doesn’t mean that it failed. Not at all. Together we were able to do so much good and we see this step as an opportunity for something new. We absolutely loved to see this community grow throughout the last years and are grateful to have been a part of it. Always remember that our buying decisions can make a HUGE difference! We’re going out with a bang and ending this era with a huge storage sale, so if you had your eye on something, this is the LAST chance to get it! 🖤 Thank you again, from the bottom of our hearts. We couldn’t have done it without you. Love, Lia and Lydia

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Trust in Trash ist online

Von Jessica Könnecke hat man schon öfter mal gehört. Richtig, das ist diese coole Person, die den Shop und Store Mit Ecken und Kanten gegründet hat. Ihr Sortiment besteht aus unperfekten, ökologischen und fairen Produkten, die kleine „Fehler“ aufweisen und so nicht in regulären Stores verkauft werden können. Jetzt hat Jessica sich mit ihrer Freundin Pia Salzer für ein neues Projekt zusammen getan: Trust In Trash. Die Idee? Die Awareness rund um die Themen Plastik und Nachhaltigkeit steigern. Gestartet haben die beiden mit einem Poster, das Tipps zum Thema Zero Waste-Kosmetik gibt. Und weil Pia eine talentierte Illustratorin ist, sieht nicht nur das Poster, sondern auch die Webseite und alles drumherum wunderschön aus.

Das Poster ist ein A2 Wendeposter, gefaltet auf A6. © Trust In Trash

Modeaktivismus zum Weltfrauentag

Gemeinsam mit der Community möchten wir als Fashion Changers an der Demo zum Weltfrauentag am 08.03.2019 14 Uhr teilnehmen. Wir wollen laut und deutlich zeigen, dass Frauenrechte nicht an der Landesgrenze aufhören. Und die Textilindustrie endlich etwas tun muss, um die Rechte der Textilarbeiter*innen zu schützen und zu stärken. Wir wollen zeigen, dass Fast Fashion genau diese Rechte mit Füßen tritt und wir deswegen mit der Unterstützung von Fair Fashion auch ein feministisches Zeichen setzen. Natürlich sind auch alle anderen Einsätze für die Rechte von Frauen willkommen.

Wenn ihr Lust habt dieses Zeichen gemeinsam mit uns zu setzen, laden wir euch herzlich am 03.03. um 15 Uhr ein, um gemeinsam mit uns Plakate für den 08.03. vorzubereiten, die wir dann zusammen auf der Demo präsentieren und die Stimme für die sein können, die oftmals keine Stimme bekommen. Weitere Infos zur Bastel-Veranstaltung findet ihr über das Facebook-Event. Hier könnt ihr auch Fragen stellen.

Demo-Poster basteln | 03.03.2019 | 15 – 17 Uhr | Weiberwirtschaft, Anklamer Straße 38, Berlin
Demo zum Weltfrauentag | 08.03.2019 | 14 – 18 Uhr | Alexanderplatz, Berlin

Sind uns News entgangen? Habt ihr noch spannende Entdeckungen im Februar gemacht?

Hinter den 2017 gegründeten FASHION CHANGERS stehen Vreni Jäckle, Nina Lorenzen und Jana Braumüller. Die Gründerinnen selbst kommen aus der Blogosphäre und bringen neben dem nötigen Know-How auch ein großes Netzwerk mit. Durch ihre eigene Arbeit in der Fair Fashion-Szene wissen sie, dass nachhaltige Mode den Sprung aus der Nische nur mit einer starken Community schaffen kann. #letschangethatfashiongame

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