Fact Checking: So einfach erkennst du Fake News

Fake News sind mittlerweile überall. Wir haben deshalb einige Tipps zum Thema Fact Checking zusammengestellt und zeigen dir, wie du ganz einfach Desinformationen erkennen kannst.

Fake News, Pseudowissenschaften, Greenwashing, Clickbait. Spätestens seit 2020 sind wir umgeben von einer Flut an Meinungen, News, Informationen und emotionalen Social-Media-Posts. Zwischen den zahlreichen Meldungen, Behauptungen und Nachrichten wird es als Leser:in und Konsument:in zunehmend schwerer, eine klare Grenze zwischen Desinformationen und validen Fakten zu ziehen. Selbst die Weltgesundheitsorganisation spricht von einer Infodemie. Kein Wunder, dass sich mittlerweile Faktenchecker wie correctiv.org oder der Faktenfuchs Faktenchecker etabliert haben. 

Egal ob es um die Klimakrise, Veganismus, Fast Fashion, den Coronavirus oder andere politische Themen geht: Irreführende Informationen im Netz sind ein großes Problem des 21. Jahrhunderts. Laut einer Studie des MITs aus dem Jahr 2018 verbreiten sich Desinformationen im Netz schneller als Fakten. Dazu beschreiben die Autor:innen, dass die Desinformationen in ihnen Emotionen wie Angst, Abscheu und Überraschung  hervorgerufen haben. Desinformationen sorgen nicht nur für negative Gefühle. Laut correctiv.org können sie sogar Demokratien gefährden, da sie neben Angst auch Hass schüren können. 

Warum sind Faktenchecks so wichtig?

Warum Faktenchecks auch für uns Fashion Changers so wichtig sind, haben wir bereits vor zwei Jahren beschrieben:

“Wie können wir das Umsetzen von Petitionen und Regelungen einfordern, wenn wir die Auswirkungen der Fast Fashion-Industrie unserem Gegenüber nicht glaubwürdig anhand von Zahlen und Fakten erklären können? Wie können wir feministischen Themen ohne Daten und Fakten das politische Gewicht geben, das sie brauchen? Wie können wir uns durch den Dschungel an Daten kämpfen und Greenwashing in der Modeindustrie erkennen?”

Fake News gibt es auch in der Fair-Fashion-Branche

Wie schnell uns auch in der Fair Fashion irreführende Zahlen und Daten verführen können, selbst Desinformationen zu verbreiten, erklärt Mode-Aktivistin Cherie Birkner. Sie erklärt, wo die Statistik zum Wasserverbrauch eines T-Shirts herkommt. Sie beobachtete, wie froh und munter geteilt wurde, dass ein neues T-Shirt 2.700 Liter Wasser verbrauche. Nach intensiver Recherche stellte sie jedoch fest, dass es eher darauf ankommt, wie genau produziert wird. Viele verschiedene Faktoren spielen in den Wasserverbrauch hinein – es gibt nicht die eine richtige Antwort. Demnach könne ein T-Shirt auch nur 120 Liter verbrauchen. Außerdem stellt Birkner fest, dass die oben genannte Zahl von 2.700 Liter pro T-Shirt 2009 von einer Werbekampagne im Auftrag von Colorep, Inc. gestartet wurde. Diese hatte den Zweck, Polyester als nachhaltigere Faser einzustufen, im Gegensatz zu Baumwolle. 

An diesem Beispiel wird klar, wie schnell wir uns dazu verleiten lassen können, Desinformationen zu verbreiten, insbesondere wenn sie unserem eigenen Weltbild entsprechen und unsere bereits vorhandene Annahmen bestätigen. Auch im Bereich der Fair Fashion sollten wir uns also lieber öfter mal den Fact-Checking-Hut aufsetzen.

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Wir können alle zur Fact-Checker:in werden

Doch die gute Nachricht ist: Wir alle können zu:r Fact Checker:in werden. Um den Einstieg in das Thema zu erleichtern, haben wir eine Checkliste erstellt. Diese soll dabei helfen, einen Schritt zurück zu treten, die Informationen noch einmal neu zu analysieren und zu lernen, Desinformationen oder manipulative Inhalte gut zu erkennen:

Skepsis: Eine gesunde Skepsis hilft. Denn es ist immer gut, bei relevanten Informationen zuerst einmal die Inhalte zu verifizieren, bevor wir sie teilen.

Klassischer „Fact Check“: Empfindest du eine gewisse Skepsis, lohnt es sich kurz die wichtigsten Eckdaten zu überprüfen bevor du dich detailliert mit dem Text auseinandersetzt: Stimmen die Namen, Daten, Orten, Zeiten, Statistiken/Zahlen?

Self-Check: Es lohnt sich, erst einmal herauszufinden, wer die Informationen teilt. Gibt der oder die Autor:in Quellen an? Beinhaltet die Website eine detaillierte About-Seite? Findet sich ein ausführliches Impressum? Wer steckt hinter dem Impressum? 

Originalquelle: Wenn eine Originalquelle angegeben wird, dann empfiehlt es sich, auch hier einen Gegencheck zu machen. Als Originalquelle gelten beispielsweise in Beiträgen genannte Studien. Es kann passieren, dass Studienergebnisse falsch interpretiert wurden. Auch kann es sein, dass in der Studie selbst keine signifikanten Ergebnisse vorlagen und nur Grenzwerte, die jedoch von anderen Autor:innen als relevant dargestellt werden.

Expertise: Welchen Background hat die Sprecher:in? Hat der oder die Autor:in einen bestimmten Hintergrund, die ihn oder sie zu:r Expert:in macht? Wie sieht dieser genau aus?

Intuition: Welchen Eindruck macht der Artikel oder der Social MediaPost spontan auf dich? Sieht die Aufmachung seriös aus? Oder bestehen alle Headlines nur aus dicken Großbuchstaben? Auch Superlative wie immer” oder auf jeden Fall” sind ein guter Indikator für irreführende Inhalte.

Headline: Es ist ein No-Brainer, aber bei relevanten Artikeln sollte mehr als nur die Überschrift gelesen werden. Selbst renommierte Nachrichtenformate bedienen sich der Clickbait-Methode, bei der eine packende, dramatische Schlagzeile die Aufmerksamkeit auf den Artikel lenkt. Im Text selbst können trotzdem alle Seiten des Themas neutral und sachlich beleuchtet werden.

Confirmation Bias: Wie stark ist der Confirmation Bias eines Textes? Der Confirmation Bias, auch Bestätigungsfehler genannt, beschreibt die Tendenz, nach Informationen zu suchen oder diesen mehr Beachtung zu schenken, wenn sie die eigenen Vorurteile unterstützen, anstatt sie zu widerlegen. Hierbei tendieren wir dazu  Beweise so zu interpretieren, dass sie bestehende Überzeugungen bestätigen, während wir widersprüchliche Daten ablehnen oder ignorieren. Diese Tendenz hilft dabei, mit kognitiver Dissonanz klar zu kommen, die Informationsflut zu bewältigen und unser Selbstwertgefühl nicht überzustrapazieren. Ganz kommen wir nicht um den Confirmation Bias herum, aber Texte, die sehr voreingenommen formuliert werden, sollten doppelt überprüft werden.

Eigener Confirmation Bias: Wichtig ist es auch, sich über den eigenen Bestätigungsfehler bewusst zu sein. Als Verfechter:in von Bio-Gemüse fällt es einem leichter, Studien zu ignorieren, die kaum signifikante Unterschiede zwischen Bio- und konventionellem Gemüse finden. Um sich ein umfassenderes Bild der vorhandenen Daten zu schaffen, bedarf es einer gewissen objektiven Herangehensweise an das jeweilige Thema.

Emotionen: Ruft der Artikel, das Meme, oder der Social-Media-Post sehr viele Emotionen hervor? Macht er dich sehr wütend oder traurig? Wenn ja, kann es sein, dass dieser Post genau dafür verfasst wurde: Er soll starke Gefühle hervorrufen und setzt dabei auf die Voreingenommenheit der Leserschaft.  Emotionale Artikel werden öfter geteilt und verbreiten sich somit schneller viral als überprüfte Fakten. Deshalb sind wissenschaftliche Paper oft so unbeliebt zu lesen, da sie nüchtern, emotionslos und faktenbasiert geschrieben sind. Ohne Drama, ohne absolute Schlussfolgerung – meist sogar noch mit vielen weiteren, offenen Fragen im Fazit.

Korrelation vs. Kausalität: Für die oben genannten Punkte, ist es außerdem wichtig, den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität zu kennen. Korrelation beschreibt in der Statistik den Zusammenhang zwischen zwei Variablen. Kausalität beschreibt die Auswirkung einer Variable auf die andere Variable. Zwischen Korrelation und Kausalität besteht ein gewaltiger Unterschied. Korrelation sagt uns nicht, warum und wie eine Beziehung zwischen den beiden Variablen besteht. Sie sagt nur aus, dass die Beziehung existiert. Es kommt aber oft zu Verwechslung und aus einer Korrelation werden fälschlicherweise nicht existierende Kausalzusammenhänge interpretiert. Hier ein Beispiel:

    • Wer sich nur auf Korrelationen bezieht, könnte schnell zum Schluss kommen, dass der Rückgang an Piraten für den globalen Klimawandel verantwortlich ist. Denn rein statistisch besteht eine Korrelation zwischen der Anzahl an Piraten und dem Klimawandel über die Jahrzehnte hinweg. Je weniger Piraten es gab, desto höher waren die Durchschnittstemperaturen, wie diese seriöse Grafik zeigt.
Korrelation vs. Kausalität © Mia Marjanovic

Merke: Nur weil eine Grafik sehr anschaulich einen Zusammenhang darstellt, folgt daraus nicht unbedingt, dass die eine Sache die andere verursacht hat –  auch wenn die Zahlen an sich stimmen. Stattdessen bedarf es randomisierten kontrollierten Studien, die als Goldstandard für den Nachweis von kausalen Zusammenhängen gelten.

Desinformationen können weitreichende Konsequenzen haben, sei es im Bereich des Modeaktivismus, der Gesundheit oder der Politik. Hateaid.org wartnte zum Beispiel vor dem Verbreiten von Mythen über angebliche Heilmittel gegen Corona, bei denen jedoch gefährliche Nebenwirkungen wie Vergiftung oder sogar der Tod auftreten können. Deshalb lautet der wichtigste Punkt: Nachdenken bevor du etwas teilst! 

Fact-Checking-Websiten 

Hier haben wir außerdem eine Auswahl an Webseiten für euch, die sich mit dem Thema Fact Checking beschäftigen und Desinformationen, Pseudowissenschaften, Greenwashing und irreführende Behauptungen aufdecken: 

Deutschsprachig:

Englisch:

Recherche-Seiten für Studien:

  • Google Scholar
  • Web of Science 
  • Researchgate
  • PubMed
  • SciencDirect
  • Elsevier
  • Microsoft Academic

Seid ihr auch schon mal auf Fake News reingefallen oder habt Desinformationen geteilt? Teilt es uns gerne in den Kommentaren mit!

Collage: © Vreni Jäckle

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