Shalom ist schöner als Scheiße!

Auf dem Weg zu einem Fashion Changer ist vor allem eins wichtig: Wissen teilen, Reichweite nutzen, mehr informieren als inspirieren und all in all einfach mal ein bisschen weniger, verzeiht die Wortwahl, scheiße sein. Wie schwer das sein kann, wissen sicherlich die meisten von uns. Wie schwer es ist, wenn man diesen Weg vor den Augen aller beschreitet, davon kann Vreni Frost ein Lied singen. Auf ihrem Blog neverever.me schrieb sie bis vor einigen Monaten nur über konventionelle Mode, jetzt nähert sie sich der Fair Fashion an und erntet seitdem mehr Kritik als je zuvor. Vreni hat für uns mal aufgeschrieben, was es damit auf sich hat. Eins ist schon mal klar, wir sind froh, sie im Boot zu haben. Denn jeder kleine Schritt ist besser als gar kein Schritt.

Ich folge seit Kurzem dem Instagram-Account von PETA Deutschland. So gut wie ich die Arbeit der Organisation finde, ausgegrenzt fühle ich mich dennoch. Liest man nämlich die Kommentare der User*innen, so sind scheinbar nur diejenigen willkommen, die alles, aber auch alles, in ihrem Leben richtig machen. Wie da gegenseitig gebasht wird, hat mich entsetzt.

So ähnlich ergeht es einer Modebloggerin, wenn sie sich der fairen Mode nähert. Ich habe letztes Jahr angefangen, mit der Marke Armedangels zu arbeiten. Dadurch setzte ich mich intensiv mit Fairness, sozialer Verantwortung und Produktionsbedingungen auseinander. Mein Konsum bei H&M, Zara, Asos und Co. ist seitdem rapide gesunken. Ja, ich bin mittlerweile schon so weit, dass ich Fast Fashion nur noch mit Bauchschmerzen kaufe und dann alle Augen, inklusive Hühneraugen, zudrücke. Und das ist gut so! Das zeigt, dass ich mitten im Prozess hin zu einem nachhaltigeren Modestil bin. Nachhaltiges Leben passiert für mich nicht von jetzt auf gleich. Ich lerne unglaublich viel und denke noch mehr nach, als ich es sonst schon in sämtlichen Lebensbereichen tue.

Fast Fashion bringt Komplimente – Fair Fashion Vorwürfe

Aber zurück zum Problem: Ich beschloss, meine Leser*innen und Follower an diesem Prozess teilhaben zu lassen. Als ich noch oberflächlich als Modemädchen unterwegs war, bekam ich grundsätzlich nur Komplimente, Hater-Kommentare gingen gegen Null. Seit ich mich jedoch öffentlich mit bestimmten Bewusstseinserweiterungen meinerseits auseinandersetze, kommen zunehmend negative Kommentare.

In meinem persönlichen Prozess deklariere ich mich ganz klar als Konsumopfer – weil ich es immer noch bin. Ich versuche mittlerweile in jedes Outfit mindestens ein nachhaltiges Teil zu integrieren, und das macht Spaß! Nachhaltigkeitsengel bin ich aber noch lange nicht, werde ich wahrscheinlich auch nie. Es liegt mir zudem fern, mich über irgendjemanden zu stellen, geschweige denn zu verurteilen. Lieber reiche ich jemand anderem die Hand, als mit dem Finger auf ihn/sie zu zeigen.

Gemeinsam mit meinen Followern, die wahnsinnig interessiert an meiner nachhaltigen Entwicklung sind, versuche ich Rückschlüsse und Konsequenzen zu ziehen. Für mich. Wenn ich dadurch andere inspiriere, umso besser. Vielen scheint das aber nicht zu reichen.

„Du bist ja wohl die Letzte, die sich zu diesem Thema äußern darf.“

Diesen Satz und ähnliche musste ich hören, als ich begann, nachhaltige Mode zum Thema zu machen. Das brachte mich erst zum Grübeln und dann auf die Palme. Ja, ich bin die Richtige. Ich darf in Deutschland zum Glück erst einmal zu allem meinen Senf dazugeben. Natürlich gibt es bei kontroversen Themen Diskussionsbedarf. Ich verstehe allerdings nicht, warum bestimmte Menschen grundsätzlich erst einmal angreifen müssen, wenn jemand, der/die versucht, etwas richtig zu machen, nicht zu 100 Prozent dem Ideal entspricht.

Warum angreifen, wenn man auch anfeuern kann?

Gerade ich, die Konsum ankurbelt und darüber Geld verdient, darf sich damit auseinandersetzen. Das ist etwas Gutes. Das ist ein Schritt in die richtige Konsumrichtung. Also warum runterziehen, wenn man auch motivieren kann? Warum angreifen, wenn man auch anfeuern kann? Warum nicht bei sich selbst anfangen, bevor man andere kritisiert?

Wichtig ist mir dabei, dass ich solchen Kommentaren liebevoll, offen und friedfertig begegne. Damit entschärfe ich die vermeintliche Wut beim anderen und bringe ihn/sie oft auch dazu, die eigene Meinung zu überdenken. Das ist mir wichtig, weil auch ich regelmäßig meine Ansichten hinterfrage.

Oft steckt, glaube ich, auch die eigene Unzufriedenheit hinter solchen Kommentaren. Das eigene Fehlverhalten wird auf andere projiziert, wenn auch unterbewusst. Daher richte ich heute ausnahmsweise mal wirklich einen klaren Appell an alle Nörgler*innen: Denkt nach, bevor ihr jemanden angreift. Überlegt, was ihr damit auslöst. Seid liebevoller und unterstützt. Shalom ist schöner als Scheiße. Think about it.

Über Vreni Frost

Vreni Frost inspiriert ihre Leser*innen bereits seit einem knappen Jahrzehnt auf ihrem Blog neverever.me. Hier teilt sie gemeinsam mit ihren Redakteur*innen Ideen, Erfahrungen und Meinungen zu aktuellen Lifestyle-Themen. 2016 gründete Vreni das erste und bisher einzige deutsche Technik-Blogazine für Frauen – www.techandthecity.de. Vreni trifft man auf zahlreichen Veranstaltungen und Konferenzen als Speakerin zu Blogging-Themen an. Momentan lässt sie sich zudem als Synchronsprecherin ausbilden. Ihre Follower schätzen besonders ihren Mut zur Kritik am eigenen Business, sowie ihre erfrischend ehrliche und dabei humorvolle Art.

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