Was du über Gold wissen solltest

Gold ist eines der beliebtesten Edelmetalle der Welt. Doch hinter dessen Beschaffung versteckt sich oftmals ein dreckiges Geschäft. Wir erklären dir, was du über Gold wissen solltest.

Gold ist eines der beliebtesten Edelmetalle der Welt. Es wird in rund 80 Ländern abgebaut, wobei jedes Jahr etwa 3.400 Tonnen produziert werden. Die größten Produzenten sind China, Australien, Russland und die USA. Das meiste Gold stammt aus großen Industrieminen; 15 bis 20 Prozent jedoch stammen aus kleineren oder handwerklichen Minen. Diese befinden sich hauptsächlich im globalen Süden – in Ländern wie Peru, Ghana und Indonesien. Seit wann Gold gefördert wird ist nicht genau bekannt. Manche Wissenschaftler:innen glauben, die Goldbeschaffung läge etwa 7.000 Jahre zurück. Andere meinen, es wären um die 5.000 bis 6.000 Jahre. Bis dato wurden mehr als 190.000 Tonnen Gold gefördert – etwa die Hälfte davon seit den 1950er Jahre. 

Schmuck macht schätzungsweise knapp 50 Prozent des weltweiten Goldbedarfs aus. Letztes Jahr ging die Zahl – wahrscheinlich pandemiebedingt – etwas zurück. Nichtsdestotrotz macht die Schmuck- und Uhrenindustrie jährlich einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro – allein in Deutschland. Hinter diesen Zahlen befinden sich jedoch auch viele versteckte Kosten. Von Menschenrechtsverletzungen über Kinderarbeit zu Umweltschäden: Die Goldförderung ist oftmals ein dreckiges Geschäft.

Was ist das Besondere an Gold?

Gold ist im Vergleich zu anderen Metalle, wie Silber, härter und eignet sich so hervorragend für langlebigen Schmuck, der von Generation zu Generation weitergegeben kann. Reines Gold oxidiert nicht: Es kommt also selten zu einer chemischen Reaktion, wenn es mit Schwefelverbindungen in der Luft in Kontakt kommt. Somit bildet sich kein bräunlicher, grünlicher oder schwarzer Belag, im Gegensatz zu anderen Metallen wie Silber oder Messing. Je niedriger der Feingoldgehalt, desto wahrscheinlicher ist eine Oxidation. Das sollte dir jedoch keine Sorge bereiten, denn die Schmuckoberfläche lässt sich normalerweise reinigen. Jedoch solltest du hier am besten vorher immer bei einer Fachperson nachfragen, um deinen Goldschmuck nicht zu beschädigen.

Heute gibt es verschiedene Farbpaletten, aber Gelbgold ist wohl immer noch die beliebteste Farbe. Um andere Farben herzustellen wird reines 24-Karat-Gold mit anderen Metallen verschmolzen. Dieser Prozess wird Legierung genannt. Sie verleiht Feingold außerdem eine längere Lebensdauer, da dieses eine geringere Dichte hat als Gold mit einem niedrigeren Karat. Dadurch ist es sehr weich und biegsam und deshalb weniger geeignet für den Alltag. Weißgold entsteht beispielsweise durch das Legieren von reinem Gold mit Weißmetallen wie Silber. Der Einschluss von Kupfer führt zu einem zarten Roségold, während Schwarzgold zum Beispiel seine Farbe von Kobaltoxid ableitet.

Goldschmuck besteht also selten aus 100 Prozent reinem Gold. Es ist in verschiedenen Reinheitsgraden erhältlich. Diese werden in Karat (K) gemessen. Die häufigsten Goldreinheitsgrade sind 10K, 14K, 18K und 24K. Je höher die Karatzahl, desto höher der Goldanteil. Jede Stufe der Goldreinheit bietet ihre eigenen Vor- und Nachteile: von Härte und Haltbarkeit bis hin zum Risiko, dass bestimmte Stufen der Goldreinheit zu Hautreizungen beitragen. Je höher der Anteil an Feingold, desto niedriger die Wahrscheinlichkeit für eine vermeintliche Hautallergie.

Wie wird Gold gewonnen?

Hinter der Goldbeschaffung stecken nicht nur zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, sondern auch kleinere und größere Umweltkatastrophen. Schätzungen zufolge arbeiten eine Million Kinder weltweit im handwerklichen und kleinen Bergbau – möglicherweise liegt die Dunkelziffer weitaus höher. Kinderarbeit verstößt gegen das internationale Menschenrechtsgesetz und wurde 1989 mit der UN-Kinderrechtskonvention für illegal erklärt. Diese Verbote spiegeln sich deutlich in den innerstaatlichen Gesetzen vieler Länder wider, und dennoch besteht gefährliche Kinderarbeit weiterhin. Viele arbeiten in tiefen, instabilen Gruben; andere tauchen stundenlang im Wasser auf der Suche nach dem Edelmetall.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene sind häufig extremen Gefahren ausgesetzt. Immer wieder kommt es zu Unfällen mit schweren Verletzungen oder gar tödlichem Ausgang. In einigen handwerklichen und kleinen Goldminen wird das giftige Quecksilber eingesetzt. Arbeiter:innen können dadurch lebenslange Hirnschäden und andere irreversible Krankheiten erleiden. Das ist vor allem für Kinder, die noch in der Entwicklung sind, sehr bedenklich.

Außerdem werden in manchen Goldminen, Arbeiter:innen – sowohl Erwachsene als auch Kinder – zu Opfern von Zwangsarbeit und Menschenhandel. Modern Slavery, also moderne Sklaverei, ist nicht nur ein Phänomen, das wir aus der Textil- und Bekleidungsindustrie kennen. Es scheint ein weit verbreitetes Problem zu sein – in vielen verschiedenen Industrien. 

Dazu kommen willkürliche Vertreibungen und Verstöße gegen Eigentumsgesetze. In manchen Fällen missbrauchen sowohl internationale Bergbauunternehmen, als auch Regierungen, die die Goldförderungen genehmigen, die Rechte der Anwohner:innen. Sie räumen ihr privates Land für Explorations- und Bergbauzwecke. Indigene Völker sind davon besonders oft betroffen und erleiden großen materiellen, finanziellen und emotionalen Schaden. Viele haben eine emotionale, gar heilige Verbindung zu ihrem Land, auf dem sie schon seit Generationen leben. Gemeinsam versuchen sie gegen Bergbauunternehmen zu protestieren, um ihre traditionelle Lebensgrundlage zu schützen. Dabei werden viele unterdrückt und manchmal sogar getötet.

Goldbeschaffung schadet der Umwelt 

Goldförderung wird immer ressourcenaufwendiger. Je nach Region müssen mittlerweile für ein Gramm Gold bis zu zwei Tonnen Erz ausgegraben und gesiebt werden. Der Abbau von Gold verursacht manchmal schwerwiegende Umweltschäden und bedroht somit auch die Rechte der Menschen auf Gesundheit, Wasser und Lebensmittel. Neben dem Abladen von Minenrückständen, können auch Unfälle passieren. Eine Bergbaukatastrophe in Kanada beispielsweise führte dazu, dass giftige Stoffe freigesetzt wurden. So zerstörte das Unternehmen die traditionelle Lebensgrundlage indigener Völker. Sowohl der Fischfang, als auch der Anbau von Kräutern, die traditionell als Medizin genutzt werden, wurde fast unmöglich.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass kleine Goldminen jährlich 1.400 Tonnen Quecksilber ausstoßen. Quecksilber ist ein giftiges Metall, das bei der Goldverarbeitung verwendet wird, und nicht nur das Nervensystem schädigt, sondern auch tödlich sein kann. Die daraus resultierende Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden stellt eine globale Umweltbedrohung dar und hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Arbeitnehmer:innen und lokalen Gemeinschaften, die in der Nähe solcher Goldminen leben. In Nigeria hat der handwerkliche Goldabbau zu unbeabsichtigten Freisetzungen von Blei geführt, bei denen über 400 Kinder getötet wurden. 

Dein Goldschmuck könnte konfliktbehaftet sein

Es könnte sein, dass dein Goldschmuck konfliktbehaftet ist. Was bedeutet das?

  • Das Gold wurde aus Konfliktzonen, wie dem Kongo, gefördert.
  • Bewaffnete Gruppen bereichern sich durch den Goldabbau, indem sie selbst daran beteiligt sind und sich die Kontrolle über Minen sichern. Gold ist ein lukratives Konfliktmaterial, da es sich in kleinen Mengen zu großen Preisen schmuggeln lässt.
  • Der Goldhandel dient zur Finanzierung bewaffneter Gruppen. In Venezuela beispielsweise arbeiten manche Gruppen mit dem Militär zusammen und erhalten im Gegenzug Zahlungen in Gold.

Die Zivilbevölkerung leidet hier am meisten darunter. In diesem Zusammenhang hat die Europäische Union eine Mineralienverordnung verabschiedet, die im Januar 2021 in Kraft getreten ist. Sie verpflichtet Konzerne, die Gold, Zinn, Wolfram und/oder Tantal in die Europäische Union importieren, eine sorgfältige Prüfung ihrer Partnerunternehmen durchzuführen. Dies soll sicherstellen, dass die Beschaffung der Mineralien nicht zu konfliktbedingten Missbräuchen beiträgt. 

Hierbei setzt die EU den Fokus auf vier Mineralien, die am häufigsten mit bewaffneten Konflikten in Verbindung gebracht werden. Die Verordnung betrifft direkt 600 bis 1.000 EU-ansässige Importunternehmen, sowie indirekt etwa 500 Raffinerien, die jene Unternehmen beliefern – unabhängig davon, ob sie in der EU ansässig sind oder nicht.

Der Ursprung von Gold ist oft unklar

Aufgrund komplexer Lieferketten, wissen viele Unternehmen nicht woher das Gold kommt, das sie für ihren Schmuck benutzen. Oft können sie auch nicht zurückverfolgen, ob es unter missbräuchlichen Bedingungen gefördert wurde. Gold und andere Mineralien ​​werden von Ländern auf der ganzen Welt abgebaut und in der Regel in anderen Ländern gehandelt, exportiert und verarbeitet. 

Gold wird an verschiedene Raffinerien weltweit exportiert, um dort weiterverarbeitet zu werden. Die überwiegende Mehrheit des weltweiten Goldes fließt durch eine kleine Anzahl von Raffinerien: Zum Beispiel raffinieren vier in der Schweiz ansässige Unternehmen mehr als die Hälfte des weltweiten Goldes. Das Raffinieren beinhaltet die Reinigung, Veredlung und/oder Trennung von Rohstoffen. 

Sobald Gold raffiniert ist, wird es unter anderem an Banken, Schmuck- und Uhrenhersteller, aber auch an Elektronikunternehmen verkauft. Bei Goldschmuck sind China und Indien die größten Abnehmer und machen über 50 Prozent der weltweiten Schmucknachfrage aus. 

Verarbeitetes Gold wird in Produktionsstätten und Handwerksbetrieben in Schmuck umgewandelt, bevor es den Einzelhandel erreicht. Wenn ein Schmuckstück zum Verkauf angeboten wird, kann es sehr schwierig sein, die Herkunft des darin enthaltenen Goldes zu ermitteln oder gar festzustellen, ob es von Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschäden betroffen ist. Das Gold in einem einzelnen Schmuckstück kann aus verschiedenen Ländern kommen oder in verschiedenen Raffinerien verarbeitet worden sein.

Die Verantwortung von Unternehmen im Goldgeschäft

Nach den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte – einem internationalen Standard für die Menschenrechtsverantwortung von Unternehmen – müssten Unternehmen eine „Menschenrechts-Due Diligence“ einführen. Es geht darum, dass sie ihre eigenen Auswirkungen auf Menschenrechte in ihrer gesamten Lieferkette identifizieren, verhindern, mindern und berücksichtigen. 

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat diesen Ansatz in ihren Leitlinien zur Sorgfaltspflicht weiterentwickelt. Hierbei geht es um eine verantwortungsvolle Lieferkette von Mineralien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten. Es ist der führende Sorgfaltspflichtstandard für Mineralien. Jedoch basieren diese Leitlinien nur auf freiwilliger Basis und weisen somit einen wesentlichen Mangel an Überwachung und Umsetzung auf. 

Ein Beispiel aus dem Goldsektor ist der Verhaltenskodex des internationalen Schmuckverbandes Responsible Jewellery Council (RJC). Der RJC-Standard liegt jedoch weit unter dem, was eine effektive Sorgfaltspflicht ausmachen würde. Daher ist die RJC-Zertifizierung keine Garantie für transparente, menschenrechtswürdige Lieferketten. Mehrere vom Responsible Jewellery Council zertifizierte Unternehmen tun bei weitem nicht genug für Transparenz in der Lieferkette und den Schutz der Menschenrechte, darunter beispielsweise das Luxusschmucklabel Chopard. 

Hier kommt die EU-Mineralienverordnung ins Spiel. Diese ist rechtlich verbindlich und kann so Unternehmen zur Verantwortung ziehen. Jedoch konzentriert sie sich nur auf Konflikte und Konfliktmaterialien. Viele der Risiken, die bei der Mineralgewinnung auftreten können, werden von der Verordnung nicht berücksichtigt. Dazu gehören Umweltzerstörungen, wie die Verschmutzung von Trinkwasser, sowie die gewaltsame Vertreibung und Korruption. 

Darüber hinaus berücksichtigt die Verordnung nicht jene Konflikte, die im Zusammenhang mit der Gewinnung von Mineralien entstehen. Sie setzt den Fokus nur auf bereits bestehende Konflikte. 

 

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Alternativen zur gesetzlichen Lösung

In den letzten Jahren sind einige Initiativen entstanden, die Unternehmen unterstützen, ihr Gold auf die Ursprungsminen zurückzuführen und verantwortungsbewusster aus dem handwerklichen Sektor zu beziehen. Diese Initiativen werden häufig in lokalen Bergbaugemeinden mit Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen und anderen Interessengruppen, einschließlich der Schmuckindustrie, umgesetzt.

Zertifizierung von Minen: Nachhaltiges Gold?

Anhand verantwortungsbewusster Beschaffungsstandards können bestimmter Minen zertifiziert werden. So können Schmuckunternehmen sicherer sein, dass das Gold, welches sie in diesen Minen kaufen, nicht durch Menschenrechtsverletzungen beeinträchtigt werden. Nichtregierungsorganisationen wie Solidaridad können eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung von Minen spielen, um Praktiken zu verbessern, damit diese die Standards einhalten können: von der Bekämpfung von Kinderarbeit zur Verbesserung des Umweltverhaltens. 

Derzeit gibt es leider nur zwei Zertifizierungsoptionen. Deshalb ist auch die Verfügbarkeit von Gold aus zertifizierten Minen recht begrenzt. Das Fairmined und das Fairtrade Siegel zertifizieren handwerkliche und kleine Goldminen, die den Standards in Sachen Menschenrecht, Arbeitsrecht und Umweltrecht entsprechen.

Das Fairmined-Gütesiegel

Der Fairmined Standard wurde 2014 von der Alliance for Responsible Mining eingeführt und beinhaltet zwei Arten der Zertifizierung: den Fairmined-Siegel und den Fairmined-Ecological-Siegel. Obwohl für beide Arten der Zertifizierung das gleiche Verfahren angewendet werden muss, sind die Kriterien für das zweite Siegel anspruchsvoller. 

Es garantiert eine Zurückverfolgung des Goldes auf die Ursprungsmine. Die Verfügbarkeit von Fairmined Gold ist jedoch begrenzt, da bis dato nur etwa 1.400 Tonnen zertifiziertes Gold gefördert wurden. 

Anfang 2018 wurden acht Minen in vier Ländern –Bolivien, Kolumbien, Mongolei und Peru – zertifiziert, und weitere 20 Bergbauorganisationen arbeiteten an der Zertifizierung. 

Das Fairtrade-Gütesiegel

Der Fairtrade-Standard für Gold wurde 2011 eingeführt. Er wird von Fairtrade International verwaltet und ermöglicht Schmuckunternehmen, ihr Gold bis zur Ursprungsmine zurückzuverfolgen. Die ersten zertifizierten Minen befanden sich in Peru. In den letzten Jahren führten die Fairtrade Foundation, Solidaridad und andere NGOs ein Schulungs- und Unterstützungsprogramm durch. Dieses soll handwerkliche und kleine Goldminenunternehmen in Afrika dabei bekräftigen, sich zertifizieren zu lassen.

Sie arbeiten auch mit Kooperativen zusammen, um die Menge an Chemikalien zu reduzieren, die für die Goldgewinnung benötigt werden. Dadurch wollen sie das Bewusstsein für Gesundheits- und Sicherheitsrisiken schärfen und sicherstellen, dass geeignete Sicherheitsausrüstung und -richtlinien vorhanden sind.

Fairtrade-Gold beliefert ein Netzwerk an Juwelieren in Europa, Australien und Nordamerika. Besonders in Großbritannien, wo die Fairtrade Foundation stark vertreten ist, haben viele kleine Juweliere ein großes Interesse am Verkauf von Fairtrade-Gold gezeigt. 

Der Conflict-Free-Gold-Standard

Der Conflict-Free-Gold-Standard des World Gold Council ist ein gängiger Ansatz, mit dem Goldunternehmen versichern können, dass ihr Gold auf eine Weise gewonnen wurde, die keine rechtswidrigen bewaffneten Konflikte verursacht, unterstützt oder fördert. Sie versichern damit also auch, dass sie nicht zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen oder Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht beitragen. Das Siegel unterstützt Goldminenunternehmen bei der Achtung der Anforderungen der OECD-Leitlinien zur Sorgfaltspflicht für die verantwortungsvolle Beschaffung von Mineralien aus Konfliktzonen. 

Das Siegel kann jedoch nicht garantieren, dass die Goldförderung umweltschonend vonstattengegangen ist. Außerdem gibt es keine weitere Sicherheit für die Achtung von Menschenrechten fernab eines bewaffneten Konfliktes. Deshalb ist die Garantie des Siegels sehr begrenzt. 

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Trotz Siegel bleiben Probleme bestehen

Siegel bleiben freiwilliger Natur. Unternehmen und Minen sind rechtlich nicht verpflichtet, sich zertifizieren zu lassen.

Eine weitere Herausforderung für Unternehmen besteht darin, sicherzustellen, dass „faires“ Gold während des Raffinierungsprozesses von anderem Gold getrennt wird und bleibt. In der Regel mischen Raffinerien Gold aus mehreren Quellen, wenn sie es verarbeiten. Viele weigern sich gegen die „getrennte“ Verarbeitung, da diese normalerweise kostspieliger ist. Manche Raffinerien sind jedoch bereit, gegen einen gewissen Aufpreis, Gold für die Verarbeitung zu trennen.

DNA-Rückverfolgung

Es ist heute möglich, Gold zu kaufen, dessen Herkunft mit einer DNA-Markierungstechnik belegt werden kann. Das abgebaute Gold wird so noch vor Ort, in der Mine, mit einem DNA-Marker besprüht. 

Recyceltes Gold

Gold ist eine natürlich erneuerbare Ressource. Das bedeutet, dass es immer wieder eingeschmolzen und recycelt werden kann, ohne jemals seine Reinheit oder seinen Wert im Laufe der Zeit zu verlieren. 

Gold scheint auch das Edelmetall zu sein, das am konsequentes recycelt wird. Grund dafür ist wohl sein wirtschaftlicher Wert. Nach Angaben des World Gold Council macht recyceltes Gold etwa ein Drittel des gesamten weltweiten Goldangebots aus. Schmuck, Goldbarren und Münzen machen etwa 90 Prozent des recycelten Post-Consumer-Goldes aus. Die anderen zehn Prozent stammen aus Elektronik und Mobiltelefonen. 

Viele Unternehmen und Schmucklabels handeln heute ausschließlich mit Sekundärgold. Das Label Maren Jewellery bezieht ihr recyceltes Gold beispielsweise von C. Hafner, einer deutschen Gold- und Silberscheideanstalt. 

Die Verwendung von recyceltem Gold kann dazu beitragen, Menschenrechtsrisiken und Umweltschäden zu vermeiden, sofern Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nachgehen. Denn auch recyceltes Gold ist nicht ganz risikofrei, da es zur Geldwäsche verwendet werden kann, beziehungsweise fälschlicherweise als recycelt gekennzeichnet ist. Neben dem Altmaterial, können so auch Herstellungsabfälle von Raffinerien oder Schmuckunternehmen als zulässiges Material für recyceltes Gold bezeichnet werden. 

Es gibt viele Gründe nur noch recycelten Goldschmuck zu tragen – von Menschenrechtsverletzungen, über Umweltschäden bis hin zur Kinderarbeit. Es schont wertvolle Ressourcen und verbraucht weniger CO2.

Recycling ist super, aber…

Das Problem bei Gold ist, dass dessen Abbau oft unabhängig davon stattfindet, wie viel recyceltes Gold in Schmuck fließt. Das Edelmetall ist schlichtweg zu wertvoll und wird vermutlich trotzdem jemandes Mühe wert sein, es abzubauen. 

Gold ist für viele Menschen eine Investition. Alleine in Deutschland lagern Privatpersonen beispielsweise fast 9.000 Tonnen Feingold, egal ob zu Hause, in Bankschließfächern oder Tresoren. Außerdem lagert die deutsche Bundesbank mehr als 3.000 Tonnen an Gold. Obwohl Deutschland nur knapp ein Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, entspricht dies zusammengerechnet etwa sieben Prozent des weltweit vorhandenen Goldes. Und stetig wird mehr gekauft. 

Die Nachfrage im Finanz- und Investmentsektor lag immer schon hoch. Denn Gold verhält sich wie eine Währung. Sein Wert steigt oder fällt aufgrund unserer Wirtschaftslage, nicht aufgrund der Anzahl an Schmuck, der verkauft oder recycelt wird. Letztes Jahr lag die Gesamtnachfrage für Gold im Investmentsektor bei knapp 47 Prozent und im Zentralbankensektor bei etwas mehr als sieben Prozent. Zum Vergleich: Die Gesamtnachfrage im Schmucksektor lag bei knapp 37 Prozent. 

Gold kann also eine wichtige Investitionsabsicherung sein. Wenn der Aktienmarkt schwankt oder die Volkswirtschaften kurz vor der Rezession stehen, wenden sich viele Menschen Gold zu.

Der Wirtschaftsmarkt beeinflusst auch das Angebot an recyceltem Gold. Wirtschaftskrisen können das Recycling fördern. Wenn Finanzkrisen auftreten, wenden sich viele Menschen Gold als liquidem Vermögenswert zu, um Bargeld zu beschaffen. Die globale Finanzkrise in 2008/2009 hatte größere Auswirkungen und erhöhte das globale Recycling um 25 Prozent

Das Angebot an recyceltem Gold nimmt mit der Zeit stetig zu. Langfristig wächst es jährlich um vier Prozent, was teilweise auf den gestiegenen Schmuckkonsum zurückzuführen ist.

Was könnte das deutsche Lieferkettengesetz bewirken?

Das deutsche Label Christ ist mit über 2.000 Mitarbeiter:innen eines der größten Schmuck- und Uhrenunternehmen Deutschlands. Neben den eigenen Designs, vertreibt es auch zahlreiche andere Brands und kommt so zu einem Jahresumsatz von knapp 400 Millionen Euro. 

Nach aktuellem Entwurf, würde das Gesetz erst ab 2024 für das Unternehmen gelten. Außerdem ist die Sorgfaltspflicht nur auf direkte Zulieferer beschränkt. Das sind oftmals Raffinerien, Banken, Scheideanstalten oder andere Zwischenhändler. Jedoch finden die meisten Menschenrechtsverletzungen vor Ort, in den Minen, statt. Auch umfasst das aktuelle Gesetz nicht die zahlreichen Umweltschäden vor Ort, sofern sich diese nicht unmittelbar auf Menschen auswirken.

Hier würde das Lieferkettengesetz nach aktuellem Entwurf also wenig bewirken und müsste stark verschärft werden, um Arbeiter:innen vor Ort zu schützen. 

Worauf du beim Schmuckkauf achten solltest

Beim Goldschmuckkauf ist es wichtig, auf die Zertifizierungen zu achten. Vor allem die Fairmined- und Fairtrade-Siegel gewährleisten neben der Achtung der Menschenrechte auch eine umweltfreundliche Förderung.

Vor dem Kauf lohnt es sich auch, bei Unternehmen nachzufragen, woher sie das Gold beziehen. Die internationale Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch hat 2018 ihre Forschungsergebnisse zur Gold- und Diamantenförderung veröffentlicht. In diesem zeigt sie klar auf, dass viele Unternehmen teilweise nicht bereit sind ihre Lieferanten offenzulegen – darunter auch der deutsche Schmuckkonzern Christ. Je mehr Kund:innen nachfragen, umso mehr entsteht Druck, Informationen öffentlich preiszugeben.

Außerdem findet sich recyceltes Gold en masse und viele Schmuckunternehmen arbeiten mittlerweile damit. Dies schont wertvolle Ressourcen. Bei Folkdays und dem White Label Project findest du beispielsweise Labels, die ihren Schmuck ausschließlich mit recyceltem Gold herstellen.

Achtest du beim Schmuckkauf auf Siegel oder recyceltes Gold? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

Collage: © Vreni Jäckle

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