Wie nachhaltig ist EcoVero?

Immer wieder tauchen neue, nachhaltige Textilien und Verfahren in der Textilherstellung auf. Ein solches Textil ist EcoVero.

Es ist eine Lupe zu sehen, in der ein Kleidungsstück auf EcoVero zu sehen ist, es geht um die Frage, die nachhaltig Ecovero und Viskose sein können

Immer wieder tauchen neue, nachhaltige Textilien und Verfahren in der Textilherstellung auf. Ein solches Textil ist EcoVero. In diesem Beitrag erkläre ich, was EcoVero ist und wieso sich bei der Bewertung der Nachhaltigkeit ein zweiter, kritischer Blick lohnt.

„EcoVero ist total nachhaltig.“

EvoVero ist die Antwort der Firma Lenzing aus Österreich auf den Versuch die Herstellung der Viskose umweltbewusst zu gestalten.

 

Welche Fasern gibt es? Schaubild: Franziska Uhl

Es kommt auf das Verfahren an

Viskose gehört zu der Fasergruppe der regenerativen Cellulosefasern. Das bedeutet, dass wir von einer Chemiefaser auf der Basis eines natürlichen Rohstoffes sprechen. Meistens ist dieser Rohstoff Buche, Eukalyptus oder Bambus, also Holz. Das Holz wird dann in einem chemischen Verfahren gelöst, zu Fäden versponnen und verfestigt.

Genau dieses chemische Verfahren ist bei Viskose alles andere als umweltbewusst, wie ihr in folgendem Schaubild ganz gut erkennen könnt.

Welche Chemikalien braucht es eigentlich, bis Viskose entstehen kann? Schaubild: Franziska Uhl

Welche Rolle spielen Abwasserschutzgesetze?

Die Herstellung von Viskose ist vor allem kritisch, wenn sie in einem Land mit nicht existenten Abwasserschutzgesetzen hergestellt wird. Mit EcoVero hat Lenzing ein Viskoseverfahren entwickelt, dass Holz aus lokalem, kontrolliert ökologischem Anbau verwendet. Es ist ein umweltbewussteres, chemisches Verfahren, dessen Abwasseraufbereitung optimiert wurde. Lenzing sagt, dass die Herstellung im Vergleich zur konventionellen Viskoseherstellung 50 Prozent weniger Emissionen und Wasserbelastung erzeugt.

Die Bewertung der Nachhaltigkeit ist komplex

Es ist also relativ komplex EcoVero bezüglich der Nachhaltigkeit zu beurteilen. Natürlich wurde der Herstellungsprozess optimiert. Verglichen aber mit dem Herstellungsprozess der Faser Lyocell, die auch auf Holz basiert, ist dieser immer noch sehr intensiv im Chemikalien- und Wasserverbrauch. Gehen wir jetzt weiter und vergleichen EcoVero beispielsweise mit Baumwolle, ist der Wasserverbrauch von EcoVero beziehungsweise Viskose allgemein mehr als 20-mal so gering. Das Spiel müsste man jetzt mit allen prozess- und ressourcentechnologischen Faktoren spielen und könnte am Ende nur schätzen, was am besten und grünsten ist. Denn wir haben aktuell nur den Herstellungsprozess betrachtet.

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Die Eigenschaften von Viskose

Was ist eigentlich mit den Eigenschaften des Materials an sich? Da muss man ganz klar sagen: Die Eigenschaften von Viskose sind nur mäßig. Vielleicht ist dem*der ein oder anderen schon einmal aufgefallen, wie schwer ein Viskose-Shirt wird, wenn man es wäscht oder dass Unterwäsche aus Viskose schnell die Form verliert. Wenn man Viskose häufig wäscht und Reibung aussetzt, neigt sie außerdem dazu, zu pillen (mit “pillen” ist das Entstehen von  kleinen Knötchen gemeint, die durch Reibung an der Stoffoberfläche entstehen).

Historisch ist es so, dass im Laufe der Jahre Fasern wie Modal und dann auch Lyocell entwickelt wurden, um Textilien mit besseren Eigenschaften als Viskose zu haben. Bezogen auf ihre Gebrauchseigenschaften, ist Viskose also nicht sehr nachhaltig, weil die eher mäßigen Eigenschaften die Nutzungsdauer verringern. Und eine kurze Nutzungsdauer ist alles andere als nachhaltig. Da liegt es natürlich auch an den Konsument*innen, ob sie das EcoVero gewissenhaft pflegen, um keinen schnellen Verschleiß des bereits nicht ganz so robusten Textils zu provozieren.

2 Antworten auf „Wie nachhaltig ist EcoVero?“

Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für diesen informativen Artikel!
Ich würde mich gerne noch ein bißchen weiterbilden. Habt ihr die Quellen des Artikels, zum noch mal nachlesen?

Ganz liebe Grüße und weiter so
Greta

Liebe Greta,
toll, dass dir der Artikel weitergeholfen hat. Leider arbeitet die Autorin des Artikels, Franzi Uhl, mittlerweile nicht mehr in unserer Redaktion, sodass wir die Quellen von ihr leider nicht weitergeben können.
Wir können gerne aber einmal bei unserer neuen Textilexpertin anfragen, ob sie noch gute Quellen zu dem Thema kennt.

Liebe Grüße,
Jana

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