Jobs mit Sinn: Wie das Credo „Do What You Love“ zu Ausbeutung führen kann

Es ist eine Collage zu sehen, Mia Marjanovic in der Mitte, neben ihr steht #dowhatyoulove, es geht darum, ob dieses Motto zu Ausbeutung führen kann

“Find your passion!” 

“Do what you love—and the money will follow!” 

“Do what you love, and you’ll never work another day in your life.” 

– oder auf Deutsch “Tu, was du liebst – und du musst nie wieder arbeiten”.

Jede:r von uns hat dieses oder ein ähnliches Mantra bestimmt bereits einmal im Leben gehört oder gelesen. Entweder als Instagram-Zitat, als inspirierende Affirmation in Selbstfindung-Coachings, von Freund:innen, Familie, oder sogar von Lehrer:innen oder Uni-Professor:innen.

Was das neoliberale Coaching-Narrativ verschweigt

In diesem zunächst recht harmlos wirkenden Zitat schwingt aber noch so viel mehr mit als “Finde deine Leidenschaft”. Bis zu einem gewissen Grad stimme ich dem Lebensmotto auch zu. Natürlich empfehle ich allen danach zu streben, eine Ausbildung, ein Studium, oder einen „Job mit Sinn“ zu finden, der zu den eigenen Interessen und Leidenschaften passt.

Dennoch kritisiere ich die grundlegende Annahme, dass jeder Mensch, unabhängig vom sozioökonomischem Status, Herkunft, Hautfarbe, Lebenserfahrungen, etc. einfach nur die eigene Passion finden und hart arbeiten muss, um erfolgreich und glücklich zu werden. Außerdem sind die oben genannten Zitate das typische Instagram-Coaching-Narrativ und zwar, dass man für sein Glück selbst verantwortlich ist und dass man einfach nur manifestieren muss, oder Selbsthilfe-Coachings braucht, um das perfekte Leben und die perfekte Arbeit zu finden.

Die Bedeutung von Arbeit

Arbeit ist ein zentraler Teil unseres Lebens und ein wichtiger Faktor im persönlichen Wohlbefinden. Arbeit ermöglicht es uns, unsere grundlegendsten existenziellen Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Kleidung, Sicherheit und Obdach zu befriedigen. Je nach Kultur, Herkunft, Geschlecht und sozialer Schicht kann die Rolle von Arbeit und Karriere sehr unterschiedlich aussehen und, wie Quick & Tetrick (2003) beschreiben, von gesundheitlich förderlich bis hin zu gesundheitlich schädigend sein, u.a. aufgrund von zu hoher Belastung, Ängsten und Stress. 

Doch was, wenn wir unseren Job wirklich lieben?
Was ist, wenn sich der geliebte Job dennoch immer nach Arbeit anfühlt?
Wo hat “Do What You Love” seine Grenzen und was sagen Expert*innen zu diesem Konzept?

Kein Job ist perfekt, auch wenn es so aussieht

Kein Job ist perfekt. Selbst der beste Job der Welt hat Aspekte, die kaum jemandem Spaß machen.
Ich persönlich habe einen Job (mein Blog heylilahey), den ich mir von einem Hobby bis zu einem festen Standbein über die Jahre hinweg hart erarbeitet habe, sodass ich eigentlich sagen müsste “Ich arbeite keine Sekunde meines Lebens”. Schließlich habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht, oder?

Trotzdem gibt es Tage, sogar wochenlange Phasen, in denen ich meinen Job verfluche. Entweder überschatten unliebsame Aufgaben wie Steuern, Buchhaltung, Admin-Arbeit, Budget-Verhandlungen oder Ähnliches meine kreative Arbeit. Oder, und das kennen glaube ich sehr viele Kreative, ich stecke in einer inspirationslosen Phase, die mich an mir und meinen Fähigkeiten zweifeln lässt. Hinzu kommen noch die gängigen Ängste und Sorgen, die viele Selbstständige plagen: Habe ich nächsten Monat genug Kundenanfragen? Wieviel Geld muss ich zurücklegen? Wie sieht mein langfristiger Karriereweg aus?

Wer braucht schon ein Wochenende? Was passiert, wenn wir Arbeit romantisieren

Dazu kommt auch: Je mehr eine Person einen Job liebt, desto eher kann diese sich auch daran überarbeiten. Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich komplett durchgearbeitet. Es macht doch alles Spaß, was ich mache, oder ist es etwa nicht meine Passion? Fotos machen, Texte schreiben, Videos drehen, Content editieren – das klingt doch alles nach Leichtigkeit und Freude! Wer braucht dann schon ein Wochenende? Von Außen sah mein Alltag romantisch aus: Ich kann endlich meine Leidenschaft ausleben, habe keine:n Chef:in, der oder die mir irgendetwas vorschreibt und kann meinen Tag komplett frei gestalten.

Doch nach ein bis zwei Jahren war ich komplett ausgebrannt und musste erst einmal wieder zu meiner ursprünglichen Freude zurückfinden. Ohne Pausen und mit zu viel Ehrgeiz kam ich einfach nie zur Ruhe. Meine Konsequenz: Ich habe meinen Alltag umstrukturiert, einen Coworking-Platz gebucht, Hilfe über ein Management angenommen und blocke immer mehr arbeitsfreie Wochenenden ohne Handy und Social Media

Die vermeintliche Leichtigkeit von Arbeit in digitalen Medien

Gleichzeitig vermittle ich unbewusst das Bild der Bloggerin, “die es geschafft hat, die einfach nur hart gearbeitet hat und jetzt von dem, was sie liebt, leben kann”. Mein Beispiel weckt in anderen die Versprechung, für das, was man liebt, bezahlt zu werden. Doch diese Hoffnung verschleiert die Tatsache, dass die meisten Blogger:innen niemals vom Bloggen leben können. Wissenschaftlerin Dr. Brooke Erin Duffy beschreibt dies gut in ihrer Studie “The Romance of Work: Gender and Aspirational Labour in the Digital Cultures Industries”, in der sie Interviews mit unterschiedlichen Bloggerinnen geführt hat. Sie kommt zu dem Schluss, dass insbesondere Investitionen in Zeit, Energie und Geld unabdingbar für den Erfolg sind – Investitionen, die nicht alle aufbringen können.

Es ist normal, die eigene Arbeit zu lieben und dennoch als anstrengend zu erachten. „Nur” weil man sich gestresst, überfordert oder ausgelaugt von der Arbeit fühlt, heißt das nicht, dass man den falschen Karriereweg eingeschlagen hat. Gleichzeitig muss nicht jede Leidenschaft zum Beruf werden. Zum einen haben nicht alle die Ressourcen, dies umzusetzen, und zum anderen können Hobbys auch gerne mal das bleiben, was sie sind: Eine Beschäftigung, die wir in unserer Freizeit machen und die zur Entspannung dient.

Selbstverwirklichung ist ein Handschlag der Privilegierten

Apropos Ressourcen, Beruf und Berufung: Ein wichtiger Punkt ist auch das Thema Privilegien. Denn das Problem: “Tu, was du liebst” untergräbt zu schnell die Diskussion über Karriere und Privilegien. Es ist ein Privileg, einen Karriereweg in erster Linie zur Selbstverwirklichung einschlagen zu können, sowie ein Zeichen dafür, einem bestimmten sozioökonomischen Status anzugehören. David Blustein, Wissenschaftler im Bereich Karriereforschung, beschreibt das Konzept, einen bestimmten Berufszweig auszuwählen und zu verfolgen, als großes Privileg. Und genau dieser Punkt wird oft untergraben.

Außerdem besteht mit dem Motto “Do What You Love” die Annahme, dass der oder die Einzelne mehrere Karriereoptionen besitzt und die Kontrolle über die berufliche Richtung hat. Für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ist Arbeit jedoch keine Frage der Karrierewahl. Nicht alle Menschen verfügen gleichberechtigt über die Möglichkeiten, Ressourcen und Ausbildung, um bereitwillig ihrer Leidenschaft zu folgen, wie es die “Do What You Love”-Supporter:innen predigen.

„Do What You Love“ – hier propagiert von einem großen Co-Working-Anbieter. Foto: © Charles Etoroma

Ja, das “Do What You Love”-Mantra kann viele wachrütteln, inspirieren und auch dabei helfen, einen passenden Karriereweg einzuschlagen. Doch das Zitat hilft insbesondere Personen nicht, die zum Beispiel aufgrund begrenzter Zeit, finanzieller Mittel, Schulden, der Betreuung von Familienmitgliedern o.Ä. nicht die Möglichkeit haben, den Fokus auf ihre Leidenschaft zu legen. Wenn es um das Thema Karriereentwicklung geht, sollten wir aber diese große Gruppe an Menschen nicht ausschließen.

Arbeit als Akt der Selbstliebe    

Dr. Miya Tokumitsu, Autorin und Kunsthistorikerin, schreibt in ihrem Artikel “In The Name of Love” auf Jacobin:
“Indem wir uns auf uns selbst und unser individuelles Glück konzentrieren, lenkt das “Do What You Love”-Narrativ uns von den Arbeitsbedingungen anderer ab. Währenddessen bestätigt es unsere eigenen Entscheidungen und befreit uns von Verpflichtungen gegenüber allen anderen Arbeitnehmer:innen, egal ob diese nun ihre Arbeit lieben oder nicht. Es ist der geheime Handschlag der Privilegierten und eine Weltanschauung, die ihren Elitismus als edle Selbstverbesserung tarnt. Laut dieser Denkweise ist Arbeit nicht etwas, das man als Entschädigung tut, sondern ein Akt der Selbstliebe. Wenn der Profit nicht zufällig folgt, dann deshalb, weil die Leidenschaft und Entschlossenheit der arbeitenden Person unzureichend waren. Die wahre Leistung dieses Narrativs besteht darin, den Arbeitenden glaubend zu machen, ihre Arbeit diene dem Selbst und nicht dem Markt.” [Übersetzt aus dem Englischen]

Der Preis der individuellen Freiheiten

Am Beispiel von Steve Jobs berühmter Rede an der Stanford Universität im Jahr 2005 skizziert Dr. Miya Tokumitsu die Rolle des Individuums im “Do What You Love”-Mindset:

“You’ve got to find what you love. And that is as true for your work as it is for your lovers. Your work is going to fill a large part of your life, and the only way to be truly satisfied is to do what you believe is great work. And the only way to do great work is to love what you do.”

Tokumitsu stellt hier fest, dass in nur vier Sätzen achtmal “Du” oder “Dein” vorkommt. Was nach Tokumitsu außerdem in Steve Jobs Rede komplett ungenannt bleibt: All die Arbeit, die dabei ausgeblendet wird, die es uns aber erst möglich macht, unseren „Traumjob” zu bekommen.
Am Beispiel von Apple kann das meiner Meinung nach noch weitergedacht werden: Die Arbeit als Produkt-Entwickler:in wird überhaupt erst möglich, da hinter verschlossenen Türen in Fabriken in Übersee tausende Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen Produkte billig produzieren, und das auch auf Kosten von Klima und Umwelt. Produkte, die dann teuer und mit viel Marketing verkauft werden.

Tokumitsu drückt ihre Schlussfolgerung sehr scharf, aber direkt aus:
“The violence of this erasure needs to be exposed. While “do what you love” sounds harmless and precious, it is ultimately self-focused to the point of narcissism.” Vereinfacht ausgedrückt: Das Mantra „Tu, was du liebst“ klingt zwar harmlos und wertvoll, ist aber letztlich selbstbezogen und trägt mitunter gar narzisstische Züge. Tokumitsu deutet damit außerdem an, dass unliebsame, aber gesellschaftlich notwendige Arbeit, in diesem Narrativ komplett aus dem Bewusstsein verbannt wird.

Und wie sollen sich Gewerkschaften und Arbeiternehmer:innen-Verbände bilden und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, wenn man doch einfach nur eine Arbeit finden muss, die man liebt und die nur aus der Verwirklichung der eigenen Leidenschaften besteht?

Wie unfaire Arbeitsbedingungen Frauen* als Kompromiss für kreative Autonomie verkauft wird       

Die Institutionalisierung von Leidenschaft und Arbeit kann also auf der einen Seite für eine angenehmere und nachhaltigere Arbeitswelt sorgen und auf der anderen Seite ungleiche und unterdrückende kapitalistische Beziehungen aufrechterhalten. Wie kann das sein? 

Betrachten wir einmal die Erfolgsgeschichte des 21. Jahrhunderts: Die Frau, die sich von ihrer klassischen Rolle löst und die alles erreichen und jeden Karriereweg einschlagen kann. Natürlich ist dann das Motto “Do What You Love” gerade für Frauen* attraktiv. Doch in der Realität folgt dieses Streben nach einer Arbeit, die erfüllt und glücklich macht, oft ein langer holpriger Weg voller unbezahlter Praktika, langer Arbeitszeiten und wenig Wertschätzung.

Die Wissenschaftlerin Dr. Brooke Erin Duffy beschreibt in ihrer Arbeit “The Romance of Work: Gender and Aspirational Labour in the Digital Culture Industries” wie „Tu, was du liebst” den Fokus von der Gegenwart in die Zukunft verlagert und eine Karriere vage in Aussicht stellt, in der Arbeit und Freizeit harmonisch nebeneinander existieren. Diese illusorische Koexistenz eigne sich gut für die typische Arbeit im Bereich Kunst, Kultur und Medien, die weithin als ein Umfeld verstanden wird, in dem niedrige Bezahlung und lange Arbeitszeiten einen Kompromiss für kreative Autonomie darstellen. Tokumitsu (2014) kritisiert außerdem, dass die Mode- und Medienwelt voll von Frauen* ist, die gewillt sind, für die soziale Anerkennung zu arbeiten, anstatt für einen echten Lohn, alles im Namen von “Do What You Love”. 

Wenn sinnstiftende Jobs ausbeuten

Dies lässt sich auch für den Bereich Nachhaltigkeit übertragen: Wer sich für ökologische und klimagerechte Themen einsetzt, arbeitet oft viele Stunden und wird selten dafür entlohnt. Es ist ja für eine gute Sache, dann sind unbezahlte Überstunden, das Opfern von Freizeit sowie Stress auf der Arbeit doch okay, oder? Geld, soziale Arbeitsstrukturen und Arbeitsklima spielen hier eine Nebenrolle. Es ist doch ein Herzensjob, ein Job mit Leidenschaft und Sinn, oder etwa nicht? 

“Do What You Love” kann auch hier unfaire und ungleiche Strukturen fördern. Anstatt dass Personen in Machtpositionen sich endlich ihrer Verantwortung für Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ungerechtigkeit annehmen, wird der Druck ungerecht und ineffizient umverteilt: Die Praktikantin soll nun bis spät in die Nacht Funding für die nächste Zero-Waste-Aktion finden. Das neue Start-up setzt sich passioniert, ambitioniert und natürlich über 40 Stunden pro Woche pro Kopf für einen umweltschonenden Umgang für Frischwasser in der Textilindustrie ein. Denn es ist doch für eine gute Sache, die Leidenschaft für den Klimaschutz ist jetzt der Traumjob! Wer braucht da schon Feierabend? Die Sinnhaftigkeit und die Liebe für den Job ist dermaßen aufgeladen, dass wir dafür alles geben.    

Wenn sinnstiftende oder systemrelevante Berufe Frauen* ausbeuten

Und auch hier sieht Tokumitsu perpetuierende Gender-Rollen:
„Eine weitere schädliche Folge von „Do What You Love“ ist, wie rücksichtslos es funktioniert, weibliche Arbeitskräfte für wenig oder gar keine Entlohnung auszunutzen. Frauen stellen die Mehrheit der Niedriglohnbeschäftigten oder unbezahlten Arbeitskräfte dar; als Betreuerinnen, Lehrbeauftragte und unbezahlte Praktikantinnen sind sie den Männern zahlenmäßig überlegen. Was all diese Jobs verbindet, ist die Überzeugung, dass die Bezahlung nicht die primäre Motivation dafür sein sollte, die Arbeit zu machen. Frauen sollen Arbeit leisten, weil sie natürliche Ernährerinnen und darauf bedacht sind, es allen recht zu machen; schließlich haben sie seit jeher unbezahlte Care-Arbeit in Form von Kinderbetreuung, Altenpflege und Hausarbeit geleistet. Und über Geld zu reden, ist ohnehin nicht damenhaft.” [Übersetzt aus dem Englischen]

Was uns der Kapitalismus nicht beibringt: Arbeit als Arbeit erkennen und Grenzen ziehen

Eine weiterer kritischer Punkt: Wer profitiert eigentlich genau davon, wenn wir das Gefühl haben, wir arbeiten keine Sekunde, weil wir ja das tun, was wir lieben?

Wenn unsere Arbeit voller Liebe ist, öffnet dies alle Türen für ausbeuterische Praktiken, die der Kapitalismus zu bieten hat. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man die ganze Nacht hindurch gemalt hat, weil es einfach so viel Spaß gemacht hat, oder ob man die ganze Nacht hindurch eine Grafik neu illustriert hat, weil die Kund:innen nach mehreren Feedbackschleifen immer noch nicht zufrieden sind. Tokumitsu beschreibt das sehr treffend: „“Do What You Love” schiebt die Arbeit anderer beiseite [siehe oben] und verschleiert unsere eigene Arbeit vor uns selbst. Es verbirgt die Tatsache, dass wir, wenn wir unsere gesamte Arbeit als Arbeit anerkennen würden, ihr angemessene Grenzen setzen könnten, indem wir eine gerechte Entlohnung und humane Zeitpläne fordern, die Familie und Freizeit ermöglichen.”

Und sie schreibt weiter: „Emotional befriedigende Arbeit ist immer noch Arbeit, und sie als solche anzuerkennen, untergräbt sie in keiner Weise. Die Weigerung, sie anzuerkennen, öffnet andererseits der bösartigsten Ausbeutung Tür und Tor und schadet allen Arbeitnehmer:innen.” 

Schlussfolgernd bedeutet das, wenn wir unsere Arbeit, die wir lieben, eben als echte Arbeit anerkennen, Grenzen ziehen, faire Löhne und Wertschätzung verlangen, dass wir genau dann vielleicht wirklich das tun können, was wir lieben.

Manchmal ist Arbeit nur Arbeit – und auch das kann erfüllend sein

Wie bereits am Anfang erklärt, habe ich nichts dagegen, wenn man sich basierend auf den eigenen Interessen und Hobbys einen bestimmten Karriereweg aussucht. Ich ermuntere Freund:innen und Familie sogar regelmäßig dazu, nicht zwangsläufig den Weg einzuschlagen, der von Außen von ihnen erwartet wird, sondern eher dem Weg zu folgen, der sich für einen persönlich „richtig” anfühlt. Dieser Ansatz, auf gesellschaftliche Erwartungen oder Erwartungen von Familie und Freund:innen zu pfeifen, wenn es um eigene Karriereentscheidungen geht, kann unglaublich empowernd sein. Denn nicht nur Finanzen und Erwartungen spielen bei der eigenen Selbstverwirklichung eine wichtige Rolle, sondern auch die eigenen Emotionen und Gefühle.
Gleichzeitig ist Arbeit manchmal aber auch einfach Arbeit und muss nicht mehr und nicht weniger sein. Und auch wenn es nicht der „Traumjob” ist, kann der Job dennoch erfüllende Aspekte haben. 

Wenn uns wirklich etwas daran liegt, dass Menschen Freude an ihrer Arbeit finden, dann sollten wir es schaffen, in Diskussionen rund um Arbeit, Leidenschaft und Karriere auch die Themen Burnout, Privilegien, Inklusion, Fairness und Kapitalismus zu integrieren. So können wir das “Do What You Love-”Narrativ mit Inhalten auffüllen, die nicht nur dem Individuum, sondern der Gesellschaft nutzen.

Quellen:

Blustein, D. L. (2006). The psychology of working: A new perspective for career development, counseling, and public policy. Mahwah, NJ: Erlbaum.    

Blustein, D.L. et al (2008). The Psychology of Working: A New Framework for Counseling Practice and Public Policy. The Career Development Quarterly 

Quick, J. C., & Tetrick, L. E. (2003). Handbook of occupational health psychology. Wash- ington, DC: American Psychological Association. 

https://www.jacobinmag.com/2014/01/in-the-name-of-love/

https://www.researchgate.net/publication/276384749_The_Romance_of_Work_Gender_and_Aspirational_Labour_in_the_Digital_Culture_Industries

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.