Go digital: Was können Blockchain-basierte Plattformen?

Langsam aber sicher gewinnen Blockchain-basierte Lieferketten-Managementsysteme in der Modebranche an Bedeutung. Immer mehr Modelabels kooperieren mit Anbietern oder starten eigene Pilotprojekte. Aber was können die digitalen Plattformen? Inwiefern können Blockchain-Technologien im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz genutzt werden oder bei der Nachverfolgung eines digitalen Produktpasses eingesetzt werden, wie ihn die EU-Textilstrategie vorsieht? Wir haben unter anderem bei retraced, Löffler und Jyoti nachgefragt.

Go digital: Blockchain

In diesem Deep Dive zum Thema Blockchain gibt es Input von:

  • Peter Merkert, CTO bei und Co-Gründer von retraced
  • Carolin Hofer, Geschäftsführerin bei Jyoti
  • Markus Reisegger-Huber, Einkaufleiter bei Löffler
Take-Aways
  • Vor allem in der DACH-Region muss das Verständnis in Sachen Digitalisierung gestärkt werden.
  • Die Wertschöpfungskette eines jeden Produktes wird grafisch dargestellt, was besonders für Kund*innen anschaulich und nachvollziehbar ist.
  • Die Blockchain entfaltet ihren Wert erst dann, wenn alle Partner innerhalb der Lieferkette zusammenarbeiten, bei der Akzeptanz von Änderungen im Netzwerk mitwirken und diese validieren. 
  • Die Aufzeichnungen der Blockchain sind zwar unbestechlich, aber nur so gut wie die darin eingegebenen Informationen. Ein Blockchain-Ledger wird einen Lieferanten beispielsweise nicht daran hindern, seine Rohstoffe fälschlich aus ethischen Quellen stammend zu katalogisieren.
  • Viele Informationen dürfen nicht auf der Blockchain gespeichert werden, wie beispielsweise personenbezogene Daten, da sie nicht gelöscht werden können. Andere Informationen wie Firmengeheimnisse sollen oder wollen nicht gespeichert werden.

High-Tech-Innovationen wie Blockchain-gestützte Rückverfolgbarkeitsplattformen haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In der Praxis steht die Umsetzung allerdings vor einigen Hürden. Interessanterweise erhält das Wort ,Blockchain’ beim ersten Eindruck immer noch sehr viel Respekt und wird mit Zukunftsorientiertheit assoziiert, aber auf den zweiten Blick stößt es bei Kund*innen eher auf Ablehnung, da sie sich von der Ungewissheit über die Technologie abschrecken lassen”, erklärt Peter Merkert, CTO bei und Co-Gründer von retraced, einer Blockchain-basierten Rückverfolgbarkeits- und Nachhaltigkeits-Compliance-Management-Plattform. Das sei verständlich, da sie selbst als Expert*innen die Implementierungsschwierigkeiten sehen und nachvollziehen können. Aber worauf basiert Blockchain überhaupt? Was versprechen Blockchain-basierte Lösungen und was können sie letztlich nicht leisten? 

Was ist Blockchain?

Blockchain wird oft als eine der besten Lösungen zur Verbesserung der Flexibilität und Transparenz innerhalb globaler Lieferketten beschrieben. So verspricht die Technologie mehrere Vorteile für die Modebranche – etwa die Verbindung der Akteur*innen innerhalb der Wertschöpfungskette dank eines Echtzeit-Datenflusses, der ein unveränderliches Hauptbuch aller Informationen erstellt, die direkt an der Quelle eingegeben werden. 

Lieferanten können auf einfache und leicht verständliche Weise Details aus verschiedenen Produktionsstufen in die Blockchain schreiben – beispielsweise woher das Leder stammt, wenn es in einer Gerberei ankommt, bevor es zu einer Handtasche verarbeitet wird. Die Blockchain speichert diese Details unveränderlich, sprich: sobald die Daten eingegeben sind, kann man sie nicht mehr anpassen. Somit ist Blockchain zunächst einmal ein CSR-Tool, das vor allem im B2B-Kontext benutzt wird. In einem weiteren Schritt können Marken die gespeicherten Daten und Informationen in einem beliebigen Format mit Kund*innen teilen. Häufig geschieht dies durch einen QR-Code, der sich für gewöhnlich im Etikett befindet.

Blockchain kann verwendet werden, um verschiedene Arten von Daten aufzuzeichnen: von Transaktionen und Verträgen über Ereignisse bis hin zu Produktinformationen, ohne dabei mit anderen Benutzer*innen interagieren zu müssen. In Kombination mit Tracking-Tags kann die Blockchain Produkte durch die gesamte Lieferkette verfolgen, vom Rohstoff bis zur Fabrik und sogar bis zum*zur Endverbraucher*in und darüber hinaus. Blockchain ist somit Werkzeug und Bestandsverwaltung in einem. Durch die Unveränderbarkeit ihrer Daten kann sie die Rückverfolgbarkeit und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette deutlich verbessern. 

Was ist Blockchain?

Eine Blockchain erstellt eine Art Datenbank – jede Datei wird mit einem eigenen kryptografischen Schlüssel gesichert: Nur Personen mit den richtigen digitalen Schlüsseln können Daten hinzufügen oder bereits vorhandene Informationen ändern. Unternehmen können Blockchain als sicheren Ort verwenden, um Daten auszutauschen und mit Partnern effizient(er) zusammenzuarbeiten. So verbindet das System textile Lieferketten und ersetzt fragmentierte Daten durch ein einziges, unveränderliches Ledger (sprich: Kontobuch), das für alle berechtigten Parteien sichtbar ist und in Echtzeit aktualisiert wird.

Blockchain-Plattformen boomen

Die Blockchain ist aus der Modebranche kaum mehr wegzudenken. Das Fast-Fashion-Unternehmen H&M launchte beispielsweise nicht nur einen Blockchain-betriebenen Modeverleih, sondern erweiterte seine Zusammenarbeit mit Textile Genesis, einer digitalen Rückverfolgbarkeitsplattform. Die Luxushäuser LVMH, Prada Group und Cartier gründeten unterdessen im April 2021 den gemeinnützigen Verein Aura Blockchain Consortium. Laut eigenen Angaben haben sich die Luxuskonzerne zusammengeschlossen, um die gemeinsamen Herausforderungen der Kommunikation von Authentizität, verantwortungsvoller Beschaffung und Nachhaltigkeit in einem sicheren digitalen Format anzugehen. Und auch in der Fair-Fashion-Branche wird das Thema Blockchain angegangen: So hat sich der Textilproduzent Lenzing mit Textile Genesis zusammengeschlossen und viele Marken aus der DACH-Region kooperieren mittlerweile mit dieser oder anderen Plattformen wie retraced.

Das traditionelle, zentralisierte Lieferkettensystem wird bei manchen Unternehmen durch Blockchain allmählich abgelöst. Anstelle von vertrauensbasierten Beziehungen, freiwilligen Offenlegungen und undurchsichtigen Nachhaltigkeitserklärungen können Marken eine kund*innenorientierte Lieferkette aufbauen. So auch das österreichische Outdoor-Label Löffler: Nachdem wir nicht nur Marke, sondern auch Produzent sind, kennen wir unsere Lieferkette sehr gut und haben alle Informationen sowohl über unsere Lieferanten als auch über die verwendeten Materialien schon seit Jahren mittels ERP-System digitalisiert beziehungsweise dokumentiert”, berichtet Markus Reisegger-Huber, Einkaufleiter bei Löffler. (Anm. d. Red.: Ein ERP steht für Enterprise Resource Planning und bezieht sich auf eine Art von Software, die Organisationen verwenden, um die täglichen Geschäftsaktivitäten wie Buchhaltung, Beschaffung, Projektmanagement, Risikomanagement und Compliance sowie den Betrieb der Lieferkette zu verwalten.)

„Im Zuge unseres Nachhaltigkeitsberichts aus dem Jahr 2020 haben wir erstmals das eigene Lieferantenmanagement für die externe Kommunikation aufbereitet. Daraus hat sich für uns das Ziel ergeben, diese Informationen, die wir inhouse haben, auch unseren Endkonsument*innen sinnvoll und verständlich – im Sinne der Nachhaltigkeit und Transparenz – darzustellen.” 

Digitalisierung verstehen

Bei der Recherche zu dieser Membership-Ausgabe erwies sich die Suche nach Blockchain-Expert*innen in der DACH-Region als besonders schwierig. Liegt es daran, dass sich Unternehmen und Gründer*innen hier nicht für Blockchain-basierte Lösungen interessieren?

Peter Merkert, CTO bei und Co-Gründer von retraced meint ganz klar, es müsse eine Veränderung geben – vor allem in Richtung Digitalisierung. Dabei steht Digitalisierung nicht nur für digitales Verwalten von Dokumenten, sondern auch das Verständnis einer Blockchain-Plattform, um mehr aus den vorhandenen Dokumenten und Informationen zu ziehen.” 

Ist Blockchain nur eine Buchhaltungssoftware?

Blockchains ermöglichen eine beispiellose Effizienz im Tracking-Prozess und automatisieren viele Dinge, die derzeit in jeder Branche viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Indem Unternehmen viele der menschlichen Faktoren aus der Verfolgung der Liefer-, Produktions- und Vertriebsketten herausnehmen, können sie Zeit, Kosten und Energie sparen. Das Versprechen: keine chaotische Buchhaltung mehr, keine gefälschten Daten, alles ist jederzeit korrekt. Was wir schätzen, ist, dass es sich bei Blockchain um eine unabhängige, nachvollziehbare und fälschungssichere Technologie handelt und somit Datensicherheit gewährleistet ist”, so Markus Reisegger-Huber von Löffler.

Was sind also konkret die Vorteile für die Textil- und Bekleidungsindustrie?

Die eigenen Produkte dank Blockchain verifizieren

Vor allem Luxusmarken haben begonnen, die Blockchain-Technologie als Verifizierungstool ihrer Produkte zu erkunden. Die Authentifizierung von Luxusartikeln ist nicht günstig, aber digitale Produktidentitäten, die auf Blockchain gespeichert sind, können solche Bearbeitungs- und Versandkosten minimieren. Blockchain kann Marken so mehr Kontrolle über gestohlene oder gefälschte Waren geben und Kund*innen ermöglichen, den Wert ihrer Investition zu erhalten. 

Effizientes Lieferkettenmanagement anhand der visuellen Darstellung

Die Verwendung von Blockchain in der Lieferkette ermöglicht zahlreichen Partnern den gleichzeitigen Zugriff auf dieselben Daten mit Aktualisierungen in Echtzeit. „Blockchain erfüllt für uns zwei Funktionen, die wir unterschiedlich gut genutzt haben”, erklärt Carolin Hofer, Geschäftsführerin beim Fair-Fashion-Label Jyoti. Einerseits erleichtert das Tool die transparente Darstellung unserer Lieferketten in Indien. Informationen über Stoffhändler*innen oder Nähwerkstätten können so einmal zentral auf der Plattform gespeichert und dann bei den entsprechenden Produkten angezeigt werden – das erspart uns langwierige und sich wiederholende Produktbeschreibungen. Die Wertschöpfungskette eines jeden Produktes wird außerdem grafisch dargestellt, was für die Kund*innen super anschaulich und nachvollziehbar ist. Die zweite Funktion, und hier kommt auch die eigentliche Blockchain ins Spiel, ist die Verifizierung der Wertschöpfungsketten durch die involvierten Mitarbeiter*innen, wie etwa Weber*innen und Näher*innen, die in jeder Stufe der Herstellung dabei sind.” 

Jyoti arbeitet für die Transparenz und Rückverfolgbarkeit mit retraced zusammen. Laut Hofer führt die visuelle Darstellung der Lieferketten an sich schon zu mehr (oder zumindest besser vermittelter) Transparenz, nicht nur für Kund*innen, sondern auch unternehmensintern. Hauptsächlich erfordert das eine aktive Mitarbeit und Informationsfreigabe von allen beteiligten Firmen – also die Motivation unserer Händler*innen, mitzumachen.”

Aber Daten können auch falsch eingetragen werden

Obwohl Marken anhand der Blockchain die Geschichte ihres Unternehmens und ihrer neuesten Kollektionen erzählen und jeden Schritt des Designprozesses dokumentieren können, steht die Technologie vor einigen Herausforderungen und Einschränkungen. Die Aufzeichnungen der Blockchain seien laut Expert*innen zwar unbestechlich, aber nur so gut wie die darin eingegebenen Informationen. Ein Ledger würde einen Lieferanten beispielsweise nicht daran hindern, seine Rohstoffe fälschlich aus ethischen Quellen stammend zu katalogisieren. Eine Herausforderung für Unternehmen besteht also darin, sicherzustellen, dass die in der Blockchain protokollierten Informationen korrekt sind. Manche Marken müssen andere Tools verwenden, um den Ursprung von Bio-Baumwolle nachzuweisen, wie zum Beispiel forensische Überprüfungen, bei denen genetische oder chemische Marker in Materialfasern getestet werden, um zu bestätigen, dass Lieferanten Daten auch wirklich wahrheitsgemäß eingeben.

Nicht alle Partner sind an Blockchain interessiert oder haben den nötigen Zugang

Für das Fair-Fashion-Label Jyoti klang die Verifizierung der Wertschöpfungsketten zu Beginn vielversprechend. Doch wie schon erwähnt, erfordert es die Zusammenarbeit und die Motivation aller Partner entlang der Lieferkette. „Wir mussten schnell einsehen, dass die Nutzung eines Tools, das den Beteiligten selbst wenig Vorteile bringt, schwer durchzusetzen ist”, berichtet Geschäftsführerin Carolin Hofer. „Da wir mit vielen sehr kleinen Unternehmen und Kooperativen in Indien zusammenarbeiten, die keine Notwendigkeit für die Selbstdarstellung auf einer europäischen Plattform für Lieferketten-Nachhaltigkeit sehen, hat sich diese Funktion schnell erledigt und wir haben retraced hauptsächlich zur übersichtlichen Informationsvermittlung an unsere Kund*innen verwendet.” Es bräuchte also klare Anreize für alle Beteiligten, damit die Benutzung des Tools nicht einfach nur mehr Arbeit bedeutet.

Laut Peter Merkert, CTO bei und Co-Gründer von retraced, sei die größte Herausforderung von Blockchain immer noch das Verständnis dafür, wie die Technologie eigentlich eingesetzt werden kann. Erst wenn dieses Verständnis erreicht ist, kann auch nachvollzogen werden, was zur sogenannten Web3-Revolution alles dazu gehört. Die Blockchain entfaltet ihren Wert erst dann, wenn alle Parteien bei der Akzeptanz von Änderungen im Netzwerk mitarbeiten und diese validieren. Eine einfache Nutzung einer Plattform reicht nicht aus. Mitwirkende brauchen dafür eigentlich eine eigene Hardware.” 

Bei der Blockchain könne man sich über Datenpunkte beschweren, jedoch sei man selbst lediglich als Validierungsknoten an der Entscheidung darüber, welche Datenpunkte eingetragen werden, beteiligt. Es gibt auch die Option, sich auf andere Validierungsknoten zu verlassen, allerdings ist das dann eine delegierte Validierung und man muss in diesem Fall doch wieder anderen vertrauen”, so Merkert. (Anm. d. Red.: Validierungsknoten sind für die Überprüfung, Abstimmung und Führung von Transaktionsaufzeichnungen verantwortlich und untermauern so die Sicherheit der Blockchain.)

Stichwort: Blockchain & Datenschutz

Laut Peter Merkert von retraced kann Blockchain ein Teil von Lösungen sein, aber nicht die Lösung. Der Grund dafür ist, dass viele Informationen gar nicht auf der Blockchain gespeichert werden dürfen, wie beispielsweise personenbezogene Daten, da sie nicht gelöscht werden können. Andere Informationen sollen oder wollen nicht gespeichert werden, auch wenn hier Zugriffsbeschränkungen aktiv sind, wie zum Beispiel Firmengeheimnisse, worunter bereits detaillierte Bestellinformationen fallen können. Hier gibt es Verbesserungsbedarf, denn alle Blockchain-Frameworks verlangen immer sofort, dass Daten nicht außerhalb der Blockchain gespeichert werden können. Leider muss bisher jeder Datenpunkt manuell darauf geprüft werden, ob er die Voraussetzungen erfüllt, um auf der Blockchain abgespeichert zu werden.”

Was bedeutet Blockchain für die Gesetzgebungen?

Inwiefern können Blockchain-Technologien also im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz genutzt werden? Blockchain-basierte Lösungen können beispielsweise dabei helfen, alle Lieferketten-bezogene Informationen an einem Ort zu sammeln und somit Risiken schneller zu identifizieren und gegebenenfalls vorzubeugen. Dazu können sie helfen, die Vernetzung zwischen Unternehmen und Lieferanten zu stärken und in (Sub-)Verträge einzusehen, um Menschenrechtsverletzungen zu erkennen und dagegen vorzugehen.

Im Zusammenhang der EU-Strategie für nachhaltige Textilien hat die Europäische Kommission die Entwicklung eines digitalen Produktpasses vorgeschlagen. Dieser soll klare und verständliche Informationen zur Kreislauffähigkeit und anderen Umweltaspekten bieten. Unter einem einheitlichen Enterprise-Blockchain-System wären Produktinformationen elektronisch über interoperable Datendienste verfügbar. Jedes Produkt und jede Komponente hätte eindeutige digitale Identifikatoren, die Informationen über gefährliche Inhaltsstoffe, Leistung, Haltbarkeit und recycelbare Inhaltsstoffe sowie CO₂-Fußabdrücke und einen Nachweis der Sorgfaltspflicht bei der Beschaffung von Rohstoffen enthalten.

Ein Blockchain-gestützter digitaler Produktpass wäre theoretisch die beste Option, da das System dezentralisiert wäre, wobei digitale Identifikatoren jede Phase des Lebenszyklus eines Produkts aufzeichnen und jede*r Akteur*in in der Wertschöpfungskette in der Lage wäre, die eigenen Identifikatoren innerhalb desselben Systems zu erstellen. Aufzeichnungen würden in der Blockchain verankert und für alle Beteiligten zugänglich, was ein einfaches Tracking und Tracing ermöglicht und gleichzeitig die Wiederverwendung, das Recycling und die Wiederverwendung unterstützt.

Das Hauptmerkmal der Blockchain bei Compliance-Gesetzen wie dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist die Speicherung der Zeiterfassung”, erklärt Peter Merkert von retraced. Das heißt, jede Änderung wird explizit gespeichert und kann später wiederhergestellt werden. Zum Zeitpunkt einer Anfrage – zum Beispiel von einem Produktpass oder gesetzlicher Erfragung – kann diese Zeitaufnahme herausgegeben werden. Wenn sich dann noch etwas ändert, zum Beispiel, weil mehr Informationen über das Produkt bekannt werden, oder etwas mit den Unternehmen in der Lieferkette passiert, kann zu jedem Zeitpunkt der alte Stand wiederhergestellt werden.” Das sei essenziell für die Berichterstattung der Compliance-Gesetze.

Blockchain als kritischer Aspekt des Due-Diligence-Prozesses

Die Modebranche investiert bereits seit Jahren in die Blockchain-Technologie, um ihre undurchsichtigen Lieferketten zu verfolgen. Die Technologie muss aber noch besser verstanden und weiterverbreitet werden. Und das erfordert sowohl die nötigen Informationen als auch die Zusammenarbeit aller Beteiligten entlang der Lieferanten – von Zuschneide- und Nähfabriken über Stoffweber*innen, Garnspinner*innen und Landwirt*innen. 

Dennoch ist Blockchain auch dann keine Patentlösung: Unternehmen stehen immer noch vor der Herausforderung sicherzustellen, dass die Daten, die sie von Lieferanten erhalten, korrekt sind. Und immer noch gilt Business as usual – jedes Unternehmen will sein eigenes kleines Imperium, daher ist ein einheitlicher Blockchain-Standard auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Es gibt nicht die eine vollständige Blockchain-Lösung für die gesamte Modebranche

Letztlich kostet ein Blockchain-basiertes Lieferkettenmanagement auch Geld: Personal muss eingestellt werden, um sich um die Prozesse zu kümmern und die Informationen zu verifizieren. Und da für die Blockchain-Rückverfolgbarkeit detaillierte Daten erforderlich sind, werden Unternehmen mit einer stark fragmentierten Lieferkette wahrscheinlich mehr organisatorischen Aufwand und höhere Kosten tragen müssen. Unternehmen müssten bestenfalls eine eigene CSR-Abteilung aufbauen (was eigentlich Standard sein sollte), was aber vor allem bei kleineren Fair-Fashion-Unternehmen oft nicht selbstverständlich ist. Trotzdem wird die zuverlässige Sammlung von Daten innerhalb der Lieferkette und der Bereitstellung eines gemeinsamen Ledgers als kritischer Aspekt des Due-Diligence-Prozesses angesehen. Wie es mit diesen digitalen Lösungen weitergeht, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen, denn letztlich muss auch der Wille da sein, Blockchain zu nutzen, zu optimieren und für eine transparentere Modebranche einzusetzen.

Titelbild: Chris Yang via Unsplash

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