14 nachhaltige Modelabels, die von BPoC geführt werden

Wir stellen vierzehn Modelabels vor, die nachhaltig arbeiten und black-owned sind oder von POC geführt werden.

Dass Rassismus strukturell ist und alle Bereiche unserer Gesellschaft betrifft, sollte uns mittlerweile klar sein. Rassistische Strukturen, Denkmuster, Vorurteile oder institutionalisierter Rassismus führen in der Modebranche zum Beispiel dazu, dass weiße Modedesigner*innen häufig sehr präsent sind, während es von Rassismus betroffene Designer*innen oft schwer haben, sichtbar zu sein. Auch im Bereich von nachhaltigerer Mode gibt es immer wieder die Annahme, dass es wenig Modelabels gibt, die black-owned sind oder von POC (People of Color) geführt werden. Dabei entdecken wir insbesondere bei BPOC geführten Modelabels häufig besonders viele nachhaltige Praktiken: von besonderen Stickereien über Upcycling bis zum Auflebenlassen von Kunsthandwerk und dem Berücksichtigen einer sozialen Nachhaltigkeit. Vierzehn von ihnen stellen wir hier vor.

Dennis Schuene

Dennis Schuene entwirft nicht nur, sondern näht auch alle Teile selbst an zwei Nähmaschinen. Die Berliner Fashion Brand fokussiert sich auf Mode als Handwerk, mit hohem Anspruch an Detail und Individualität. Da macht es nur Sinn, dass auch Upcycling eine große Rolle spielt. So arbeitet er zum Beispiel auch mit der japanischen Verziertechnik Sashiko oder anderen handgestickten Details, die seinen Kollektionsteilen einen besonderen Look geben. Wer nun Mode erwartet, die nur auf dem Laufsteg getragen wird, liegt jedoch falsch. Der in Südafrika geborene Designer betont: „Die Produkte, die ich kreiere, sind da um lange zu halten und getragen zu werden!“

 

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Buki Akomolafe

Designerin Buki Akomolafe verbindet in ihrem gleichnamigen Label klassisch westafrikanische Wax-Print-Stoffe mit hochwertigen ökologischen Materialien. Bekannt ist sie vor allem für ihre aufwendig gequilteten und wendbaren Teile aus Wax-Print-Stoffen. Neben den gequilteten Teilen fertigt sie in ihrem Atelier in Berlin schlichte und trotzdem besondere Kleidungsstücke aus einfarbigen Stoffen. Um zu vermeiden, dass zu viele Teile produziert und am Ende nicht verkauft werden, fertigt sie viele aufwendigere Teile nur auf Bestellung.

Etuk

Genderneutralität, Upcycling und Nachhaltigkeit – wie sich das vereinen lässt, zeigt Etuk. Das 2022 gegründete Modelabel wurde von den Brüdern Kurt und Ben Etuk ins Leben gerufen, die in Kamerun geboren sind und nun die nachhaltige Modeszene in Düsseldorf aufmischen. In ihren Designs verbinden sie klassische Schnitte und Muster mit Vintage-Denimstoffen und sportlichen Elementen. Alle Kleidungsstücke werden in Düsseldorf gefertigt. Dass außerdem genderneutral designt sind, wirkt bei Etuk wie ein angenehm selbstverständlicher Teil der Marke.

 

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Kids of the Diaspora

Über das Wiener Label Kids of the Diaspora gibt es viel zu erzählen. Vielleicht muss mensch damit anfangen, dass das Label nicht nur Mode entwirft, sondern zuerst als Kollektiv durchgestartet ist. Die Gründerin Leni Charles fing eigentlich mit einem Awareness-Projekt an, um mehr Aufmerksamkeit für das Thema Diaspora zu schaffen und Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu vernetzen.

Das Shirt mit der Aufschrift „Kid of the Diaspora”, das Teil der Aktion war, kam gut an und so entwarf sie zusammen mit ihrer Schwester Cherellone eine ganze Kollektion. Die Kleidung der beiden ist unisex, fair produziert und soll empowernd und inklusiv sein. Vor allem Menschen, die sich unterrepräsentiert fühlen und zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder sexuellen Orientierung marginalisiert werden, sollen in Kids of the Diaspora Verbündete finden.

e!nyani

Hinter dem Hamburger Slow Fashion Label e!nyani steht Edna Fosuaa Nyantakyi. Das Markenzeichen von e!nyani sind die bunten und verspielten Designs, die für Freiheit, Identitätssuche und -findung sowie Kulturclash stehen.
Alle Teile werden im Hamburger Atelier von Edna selbst angefertigt. Dafür arbeitet die staatlich geprüfte Modedesignerin größtenteils mit Stoffresten von anderen Designer*innen oder aus dem Großhandel. Auch aus den eigenen Verschnittresten entstehen neue Produkte, wie Kosmetiktaschen, Kissenbefüllungen oder Handtaschen. E!nyani bietet neben ready-to-wear auch Maßanfertigung an, sodass Kund*innen ihre Kleidung individuell mitgestalten können.

Aliya Wanek

Aliya Wanek bietet bequem-lässige und stilvolle Kleidung. Hinter dem 2016 gegründeten US-Modelabel steht Aliya Wanek, die, wenn sie die Kleidungstücke nicht selbst näht, mit zwei kleinen Fabriken und lokalen Auftragnehmern in der San Francisco Bay Area zusammen arbeitet. Viele der Kleidungsstücke sind aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Im Mittelpunkt von Aliyas Arbeit in der Modebranche steht das Bedürfnis, Schwarze Frauen zu repräsentieren und keine Schönheitsideale zu bedienen. Aliya ist außerdem Gründungsmitglied der „In Todo Craft Fair“, einem in Los Angeles ansässigem Messeformat, das Handwerkskunst von BIPoCs-Kreativen in den Bereichen Mode, Kunst, Essen, Beauty und Home sichtbarer machen will.

 

 

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Amaluna Studio

Upcycling, Empowerment und Selbstbewusstsein gehören für die junge Modemarke Amaluna Studio zu ihren Kernwerten. Kleidung sollte sich Individuen anpassen, nicht anders herum, sagt Gründerin Ama. Diese Einstellung zeigt sich in Design und Bildsprache. Neben Upcycling Fashion bietet Amaluma auch Interior-Objekte, Accessoires und Workshops an. So können Kund*innen also auch selbst ins Upcycling einsteigen und beispielsweise ihre eigene Tote-Bag herstellen. Werden Produkte nicht verkauft, werden sie erneut geupcycelt. 

Meriem Lebdiri

Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu schlagen ist eines der Ziele von Designerin Meriem Lebdiri. Mit ihrem gleichnamigen Fashion Label bietet sie Modest Fashion an, die auch international viel Beachtung finden. In ihren Designs treffen klare Linien auf fließende Stoffe und es entstehen zeitlose und dennoch besondere Kollektionsteile, die sich nicht an Trends orientieren, sondern ihre ganz eigene Sprache sprechen. Qualität und Langlebigkeit sind der Designerin mit algerischen Wurzeln wichtig und so werden überwiegend nachhaltigere Stoffe eingesetzt und in Deutschland produziert.

 

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Daniela Salazar

Das Berliner Label Daniela Salazar setzt auf minimalistisches und zeitloses Design. Bei der Produktion verwendet Designerin Daniela Salazar ökologische Stoffe sowie Überschussware von europäischen Herstellern, gefertigt werden alle Kleidungsstücke in Berlin. Durch die lokale Produktion ist es auch möglich nach Bedarf zu produzieren und auf Qualität statt Quantität zu achten. So entsteht elegante Mode, die lange hält und gut aussieht.

Wear your mask

Das Berliner Label wearyourmask wurde 2015 von der italienisch-nigerianischen Designerin Diana Ejait gegründet. Dass die Designerin Erfahrungen im Bereich Textildesign und Illustration hat, sieht man sofort, denn die Kleidung des Labels fällt vor allem durch die tollen großflächigen Prints auf. Im Gegensatz dazu sind die Schnitte schlicht und einfach und die Farben gedeckt.  Der Name des ethisch produzierenden Modelabels kommt übrigens daher, dass Diana Ejait sich vor allem von Kulturen inspirieren lässt, in denen Masken eine wichtige Rolle spielen.

Protsaah

Protsaah wurde 2015 von Saloni Duggal Shrestha mit der Idee gegründet, mit Kunsthandwerkgemeinschaften in Konfliktgebieten zusammenzuarbeiten. Inzwischen kooperiert das Schweizer Label mit Kunsthandwerker*innen in Afghanistan, Burkina Faso, Kaschmir, Ruanda und Tibet sowie mit Projekten für syrische Geflüchtete. Die Design- und Produktideen von Prootsah werden dann mit den regional verfügbaren Materialien von den Menschen vor Ort in Handarbeit hergestellt.

So entstehen beispielsweise im indischen Kaschmir gewebte Schals aus Paschminawolle. Interior wie bunte Körbe werden von der Kodukoru-Kooperative in Ruanda aus Sisal und Süssgras hergestellt. Für die Lhasa-Schmuckkollektion wird konfliktfreies Sterling Silber aus Tibet und Gold aus Indien verwendet. Die Rebijou-Kollektion besteht aus komplett recyceltem Sterling Silber und Gold, welches – wie die natürlichen, konfliktfreien Halbedelsteine – aus dem indischen Jaipur bezogen und dort verarbeitet werden. Für die Schmuck-Kollektionen gibt es zudem ein Reparatur- und Rücknahme-Programm.

© PR, Protsaah

Sisters of Afrika

Sisters of Afrika wurde 2013 von den Schwestern Hélène und Jeanne Diouf aus Dakar ins Leben gerufen. Die Schwester sind mit dem Ziel angetreten, moderne Schnitte und lokale Produktion auf dem afrikanischen Kontinent zu verbinden. Die Kleidungsstücke werden von lokalen Kunsthandwerker*innen im westafrikanischen Senegal hergestellt, denen das Modelabel so zum wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen möchte. Im Mittelpunkt der Kollektionen stehen die Maxikleider, Jumpsuits und Hosen im traditionellen Knüpfbatik-Look. Spätestens nachdem Beyoncé eines der Kleider trug, ist Sisters of Afrika auch über den afrikanischen Kontinent hinaus bekannt. Die Schwestern haben inzwischen nicht nur Läden in Niger, Malo, Gabun, Burkina Faso und der Elfenbeinküste, sondern auch einen Online-Shop mit weltweitem Versand. Auf Wunsch können die Teile kostenfrei gekürzt werden.

 

 

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Emeka

Das Berliner Label Emeka zeigt, wie ein kreativer Umgang mit Textilmüll möglich ist und solidarische Arbeit wirklich aussehen kann. Gründer Sydney Nwakanma hat uns im Interview erzählt, wie der wachsende Export von Kleidung in den globalen Süden viele Textilmärkte kaputt macht – die importierten Waren sind meist günstiger sind als die Schneiderei nebenan. In Kenia arbeitet er nun mit einem kleinen Team zusammen und setzt auf das Pre-Order-Modell. Im Sortiment befinden sich momentan Bucket Hats, Sakkos, Jacken und komplette Anzüge. Jedes Teil ist dabei ein absolutes Unikat – vieles ist nach dem ersten Drop immer sofort ausverkauft.

(c) Foli Creppy

Yemzi

Bei dem nachhaltigen Londoner Luxus-Label Yemzi gibt es nur wenige Kleidungsstücke. Diese sind dafür umso sorgfältiger produziert. Die Designerin Elizabeth-Yemi Akingbade machte 2013 ihren Abschluss an der berühmten University of The Arts London und gründete kurz darauf ihr eigenes Label. Sie benutzt ausschließlich recycelte oder aus Naturfasern bestehende Materialien.

Hauptmerkmal ihrer Kollektionen sind aber vor allem die aufwendigen Digitalprints, mit denen sie jedes Teil bedruckt. Zudem ist ihr Empowerment von Frauen sehr wichtig. Deshalb beschäftigt sie, wann immer es geht, Näherinnen mit marginalisiertem Hintergrund oder Diskriminierungserfahrung und gibt nebenher noch Designworkshops für junge Mädchen.

 

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Dieser Artikel wurde erstmalig 2020 veröffentlicht. Aktualisierung 2022, 2023 und 2024.

Titelbild (c) Foli Creppy

 

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