Wasserkraftwerk

„Wer auf Kosten von Menschen, Umwelt und Tieren produziert, muss das teuer bezahlen.“

Nahrung, Energie, Kosmetik, Bekleidung, Verkehr – wir leben in einer Zeit, in der wir mehr denn je Ressourcen benötigen, um unseren Lebensstil und die Bedürfnisse unserer Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Doch dieser enorme Ressourcenverbrauch hat Folgen. Wir leben auf Pump und die Bank ist keine Geringere als die Erde selbst.

In Kooperation mit Polarstern

Unser Ressourcenverbrauch geht zu Lasten der Umwelt

Das Problem? Wir benötigen nicht nur viele Ressourcen, sondern zu viele. Jedes Jahr verbrauchen die Industrienationen mehr als die Erde eigentlich zur Verfügung stellen kann. In Deutschland sogar drei Mal so viel als wir eigentlich verbrauchen dürften, um die Balance wiederherzustellen.

Der Ressourcenverbrauch ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Während in Deutschland bereits Anfang Mai die Ressourcen erschöpft wären, reichen diese in Ländern wie Irak, Ecuador oder Indonesien bis Dezember. Quelle: overshootday.org

Die Non-Profit-Organisation Global Footprint Network berechnet jedes Jahr den sogenannten Earth Overshoot Day – also den Tag, an dem die Ressourcen der Erde für das Jahr aufgebraucht sind. Erstmals passierte dies übrigens 1971. Damals lag der Earth Overshoot Day am 21. Dezember. Letztes Jahr landeten wir bereits am 29. Juli. Eine dramatische Entwicklung!

Was ist der Earth Overshoot Day?
Der Earth Overshoot Day berechnet den ökologischen Fußabdruck eines Jahres im Verhältnis zur Biokapazität – also wie viele biologischen Ressourcen in einem Jahr wieder hergestellt werden können. Das Ergebnis ist dann der globale Durchschnittswert.

Wie steht es um den Earth Overshoot Day in diesem Jahr?

Corona hat die Welt ausgebremst. Viele Fabriken standen still, Logistik und Verkehr kamen längere Zeit zum Erliegen und auch der Konsum wurde reduziert. Länder, die besonders stark von der Pandemie betroffen waren, hatten teils schwere Einbußen im stationären Handel zu verzeichnen.

Mit dem Stillstand kam es damit gleichermaßen auch zu einem etwas geringeren Ressourcenverbrauch. Der Earth Overshoot Day, der sonst in den letzten Jahren kontinuierlich vorwärts rückte, wird dieses Jahr also am 22. August begangen. Optimist*innen mögen dies für ein gutes Zeichen halten, doch der Schein trügt. Konsum, Wirtschaft und Verbrauch werden aktuell in großem Maße befeuert, um die finanziellen Schäden durch die Corona-Zeit in den Griff zu bekommen. All das weiter auf Kosten unserer Umwelt und den uns nur begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Eine nachhaltigere Wirtschaft sorgt für einen geringeren Ressourcenverbrauch

Was wir deswegen brauchen, sind Unternehmen, die Verantwortung übernehmen. Unternehmen, die die Umwelt nicht ausbeuten, sondern sinnvoll nutzen, um mit ihr gemeinsam eine zukunftsgerichtete Welt zu erschaffen. Dass dies möglich ist, beweisen grüne Sozialunternehmer*innen bereits seit mehreren Jahren. In Anbetracht der rasanten Entwicklungen im Klimawandel werden diese nun immer wichtiger, um eine lebenswerte Zukunft tatsächlich real umzusetzen.

Der Begriff Gemeinwohl-Ökonomie
„Die Gemeinwohl-Ökonomie etabliert ein ethisches Wirtschaftsmodell.  Das Wohl von Mensch und Umwelt wird zum obersten Ziel des Wirtschaftens.“ 
– Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie

Insbesondere der bewusste Umgang mit Energie bzw. den Ressourcen, die Energie zur Verfügung stellen, ist ein Schlüsselelement für eine lebenswerte Zukunft, da in diesem Bereich immens hohe Emissionen entstehen. Energie spielt in vielen Bereichen unseres Lebens eine maßgebliche Rolle. Sowohl beim Herstellen von Gütern und Produkten als auch im privaten Bereich, in dem wir ganz unmittelbar erleben, wann wir Energie verbrauchen oder nicht: zum Beispiel beim Einschalten des Lichts oder beim Benutzen der Waschmaschine.

Bei der Energiegewinnung werden immense Mengen an CO2 und weiteren klimaschädlichen Gasen produziert. Den CO2-Fußabdruck um 50 Prozent zu reduzieren, würde bedeuten, dass wir den Earth Overshoot Day um ganze 93 Tage, also mehr als drei Monate, nach hinten verschieben könnten.

CO2-freie Energie zu produzieren, ist also eines der Hauptziele, um den Earth Overshoot Day in Zukunft wieder mehrere Tage, Wochen oder am liebsten Monate nach hinten zu schieben. Aus diesem Grund haben wir mit Florian Henle von dem nachhaltigen Energieversorger Polarstern gesprochen, um herauszufinden was Unternehmen und wir als Verbraucher*innen tun können, um Energie und Ressourcen einzusparen und den Earth Overshoot Day positiv zu beeinflussen. Als Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie achtet Polarstern sehr auf ein ressourcenbewusstes Wirtschaften.

Fashion Changers: Wie können Unternehmen dazu beitragen Ressourcen einzusparen? 

Florian Henle von Polarstern: Unternehmen können überall aktiv werden. Es fängt schon bei der Gestaltung von Produkten und Angeboten an, etwa wie Schnittmuster angefertigt werden, oder welche Materialien man einsetzt und nach welchen Kriterien man Lieferanten auswählt. Bei der eigenen Produktion und Dienstleistung geht es weiter. Hier sind die Hebel besonders groß, weil man es direkt in der eigenen Verantwortung hat, zum Beispiel wie effizient ist die eigene Energieversorgung? Wie stark basiert sie auf erneuerbaren Energien? Und auch in der Art und Weise, wie das Produkt, die Dienstleistung an den Kunden gebracht wird, gibt es viele Möglichkeiten, von der Verpackung, der Bewerbung bis hin zum Transport. Es gibt wirklich so viele Ansatzpunkte, da kann einem fast schwindelig werden. Das Wichtigste ist, einfach mal anzufangen und schrittweise ressourcenbewusster zu handeln.

Übrigens, indem Unternehmen darauf achten, ressourcenbewusster zu handeln, übernehmen sie im Markt eine wichtige Funktion. Mit ihren Nachfragen und Kriterien bei Lieferanten, durch die Gestaltung ihres Produktes etc. stellen sie Anforderungen an den Markt und prägen ihn.

Schließen sich erfolgreiche Wirtschaftlichkeit und Ressourceneinsparung nicht irgendwie aus?

Wirtschaftliches und ressourcenbewusstes Handeln gehen Hand-in-Hand. Werden weniger Materialien und weniger Energie zur Erzeugung benötigt, senkt das die Kosten. Natürlich sind oft Materialien, bei denen auf ressourcenbewusstes Handeln gesetzt wird, teurer als Billigprodukte. Und genau das gilt es zu ändern! Je stärker rücksichtsloses Handeln bepreist wird, umso alternativloser ist ein ressourcenbewusstes Handeln. Wer auf Kosten von Menschen, Umwelt und Tieren produziert, muss das teuer bezahlen. Hier muss auch die Politik aktiver werden und entsprechende Kostenstrukturen etablieren und Anreize schaffen.

Was genau muss sich strukturell ändern, damit nachhaltiges Wirtschaften wirklich eine Chance hat?

Es darf sich schlichtweg nicht lohnen, Ressourcen auszubeuten. Das kann und muss auf verschiedenen Wegen unterstützt werden: 

  1. Indem Unternehmen sich selbst verpflichten, stärker entsprechende Kriterien an ihr Handeln zu legen.
  2. Indem bei Krediten und Fördervergaben entsprechende Anforderungen gestellt werden. 
  3. Durch gesetzliche Vorgaben wie beispielsweise die CO2-Bepreisung, die ab 2021 kommt oder das diskutierte Lieferkettengesetz, aber genauso,
  4. indem die Verbraucher:innen auf entsprechende Kriterien achten und so den Unternehmen mit ihrer Nachfrage Druck machen.

Die EU etwa will beispielsweise nun Fördergelder zum Kampf gegen die Corona-Krise an Auflagen zum Klimaschutz knüpfen. Das ist ein wichtiger Schritt, um den Wiederaufbau der Wirtschaft nachhaltig zu gestalten. Folgende Aussage finde ich dabei ganz treffend: True sustainability can only be achieved by design, not desaster.

Wie muss sich die Energiebranche wandeln, um aktiv dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen?

Sie muss mutiger und ehrlicher werden. Das heißt, schneller mehr Angebote für neue Technologien und Wohn- und Lebenssituationen schaffen und stärker in Forschungsprojekten aktiv sein. Dazu braucht es auch die richtigen Anreize. Flatrate-Angebote etwa, bei denen der Energieverbrauch nichts kostet oder Bündeltarife, bei denen iPads mit Stromverträgen kombiniert, verschleiern worum es geht: bewusst Ressourcen zu nutzen.

Leider macht das Greenwashing auch vor dem Energiemarkt nicht halt. Es gibt immer mehr Ökostromtarife, aber immer weniger davon tragen Qualitätssiegel. Und es gibt immer weniger wirklich unabhängige Ökoenergieversorger. Es erwischt sogar einstige Ökopioniere, die von großen Unternehmen aufgekauft werden. Leider sieht man das nicht immer – nachfragen lohnt sich. Wachstum, um den Impact zu stärken ist gut – Profitmaximierung und Machterweiterung sind hingegen wenig ehrlich nachhaltige Ziele. Es muss von einem Denken an die Gesellschaft, an das Gemeinwohl geleitet sein statt nur an das eigene Unternehmen.

Letztlich erreichen wir mehr Ressourcen- und Klimaschutz nur gemeinsam. Partnerschaften werden immer wichtiger – sofern sie auf Augenhöhe gelebt werden. Bringt jeder seine Kompetenzen ein, können wir Großes erreichen. Davon sind wir fest überzeugt.

Was sind große Stellschrauben, an denen Energie und damit Ressourcen eingespart werden könnten?

Ohne Energie läuft im modernen Leben fast gar nichts mehr. Wir sind abhängig von Energie. Aber wir gehen nach wie vor zu sorglos damit um. Zwar sind die Energiepreise in Deutschland höher als in vielen anderen Ländern Europas, aber sie sind nicht so hoch, dass sich unser Umgang mit Energie bisher wirklich verändert hat. Das ist jetzt kein Plädoyer für höhere Kosten, aber dafür das Energiebewusstsein zu stärken.

Digitalisierung und Vernetzung können uns dabei helfen, ganz automatisch. Dabei stehen wir noch am Anfang. Energieversorger und andere Branchen wie die Immobilienwirtschaft sind gefordert, Energiekonzepte zu entwickeln, damit „automatisch“ möglichst wenig Energie benötigt und die erzeugte Energie effizient genutzt wird. Ideale Übungsfelder sind Quartiere – quasi als Städte im Mini-Format.

Wir realisieren hier seitens Polarstern für Mehrfamilienhäuser und Quartiere solche Mieterstromkonzepte. Da laufen die Energieerzeugung etwa mit einer Photovoltaikanlage mit der Wärmeversorgung und immer öfter auch mit Car Sharing-Angeboten zusammen. Beispiele sind das Esslinger Quartier Lok.West und Future Living Berlin.

Der zweite große Hebel, Energie und Ressourcen zu sparen, ist simpel: Weniger Waren erzeugen – und Dinge länger nutzen. Wirklich! In den meisten Fällen fällt deutlich mehr Energie und ein höherer Ressourcenverbrauch bei Produktion und Transport von Produkten an als in ihrer Nutzung. 

Das gilt auch für den Energiemarkt: Wir brauchen mehr Kraftwerke, die aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse Energie erzeugen. Gerade wenn wir von den fossilen Energien wegkommen wollen. Aber wir sollten auch bestehende Kraftwerke nutzen. Sie technisch modernisieren, effizienter machen und auf den neuen Stand in Sachen Umwelt- und Tierschutz bringen. Abreißen und den Fokus allein auf den Neubau von Kraftwerken zu setzen, ist falsch.

Was können Unternehmen und Privatpersonen tun, um klimaneutraler oder sogar klimapositiv zu wirtschaften?

  1. Wechsel zu Ökoenergie

Das ist ein großer Hebel in der CO2-Bilanz – für Unternehmen, genauso wie für Privatpersonen. Und es ist eine der einfachsten Maßnahmen für mehr Klimaschutz und Energiewende. Der Wechsel des Stromtarifs und gegebenenfalls des Anbieters erfordert keine Investitionen und kann online, telefonisch oder per E-Mail erfolgen. Immer häufiger setzen Unternehmen und Haushalte auch auf die eigene Energieerzeugung mittels PV-Anlagen.

  1. Geschäftsreisen vermeiden

Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt: Es geht auch online. Meetings funktionieren wirklich auch über Teams, Zoom und Co. Was wir quasi aus Not mehr genutzt haben, sollten wir jetzt nicht gleich aufgeben und wieder alten Lastern verfallen wie dem Vielfliegen und Vielfahren. Je mehr Online-Meetings die bisherigen Flüge und Autofahrten ersetzen, desto besser für den Klimaschutz; und das Unternehmen spart noch dabei.

  1. Umstieg auf eine Elektromobilitäts-Flotte setzen

Laufen Leasing-Verträge aus oder ist der Neukauf eines Firmenwagens oder Privatautos geplant, sollten Fahrzeuge mit alternativen Antrieben gesetzt sein. Elektroautos werden mit dem Umweltbonus wirklich stark gefördert. Und es gibt noch viele weitere Vergünstigungen für Elektroautos etwa bei der Kfz-Steuer.

  1. Anbieter hinterfragen

Jedes Unternehmen arbeitet mit vielen Lieferanten und Anbietern zusammen, vom Kaffee bis zum Hosting-Anbieter. Im Rahmen einer Lieferanten-Befragung einfach ruhig mal nachfassen nach ressourcenbewussten Kriterien und bei einem geplanten Wechsel dies direkt bei der Auswahl berücksichtigen. Gleiches gilt natürlich auch im Privatleben: Bewusste Konsumentscheidungen treffen, ist essentiell.

Polarstern
Polarstern ist ein Energieversorger aus München, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Energiewende voranzutreiben. 
Polarstern bietet deutschlandweit Ökostrom, Ökogas, Autostrom, Eigen- und Mieterstrom – und das wirklich zu 100% aus erneuerbaren Energien.
Zudem ist der Energieanbieter ein Social Business und agiert wirtschaftlich nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie.  

Move the Date – Was du konkret tun kannst, um den Earth Overshoot Day nach hinten zu schieben

Das Wichtigste, um den Earth Overshoot Day wieder nach hinten zu rücken, ist die Einsparung von Ressourcen in allen Lebensbereichen. Energie ist dabei ein großer und unerlässlicher Faktor, doch auch andere Maßnahmen haben großes Potenzial, um positiv auf Klima und Umwelt wirken zu können:

Du willst wissen, ob deine Energieentscheidung wirklich Impact hat?
Polarstern hat dafür den Impact-Rechner entwickelt, der dir genau zeigt, worauf du Einfluss hast.

Welcher dieser Maßnahmen hast du schon ergriffen, um den Earth Overshoot Day nach hinten zu verschieben? Erzähl uns davon in den Kommentaren!

Foto: © Polarstern

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Hinter den 2017 gegründeten FASHION CHANGERS stehen Vreni Jäckle, Nina Lorenzen und Jana Braumüller. Die Gründerinnen selbst kommen aus der Blogosphäre und bringen neben dem nötigen Know-How auch ein großes Netzwerk mit. Durch ihre eigene Arbeit in der Fair Fashion-Szene wissen sie, dass nachhaltige Mode den Sprung aus der Nische nur mit einer starken Community schaffen kann. #letschangethatfashiongame

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