Ukraine Fact Checking: So erkennst du Fake News

Die aktuelle Lage in der Ukraine ist alles andere als übersichtlich. Fake News verbreiten sich vor allem auf Social Media rasant schnell. Wir haben deshalb einige Tipps zum Thema Fact Checking zusammengestellt und zeigen dir, wie du ganz einfach Desinformationen erkennen kannst.

Fake News, Pseudowissenschaften, Clickbait. Wir sind mittlerweile von einer Flut an Meinungen, News, Informationen und emotionalen Social Media Posts umgeben. Es wird zunehmend schwerer, eine klare Grenze zwischen Desinformationen und validen Fakten zu ziehen. 

Laut einer Studie des MITs aus dem Jahr 2018 verbreiten sich Desinformationen im Netz schneller als Fakten. Dazu beschreiben die Autor*innen, dass die Desinformationen in ihnen Emotionen wie Angst, Abscheu und Überraschung  hervorgerufen haben. Desinformationen sorgen nicht nur für negative Gefühle. Laut correctiv.org können sie sogar Demokratien gefährden, da sie neben Angst auch Hass schüren können. 

Fact-Checking-Webseiten 

Hier haben wir eine Auswahl an Webseiten für euch, die sich mit dem Thema Fact Checking beschäftigen und Desinformationen aufdecken. Viele dieser Webseiten beschäftigen sich aktuell vor allem mit der Lage in der Ukraine:

Deutschsprachig:

Englisch:

Wir können alle zur Fact-Checker*in werden

Wir können alle zu*r Fact-Checker*in werden. Um den Einstieg in das Thema zu erleichtern, haben wir eine Checkliste erstellt. Diese soll dabei helfen, einen Schritt zurückzutreten, die Informationen noch einmal neu zu analysieren und zu lernen, Desinformationen oder manipulative Inhalte gut zu erkennen. 

Skepsis: Eine gesunde Skepsis hilft. Denn es ist immer gut, bei relevanten Informationen zuerst einmal die Inhalte zu verifizieren, bevor wir sie teilen.

Klassischer „Fact Check“: Empfindest du eine gewisse Skepsis, lohnt es sich kurz die wichtigsten Eckdaten zu überprüfen bevor du dich detailliert mit dem Text auseinandersetzt: Stimmen die Namen, Daten, Orten, Zeiten, Statistiken/Zahlen?

Self-Check: Es lohnt sich, erst einmal herauszufinden, wer die Informationen teilt. Gibt der oder die Autor*in Quellen an? Beinhaltet die Website eine detaillierte About-Seite? Findet sich ein ausführliches Impressum? Wer steckt hinter dem Impressum? 

    • Ein Beispiel (das zwar nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Lage in der Ukraine steht, diesen Self-Check aber trotzdem gut veranschaulicht): Die AfD-nahe Lobbyorganisation, das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE), ist trotz irreführendem Namen kein wissenschaftliches Institut, sondern nur ein eingetragener Verein. Die Organisation leugnet den menschengemachten Klimawandel und streut gezielt Falschinformationen. Geldgeber sind Ölkonzerne wie ExxonMobil. Dank Facebook-Algorithmus streuen sie ihre als wissenschaftliche Arbeiten getarnten Desinformationen und erreichen so schnell in verschiedensten Gruppen und Kommentarspalten zehntausende Menschen.

Originalquelle: Wenn eine Originalquelle angegeben wird, dann empfiehlt es sich, auch hier einen Gegencheck zu machen. Als Originalquelle gelten beispielsweise in Beiträgen genannte Studien. Es kann passieren, dass Studienergebnisse falsch interpretiert wurden. Auch kann es sein, dass in der Studie selbst keine signifikanten Ergebnisse vorlagen und nur Grenzwerte, die jedoch von anderen Autor*innen als relevant dargestellt werden.

Expertise: Welchen Background hat die Sprecher*in? Hat der oder die Autor*in einen bestimmten Hintergrund, die ihn oder sie zu*r Expert*in macht? Wie sieht dieser genau aus?

Intuition: Welchen Eindruck macht der Artikel oder der Social MediaPost spontan auf dich? Sieht die Aufmachung seriös aus? Oder bestehen alle Headlines nur aus dicken Großbuchstaben? Auch Superlative wie immer” oder auf jeden Fall” sind ein guter Indikator für irreführende Inhalte.

Headline: Es ist ein No-Brainer, aber bei relevanten Artikeln sollte mehr als nur die Überschrift gelesen werden. Selbst renommierte Nachrichtenformate bedienen sich der Clickbait-Methode, bei der eine packende, dramatische Schlagzeile die Aufmerksamkeit auf den Artikel lenkt. Im Text selbst können trotzdem alle Seiten des Themas neutral und sachlich beleuchtet werden.

Confirmation Bias: Wie stark ist der Confirmation Bias eines Textes? Der Confirmation Bias, auch Bestätigungsfehler genannt, beschreibt die Tendenz, nach Informationen zu suchen oder diesen mehr Beachtung zu schenken, wenn sie die eigenen Vorurteile unterstützen, anstatt sie zu widerlegen. Hierbei tendieren wir dazu,  Beweise so zu interpretieren, dass sie bestehende Überzeugungen bestätigen, während wir widersprüchliche Daten ablehnen oder ignorieren. Diese Tendenz hilft dabei, mit kognitiver Dissonanz klarzukommen, die Informationsflut zu bewältigen und unser Selbstwertgefühl nicht überzustrapazieren. Ganz kommen wir nicht um den Confirmation Bias herum, aber Texte, die sehr voreingenommen formuliert werden, sollten doppelt überprüft werden.

Eigener Confirmation Bias: Wichtig ist es auch, sich über den eigenen Bestätigungsfehler bewusst zu sein. Um sich ein umfassenderes Bild der vorhandenen Daten zu schaffen, bedarf es einer gewissen objektiven Herangehensweise an das jeweilige Thema.

Emotionen: Ruft der Artikel, das Meme oder der Social-Media-Post sehr viele Emotionen hervor? Macht er dich sehr wütend oder traurig? Wenn ja, kann es sein, dass dieser Post genau dafür verfasst wurde: Er soll starke Gefühle hervorrufen und setzt dabei auf die Voreingenommenheit der Leserschaft.  Emotionale Artikel werden öfter geteilt und verbreiten sich somit schneller viral als überprüfte Fakten. Deshalb sind wissenschaftliche Paper oft so unbeliebt zu lesen, da sie nüchtern, emotionslos und faktenbasiert geschrieben sind. Ohne Drama, ohne absolute Schlussfolgerung – meist sogar noch mit vielen weiteren, offenen Fragen im Fazit.

Korrelation vs. Kausalität: Für die oben genannten Punkte, ist es außerdem wichtig, den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität zu kennen. Korrelation beschreibt in der Statistik den Zusammenhang zwischen zwei Variablen. Kausalität beschreibt die Auswirkung einer Variable auf die andere Variable. Zwischen Korrelation und Kausalität besteht ein gewaltiger Unterschied. Korrelation sagt uns nicht, warum und wie eine Beziehung zwischen den beiden Variablen besteht. Sie sagt nur aus, dass die Beziehung existiert. Es kommt aber oft zu Verwechslung und aus einer Korrelation werden fälschlicherweise nicht existierende Kausalzusammenhänge interpretiert. Hier ein Beispiel:

Korrelation vs. Kausalität © Mia Marjanovic

Wer sich nur auf Korrelationen bezieht, könnte schnell zum Schluss kommen, dass der Rückgang an Piraten für den globalen Klimawandel verantwortlich ist. Denn rein statistisch besteht eine Korrelation zwischen der Anzahl an Piraten und dem Klimawandel über die Jahrzehnte hinweg. Je weniger Piraten es gab, desto höher waren die Durchschnittstemperaturen, wie diese seriöse Grafik zeigt.

Merke: Nur weil eine Grafik sehr anschaulich einen Zusammenhang darstellt, folgt daraus nicht unbedingt, dass die eine Sache die andere verursacht hat – auch wenn die Zahlen an sich stimmen. Stattdessen bedarf es randomisierten kontrollierten Studien, die als Goldstandard für den Nachweis von kausalen Zusammenhängen gelten.

Desinformationen können weitreichende Konsequenzen haben, vor allem für die Menschen vor Ort. Deshalb lautet der wichtigste Punkt: Nachdenken, bevor du etwas teilst! 

Dieser Artikel zum Thema Fact Checking wurde 2021 erstmalig von unserer Autorin Mia Marjanovic geschrieben. Im Zusammenhang der aktuellen Lage in der Ukraine wurde er von uns aktualisiert und angepasst.

Titelbild: Melpo Tsiliaki via Unsplash

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