Wieso wir die Fashion Changers Konferenz brauchen

Am 15.10.2020 war es endlich soweit und die erste Fashion Changers Konferenz fand unter dem Motto „Mode & Verantwortung“ digital statt. In diesem Beitrag wollen wir einen Einblick über die Hintergründe der Konferenz geben: Wieso brauchen wir sie gerade jetzt, was ist das Potenzial einer solchen Konferenz? Und wo soll es in Zukunft mit dem Format hingehen?

Wieso „Mode & Verantwortung“?

Wir haben der Fashion Changers Konferenz letztes Jahr den Namen Mode & Verantwortung gegeben. Ohne zu ahnen, was das Jahr 2020 an Herausforderungen bereithält. Und genau deswegen ist klar, dass nicht erst dieses Jahr – nicht Corona – uns zeigt, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Der Ruf nach mehr Verantwortung in der Modebranche ist schon lange da, wurde aber von zu vielen immer wieder ignoriert. 

Mit der Fashion Changers Konferenz wollen wir diesem Ruf Gehör verschaffen – gemeinsam mit der Branche. Denn es gibt sie längst: die verantwortungsvollen Vordenker*innen, die Innovativen, die Modeverbesser*innen mit richtig guten Ideen. Um genau diese Menschen und ihre Ideen nach vorne zu bringen, brauchen wir nicht nur mehr Sichtbarkeit und mehr Unterstützung der Politik. Wir brauchen auch einen Ort, an dem wir uns professionell austauschen können. Denn oft stehen wir vor spezifischen Problemen, die auftreten, wenn man die Branche positiv beeinflussen will: Wie geht Wirtschaftlichkeit und Verantwortung zusammen? Wie funktioniert Gemeinwohl-Ökonomie? Sollten Unternehmen sich politisch positionieren und was macht man eigentlich, wenn plötzlich alle vermeintlich „nachhaltig“ sind?

Diesen spezifischen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir mit der Fashion Changers Konferenz 2020 begonnen. Und wir sind überzeugt davon, dass in diesem Format noch sehr viel Potenzial steckt, um die Modebranche gemeinsam in eine verantwortungsvollere Zukunft zu bewegen.

Kamera, Regie und Schnitt: nXm
Musik: Marcel Braumüller-Neumann

Auszüge aus unserer Keynote zu Mode & Verantwortung

Es folgen einige Auszüge aus unserer Eröffnungskeynote der Fashion Changers Konferenz 2020, die wir an dieser Stelle nochmal teilen möchten.

Individuelle Verantwortung vs. kollektive Verantwortung

2020 hat uns alle an unsere individuelle Verantwortung in der Gesellschaft erinnert. Doch kann verantwortungsvolles Handeln auch darüber hinausgehen? Können wir Verantwortung übernehmen, ohne die Auswirkung davon direkt zu spüren oder zu sehen? Können wir vielleicht sogar kollektiv Verantwortung übernehmen?

Wir glauben fest daran, dass dies möglich ist. Und dass die Mode das Potenzial hat genau diese Veränderung im Verantwortungsbewusstsein zu schaffen. Mode ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Welches Spiegelbild wollen wir sehen? Genau das möchten wir heute gemeinsam mit euch herausfinden.

2020 – das Lieferkettengesetz-Jahr

2020 war aber nicht nur das Jahr von Corona, sondern auch das Lieferkettengesetz-Jahr. Viel hat sich getan, was wir mitunter schon gar nicht mehr für möglich gehalten hätten – auch wenn Aktivist*innen sich neue kreative Wege ausdenken mussten, um ihren Protest auf die Straße zu bringen.

Als wir im letzten Jahr mit vielen Unterstützer*innen Lisa Jaspers Petition #fairbylaw an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales übergeben haben, spürten wir, was es bedeutet als Bürgerin und Bürger Verantwortung zu übernehmen. Und wir fühlten uns gestärkt in der Gemeinschaft mit anderen etwas bewirken zu können. Schon wenig später verflog jedoch diese Euphorie und wir mussten auch erkennen, dass politisches Engagement Grenzen haben kann.

Vor einigen Monaten dann endlich der erste Entwurf von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zum Lieferkettengesetz. Doch was bedeutet dies nun? Wo stehen wir? Welchen Einfluss kann das Lieferkettengesetz auf die Modebranche haben? Was bedeutet das für uns? Und noch viel wichtiger: Was bedeutet es für die globalen Lieferketten, die ihren Ursprung oft im Globalen Süden haben oder gänzlich dort liegen? 

Wir brauchen nicht mehr Charity-Aktionen, sondern echte Solidarität. 

Individueller Konsum vs. gesellschaftliche Verantwortung

In Interviews werden wir häufig gefragt, wie denn nun der gute Konsum aussieht. Oft sagen wir dann: Darum geht’s nicht, es ist komplizierter. 

Was sind hier die richtigen Fragen? Die nach individuellem Konsum, die nach gesellschaftlicher Verantwortung? Und wie kann das aussehen, wenn wir uns einen zukunftsgerichteten, nachhaltigen Konsum vorstellen? Kann Mode als System noch so bestehen bleiben? 

Dieses Jahr hat uns die Schwachstellen dieses Systems mehr denn je vor Augen geführt und spannende Fragen für eine breitere Masse in der Modebranche auf den Tisch gebracht: 

Machen die Modezyklen, so wie sie sind, noch Sinn? Abläufe, die lange nicht hinterfragt wurden, erschienen plötzlich absurd. Wie kann es sein, dass bereits nach 2-3 Wochen Ausfall des Einzelhandels Millionen Textilarbeiter*innen von Entlassungen betroffen sind?

Auch diese Fragen sind Teil der Fashion Changers Konferenz.

“It’s not a movement, if everyone’s just sitting. That’s a support group.”

Wenn wir die Missstände der Modeindustrie aufzeigen, werden wir oft gefragt, ob Mode nicht auch Spaß machen darf.
Na klar, darf Mode Spaß machen. 
Wenn wir zeigen, dass Mode Spaß machen darf, werden wir oft gefragt, ob das nicht im Widerspruch zu Überkonsum und Kapitalismus steht.
Na klar, streng genommen tut es das.
Aber nur weil ich Spaß an Mode habe und du dich für Mode interessierst, heißt das nicht, dass wir das System nicht kritisieren dürfen. Im Gegenteil.

Die Tochter von Ruth Bader Ginsburg, Jane Ginsburg, soll einmal zu ihrer Mutter gesagt haben: “It’s not a movement, if everyone’s just sitting. That’s a support group.”
Die Fashion Changers Konferenz soll keine Selbsthilfegruppe sein, auch wenn es sich manchmal angesichts all der Herausforderungen in der Welt so anfühlt. Um wirkliche Veränderung voranzubringen und eine Bewegung entstehen zu lassen, müssen wir uns in Bewegung setzen.

Dass auch die nachhaltige und faire Modebranche endlich anti-rassistisch handeln muss und Mode als Vehikel für soziale Teilhabe, Diversität und Inklusion begreifen muss, steht für uns außer Frage.
Solange Fair Fashion nicht intersektional agiert, kann sie den Mainstream nicht erreichen. Solange Mode nur nachhaltig ist, kann sie keinen wirklichen Unterschied machen. 

Die Verantwortung von Mode – ökologisch und sozial – ist groß. Wir sollten diese Verantwortung nicht als Bürde, sondern als Chance begreifen. Als Chance dafür, Bestehendes zu hinterfragen und Neues zu wagen. Mode kann Menschen empowern und sichtbar machen – entlang der kompletten Lieferkette. Das ist ihr Potenzial. Und genau das sollte ihr Anspruch sein. Lasst uns dieser Verantwortung gemeinsam nachkommen und uns in Bewegung setzen.

Die Fashion Changers Konferenz – ein Aufbruch

Die erste Fashion Changers Konferenz 2020 fühlte sich für viele von uns nach Aufbruch und Kooperation an. Wir sind dankbar, dass wir trotz der herausfordernden Umstände einen Tag voll guter Impulse schaffen konnten und bedanken uns sehr bei allen Beteiligten.

„Danke, es war total inspirierend für unser neu gegründetes Kinder-Label.”

„A massive shoutout to the Fashion Changers team for their incredible organizational skills and for making the process so smooth and easy – one of the best digital conferences I have been part of.” – Sabinna Rachimova

„Danke an Fashion Changers für diese unglaublich informative und inspirierende Konferenz.”

„So ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Habe einiges Neues gelernt, schon Bekanntes vertiefen können und auch darin neue Aspekte gesehen. Hat richtig gut getan und mich weiter bestärkt, indem was ich tue.”

„Es war wahnsinnig spannend und auch sehr vielfältig und empowernd.” – Kampagne für saubere Kleidung Münster

„Eine Top-Auswahl an Speaker*innen” – NEONYT

„Wir haben viel gelernt und können nun viel an unser Team weitergeben.”

Die Fashion Changers Konferenz Mode & Verantwortung wurde gefördert durch die Landesstelle für entwicklungspolitische Zusammenarbeit Berlin und unterstützt von Wildling Shoes, Tchibo, Lanius, i+m Naturkosmetik, Lebenskleidung, Good Garment Collective, Creative Waste Collective, Elmer & Zweifel, Ecosia, Jan ‘n June und Dzaino. Vielen Dank!

Hinter den 2017 gegründeten FASHION CHANGERS stehen Vreni Jäckle, Nina Lorenzen und Jana Braumüller. Die Gründerinnen selbst kommen aus der Blogosphäre und bringen neben dem nötigen Know-How auch ein großes Netzwerk mit. Durch ihre eigene Arbeit in der Fair Fashion-Szene wissen sie, dass nachhaltige Mode den Sprung aus der Nische nur mit einer starken Community schaffen kann. #letschangethatfashiongame

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