9 nachhaltige Modelabels, die von BIPoC geführt werden

Wir stellen neun nachhaltige Labels vor, die von BIPoC geführt werden.

Vier Frauen tragen die Mode von BIPOC geführten Fair Fashion Labels

Dass Rassismus strukturell ist und alle Bereiche unserer Gesellschaft betrifft, sollte uns mittlerweile  klar sein. Rassistische Strukturen und Denkmuster führen zum Beispiel dazu, dass uns oft nur weiße Personen oder Gründer*innen einfallen, wenn wir an nachhaltige und faire Mode denken. Tatsächlich gibt es aber viele nachhaltige und faire Modelabels, die von BIPoC („Black, Indigenous, People of Color”) geführt werden. Eine kleine Auswahl an Labels, deren Produkte ihr auch problemlos in Deutschland bestellen könnt, haben wir hier für euch zusammengestellt.

Kids of the Diaspora

Über das Wiener Label Kids of the Diaspora gibt es viel zu erzählen. Vielleicht muss mensch damit anfangen, dass das Label nicht nur Mode entwirft, sondern zuerst als Kollektiv durchgestartet ist. Die Gründerin Leni Charles fing eigentlich mit einem Awareness-Projekt an, um mehr Aufmerksamkeit für das Thema Diaspora zu schaffen und Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu vernetzen.

Das Shirt mit der Aufschrift „Kid of the Diaspora”, das Teil der Aktion war, kam gut an und so entwarf sie zusammen mit ihrer Schwester Cherellone eine ganze Kollektion. Die Kleidung der beiden ist unisex, fair produziert und soll empowernd und inklusiv sein. Vor allem Menschen, die sich unterrepräsentiert fühlen und zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder sexuellen Orientierung marginalisiert werden, sollen in Kids of the Diaspora Verbündete finden.

Protsaah

Protsaah wurde 2015 von Saloni Duggal Shrestha mit der Idee gegründet, mit Kunsthandwerkgemeinschaften in Konfliktgebieten zusammenzuarbeiten. Inzwischen kooperiert das Schweizer Label mit Kunsthandwerker*innen in Afghanistan, Burkina Faso, Kaschmir, Ruanda und Tibet sowie mit Projekten für syrische Geflüchtete. Die Design- und Produktideen von Prootsah werden dann mit den regional verfügbaren Materialien von den Menschen vor Ort in Handarbeit hergestellt.

So entstehen beispielsweise im indischen Kaschmir gewebte Schals aus Paschminawolle. Interior wie bunte Körbe werden von der Kodukoru-Kooperative in Ruanda aus Sisal und Süssgras hergestellt. Für die Lhasa-Schmuckkollektion wird konfliktfreies Sterling Silber aus Tibet und Gold aus Indien verwendet. Die Rebijou-Kollektion besteht aus komplett recyceltem Sterling Silber und Gold, welches – wie die natürlichen, konfliktfreien Halbedelsteine – aus dem indischen Jaipur bezogen und dort verarbeitet werden. Für die Schmuck-Kollektionen gibt es zudem ein Reparatur- und Rücknahme-Programm.

© PR, Protsaah

Daniela Salazar

Das Berliner Label Daniela Salazar setzt auf minimalistisches und zeitloses Design. Bei der Produktion verwendet Designerin Daniela Salazar ökologische Stoffe sowie Überschussware von europäischen Herstellern, gefertigt werden alle Kleidungsstücke in Berlin. Durch die lokale Produktion ist es auch möglich nach Bedarf zu produzieren und auf Qualität statt Quantität zu achten. So entsteht elegante Mode, die lange hält und gut aussieht.

Yoga Konga

Um auch beim Yoga gut auszusehen, ist man mit Yoga Konga gut beraten. Die Gründerin Isa Konga ist schon lange von Yoga fasziniert, vor allem von kemetic Yoga, das seine Ursprünge im alten Ägypten hat. Für die Produktion ihrer Yoga-Bekleidung hat sie sich für “Bio-Bambus” entschieden. Die Stoffe kommen, nach eigenen Angaben, von einem Produzenten, der die Viskose aus Bambus in einem geschlossenen Kreislauf herstellt, damit die nicht-toxischen Lösungen wiederverwendet können und die toxischen Stoffe herausgefiltert werden.

Den schönen blauen Print bekommen die Teile durch traditionell westafrikanische Batikfärbung per Hand mit lokal angebautem Indigo. So ergibt sich eine Färbung, die bei jedem Teil einzigartig ist.

© PR, Yoga Konga

Wear your mask

Das Berliner Label wearyourmask wurde 2015 von der italienisch-nigerianischen Designerin Diana Ejait gegründet. Dass die Designerin Erfahrungen im Bereich Textildesign und Illustration hat, sieht man sofort, denn die Kleidung des Labels fällt vor allem durch die tollen großflächigen Prints auf. Im Gegensatz dazu sind die Schnitte schlicht und einfach und die Farben gedeckt.  Der Name des ethisch produzierenden Modelabels kommt übrigens daher, dass Diana Ejait sich vor allem von Kulturen inspirieren lässt, in denen Masken eine wichtige Rolle spielen.

Emeka Suits

Das Berliner Label Emeka Suits zeigt, wie ein kreativer Umgang mit Textilmüll möglich ist und solidarische Arbeit wirklich aussehen kann. Gründer Sydney Nwakanma hat uns im Interview erzählt, wie der wachsende Export von Kleidung in den globalen Süden viele Textilmärkte kaputt macht – die importierten Waren sind meist günstiger sind als die Schneiderei nebenan. In Kenia arbeitet er nun mit einem kleinen Team zusammen und setzt auf das Pre-Order-Modell. Im Sortiment befinden sich momentan Bucket Hats, Sakkos, Jacken und komplette Anzüge. Jedes Teil ist dabei ein absolutes Unikat – vieles ist nach dem ersten Drop immer sofort ausverkauft. 

Yemzi

Bei dem nachhaltigen Londoner Luxus-Label Yemzi gibt es nur wenige Kleidungsstücke. Diese sind dafür umso sorgfältiger produziert. Die Designerin Elizabeth-Yemi Akingbade machte 2013 ihren Abschluss an der berühmten University of The Arts London und gründete kurz darauf ihr eigenes Label. Sie benutzt ausschließlich recycelte oder aus Naturfasern bestehende Materialien.

Hauptmerkmal ihrer Kollektionen sind aber vor allem die aufwendigen Digitalprints, mit denen sie jedes Teil bedruckt. Zudem ist ihr Empowerment von Frauen sehr wichtig. Deshalb beschäftigt sie, wann immer es geht, Näherinnen mit marginalisiertem Hintergrund oder Diskriminierungserfahrung und gibt nebenher noch Designworkshops für junge Mädchen.

Buki Akomolafe

Designerin Buki Akomolafe verbindet in ihrem gleichnamigen Label klassisch westafrikanische Wax-Print-Stoffe mit hochwertigen ökologischen Materialien. Bekannt ist sie vor allem für ihre aufwendig gequilteten und wendbaren Teile aus Wax-Print-Stoffen. Neben den gequilteten Teilen fertigt sie in ihrem Atelier in Berlin schlichte und trotzdem besondere Kleidungsstücke aus einfarbigen Stoffen. Um zu vermeiden, dass zu viele Teile produziert und am Ende nicht verkauft werden, fertigt sie viele aufwendigere Teile nur auf Bestellung.

© PR, Buki Akomolafe

frankie&lou

Zeitlose Damen- und Kindermode findet man bei dem nachhaltigen und fairen Mainzer Modelabel frankie & lou. Die Idee der Gründerin Arleny Stegmaier ist es, die Schnelllebigkeit von Mode auszubremsen. Deshalb findet man bei ihr keine Kleidungsstücke, die dem aktuellsten Trend folgen, sondern schöne Teile, die über mehrere Jahre mit Freude getragen werden können.

Da Kinder schneller wachsen, als Kleidung kaputtgehen kann, geht frankie&lou in Sachen Nachhaltigkeit noch einen Schritt weiter. Auf der Website bietet das Label einen Weitergabe-Service für gut erhaltene Teile an, die den eigenen Kindern zu klein geworden sind, aber zu schade zum Wegwerfen sind.

© PR, frankie&lou

Kennt ihr noch andere nachhaltige Labels, die von BIPoC geführt werden? 

Dieser Artikel wurde erstmalig 2020 von Philine Niethammer geschrieben. Aktualisierung 2022. 

 

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