„Aus europäischen Altkleidern schneidern wir stylische Anzüge.“

Das Label Emeka Suits zeigt, wie ein kreativer Umgang mit Textilmüll möglich ist und solidarische Arbeit wirklich aussehen kann.

Sydney Nwakanma, der Gründer von Emeka, ist in der Mitte der Bildes zu sehen, sie stellen Anzüge aus Altkleidern her

Deutschland ist neben Italien Spitzenreiter in Sachen Textilmüll. Ganze 391.752 Tonnen Altkleider werden jedes Jahr in Deutschland entsorgt. Das sind 4,7 Kilogramm pro Person. Jede:r von uns wirft also fast fünf Kilo Kleidung einfach weg. Das meiste davon wird entweder deponiert oder ins Ausland exportiert, meist in Länder des Globalen Südens.

Dort landen die unbeschreiblich großen Mengen an Textilmüll auf Märkten, wo sie weiterverkauft werden – oder dann in diesen Ländern auf der Deponie enden. Sydney Nwakanma wollte diesem traurigen Lebenszyklus nicht weiter zu schauen. Er fragte sich deswegen, wie einerseits wertvolle Textilien vor der Deponie bewahrt werden können. Und andererseits auch die Menschen vor Ort wirklich von unseren verschwendeten Ressourcen profitieren. Denn Fakt ist: Der wachsende Export von Kleidung macht viele ursprünglichen Textilmärkte kaputt, da die importierten Waren meist günstiger sind als die Schneiderei nebenan. So auch in Kenia, wo die Idee für Emeka Suits ihren Anfang nimmt.

Wo europäische Altkleider wirklich landen: auf Deponien im globalen Süden. © Sydney Nwakanma

Warum braucht es eine Fashion Brand wie Emeka?

Sydney Nwakanma: Wir benötigen Ideen und Visionen, die Nachhaltigkeit zu Ende denken. Das bedeutet, dass wir uns sowohl mit der Produktion als auch der Entsorgung unserer Produkte auseinandersetzen müssen, um ernsthaft Nachhaltigkeit zu betreiben. Brands wie Emeka helfen dabei den Gedanken der Kreislaufwirtschaft greifbarer zu machen und letztendlich Kulturgüter zu schaffen, die uns inspirieren, umzudenken.

Warum ist Textilmüll so ein großes Problem?

Jede Art von Müll ist ein Problem. Müll bedeutet, dass wir unsere Produkte nicht effizient genug designt haben und somit Überschüsse produzieren, die am Ende Umwelt und Menschen stark schädigen. Zudem ist den wenigsten Leuten bekannt, dass ein Großteil ihres Textilmülls in Afrika landet. Dort gibt es kein geeignetes Müllmanagement und somit enden Berge an europäischen Altkleidern auf riesigen Müllhalden und verschmutzen die Umwelt.

Wie sieht die Arbeit des Labels vor Ort aus?

Was in Europa in der Altkleidersammlung landet, wird in Afrika auf sogenannten „Mitumba“ Märkten weiterverkauft. Wir sammeln auf diesen Märkten Textilien, die sich wiederverwerten lassen und stellen daraus neue Kleidungsstücke her. Meistens sind das Vorhänge. Dabei arbeiten wir mit Schneider:innen in ländlichen Teilen Kenias zusammen, um direkt vor Ort Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

Wäre dieser Ansatz auch für andere Labels umsetzbar?

Ich denke, jedes Label kann sich tiefer mit seiner Nachhaltigkeit und Produktionsweise auseinandersetzen. Nachhaltigkeit ist ein breites Spektrum und ich denke, je eher wir uns in Richtung Kreislaufwirtschaft bewegen, desto besser. Wie genau das für andere Brands aussehen kann, muss jede Brand selbst herausfinden. Es ist ein Prozess, der für viele nicht einfach sein wird, aber letztendlich für uns alle notwendig ist.

Du warst Anfang des Jahres in Kenia, um die nächste Kollektion zu produzieren. Wie erlebst du die Arbeit vor Ort?

Vor einigen Wochen war ich auf dem Mitumba Markt hier in Kenia. Ich habe Vorhänge bei „Mama Emanuel“ gekauft. Sie nennt sich ganz einfach so, weil sie die Mama von ihrem Sohn „Emanuel“ ist. Wir haben über den Preis eines schönen Samtvorhangs verhandelt. Ich habe mich überzeugen lassen, ihr einen guten Preis zu zahlen. Als ich ihr das Geld in die Hand drückte, lächelte sie zufrieden und sagte: „Thank you! You just paid for Emanuels School fees this month.“ (Anm. d. Red.: „Danke! Du hast gerade die Schulgebühren Emanuels für diesen Monat bezahlt.“) Wir freuten uns beide. Mir sind die Auswirkungen dieses Projektes noch nie so direkt bewusst geworden. Wie krass, dachte ich auf meinem Weg nach Hause, jemand geht diesen Monat zur Schule wegen Emeka. In dem Moment war ich sehr dankbar und erfüllt.

Sydney zaubert mit seinen Schneider:innen vor Ort echte Schmuckstücke. © Sydney Nwakanma
In dieser Schneiderei entstehen die Kollektionsstücke, die für 59 Euro bis 390 Euro in Deutschland verkauft werden. © Sydney Nwakanma

Sydney, vielen Dank für diesen Einblick in deine Arbeit.

 

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Emeka Suits

Das Berliner Label setzt auf Pre-Order und kleine Kollektionen. Im Sortiment befinden sich momentan Bucket Hats, Sakkos, Jacken und komplette Anzüge. Jedes Teil ist dabei ein absolutes Unikat. Vieles ist nach dem ersten Drop immer sofort ausverkauft. Von der aktuellen Kollektion „Urban Gardener“ gibt es nur noch einige, wenige Teile.

 

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