“Unternehmen sollten sich häufiger fragen: Ist mein Handeln ethisch?”

Wenn deutsche Fair Fashion-Labels etwas Neues wagen, werden wir immer ganz hellhörig. Denn noch ist die Branche relativ überschaubar und jede Innovation ist ein wichtiger Schritt in Richtung Marktanteilgewinnung. Klar wollen wir mehr vom großen Kuchen, denn fünf Prozent am gesamten Bekleidungsmarkt können einfach nicht genug sein.

Konsument*innen brauchen Optionen und Labels, die es besser machen. Ein solches Label ist bleed. Die sympathische Marke aus Oberfranken beweist seit mehr als zehn Jahren jede Saison aufs Neue, dass nachhaltig und fair produzierte Mode vollends am Zahn der Zeit ist und dass man nicht Fast Fashion produzieren muss, um neue Entwicklungen möglich zu machen. Ganz im Gegenteil.

Der wohl umweltfreundlichste Schuh, den die Modewelt gesehen hat

Ihr neuster Coup: der, laut bleed, umweltfreundlichste Schuh, den die Modewelt je gesehen hat – der ECO4Sneaker. Basierend auf den vier Säulen der Nachhaltigkeit wurde der Schuh in Bayern entwickelt. Er ist vegan und tierleidfrei, wie alle anderen Produkte von bleed ebenso. Der Verzicht auf Leder ist nicht nur moralischer, sondern vor allem auch nachhaltiger Natur. Denn in der konventionellen Lederproduktion wird nach wie vor gelegentlich das karzinogene und allergieauslösende Chrom VI verwendet, welches so unter Umständen auch mit dem*der Träger*in in Berührung kommen kann.

Der ECO4Sneaker wird in Portugal handgefertigt. Bleed garantiert faire Löhne, angemessene Arbeitszeiten, Krankenversicherung und das Verbot von Kinderarbeit bei der Produktion. Des Weiteren besteht der Schuh fast ausschließlich aus recycelten Materialien. Alte Autoreifen, Baumwollreste aus der Textilindustrie und ehemalige PET-Flaschen machen den Schuh langlebig und bequem. Zu guter letzt ist der Schuh auch noch klimaneutral. Das bedeutet, dass das durch die Produktion und die Lieferwege entstandene CO2 zu 100 Prozent kompensiert wird.

Klingt alles fast zu schön, um wahr zu sein.

Und wir fragen uns: bleed, warum macht ihr jetzt überhaupt Schuhe?

Michael Spitzbarth, Gründer von bleed: „Die Schuhindustrie ist umweltschädlich und unfair. Fast jedes der pro Jahr in Deutschland verkauften 400 Millionen Paar Schuhe trägt einen riesigen Fußabdruck aus giftigen Chemikalien, Tierleid, klimaschädlichem CO2 und unfairen Arbeitsbedingungen.

Da es bisher nur wenige nachhaltige Alternativen auf dem Sneakermarkt gibt, haben wir uns dazu entschlossen selbst Schuhe zu produzieren. Unser Ziel bei bleed ist hierbei wie immer, nachhaltige Produkte in stylischem Design zu verpacken ohne dabei Abstriche in der Qualität zu machen.“

Der ECO4Sneaker besteht vor allem aus recycelten Materialien. © PR

Auf welche Herausforderungen trifft man bei der Entwicklung eines Schuhs?

Michael Spitzbarth: „Zu Beginn war besonders die Auswahl der Materialien und des Produzenten unsere größte Herausforderung. Nachdem diese Punkte geklärt waren, war es sicherlich am schwersten unsere Ansprüche an Nachhaltigkeit, recycelte Materialien, faire Arbeitsbedingungen, hohe Qualität und so viel Funktionalität wie möglich in einen Schuh zu integrieren.“

Nach eigenen Angaben hat bleed genau das geschafft und die für sie vier wichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei der Produktion des Sneakers eingehalten. Vor allem den Aspekt der Klimaneutralität finden wir besonders spannend.

Was bedeutet überhaupt klimaneutral?

Michael Spitzbarth: „Zunächst verursacht jede Produktion klimaschädliches CO2, so auch die Herstellung des ECO4Sneakers. Um den CO2 Ausstoß zu kompensieren, haben die Expert*innen von Climate Partner die Emissionen genau berechnet und analysiert. Auf Basis dieser Berechnungen fließt ein Teil des Kaufpreises in ein Waldschutzprojekt nach Kenia. Dadurch können Waldflächen erhalten werden, welche das CO2 speichern, das durch die Produktion der Schuhe emittiert wurde. Zusätzlich stellen diese Waldflächen einen Lebensraum für viele bedrohte Tierarten dar.“

Ein wichtiger, und nachahmenswerter Unternehmensansatz und doch wissen wir, auch nachhaltiger Konsum kann unsere Welt nicht retten. Welche Art von Wirtschaft brauchen wir, um wirklich einen Unterschied zu machen?

Michael Spitzbarth: „Unserer Meinung nach könnte viel geändert werden, wenn mehr Unternehmer*innen sich selbst fragen würden ‚Ist mein Handeln ethisch?‘. Wenn also nicht Geld oder Macht, sondern ethisches Handeln an erster Stelle stehen würde. Wir bei bleed sind der lebende Beweis dafür, dass ethisches Wirtschaften auch erfolgreich sein kann und nicht nur Verzicht bedeutet. Wenn also mehr Unternehmen unserem Beispiel folgen würden, könnte schon viel bewegt werden.“

Den Produktionsstart des ECO4Sneakers habt ihr per Crowdfunding finanziert. Warum ist euch unabhängiges Wirtschaften so wichtig und was hat Fairness mit finanzieller Unabhängigkeit zu tun?

Michael Spitzbarth: „Als echtes Familienunternehmen wachsen wir schon seit über zehn Jahren unabhängig von großen Investoren und beweisen damit, dass faire, soziale und ökologische Produktion ohne Kompromisse möglich ist. Bei der Zusammenarbeit mit Investoren kommt häufig der Punkt, an dem die Unternehmenswerte/-philosophie zugunsten von (Profit-)Wünschen der Investoren zurückgestellt werden müssen. Durch unsere finanzielle Unabhängigkeit können wir diese Entwicklung vermeiden und die Fairness gegenüber unseren Produzenten und Konsument*innen beibehalten.“

Auch in Weiß ein echter Hingucker – der ECO4Sneaker. © PR

Wie wählt ihr eure Partner*innen aus? Und woher wisst ihr, wie diese produzieren?

Michael Spitzbarth: „Wir besuchen alle Partner*innen persönlich und überprüfen die Produktionsstandards vor Ort. Dadurch können wir gewährleisten, dass alle Versprechen, die wir geben, eingehalten werden. Mit den meisten unserer Produzenten pflegen wir mittlerweile langjährige Beziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen basieren.“

Plant ihr in Zukunft noch andere Erweiterungen eurer Produkte?

Michael Spitzbarth: „In der näheren Zukunft ist unser kleines Team mit dem ECO4Sneaker und dem normalen Tagesgeschäft gut ausgelastet. Jedoch wird es in den kommenden Jahren bestimmt nicht still um uns werden und ihr dürft auf vieles gespannt sein.“

Vielen Dank, Michael, für das spannende Gespräch und viel Erfolg mit euren tollen Sneakern.

Hinter den 2017 gegründeten FASHION CHANGERS stehen Vreni Jäckle, Nina Lorenzen und Jana Braumüller. Die Gründerinnen selbst kommen aus der Blogosphäre und bringen neben dem nötigen Know-How auch ein großes Netzwerk mit. Durch ihre eigene Arbeit in der Fair Fashion-Szene wissen sie, dass nachhaltige Mode den Sprung aus der Nische nur mit einer starken Community schaffen kann. #letschangethatfashiongame

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