Warm bleiben im Winter ohne Daunen und Wolle

Wenn der Winter kommt, greifen viele Menschen immer noch zu tierischen Materialien. Dabei gibt es mittlerweile viele tierleidfreie Varianten, die uns durch die Kälte bringen können.

Doch anstatt nur die zahlreichen Alternativen aufzuzeigen, sollten wir vielmehr darüber sprechen, was es überhaupt bedeutet, uns mit tierischen Materialien zu kleiden. Dabei geht es nicht nur um Pelz, der bei den meisten Menschen bereits verpönt ist, sondern um die viel häufiger gesehenen Materialien Daunen und Wolle.

Wir schmücken uns mit fremden Federn

Daunen stammen meist von Enten und Gänsen und sind das weiche Untergefieder, das die Tiere warm hält oder auch im Sommer kühlt.  Aufgrund dieser Eigenschaften ist das Federkleid besonders interessant für die Textilindustrie. Es wird oftmals davon ausgegangen, dass man den Enten und Gänsen nur das Untergefieder nimmt und sie dann weiter leben. Doch das ist nur bedingt der Fall. Alleine in Deutschland werden für Daunen jedes Jahr 19 Millionen Enten und Gänse getötet.

In China hingegen ist der sogenannte Lebendrupf die gängigere Praxis. Hier wird den Tieren immer wieder bei lebendigem Leibe ihr Federkleid aus dem Körper gerissen, was für die Tiere sehr schmerzhaft ist. Über 80 Prozent der weltweiten Daunen kommen aus der Lebendrupf-Praktik. Diese dient alleine der Wirtschaftlichkeit, um ein Tier mehrmals „zu ernten”.

Auch die absurden Haltungsmethoden der gefiederten Tiere sind ein großes Problem. Enten und Gänse werden auf viel zu engem Raum gehalten – oftmals in dunklen Lagerhallen unter absolut schlechten hygienischen Bedingungen. Verletzten Tieren wird nicht geholfen, die Transporte bedeuten enormen Stress und viele brechen sich dabei Flügel oder andere Gliedmaßen.

Schafe – erzwungene Abhängigkeit zum Mensch

Auch mit Schafen wird nicht sanfter umgegangen. Die Annahme, dass den Schafen mit einer Schur ein Gefallen getan wird, weil sie ohnehin notwendig sei, ist leider nur bedingt richtig. Das extreme Wachstum der Schafswolle wurde den Tieren vom Mensch angezüchtet, um diese profitabel zu machen. Die domestizierten Schafe sind somit, wie viele andere Tierarten auch, in ein extremes Abhängigkeitsverhalten gerutscht.

Der Mensch hat Schafrassen, wie dem Merino-Schaf, welche rund 80 Prozent der gehaltenen Schafe ausmachen, ebenfalls eine dickere Haut angezüchtet, welche sich in große Falten legt und somit noch mehr Wolle abwirft. Weil der Vulva- und Anusbereich aber schnell verschmutzt und sich dort leicht Fliegenmaden der Goldfliege einnisten können, trennt man den Lämmern ohne Betäubung große Hautteile rund um Vulva, Anus und Schwanz wieder ab. Diese Prozedur nennt man Mulesing.

90 Prozent der Schafe in Australien wurden durch das Mulesing 2016 regelrecht verstümmelt. Soll diese Praxis eigentlich die Schafe vor Fliegenbefall schützen, neigen die offenen und unbehandelten Wunden leichter zu Infektionen.

Überall dort, wo der Mensch an Tieren verdient, sind Missbrauch und Tierqual zu beobachten. Die Verletzungen bei der Schur sind teilweise so massiv, dass die Tiere daran sterben. Das Problem: das Scheren wird nicht pro Tier sondern nach Wollmenge bezahlt. So versuchen die Schafscherer*innen möglichst effizient zu arbeiten, was oftmals dazu führt, dass die notwendige Vorsicht auf der Strecke bleibt.

Es ist leider auch völlig gleich, um welche Wolle es sich handelt – Merino, Angora, Kaschmir oder Mohair – Wolle ist leider meist mit Tierqual verbunden. Der Unterschied ist oftmals nur die Tierart, von der die Wolle stammt. 

Auch ein Winter ohne Wollpulli ist möglich – und macht nicht nur für die Tiere Sinn

Auch wenn Wolle als absolut nachhaltiges Material gilt, so fällt doch jede Menge Methan, was ein schädlicheres Treibhausgas als CO2 ist, durch die Tierhaltung an.  Außerdem hat die Organisation Made-By verschiedenste Fasern nach ihrer Nachhaltigkeit klassifiziert. Wolle schneidet hier ähnlich schlecht wie Viskose oder Spandex ab. Als Alternative gelten natürliche Materialien wie zum Beispiel Bio-Baumwolle, Sisal oder Leinen.

Es gibt mittlerweile gute Alternativen zu Wolle und Daunen

Natürlich wollen wir im Winter nicht frieren. Aber ebenso wie im Lebensmittelbereich gibt es tolle, tierleidfreie Alternativen. Bei Wolle sind es zum Beispiel klassische Materialien wie Bio-Baumwolle, Leinen oder Sisal. Aber auch innovative Textilien aus Tencel oder Polyestervlies ersetzen die typischen Kleidungsstücke aus Wolle. Anstelle von Daunen kann man wiederum Baumwolle, Viskose, Lyocell, Polyester, Primaloft oder die Pflanzendaune Kapok verwenden.

Viele Fair Fashion-Labels setzen mittlerweile auf die tierleidfreien und veganen Alternativen. Wenn man sich hier erst mal einen Überblick verschafft hat, ist es gar nicht so schwer, ohne Daunen und Wolle durch den Winter zu kommen. 

Absolute Trendjacken kommen von Embassy of Bricks and Logs

An dem fairen und nachhaltigen Label Embassy of Bricks and Logs ist wohl niemand in den letzten beiden Jahr vorbeigekommen. Die Jacken, Mäntel und Parka im coolen Design waren so ziemlich überall und sehr rasant ausverkauft. Seit diesem Jahr gibt es sogar eine Pre-Order-Funktion, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Wenn man sich eines der begehrten Modelle sichern kann, wird man auf jeden Fall warm durch den Winter kommen. Anstelle von Daunen wird hier recyceltes PET aus Meeresmüll verwendet.

Die Jacken von Embassy of Bricks and Logs stehen „echten” Daunenjacken in Look und Wärme in Nichts nach.

Bei Save the Duck ist der Name Programm

Die italienische Outdoor-Marke Save the Duck hat sich auf dem internationalen Markt etabliert und steht nicht nur für tierleidfreie Jacken – auch faire Entlohnung der Textilarbeiter*innen, Transparenz und Umweltschutz sind Themen, die sich das Label auf die Fahne geschrieben hat. Die Kollektionen umfassen klassische Steppjacken und –mäntel, trendige Fake Fur-Jacken, Parkas für jede Wetterlage und sogar Regenjacken. 

Auch Save The Duck setzt auf vegane „Dauen”-Varianten.

Mila.vert macht veganen Strick in hoher Qualität und mit besonderem Design

Das Label mila.vert, das seine Strickwaren in Slowenien produzieren lässt, achtet nicht nur auf ein besonderes Design und faire Bedingungen für die Arbeiter*innen – es ist auch PETA-zertifiziert und verzichtet komplett auf tierische Materialien oder andere Produkte tierischen Ursprungs. Und wer sich die Strickkollektion ansieht, versteht, dass man bei einem veganen Woll-Pulli auf nichts verzichten muss.

mila.vert hat sehr schöne Strickpullover aus Bio-Baumwolle im Sortiment.

Vegane Fair Fashion vom Label recolution

Für das Hamburger Label recolution ist es völlig selbstverständlich, dass für Mode kein Tier leiden muss. Die Strickkollektion ist dennoch umfangreich: Neben Pullovern, Strickmänteln und Cardigans findet man zum Beispiel auch Stirnbänder für den Winter. Ein weiteres Label, das beweist, dass das Leben ohne Wolle so einfach sein kann.

Recolution aus Hamburg bietet auch feinsten Strick aus Bio-Baumwolle an.

Wenn es also dieses Jahr für euch darum geht, dass ihr euch ein neues Kleidungsstück für den Winter anschaffen müsst, dann achtet doch bitte auf tierleidfreie Alternativen. Mittlerweile ist dies gar nicht so schwer und es ist eine Bereicherung für Mensch und Tier.

Disclaimer (Anm. d. Red.): Im Fair Fashion-Bereich wird bei der Benutzung von Wolle und Daunen oftmals auf eine tierschonende Variante Wert gelegt. Labels, die sich für den Einsatz von Wolle und anderen tierischen Materialien entscheiden, tun dies oft auch im Hinblick auf eine ethisch vertretbare Tierhaltung. Bitte informiert euch bei dem jeweiligen Label über die Haltungsmethoden und die Gewinnung der tierischen Faser. Auch hier gilt wie immer: Das Label sollte transparent darlegen können, woher die Faser stammt und unter welchen Bedingungen das Tier vor Ort lebt.

Titelbild: © Embassy of Bricks and Logs, © recolution, © mila.vert

Bina ist Modedesignerin, Mutter und Tierschützerin. Auf ihrem Blogazine stryleTZ schreibt sie über faire Mode, Veganismus und Nachhaltigkeit. Ihre Mission: Bina möchte zeigen, dass Fair Fashion locker mit konventioneller Mode mithalten kann. Außerdem glaubt die Hamburgerin fest daran, dass jeder Schritt in die richtige Richtung zählt. Deswegen lautet Binas Motto auch „Be the Change“.

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