Nachhaltige Periodenprodukte

Alternative Periodenprodukte – wie nachhaltig ist deine Menstruation?

Periodenwissen

Wusstet ihr, dass die meisten, konventionellen Periodenprodukte aus einem Zellstoff-Plastik-Gemisch bestehen, also aus Zellulose und Kunststoffen wie Polypropylen und Polyethylen? Dazu beinhalten einige Produkte sogenannte Superabsorber, also kleine Plastikkügelchen, die Flüssigkeiten aufsaugen und halten, auch bekannt als Mikroplastik.

Wusstet ihr außerdem, dass es in der EU keine gesetzlichen Vorgaben gibt, bestimmte Materialien und Inhaltsstoffe auf Tampons & Co. zu kennzeichnen?

Wusstet ihr, dass die gesamte Verpackung einzeln abgepackter konventioneller Binden circa vier Plastiktüten entspricht?

Wusstet ihr, dass Periodenprodukte zu den Abfallprodukten gehören, die am häufigsten an Stränden gefunden werden?

Wusstet ihr, dass nicht alle Binden vegan sind? In einigen wurden Weichmacher gefunden, deren Klebstoffe auch tierische Bestandteile wie Kasein enthalten. (Quelle)

Alternative Periodenprodukte: Nachhaltigkeit, Transparenz und Entstigmatisierung

Die Periode ist dazu immer noch weitestgehend ein gesellschaftliches Tabuthema, in dem viele Mythen und Falschinformationen verankert sind. Damit wir selbstbestimmt mit unserer Menstruation umgehen können, bedarf es an Aufklärung sowie der Entstigmatisierung rund um das Thema Zyklus und Periode.

Heute stellen wir euch deshalb alternative Periodenprodukte vor, die ihre Inhaltsstoffe transparenter darstellen, Müll einsparen und / oder den Umgang mit der Menstruation erleichtern.

Menstruationstasse

Die Menstruationstasse, auch bekannt als -cup, -becher, -glocke oder -kappe, ist ein kelchförmiges Periodenprodukt, das in die Vagina eingeführt wird. Es besteht meist aus weichem, medizinischem Silikon und fängt die Blutung im Becher auf. Der Cup kann dann entnommen, entleert, ausgespült und wieder eingesetzt werden. Nach der Periode wird der Cup für den nächsten Zyklus gereinigt und ausgekocht.

Die Vorteile: Die Tasse ist nicht sichtbar, es hängt kein Bändchen raus, sie trocknet die Scheide nicht aus, bei guter Pflege hält sie fünf bis zehn Jahre und spart so Unmengen an Müll. Außerdem ist die Menstruationstasse bereits relativ günstig ab um die 15 Euro zu haben und kann acht bis zehn Stunden im Körper gelassen werden. Viele fühlen sich freier und weniger eingeschränkt mit der Benutzung des Bechers, da er nicht so oft gewechselt werden muss und im Körper auch nicht spürbar ist (bei richtiger Anwendung und Übung). Das Tragegefühl ist also viel angenehmer und praktischer. Wichtig zu wissen: Toxisches-Schock-Syndrom (TSS) ist zwar auch bei der Menstruationstasse nicht ausgeschlossen, da TSS bei allen alternativen Periodenprodukten vorkommen kann, aber die Gefahr ist laut einer Studie im Canadian Family Physician Magazin viel geringer als bei Tampons, da das Menstruationsblut nicht mit Fasern und Luft in Verbindung kommt.

Die Nachteile: Die Handhabung erfordert etwas Übung, man kommt relativ direkt in Berührung mit dem eigenen Blut (was viele als bereichernd und spannend beschreiben, aber für Personen, die Blut nicht sehen können, schwieriger sein kann) und auch die Reinigung unterwegs erfordert etwas Übung.

Die Menstruationstasse hat erst in den letzten Jahren eine echte Trendwelle erfahren. Tatsächlich wird aber vermutet, dass die Erfinderin des Cups, die Künstlerin Leona Chalmers, bereits 1937 das Patent angemeldet hat. Das Patent wurde dann in den 1950ern an Tassette, Inc. verkauft und das amerikanische Unternehmen startete auch in dieser Zeit mit der Produktion. Zunächst mit wenig Erfolg. Die Gründe: Zum einen gab es einen Materialmangel, dazu waren die ersten Modelle vom Material her noch recht hart und schwer, und zum anderen galt die Menstruation lange Zeit als ein noch größeres Tabuthema als heute, sodass ein derart “körpernahes” Produkt nicht gut aufgenommen wurde (Quelle).

Ein paar Marken, die wir empfehlen können:

Bio-Tampons

Auch wenn die Tasse gehypt wird, einige Vorteile besitzt und für viele die Monatsblutung erleichtern kann, kommt nicht jede*r mit der Menstruationstasse klar. Es braucht eine gewisse Gewöhnungsphase und jeder Körper ist anders gebaut, sodass die Tasse nicht für alle eine Option ist.

Aber auch hier gibt es Alternativen zu den klassischen Periodenprodukten. Bio-Tampons zeichnen sich zum Beispiel dadurch aus, dass sie ohne Plastik auskommen und stattdessen aus Bio-Baumwolle bestehen. Für dieses Material ist der Einsatz von genmanipulierten Samen und schädlichen Chemikalien nicht erlaubt (Quelle: Textile Exchange). Auch der Umweltaspekt spielt eine Rolle: Die Produktion von Bio-Baumwolle verbraucht weniger Wasser und produziert weniger Treibhausgase im Vergleich zu konventioneller Baumwolle. Auch in Sachen Fairness punktet das Material: Bio-Baumwolle wirkt sich positiv auf die Lebensumstände und das Einkommen der Bäuer*innen in den Anbauländern aus (Quelle).

Bio-Tampons findet ihr bei:

Bio-Binden

Auch Bio-Binden haben den Vorteil, aus einem umweltfreundlicheren und -schonenderen Material zu bestehen. Auch hier könnt ihr Weichmacher und Mikroplastik vermeiden. Zertifizierte Bio-Binden und -Slip-Einlagen sind außerdem 100 Prozent chlorfrei gebleicht sowie ohne Duftstoffe oder synthetische Zusatzstoffe. Viele beschreiben laut der Informationsplattform erdbeerwoche auch ein angenehmeres Tragegefühl im Vergleich zu Binden mit einem hohen Plastikanteil sowie weniger Probleme mit Intiminfektionen.

Bio-Binden findet ihr bei:

 

Stoffbinden

Wer  wiederverwendbare Produkte mag, sollte sich im Bereich der Stoffbinden umschauen. Diese sind waschbar, wiederverwendbar und stellen somit eine nachhaltige Alternative zu Wegwerfbinden dar. Sie werden meist mit Druckknöpfen an der Unterwäsche befestigt und kommen so ohne Klebefolie aus. Baumwolle kann sehr viel Flüssigkeit aufnehmen, sodass auch Stoffbinden sehr saugfähig sind. Da sie wie Bio-Binden keine Synthetik beinhalten, sind sie auch atmungsaktiver als herkömmliche Binden, die einen hohen Plastikanteil besitzen.

Die Nachteile: Die Anschaffungskosten (ab circa 15 Euro pro Stück) sind relativ hoch, die Binden müssen natürlich regelmäßig gewaschen werden und einige berichten, dass sie mit der Stoffbinde (wie auch mit anderen Binden) stärker schwitzen, als ohne Binde. Probiert deshalb erstmal nur ein bis zwei Stoffbinden hauptsächlich zuhause aus, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, ob diese Alternative die richtige für euch ist, bevor ihr in die Anschaffung von einem ganzen Set investiert.

Stoffbinden findet ihr:

Menstruationsunterwäsche

Menstruationsunterwäsche ist meiner Meinung nach eine Revolution im Bereich der Periodenprodukte. Ich persönlich finde sie super praktisch, angenehm und einfach in der Anwendung. Menstrutationsunterwäsche sind Slips oder auch Shorts, die im Schrittbereich eine saugfähige Einlage eingenäht haben, die je nach Modell ein Fassungsvermögen von ein bis vier Tampons hat. Die Slips sind auslaufsicher und fangen das Blut wie eine Binde auf. Alle Modelle, die ich bisher getestet habe, fühlen sich aber viel dünner als eine Binde an und auch das Tragegefühl ist angenehmer: Das Material ist sehr saugfähig, sodass sich der Slip innen nie klebrig oder ähnlich anfühlt. Oftmals merkt die menstruierende Person gar nicht, dass sie einen Periodenslip trägt.

Die Nachteile: Die Anschaffungskosten (ab circa 25-35 Euro pro Stück) sind auch hier sehr hoch und nicht alle Produkte bestehen aus natürlichen oder veganen Materialien. Hier muss man einfach für sich selbst entscheiden, welche Hersteller*innen, Schnitte und Modelle für einen persönlich am besten sind. Dazu muss sich jede*r auch erst einmal daran gewöhnen, die Unterwäsche richtig zu pflegen. Hier helfen jeweils die Waschhinweise der Hersteller*innen.

Marken, die wir empfehlen können:

  • Ooshi
  • koramikino
  • Und im Speziellen die Boyshorts von Thinx, da perfekter Schutz bei starker Blutung

Wiederverwendbare Tampons

Für alle, die am liebsten Tampons verwenden, jedoch Wegwerfprodukte vermeiden möchten, können wiederverwendbare Optionen eine gute Alternative darstellen. Sie bestehen meist aus Bio-Baumwolle und können genauso wie herkömmliche Tampons getragen werden. Sie werden meist gerollt und dann auch wie gewohnt in die Vagina eingesetzt. Auch hier ist eine hygienisch saubere Anwendung und regelmäßiges Wechseln wichtig, um Infektionen zu vermeiden.
Diese findet ihr zum Beispiel bei ImsweVimse.

Periodenschwämmchen

Periodenschwämmchen oder auch Soft-Tampons bestehen aus Naturschwamm oder Schaumstoff. Sie kommen meist beim Sex während der Periode, beim Schwimmen oder in der Sauna zum Einsatz. Hier ist darauf zu achten, dass nicht alle Schwämmchen aus Naturmaterialien bestehen. Informiert euch jeweils bei den Hersteller*innen nach den genauen Inhaltsstoffen, Anwendungshinweisen und Pflegeinformationen.

Free Bleeding

Noch nie gehört? So ging’s mir lange Zeit auch. Beim Free Bleeding werden keine Periodenprodukte verwendet. Allein die Muskelkraft soll die Blutung kontrollieren bis man gezielt auf der Toilette das Blut zur richtigen Zeit laufen lässt. Die Gründe sind vielseitig: Manche möchten einfach ihren eigenen Körper und Rhythmus besser kennenlernen, andere wollen auf das Stigma der Periode aufmerksam machen, und wiederum andere Menstruierende fühlen sich mit den meisten Periodenprodukten einfach nicht wohl. Mittlerweile gibt es zahlreiche Informationsquellen, Workshops und sogar Meditationen, die das Wissen rund um das Thema Free Bleeding detailliert teilen, also wie die Methode genau funktioniert, wie man Free Bleeding trainieren kann und die eigenen Körpersignale genauer einschätzt (Quelle).

Wichtig zu erwähnen ist aber, dass Free Bleeding, also sich aussuchen zu können, auch ohne Produkte zu menstruieren, eine Art Privileg darstellt. Nicht alle Menstruierende haben den Zugang zu Periodenprodukten und sicheren Hygienestandards oder sie sind während der Periode zum Beispiel vom Schulunterricht oder bestimmten gesellschaftlichen Anlässen ausgeschlossen. Wenn wir also den Free BleedingTrend auf Instagram & Co. feiern, sollten wir gleichzeitig auch immer darauf aufmerksam machen, dass nicht alle das Privileg haben, die Menstruation nach den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben zu gestalten (Quelle: Einhorn Blog).

Weitere Menstruations-Hilfsmittel

Neben diesen sechs alternativen Periodenprodukten oder auch “Nicht-Produkten”. wollen wir euch noch ein paar weitere Hilfsmittel und wichtige Themen rund um das Thema Menstruation vorstellen.

Tracking-Apps für den Zyklus

Tracking-Apps, in die man seine Zyklus-Informationen eintragen kann, sind praktische Helfer, um sich einen Überblick über die eigene Periode zu verschaffen. Wann kommt es zu Brustziehen? Wann zu Stimmungssschwankungen? Wie hoch ist die Menge und Konsistenz des vaginalen Ausfluss? Wann kommt es zu Unterleibsschmerzen und wie lange dauert die Blutung an? All diese Informationen können gesammelt und daraus Vorhersagen für den nächsten Zyklus berechnet werden. Doch die vielen Informationen bündeln sich in sensiblen Datensätzen, die Fragen nach umfangreichem Datenschutz aufwerfen. Seid euch also darüber im Klaren, welche Daten wie genau abgespeichert werden und inwiefern ihr diese auch löschen lassen könnt, bevor ihr in der jeweiligen App alle Infos abspeichert.

Eine App, die eine relativ einfach verständliche Datenschutzerklärung aufweist und mit der man keinen Account erstellen muss, ist Clue. Die Daten werden lokal im Handy gespeichert und wenn ihr doch einen Account erstellen wollt, erklärt Clue, dass diese Daten verschlüsselt und anonym für Studienzwecke verwendet werden.

Eine Alternative: Eigenes Tracking mit Papier-Kalendern wie Feel Your Flow. Hier sind eure Daten sicher aufgeschrieben und werden garantiert nicht an andere Firmen verkauft.

 

femitale

Das Loungewear-Label femitale hat es sich zum Ziel gesetzt, den Textilmarkt mit fair und nachhaltig produzierter Kleidung zu revolutionieren und mit ihren Produkten für einen einfacheren und authentischeren Umgang mit der Wärmflasche zu sorgen. Das Unternehmen hat eine Jogginghose entwickelt, in die wunderbar eine Wärmflasche passt, so dass man auch mit Wärmflasche oder Kirschkernkissen relativ aktiv bleiben kann.

 

Period Poverty

Beim Thema Menstruation und Menstruationsprodukte ist es auch immer wichtig zu erwähnen, dass nicht alle Menschen die Mittel und Möglichkeiten haben, Binden, Tampons geschweige denn Menstruationscups oder Periodenslips zu kaufen und zu verwenden. So sind einige Menstruierende gezwungen,  Ersatzprodukte zu verwenden, wie zum Beispiel Stoffreste, Socken, Zeitungspapier oder Toilettenpapier, um das Blut aufzufangen. Dies kann nicht nur unangenehm sein, sondern auch hygienisch unsicher, da die Materialien nicht immer sauber sind und Nährboden für Keime schaffen können (Quelle: Einhorn Blog). Dazu betrifft Periodenarmut nicht nur Länder mit einer hohen Armutsquote, sondern auch alle Länder- und Kulturkreise. Laut einer Studie von Plan International UK kann sich zum Beispiel jede zehnte britische Frau keine Menstruationsprodukte leisten. Eine vergleichbare Studie gibt es in Deutschland meines Wissens zwar noch nicht, aber auf alle Menstruierende kommen jeden Monat Kosten zu, die sich nicht jede*r in Deutschland leisten kann. Auch der erschwerte und kaum vorhandene Zugang zu Periodenprodukten und sauberen Toiletten bei obdachlosen Frauen wird selten diskutiert. Das auf Spenden angewiesene Projekt “Free Tampons for Homeless Women” unterstützt durch GEBEWO nimmt sich zum Beispiel dieser Problematik an und versorgt obdachlose Menstruierende mit gespendeten Binden, Tampons etc. .

Ab dem 1. Januar 2020 gilt  in Deutschland der ermäßigte Steuersatz für Menstruationsprodukte, dank des langen und unermüdlichen Einsatzes von Aktivist*innen und der erfolgreichen “Die Periode ist kein Luxus”-Petition. Der Kampf um Gleichberechtigung ist damit zwar nicht beendet, aber es ist ein gegen großer Schritt getan und ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Begrifflichkeiten

Obwohl sie die natürlichste Sache der Welt ist, ist die Periode immer noch ein Tabuthema, in fast allen Ländern und Kulturkreisen. Einen großen Einfluss hat dabei die Werbung, die Periodenblut blau färbt und explizit mit Begriffen wie “diskret” und “sauber” arbeitet.  Auch der Sprachgebrauch rund um das Thema Menstruation ist stigmatisiert. Deshalb haben wir in diesem Artikel bewusst nicht Begriffe wie “Hygieneartikel”  verwendet. Denn die Menstruation ist NICHT unhygienisch. Allein die Anwendung von Menstruationsprodukten kann unhygienisch sein, da zum Beispiel unpassende Materialien und zu langes Tragen einen Nährboden für Keime schaffen kann. Deshalb benutzen wir nur in diesem Zusammenhang das Wort “Hygiene”. Außerdem möchten wir beim Thema Menstruation Menschen aller Gender miteinbeziehen, da auch Trans-Männer oder nicht-binäre Menschen bluten können (mehr dazu auf dem Lunette-Blog). Dazu verwenden wir klar die Begriffe “Menstruation” oder “Periode” und keine Umschreibungen, die wieder suggerieren könnten, dass die Menstruation etwas sei, das wir verstecken oder unsichtbar machen sollten.

Wir wollen immer dazu lernen: Wenn ihr denkt, dass ein paar Stellen mehr Period Positive formuliert werden sollten, dann lasst es uns gerne wissen. 

 

Weiterführende Informationsquellen:

 

Titelbilder: (c) Mia Marjanovic (Periodenprodukte) und (c) Erol Ahmed via unsplash

Mia hat sich vor ein paar Jahren mit heylilahey als einer der ersten Modeblogs Deutschlands auf Fair Fashion konzentriert und das Thema Conscious Shopping zu ihrem Markenzeichen gemacht. Mia ist Diplom-Psychologin, PR-Beraterin, Bloggerin und YouTuberin und berichtet mittlerweile auf ihren Kanälen über mehr als „nur“ Fair Fashion, sondern auch über Veganismus, einen gesunden Lebensstil, Achtsamkeit, Naturkosmetik, Reisen und über das Thema Nachhaltigkeit.

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