Digitale Mode – unnötig oder zukunftsorientiert?

Digitale Mode wird immer beliebter. Manche Modelabels beschreiben sie sogar als willkommene Alternative zu Fast Fashion.

Person trägt digitale Mode (Hose und Tunika)

Nennt mich konservativ, aber lange Zeit fand ich digitale Mode, sagen wir, sinnlos. Ich habe den Trend nicht verstanden und zugegeben so richtig tue ich das immer noch nicht. Digitale Mode ist nicht greifbar. Sie wird aus Pixeln hergestellt, wobei Computertechnologien und 3D-Software verwendet werden. Je nach Unternehmen kannst du ein Bild von dir an 3D-Designer*innen schicken, die das Kleidungsstück digital auf dein Foto anpassen, oder du lädst die Dateien herunter und bearbeitest dein Bild selbst mit einer 3D-Software. Fertig. Posten!

Aber vielleicht lebe ich wirklich etwas hinter dem Berg, denn digitale Mode wird immer beliebter. Und wenn wir uns mal anschauen, wie sich die virtuelle Welt entwickelt mit dem kürzlich angekündigten Metaverse von Marc Zuckerberg beispielsweise dann wird digitale Mode zwangsläufig eine große Rolle spielen. Anfang November hat Business of Fashion nun einen Bericht darüber veröffentlicht: 107 Seiten geballtes Wissen und viele Prognosen über digitale Mode. In dem Bericht geht es unter anderem darum, wie Modelabels ihre digitale Präsenz steigern können, indem sie Mode für Avatare entwerfen. Das Luxuslabel Balenciaga zum Beispiel hat kürzlich eine Kooperation mit dem Gaming-Unternehmen Fortnite angekündigt. Moschino designt mittlerweile schon seit mehr als zwei Jahren für Sims.

Influencer*innen tragen schon längst digitale Mode

Unser Online-Verhalten verändert sich stetig. Vor allem bei Influencer*innen scheint eine immer größer werdende Nachfrage nach Modekonsum zum alleinigen Zweck der Erstellung digitaler Inhalte zu bestehen. Das bedeutet, dass der Kauf und physisches Eigentum für manche Influencer*innen zumindest teilweise überflüssig werden könnte. Es gibt mittlerweile sogar virtuelle Influencer*innen wie zum Beispiel Lil Miquela, die aktuell 3,1 Millionen Instagram-Follower*innen zählt. Modelabels können in diesem Zusammenhang ein neues Geschäftsmodell aufbauen: Modekonsum ohne physische Produkte. 

Digital Fashion als Alternative zu Fast Fashion? 

Befürworter*innen digitaler Mode beschreiben sie als willkommene Alternative zu Fast Fashion. „Physische Kleidung wird massiv überproduziert, mit toxischen Praktiken hergestellt und trägt zu einem enormen Abfallproblem bei. Digital Fashion präsentiert eine kreative, innovative und nachhaltige Lösung“, meint Michaela Larosse im Interview mit dem Magazin Atmos. Sie ist Head of Content and Strategy bei The Fabricant, einem Unternehmen, das ausschließlich digitale Mode herstellt.

Digitale Mode scheint endlose Designmöglichkeiten und viel Raum zum Experimentieren zu bieten ohne Kompromisse in Sachen Nachhaltigkeit. „Produktionsstätten in China verwenden bereits digitales 3D-Design, da dies eine reibungslosere und schnellere Kommunikation mit Modemarken im Ausland ermöglicht, ohne dass physische Muster hin und her gesendet werden müssen“, berichtet Michaela Larosse. „Digitale Muster helfen der Modebranche bereits, nachhaltiger zu werden.“

Interessant. Wenn dieser Trend wirklich zu einer deutlichen Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und des Textilabfalls bietet, dann bitte mehr davon. Einer Studie von Ericsson zufolge sei der CO2-Ausstoß bei der Herstellung eines digitalen Artikels um 95 Prozent geringer als bei der Produktion eines physischen Kleidungsstücks. Doch insofern sich die Technologie entwickelt und das wird sie , wird auch dabei Energie benötigt werden, um digitale Mode online von künstlicher Intelligenz anpassen zu lassen.

Bringt digitale Mode nachhaltige Veränderung? 

Das Thema Digital Fashion ist durchaus spannend, aufregend. Ich bin neugierig, wie sich die virtuelle Welt weiterentwickeln wird. Ob digitale Mode nun die Lösung für all unsere Probleme ist sprich Überkonsum, Textilabfall, Ausbeutung? Da habe ich Bedenken. Ich will nicht jeden Modetrend schlecht reden. Ich will nicht die sein, die immer alles blöd findet. Im Gegenteil: I like progressive Ideen. Aber ich komme nicht umhin mir die Frage zu stellen: Für wen ist digitale Mode gedacht? 

Sie wird von einer sehr geringen Anzahl an Menschen getragen, die es sich leisten können, Mode eben nur online zu tragen. Sie ist ein Tool zur Selbstverwirklichung und zum Erstellen von digitalem Inhalt. Es ist nicht bewiesen, dass diese Menschen dadurch weniger physische Kleidung kaufen. Deswegen: Ja, Digital Fashion ist spannender als ich anfangs dachte und sicherlich ein Zukunftsthema. Aber: Ein „Trend“, der nicht alltagstauglich ist und demnach nur für wenige Menschen überhaupt erst infrage kommt, kann die Welt nicht nachhaltig verändern.

Was sind eure Gedanken zum Thema? Würdet ihr digitale Kleidung mal ausprobieren?

Titelbild: Kerry Murphy (PR, The Fabricant)

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