Seit dem 28. Februar 2026 herrscht Krieg in Iran, woraufhin das Regime am selben Tag mit einem Internet-Shutdown reagierte und damit über 90 Millionen Menschen von globaler Kommunikation, Informationszufuhr und Zugang zu Evakuierungsplänen abschnitt, aber auch von der Möglichkeit sich innerhalb des Landes weiter zu organisieren. Der Krieg der USA und Israel in Iran zählt bislang 1551 zivile Opfer, darunter 236 Kinder (Quelle: HRANA). Parallel dazu ist dies der zweite Shutdown in nur wenigen Wochen und der bisher längste in der Geschichte der Islamischen Republik Iran. Nur wenige Videos und Bilder schaffen es nach draußen. Das Regime nutzt derweil die Sperre, um seine eigenen Narrative im In- und Ausland zu verbreiten. Dabei besitzen regimetreue Akteur:innen häufig eine weiße SIM-Karte, die von der staatlichen Internetzensur ausgenommen ist und ungefilterten Zugang zu globalen Plattformen bietet, auch während eines Shutdowns. Laut NetBlocks zeigt sich dies auch in den vorliegenden Daten zur Internetnutzung in Iran.
Ein kurzer Rückblick
Am 28. Dezember 2025 brach im Großen Bazar Teheran und den umliegenden Geschäften, aufgrund von Währungsverlust und der anhaltenden Wirtschaftskrise, eine neue Protestwelle aus. Der Rial fiel auf 1,4 Millionen pro US-Dollar. Zeitnah schlossen sich Studierende an, wenige Tage später folgte ein Aufruf kurdischer Parteien und Organisationen, sich den Streikenden anzuschließen und sich mit allen Protestierenden im Land zu solidarisieren. Der Ruf auf den Straßen ließ u.a. verlauten: Das gesamte System – die 47 Jährige Herrschaft der Islamischen Republik, muss ein Ende finden.
#digitalblackoutiran
Zeitgleich ging das Regime mit aller Härte gegen Demonstrierende vor, die Höhepunkte ereigneten sich am 08. und 09. Januar. Scharfe Munition, gezielte Kopfschüsse, Exekutionen auf den Straßen und in den Krankenhäusern, Massen-Inhaftierungen von Protestierenden und dem ersten Internet- und Kommunikations-Blackout in 2026, welcher volle 22 Tage anhalten sollte (Quelle: netblocks). Ein Massaker, welches sich laut dem Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA auf 5.137 verifizierte Tote belief, dabei sollten weitere 12.904 Fälle geprüft werden. Die Dunkelziffer könnte Schätzungen zufolge bei über 20.000 Opfern liegen. Selbst nach den massenhaften Ermordungen unbewaffneter Zivilist:innen, formierten sich Studierende im Februar erneut, um an ihrem Campus Kommiliton:innen zu gedenken und weiter zu protestieren. Familien suchten derweil bis zum Beginn des Krieges nach ihren Angehörigen, Informationen zu ihnen wurden teils verweigert. Es ist anzunehmen, dass viele noch immer als vermisst gelten.
Um an die Opfer des Januar-Massakers zu erinnern und ihre Namen weiterzutragen, ist die Seite iranmassacre2026 auf Instagram entstanden.
Repressionen und Kontrolle nehmen kein Ende
Überfüllte Gefängnisse und die Sorge um die Versorgung der Inhaftierten wächst angesichts der anhaltenden Bombardierung durch die USA und Israel und den stetig wachsenden Repressionen innerhalb des Landes. Auch während des Krieges gehen die Sicherheitskräfte der Islamischen Republik mit aller Härte gegen die eigene Zivilbevölkerung vor, vor allem gegen ethnische und religiöse Minderheiten wie Baha`i oder Kurd:innen. Razzien, Drohnachrichten und Inhaftierungen sowie Hinrichtungen nehmen zu. An dieser Stelle möchte ich gerne den ZEIT-Artikel von Omid Rezaee “Das System hat weniger Angst vor dem Krieg als vor den Menschen”, vom 24.03.2026, empfehlen.
Online-Shops und Internet-Shutdown
Das Durchschnittsgehalt in Iran beläuft sich auf ca. 350-400 € pro Monat (Gender Pay Gap/ Geschlechtsspezifische Ungleichheiten nicht eingerechnet). Der Großteil der Bevölkerung wird auch während des Krieges weiter arbeiten müssen, um die Grundversorgung, die für viele bereits vor dem Krieg kaum zu stemmen war, zu finanzieren. Rentner:innen in Iran demonstrierten über Jahre gegen Altersarmut und ausfallende Renten. Viele jüngere Menschen haben sich währenddessen über die letzten Jahre vermehrt online, vor allem über Instagram, versucht, ein Geschäft aufzubauen. Auch diese Sichtbarkeit und somit wichtige Einnahmequelle fehlt nun. Dabei war die Nutzung von Instagram bereits vor dem Internet-Shutdown nur eingeschränkt möglich und wurde über VPN genutzt. Nach den letzten Protesten Anfang des Jahres wurden wieder vermehrt Instagram-Accounts konfisziert. Die Accounts bleiben meistens bildlos zurück mit einem Post der Sicherheitsbehörde für virtuelle Unternehmen, welcher aussagt, dass gegen geltende Gesetze und Vorschriften des Landes, sowie die Nichteinhaltung von Sicherheitsbestimmungen, gehandelt und die Website somit entfernt wurde.
Support local artists – Durch diese Plattform kannst du aktuell Künstler*innen aus dem Iran unterstützen
Nun hat es vor einer Woche ein Video von einem Nonprofit Projekt geschafft, auf Instagram hochgeladen zu werden. In diesem wird auf die schwierige Situation von Independent Artists und Designer:innen in der sich aktuell befindenden Lebenslage aufmerksam gemacht und ist zugleich ein Aufruf, wenn möglich, eben diese, durch den Kauf von Postkarten mit Designs von iranischen Künstler:innen, zu unterstützen. Dabei liegt die Plattform außerhalb des Landes, der Versand findet ebenfalls nicht aus dem Iran selbst statt. So ist es möglich, unterschiedliche Bezahlformen wie z.B. PayPal zu wählen – das Geld wird später in iranischer Währung an die jeweiligen Artists ausgezahlt. Da der direkte Kauf, wegen bestehender Sanktionen und der Sperrung von SWIFT-Systemen mit einigen Banken in Iran selbst gesperrt ist, bedarf es immer kleine Umwege. Dies ist eine Möglichkeit, Künstler:innen in Iran finanziell ein wenig zu unterstützen.
Weitere Infos und eine Auswahl der Kunstwerke sind hier zu finden.






