Zero Waste Tipps mit kleinem Budget

Zero Waste ist die Idee Müll zu vermeiden, bevor er überhaupt auf der Deponie landet. Es geht vor allem darum, zu reduzieren, was wir brauchen und so viel wie möglich wiederzuverwenden, zu kompostieren und zu recyceln. Reduce, Reuse, Recycle.

Bambusbesteck, Baumwollabschminktücher, einzelner grüner Apfel, Eco-Brotbox

Zero Waste ist seit ein paar Jahren der Nachhaltigkeitstrend schlechthin, weltweit – obwohl die Idee bereits seit Jahrhunderten existiert. An sich ist das eine gute Sache. Es ist ein Besinnen auf das Wesentliche, auf Naturschutz – und heutzutage brauchen wir mehr denn je große Bewegungen, ein Zusammenspiel zwischen dem Privaten und Politischen, sowie grenzübergreifende Aktionen, um Naturschutz und Klimaschutz schnell voran zu bringen. 

Das Problem mit Zero Waste

Zero Waste klingt gut, doch wie bei jedem Trend haben sich auch hier einige Problematiken heraus entwickelt: 

  • In klassisch kapitalistischer Manier malen sich Unternehmen dank populärer Keywords eine grüne Weste, um auch für das junge Publikum interessant zu sein. (Was beispielsweise hinter Corporate Greenwashing steckt, warum es so problematisch ist und wie ihr es erkennt, könnt ihr auch im Fashion Changers Magazin nachlesen.)
  • Anstatt Ressourcen zu schonen, produzieren Firmen ständig neue Zero-Waste-Produkte. Dies steht jedoch in starkem Kontrast zu der eigentlichen Botschaft der Zero-Waste-Bewegung: Weniger ist mehr.
  • Less Waste kann auch Less Money bedeuten: Unverpackt einkaufen muss im Grunde genommen nicht teurer sein. Doch nicht alle haben die Kapazitäten, eine Einkaufsliste für den Unverpacktladen zu planen, länger zum Laden zu fahren und eventuell auf andere Öffnungszeiten (im Gegensatz zum klassischen Supermarkt) zu achten. Nachhaltiger zu leben kann ein Privileg sein. 
  • Manche glauben,  es sei nötig, erst einmal Geld auszugeben, um der Natur helfen zu können: Im Netz scheint es mehr Shoppingtipps für Metallstrohhälme, teure Trinkflaschen und Abschminktücher zu geben, als Tipps für simple Alltags-DIYs, die nichts oder nur wenig kosten.
  • Außerdem ist der Perfektionsgedanke von „Zero Waste“ problematisch, wenn wir wirklich nur das Ziel „Null Abfall“ im Blick haben. Wir leben leider in einem System, in dem wir Abfall produzieren, und daran führt in vielen Bereichen kein Weg vorbei. Sei es im Krankenhaus, in stressigen Situationen oder unterwegs. Keine*r sollte sich also schlecht fühlen, wenn die strikte Definition von Zero Waste nicht im Privathaushalt erreicht wird. 
  • Dazu hat Zero Waste auch immer etwas mit antirassistischer Bildung zu tun. Indigene Völker haben Nachhaltigkeit seit Tausenden von Jahren in ihr tägliches Leben integriert. Und das gilt es zu würdigen, wertzuschätzen und sich damit zu beschäftigen. Einen umfangreichen Artikel dazu mit passender Bücherliste findet ihr im Onlinemagazin Novel Hand. Sich darüber weiter zu bilden ist relativ einfach und preisgünstig – dank des zahlreichen kostenlosen Contents und ausgewählten Büchern, die ihr gegebenenfalls auch Secondhand findet. So könnt ihr Low Budget und Zero Waste miteinander verbinden. Wer jedoch etwas Kleingeld übrig hat, kann dafür sorgen, dass antirassistische Bildung von BIPOC vergütet wird.
  • Zu guter Letzt muss der Trend „Zero Waste” inklusiver und intersektionaler werden. Wir müssen kolonialistische Hintergründe bedenken und für Antirassismus stehen. Im Fashion Changers Magazin haben wir vor kurzem erst einen ausführlichen Artikel zum Thema „Intersektionale Nachhaltigkeit” veröffentlicht. Wie Fair-Fashion-Aktivistin, Autorin und Stylistin Aja Barber bereits schreibt: „Wenn wir zulassen, dass weiße, able-bodied und dünne Menschen das einzige Gesicht unserer Revolution sind, dann laufen wir Gefahr, denselben Kreislauf von Problemen und Unterdrückung zu schaffen, dem wir zu entkommen versuchen. Wir können uns nicht aus dem Schlamassel befreien, indem wir die gleichen Methoden und Wege unterstützen, die uns in den Schlamassel gebracht haben. Wenn wir POC und Schwarze Gesichter und Körper aus der Erzählung streichen, streichen wir Menschen aus, die die ganze Zeit die Arbeit gemacht haben, ohne den Anreiz einer glänzenden, populären Instagram-Seite zu haben.” (Übersetzt aus dem Englischen)

Zero Waste Tipps, die fast nichts kosten

Um dem Thema Zero Waste wieder ein bisschen mehr von seinem ursprünglichen Charakter zurückzugeben, teilen wir deshalb heute ein paar Tipps mit euch, wie ein Zero oder Less Waste Lifestyle auch mit einem kleinen Budget gemeistert werden kann:

  • Lebensmittel kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums kaufen. Wie Lebensmittelverschwendung beispielsweise enorme Kosten für die Umwelt verursacht, kannst du auch im Magazin nachlesen.
  • Unbeliebte Produkte kaufen wie beispielsweise braune Bananen, einzelne Äpfel oder krumme Karotten.
  • Statt Servietten beim Picknick einfach mehrere Geschirrtücher mitnehmen.
  • Aufkleber mit der Aufschrift „keine Werbung“ an die Tür kleben.
  • Gemüsereste einpflanzen und nachwachsen lassen. Das geht ganz einfach mit Frühlingszwiebeln, Fenchel oder Kräutern.
  • Lebensmittelreste wiederverwerten: Kaffeesatz kann zum Beispiel als Dünger verwendet werden, mit Avocadokernen und Zwiebelschalen kann Kleidung gefärbt werden.
  • Großpackungen kaufen, um viele kleinere Verpackungen zu vermeiden.
  • Das nutzen, was mensch schon zuhause hat. Brauchen wir beispielsweise unbedingt Bienenwachstücher? Oder reichen nicht auch Geschirrtücher im Alltag?
  • Facebook Marketplace & Ebay Kleinanzeigen durchstöbern, um tolle gebrauchte Schätze zu finden.
  • Nudelwasser für Pflanzen wiederverwenden.
  • Toilettenpapier kaufen, das nur in Karton verpackt oder in Papier eingewickelt ist statt in Plastik.
  • Mehr zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren statt mit dem Auto.
  • In lokalen Geschäften wie Feinkostläden, Lebensmittelgeschäften und Bäckereien einkaufen und so den lokalen und saisonalen Handel unterstützen.
  • Kleidung umnähen oder tauschen. Nähen zu lernen kann sehr viel Spaß machen. Damit kann mensch unheimlich viel Geld sparen und verhindern, dass Dinge auf der Müllhalde landen.
  • Selber kochen, anstatt bestellen. Bei Eat this zum Beispiel, einem veganen Foodblog, finden alle das passende Rezept. 
  • Bei Lebensmitteln lohnt es sich im Voraus zu planen. Mit einem sogenannten Meal Plan werden nur die Zutaten gekauft, die mensch auch wirklich braucht.

Schluss mit Einweg!

Zero-Waste-Produkte können auf Dauer günstiger sein, als Einwegalternativen. Der Nachteil ist die anfängliche Investition, die sich aber auf lange Sicht lohnt, denn Qualitätsprodukte halten lange. Wenn du etwas Neues kaufen möchtest, solltest du bestenfalls etwas sparen und dann in etwas Hochwertiges investieren. Fancy Zero-Waste-Zubehör findest du auch Secondhand oder in Outlet Centern. Auf Dauer lohnt sich die Investition und du sparst später viel Geld. Hier einige Beispiele: 

  • Verwendung von wiederverwendbaren Baumwolltüchern anstatt von Einweg-Abschminktüchern.
  • Eine Menstruationstasse anstelle von Tampons.
  • Für den täglichen Kaffee einen wiederverwendbaren Becher mitbringen. Viele Cafés bieten sogar einen Rabatt an, wenn du den eigenen Becher mitbringst. 
  • Ein hochwertiger Sicherheitsrasierer, der dich über Jahrzehnte begleitet, anstelle von Einwegrasierern.
  • Bienenwachstücher anstelle von Alufolie oder Cellophan.

Manche dieser Beispiele sind natürlich von einem privilegierten Standpunkt aus betrachtet und setzen voraus, dass Zugang zu fließendem Wasser besteht.

Und schließlich etwas, das jede*r tun kann: das eigene Leben vereinfachen. Brauchen wir wirklich fünf verschiedene Cremes? Oder 20 Paar Schuhe? Oder super ausgefallene Zutaten, die oft aus Übersee eingeflogen werden? Je mehr mensch das eigene Leben vereinfachen kann, desto weniger Abfall wird produziert – und das automatisch. 

Welche Zero Waste Tipps setzt du bereits um? Wenn du noch andere Tipps hast, lass es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Titelbild © Mia Marjanovic

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3 Antworten auf „Zero Waste Tipps mit kleinem Budget“

Ich habe mittlerweile so gut es ging, alle Einwegprodukte verbannt. Rasierhobel statt Einwegrasierer, Filterkaffee (mit wiederverwendbaren Filtern) statt Kapselkaffee, festes Shampoo und Seife statt Duschgel im Plastik…. und es macht auch richtig Spaß, immer wieder neue Alternativen kennenzulernen.
Hab da einen coolen kleinen Shop entdeckt und was super zufrieden mit dem Einkauf ( http://www.blattwende.at )

Ich habe mittlerweile so gut es ging, alle Einwegprodukte verbannt. Rasierhobel statt Einwegrasierer, Filterkaffee (mit wiederverwendbaren Filtern) statt Kapselkaffee, festes Shampoo und Seife statt Duschgel im Plastik…. und es macht auch richtig Spaß, immer wieder neue Alternativen kennenzulernen.
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