14 Fair-Fashion-Labels, die inklusiv und divers denken

Mode lebt durch Exklusivität. Zumindest glaubte man dies noch bis vor einigen Jahren. Dabei haben sich die Zeiten längst geändert. Auch durch den massiven Erfolge von Fast Fashion. Mode, die vorher nur auf den Laufstegen dieser Welt zu bewundern war, findet auf einmal zahlreiche Abnehmer*innen. Trends werden auf der Straße gemacht und nicht von oben diktiert.

Menschen wollen sich ausdrücken mit ihrem Style. Und nicht nur die, die in der Modebranche tätig sind, sondern viele, die einfach Lust am Experimentieren und Zusammenstellen haben. Deswegen ist es schön zu sehen, wie auch die faire Modeszene immer weiter wächst. Neue, innovative Fair-Fashion-Labels zum Vorschein kommen und guter Stil schon längst nicht mehr die Ausnahme ist. Und doch stellen wir immer wieder fest, dass, so fair die faire Modebranche auch sein mag, Fairness nicht für alle möglich zu sein scheint.

Wir finden es ist an der Zeit Mode nicht mehr nur von äußeren Gegebenheiten abhängig zu machen. Wir wünschen uns, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen sich fair und modisch in tollen Fair-Fashion-Labels zu kleiden. Deswegen möchten wir euch heute Brands vorstellen, die inklusiv und divers sind und wissen, dass Mode nicht bei Kleidergröße 36 anfängt und bei 40 aufhört.

And Comfort

“We believe in better clothing.” Zeitlose Teile in Größe 10 – 28 (Größe 40 – 58)! Leider ist das Fair-Fashion-Label in den USA ansässig. Sie liefern aber auch nach Deutschland (Tipp: Entweder mitbringen lassen oder gemeinsam bestellen!)  In ihrem Blog stellen sie außerdem selbst inspirierende Frauen vor, die oftmals in der Presse eher untergehen. So sieht gelebtes Empowerment aus!

© And Comfort

Ooia

Ooia ist kein klassisches Label, denn Ooia stellt vornehmlich Periodenunterwäsche her. Wie bitte? Ja, richtig gehört. Slips, die du tragen kannst während du deine Periode hast. Das ist nicht nur besonders nachhaltig (bye bye Tampons!), sondern auch super bequem. Dabei ist das Label von Anfang an besonders bedacht darauf gewesen möglichst inklusiv zu sein. Das zeigt sich nicht nur in ihrer Größenauswahl (32 – 54), sondern auch in ihrer Kommunikation, in der zum Beispiel von Menstruierenden die Rede ist.
Vielleicht kennst du das Label auch noch unter seinem alten Name ooshi.

dariadéh

Dariadéh ist das Fair-Fashion-Label von Madeleine Alizadeh, Podcasterin, Aktivistin und Influencerin. Auch, wenn sie als kleines Label geringere Stückzahlen umsetzt, war es ihr von Anfang an wichtig auch möglichst inklusive Größen zu führen. Dass das nicht immer leicht und mit einem hohen Aufwand verbunden ist, gibt sie offen zu und spricht auf ihren Instagram-Kanälen über das sensible Thema. Wir finden es super, dass sie versucht alles mitzudenken und immer wieder auch daran schraubt große Größen anzubieten. Zudem sind die meisten Teile der Kollektion Unisex, was ebenfalls super begrüßenswert ist. Viele der Stücke bekommt man in den Größen XS – XXL.

© Maximilian Salzer für dariadéh

Hackwith Design House

“Leider” auch in den USA ansässig und damit etwas schwerer für das europäische Festland zu erreichen. Sie beliefern aber auch international. Das Label zeigt erfrischende Styles, die generell in den Größen XS – XL zu bekommen sind. Die Kampagnenbilder werden immer an unterschiedlichen Models mit unterschiedlichen Körpergrößen, Hautfarben und vermeintlichen Makeln (zum Beispiel Narben) geshootet. Außerdem hat das Label noch eine gesamte Kollektion für große Größen. Dafür haben sie eine eigene Größentabelle die von +1 bis +4 gestaltet ist. Auch das ist ein besonders inklusiver Ansatz. Die Bademode gibt es generell in allen Größen! Hut ab für so viel Mitdenken.

© Hackwith Design House

Womom

Womom ist ein Label von Frauen für Frauen aus München. Womom möchte, dass alle Frauen sich großartig fühlen können – egal, ob als Mutter oder Nicht-Mutter. Mutterschaft führt in der Modeindustrie jedoch oft dazu, dass Frauen separiert werden. Es gibt dann “Maternity”-Linien und Frauenkollektionen. Dabei sind Mütter doch auch immer noch Frauen. Womom kreiert deswegen inspirierende Prints auf T-Shirts und Sweatern, die empowern und/oder mit einem Augenzwinkern Mutterschaft in das derzeitige Jahrhundert holen. Dabei bieten sie eine Größenauswahl von XS bis XXL an und drucken lokal auf Fairtrade-Bio-Baumwoll-Produkte. Just how we like it!

© Womom

Fashion Changers - Das Buch

Lara Intimates

Lara Intimates ist ein Lingerie-Label aus England. Sie arbeiten mit Stoffen, die von anderen Unterwäsche-Labels weltweit nicht mehr verwertet und deswegen entsorgt werden würden. In ihren Schnitten achten sie darauf so wenig Stoff wie möglich zu verschwenden. Sie produzieren die Teile in ihrem eigenen Studio und können deswegen 100 Prozent faire Arbeitsbedingungen garantieren. Die Höschen gibt es von Größe XS – XL. Die BH-Größen sind weitaus inklusiver. Hier reicht die Größenauswahl bis zum I-Cup.

© Lara Intimates

Auf Augenhöhe

Auf Augenhöhe macht Mode für kleinwüchsige Menschen. Mode bedeutet auch immer gesellschaftliche Zugehörigkeit. Für viele Menschen mit Behinderung eine Schwierigkeit im Alltag, da sie für ihre Körper nur ein sehr begrenztes Angebot finden. Menschen mit Kleinwuchs müssen dann zum Beispiel auf die Kinderabteilung ausweichen, die in vielen Fällen natürlich nicht die Mode bietet, die man als erwachsene Person gerne tragen möchte. Auf Augenhöhe nehmen mit ihrer Arbeit damit auch eine politische Komponente ein. Sie kämpfen für eine gleichberechtigte Modewelt und wollen mit ihren Stücken auf Ausgrenzung und Benachteiligung aufmerksam machen. Produziert wird lokal in Berlin, fair mit vertrauensvollen Partner*innen und ressourcenschonend, weil on-demand gefertigt wird.

© Auf Augenhöhe

Van der nag

Van der nag ist ein Independent Label aus Berlin. Sie wollen die Mode demokratisieren. Soll heißen Van der nag möchte zeigen, dass Frauen mit großen Größen nicht auf Style verzichten müssen und dabei auch nicht tiefer in die Tasche greifen müssen als eine Frau mit einer Norm-Größe. Und das dann auch alles noch in fair und nachhaltig. Sehr ambitioniert und dabei so schön umgesetzt! Das Label hat einen recht minimalistischen Ansatz. Eine klare Designsprache unterstreicht die Schönheit ihrer Stücke. Van der nag produziert in Größe 42 – 54.

© Van der nag

Elizabeth Suzann

Ebenfalls ein aus den USA kommendes Fair-Fashion-Label, das weltweit liefert. Das Label arbeitet sehr transparent. Auf der Website findet man eine Übersicht über die eingesetzten Textilien, woher sie kommen, wie sie gemacht werden und wie lange sie brauchen, um biologisch abgebaut zu werden – allesamt Naturmaterialien. Ein spannender Ansatz! Die reguläre Kollektion gibt es in der Size-Range von XXS – XL. Außerdem gibt es einige Teile in großen Größen, ebenfalls in einem eigenen Größensystem, bis Größe OS Plus 3.

© Elizabeth Suzann

What Lydia Made

What Lydia Made war bereits unser Fashion Changer of the Month im Januar, weil ihre Kreationen so begeistern. Lydia fertigt on-demand Unterwäsche in allen Größen an. Ein handgefertigtes Set gibt es dabei für ca. 85 Euro. Die Designerin selbst setzt sich außerdem für Bodypositivity und Frauen-Empowerment ein. Ihre Stücke empowern auf jeden Fall ungemein. Mit ihrer Arbeit möchte sie bewusst einen Gegenpol zu gängigen Fast-Fashion-Angeboten schaffen.

© What Lydia Made

Phylyda

Phylyda hat es sich zum Ziel gemacht allen Frauen in Bademode ein Wohlfühlgefühl zu geben. Bademode ist sicherlich noch immer eines der sensibelsten Thema beim Kleiderkauf. Viele Frauen haben ihre ganz eigenen, schmerzhaften Momente damit. Phylyda schafft es Stücke zu kreieren, die diese Ängste nehmen und (zumindest anteilig) ein gutes Körpergefühl zurückgeben. Alles ist frei kombinierbar und in Lingeriegrößen angefertigt, was eine viel höhere Flexibilität in der Passform schafft. Durch die langjährige Erfahrung der Gründerin Lydia Maurer in großen Designhäusern bekommen die Stücke einen besonders ästhetischen Anspruch. Einziger Wermutstropfen: Die Produktion ist zwar fair, die Stoffe leider nicht alle nachhaltig bzw. nur Oeko-Tex zertifiziert.

© Steven Kohlstock für Phylyda

esthétique

Esthétique ist ein nachhaltiges Label aus Duisburg. Hier stehen Menschen mit Behinderung als Models vor der Kamera, und spielen auch hinter den Kulissen eine große Rolle bei der Entstehung der Kollektionen. Denn die Designs sind von den Zeichnungen be*hinderter Menschen inspiriert und alle Kleidungsstücke werden in der Schneiderei der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hergestellt.
Was Schade ist: Das Label ist zwar in seiner Arbeitsweise sehr inklusiv, jedoch werden die Kleidungsstücke nur bis Größe 42 angeboten. Hier geht noch mehr!

© esthtétique

Richert Beil

Wenn Menschen Mode kaufen, sollten sie sich nicht schon beim Kauf in Kategorien wie Größe und Geschlecht einordnen müssen. Das war der Gedanke von Jale Richert und Michele Beil, als sie ihr eigenes Label Richert Beil gründeten. Neben dem Genderless Gedanken war ihnen zudem wichtig, dass sich die Menschen in ihrer Kleidung wirklich wohlfühlen. Die Models, die die Kleidungsstücke von Richert Beil präsentieren sind – neben professionellen Models – oft Personen, die die beiden Gründer*innen irgendwo kennengelernt haben und sofort schön fanden. So sieht man in ihrem Lookbook nicht nur “klassische Schönheiten” sondern zum Beispiel auch ältere Personen, die sonst selten in Lookbooks oder auf Laufstegen auftauchen. Die Kleidung wird unter fairen Bedingungen in Europa produziert. Allerdings könnte das Label im Bereich Nachhaltigkeit noch transparenter sein.

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Birdsong London

Birdsong ist ein nachhaltiges und faires Label aus London, das coole Shirts mit bestickten Statements (Unser Liebling: “Dress in Protest”) und luftige Röcke und Kleider herstellt. Alle Shirts findet man in den Größen XS- XXXL, die übrigen Teile in den Größen UK 6-UK 24, was ungefähr unseren Größen 32-50 entspricht. Was besonders schön ist: Das Label zahlt allen Menschen (darunter viele Frauen), die für sie arbeiten – egal ob sie nähen, drucken, stricken oder verpacken – einen fairen Lohn. Verpackt werden die Bestellungen von “Mail Out”, wo Menschen mit Lernschwierigkeiten unterstützt werden und arbeiten.
Auch in Sachen Transparenz tut sich Birdsong positiv hervor: Auf der Website kann man nachlesen, wer unter welchen Bedingungen für das Label arbeitet, welche Materialien verwendet werden und dass die Bilder nach eigenen Angaben nicht mit Photoshop bearbeitet sind.

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Weitere Fair-Fashion-Labels, bei denen man auch größere Größen findet:

Hessnatur (bis Größe 48)

Grüne Erde (bis Größe 46)

Merijula (bis Größe XXL)

Waschbär (bis Größe 52 mit der Linie enna plus)

Trigema (bis Größe 5XL)

Mass Natur (bis Größe 46)

Loud Bodies (XXS bis Größe 7XL)

Son de Flor (XXS bis Größe XXL)

Kids of the diaspora (bis Größe XXL)

Habt ihr noch weitere Lieblings-Labels, die inklusiv handeln und kreieren?

Titelbild & Vorschaubilder: © Elizabeth Suzann – Womom – And Comfort – Auf Augenhöhe – Dariadéh – Phylyda

Im nächsten Leben wird Jana Motivationsrednerin und Politikerin. Jetzt schreibt sie als freie Journalistin am liebsten über feministische Themen, Nachhaltigkeit und Politik. Jana hatte als einzige Fashion Changers Co-Gründerin nie wirklich einen Modeblog, dafür aber ein feministisches Online-Magazin namens Not Another Woman. Sie bespielt seit 2015 leidenschaftlich alle möglichen Formen von Medien - vom Podcast bis hin zur Insta Story. Jana glaubt an Echtheit, Community-Power und die Macht der eigenen Stimme. Und möchte möglichst viele dazu inspirieren, diese auch zu nutzen. #fashionispolitical

2 Kommentare

  • lisbeth
    17/02/2019
    reply

    NiCHT UNBEDINGT AUF DIESES pOSTING BEZOGEN, aber ich bin begeistert von eurem projekt! vielen Dank für eure tolle arbeit hier und die spannenden und inspirierenden artikel! es freut mich so sehr, dass fair fashion nicht mehr ganz so sehr eine nischenangelegenheit ist, sondern auf dem aufstrebenden ast – auch dank unermündlichem einsatz von tollen frauen wie euch.

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