Zero-Waste-Beauty: 9 Tipps für nachhaltige Kosmetik

Die Beauty Industrie ist riesig – 2019 wurden allein in Deutschland mit Kosmetik und Körperpflegemitteln 14 Milliarden Euro umgesetzt (Quelle). Dabei kommt eine Menge an Verpackungsmüll zusammen. Jedes Jahr wandern hierzulande über 200 Millionen Duschgel- und Shampoo-Plastikflaschen in den Müll (Quelle). Hinzu kommen weitere Kosmetik-Fläschchen, Cremetiegel, Zahnpastatuben, Rasierschaum-Container und mehr. Eine große Belastung für die Umwelt. Gleichzeitig zeichnet sich, ähnlich wie in der Fast Fashion, ein Trend zu ständig neuen Produktlinien, Formulierungen, Neuauflagen und Verpackungen ab. Selbst wenn wir uns nur im Bereich Naturkosmetik bewegen, ist die Tendenz zu stetig steigenden Kundenerwartungen deutlich spürbar. Diese münden dementsprechend auch in ständigen Versuchen der Unternehmen, fortwährend weitere, aufregende Produkte auf den Markt zu bringen.

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Was bedeutet nachhaltige Kosmetik überhaupt?

Das Ziel vieler Green-Beauty-Enthusiast*innen lautet deshalb: Zero-Waste-Beauty und nachhaltige Kosmetik – also eine nachhaltige und minimalistische Pflegeroutine mit Produkten, die ohne unnötige Ressourcenverschwendung und Umweltbelastung auskommen. Doch was bedeutet nachhaltige Kosmetik überhaupt? Einfach Produkte ohne Plastik? Feste Produkte, die ganz ohne Verpackung auskommen? Oder Fläschchen und Tiegel aus recycelten Materialien? Oder umweltfreundliche Inhaltsstoffe? Es gibt viele Möglichkeiten, beim Kauf von Beauty-Produkten auf Nachhaltigkeit zu achten.

© Mia Marjanovic

Für eine Zero- oder Less-Waste-Beauty-Routine, haben wir 9 Tipps für nachhaltige Kosmetik zusammengestellt:

1. BUY LESS

Genau wie im Bereich Fashion zählt hier das Motto von Vivienne Westwood “Buy Less. Choose Well. Make it Last” – wir brauchen keine Badezimmerschränke voller Fläschchen und Cremetiegel. Viele Produkte, die in jedem Lifestyle-Magazin als Must-Have bezeichnet werden, sind überhaupt nicht nötig. Nicht jeder Quadratmillimeter unserer Haut braucht ein anderes Produkt, auch wenn die Beauty-Industrie uns das einreden möchte. Stellt euch zum Beispiel die Frage: Brauche ich wirklich eine separate Augencreme, wenn meine Gesichtscreme bereits sehr pflegend ist?

2. ÖLE

Naturreine Öle ohne weitere Inhaltsstoffe können für viele minimalistische Beauty-Liebhaber*innen das perfekte Multitalent sein. Hat man einmal für den eigenen Hauttyp ein passendes Öl gefunden, kann man es zum Abschminken, als Morgen- und/oder als Abendpflege sowie als Haarprodukt verwenden. Die meisten Öle werden außerdem in Glasflaschen abgefüllt, sind meist hoch konzentriert und dementsprechend sehr ergiebig.

3. BEAUTY-DIYs

Diese sind in der Öko-Szene besonders beliebt. Mit selbst hergestellter Kosmetik weiß man zumindest, “was wirklich drin ist”. Außerdem kann man entweder durch Zero-Waste-Zutaten oder durch große Umverpackungen sehr viel an unnötigem Müll einsparen. DIYs können außerdem günstiger, einfach in der Anwendung und gerade für Minimalist*innen perfekt sein.
Ein Disclaimer jedoch: Bei DIYs zum Beispiel mit Wasser muss auch immer die Frage nach der Konservierung beantwortet werden. Ansonsten wird das Peeling oder die Creme schnell zur Bakterienschleuder. Außerdem ist nicht jeder Inhaltsstoff, nur weil er natürlich ist, gut für die Haut. Konzentrationen, Kombinationen und Qualität spielen eine wichtige Rolle. Bitte beachtet aber hier, dass wir keine Hautärzt*innen oder Kosmetiker*innen sind. Informiert euch bei Beauty-DIYs eigenständig bei Expert*innen über die Gos und No-Gos.

4. GLAS

Statt zu Plastikdöschen greifen umweltbewusste Kund*innen immer häufiger zu Tiegeln aus Glas. Doch ist dieses Material auch das ökologisch bessere? Immerhin ist es schwerer als Plastik, kann also beim Transport einen größeren CO2-Fußabdruck hinterlassen und ist in der Produktion auch recht energieaufwändig. Die nachhaltige Option ist immer, Verpackungen wiederzuverwenden. Bei Glas ist dies kein Problem: Einfach den Tiegel reinigen und immer wieder neu befüllen, zum Beispiel im Unverpackt Laden, oder zur Aufbewahrung von anderen Dingen nutzen, zum Beispiel von Büroklammern oder ähnlichem. Glas hat außerdem die Eigenschaft sehr viel hitzebeständiger und langlebiger als Plastik zu sein (Quelle).

5. MIKROPLASTIK

Mikroplastik wird in Kosmetika eingesetzt, um entweder die Textur weicher zu machen, die Fließfähigkeit und Stabilität von Produkten zu beeinflussen, oder einen Peeling-Effekt zu erzielen. Das Problem: Es landet dann entweder direkt nach der Anwendung von Duschgel & Co. oder durch das Abwaschen von Make-up-Produkten über den Abfluss in unser Grundwasser. Die gesundheitlichen Folgen für den Körper sind derzeit noch schwer zu quantifizieren und müssen noch weiter untersucht werden. Auch wenn der Anteil von Mikroplastik aus Kosmetika nur etwa zwei Prozent aller Mikroplastik-Quellen ausmacht (Quelle), sollten wir für Umwelt und Tiere auch hier Kunststoffe vermeiden. Eine weitere Schwierigkeit: Viele Hersteller erkennen nicht alle Kunststoffe als Mikroplastik an. Utopia empfiehlt deshalb, entweder ausschließlich auf Natrue, BDIH, Ecocert oder Demeter zertifizierte Naturkosmetik zu setzen, oder auf folgende Inhaltsstoffe zu verzichten:
Acrylate Copolymer (AC)
Acrylate Crosspolymer (ACS)
Polyamide (PA, Nylon-6, Nylon-12)
Polyacrylate (PA)
Polymethylmethacrylate (PMMA)
Polyethylene (PE)
Polyethylenterephthalate (PET)
Polypropylene (PP)
Polyquaternium (PQ)
Polystyrene (PS)
Polyurethane (PUR)

6. BIO-PRODUKTE

Wie eben bereits erwähnt, empfehlen Nachhaltigskeitsexpert*innen zertifizierte Naturkosmetik. Diese ist zwar manchmal auch etwas teurer, doch im Preis steckt nicht nur die Qualität der Inhaltsstoffe, sondern auch umfassender Umweltschutz. Der Verzicht auf Pestizide, Fungizide, Herbizide und Minderaldünger schützt zum Beispiel die Artenvielfalt der Natur sowie die Böden und unser Trinkwasser, ist aber teilweise kostenintensiver (Quelle). Bio-Landwirtschaft achtet außerdem auch auf eine korrekte, ökologische Fruchtfolge. Dies kann die Produktionskosten gut bestimmte Inhaltsstoffe erhöhen, wenn auch mal zwei Jahre lang Pflanzen angebaut werden, die zwar gut für den Boden und die Biodiversität sind, aber schlecht für den Ertrag. Biologische Inhaltsstoffe spielen auch auf den Klimawandel bezogen eine wichtige Rolle. Zwar emittiert die ökologische Landwirtschaft auch Klimagas, doch im Emissions-Vergleich schneidet die Bio-Landwirtschaft generell besser ab: Es wird zum Beispiel auf kürzere Transportwege geachtet und auch die Lachgasemissionen sind um 24 Prozent niedriger (Quelle).

7. LESS-WASTE-MAKE-UP-BRANDS

Einige Brands haben mittlerweile innovative Mittel und Wege gefunden, selbst Make-up nachhaltig(er) zu verpacken. Im Bereich der dekorativen Kosmetik zählt dazu unter anderem NUI Cosmetics aus Berlin, die ausgewählte Produkte in einer schicken, leicht glänzenden Verpackung aus 100 Prozent recyceltem Papier made in Germany anbieten. Das Luxus-Eco-Beauty-Label Kjaer Weis* zeigt schon seit mehreren Jahren, dass ein Refill-System gut funktionieren kann. In der pflegenden Kosmetik sind wir schon ein paar Schritte weiter: Das Sortiment umfasst inzwischen feste Shampoos*, Körperbutter und sogar festen Conditioner, zum Beispiel von Klarseifen*, alverde oder Rosenrot Manufaktur.

8. RECYCELTE MATERIALIEN

Nicht jedes Produkt lässt sich in Glas oder Papier abfüllen oder lose verpacken, wie zum Beispiel feste Shampoos. Kunststoffe aus Post-Consumer-Recycling (PCR), also Kunststoffabfälle, die durch private oder gewerbliche Endverbraucher*innen entstehen und nicht der Produktion eines anderen Produktes dienen, können hier eine gute Option sein (Quelle). Bei diesen fällt rund 80 Prozent weniger CO2-Emissionen an als bei der Produktion von Verpackungen aus neuem Plastik (Quelle). Recycling ist außerdem gegenüber dem Verbrennen von Kunststoffen bisher die bessere Option (Quelle). Dr Bronner’s*, Frosch, alverde und Weleda* arbeiten zum Beispiel mit Post-Consumer-Recyclat, entweder durch Beimischen von Recycling-Material oder mit Verpackungen, die zu 100 Prozent aus PCR bestehen.

Unternehmen wie junglück und farfalla zeigen weitere Möglichkeiten, Ressourcen zu schonen: Beide nehmen in ihren eigenen Recycling- und “bring-it-back”-Programmen ihre Glas- und Kunststoffverpackungen zurück. PCR ist jedoch nicht die Lösung für alle Verpackungsprobleme. Recycling kommt der ständigen Neuproduktion von Plastik nicht einmal annähernd hinterher und stößt immer wieder an technische und wirtschaftliche Grenzen. Mehrschichtige, unterschiedliche Materialien sowie Mischkunststoffe können zum Beispiel oft nur in geringen Mengen und in minderwertiger Qualität weiterverwendet werden (Quelle).

Eine weitere Innovation: Bio-Kunststoff. Dieser wird aus organischen Rohstoffen wie Zucker oder Mais hergestellt. Klingt vielversprechend, doch auch hier bewegen wir uns in einem sehr komplexen Bereich. Das Bundesumweltamt erklärt zum Beispiel, das bio-basierte Kunststoffe längst noch nicht umweltfreundlicher sind als herkömmliche Kunststoffe. In einem FAQ zu diesem Thema erklärt das Bundesumweltamt detailliert, dass die Umweltauswirkungen sich nicht wesentlich verbessern, wenn die Rohstoffe biobasiert sind statt fossilbasiert. Der ökologische Fußabdruck verschiebt sich eher, da der erhöhte Flächenbedarf, die Überdüngung des Bodens beim Anbau und die Schwierigkeiten beim Recycling eine immense Rolle spielen. Außerdem ist nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen biologisch abbaubar und nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe sind aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Wie ihr seht, ein komplexes Thema. Alle Details vom Umweltbundesamt findet ihr hier.

9. WENIGER VERPACKUNG

Wenn alle Stricke reißen, orientiert euch an Produkten, die mit weniger Verpackung auskommen, also die zum Beispiel nicht doppelt eingepackt sind, kein unnötiges Plastik brauchen und schlicht designt sind. Auch dies ist nicht immer perfekt möglich, da laut gesetzlichen Bestimmungen die Inhaltsstoffe und alle weiteren wichtigen Infos auf der Verpackung Platz finden müssen. Unnötige Umverpackungen kann man ein bisschen mehr Bewusstsein beim Einkaufen schnell erkennen und vermeiden. Testergrößen sind praktisch, um eine Formulierung erst einmal auszuprobieren, bevor man sich die Vollgröße kauft. Doch wenn möglich, greift zu Produkten in größeren Flaschen oder Tiegeln. Ein Trend, der derzeit auch viel Müll verursacht: Single-Use-Sheets, die als Gesichtsmasken oder Augenmasken verkauft werden und für den einmaligen Gebrauch gedacht sind. Wie gesagt, nicht jeder Quadratmillimeter Haut und jedes Wehwehchen braucht ein eigenständiges Produkt.

Zero-Waste-Beauty: Was ist die nachhaltigste Lösung?

Eine lupenrein nachhaltige Verpackung gibt es derzeit nicht, zumindest keine, die den unterschiedlichen Produktanforderungen gerecht wird. Bio-Inhaltsstoffe müssen geschützt und sicher verpackt werden, wofür es über alle Produktkategorien hinweg noch keine eindeutige Lösung gibt. Es wird recycelt, mit bio-basierten Kunststoffen und Papier gearbeitet, doch die beste Wahl wird weiterhin die Mehrweg-Lösung sein. Ich persönlich sehe in Refill-Stationen oder festen Produkten die Zukunft. Die Verpackung ist jedoch nur ein Faktor der Ökobilanz eines Produkts. Wie oben bereits erwähnt, spielen insbesondere die Produktion und die Qualität der Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle, weshalb wir hier bei Fashion Changers weiterhin für Bio-Produkte, Naturkosmetik und natürlich das Buy-Less-Prinzip plädieren.

 

Beitrags- und Titelbild: (c) Joanna Kosinska via unsplash
Titelbild: (c) Mia Marjanovic

 

Mia hat sich vor ein paar Jahren mit heylilahey als einer der ersten Modeblogs Deutschlands auf Fair Fashion konzentriert und das Thema Conscious Shopping zu ihrem Markenzeichen gemacht. Mia ist Diplom-Psychologin, PR-Beraterin, Bloggerin und YouTuberin und berichtet mittlerweile auf ihren Kanälen über mehr als „nur“ Fair Fashion, sondern auch über Veganismus, einen gesunden Lebensstil, Achtsamkeit, Naturkosmetik, Reisen und über das Thema Nachhaltigkeit.

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