Ab sofort läuft’s rund: Ist die Kreislaufwirtschaft unsere Rettung?

In Anbetracht der ökologischen Krise wird immer deutlicher, wie umfangreich die Auswirkungen der Textilindustrie für uns Menschen, die Ressourcen und das Klima sind. Da stellt sich die Frage, ob wir überhaupt nachhaltig konsumieren können. Ist die Kreislaufwirtschaft vielleicht unsere Rettung?

In Anbetracht der ökologischen Krise wird immer deutlicher, wie umfangreich die Auswirkungen der Textilindustrie für uns Menschen, die Ressourcen und das Klima sind. So stellt sich mir öfter die Frage: Kann ich überhaupt nachhaltig konsumieren? Gleichzeitig etabliert sich die Kreislaufwirtschaft langsam in der Mitte unserer Konsumgesellschaft. Immer häufiger sehe ich Werbungen wie “Gemeinsam können wir den Kreislauf schließen!” oder “Hergestellt aus recycelten Flaschen”. Dieses neue, rosige Konzept scheint geradezu perfekt. Es verspricht: Wie gewohnt konsumieren, aber eben nachhaltiger. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? 

Um das System der Kreislaufwirtschaft besser zu verstehen, betrachten wir zunächst einmal das derzeit dominierende Wirtschaftsmodell: die Linearwirtschaft. Dies ist die „klassische“ Form des Wirtschaftens und existiert seit Beginn der Industrialisierung. Dieses System ist auf einmaligen Konsum und hohen Profit ausgerichtet (Hallo Fast Fashion!) und steht im starken Gegensatz zu den endlichen Ressourcen der Erde. Es geht davon aus, dass Ressourcen nach der Produktion in den Handel gelangen, dort von Verbraucher:innen erworben und anschließend auf einer Deponie entsorgt werden. Durch hohe westliche Konsumstandards und eine immer größer werdende Mittelklasse, die diese Standards anstrebt, stößt das System zunehmend an seine Grenzen

© Frederike Bartzsch

Als Gegenbeispiel basiert das Prinzip der Kreislaufwirtschaft auf dem Ziel, Materialien und Ressourcen möglichst lange und effizient zu nutzen und sie nach Gebrauch nicht zu entsorgen, sondern weiterzuverwenden. Demnach  werden Abfälle als Stoffe mit Wert betrachtet und dienen als Ressource. So können beispielsweise gebrauchte PET-Flaschen zu einem Polyesterstoff weiterverarbeitet oder geschredderte Fasern von Altkleidern als Dämmmaterial in der Bauindustrie weiterverwendet werden. 

Damit dieser zirkuläre Ansatz wirklich funktionieren kann, muss bereits im ersten Designzyklus bedacht werden, inwiefern das Produkt wiederverwendet werden kann.

© Frederike Bartzsch

Was bedeutet die Kreislaufwirtschaft für die Textilindustrie?

Die Kreislaufwirtschaft, wie oben abgebildet, umfasst alle Lebenszyklen eines textilen Produkts und bietet dadurch viele verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten und neue Industriezweige. Für Industrie und Konsumierende bedeutet dies allerdings auch: Es wird weiterhin viel produziert und konsumiert. Auf den ersten Blick scheint es, als wäre der eigentliche Gegensatz Nachhaltigkeit und Wachstum miteinander kombinierbar. Schauen wir uns dieses System aber genauer an, merken wir, dass es einige Schwachstellen hat.

In der Textilindustrie sprießen immer mehr neue Unternehmen aus dem Boden, die die Probleme unserer Zeit in Bezug auf Klima, Ressourcen und Konsum bewusst angehen. Auch große Player versuchen, ihr Wirtschaftssystem in kleinen Schritten umzustellen. Dies untermalt nicht nur die Dringlichkeit der Krise, sondern  auch, dass nachhaltige Konzepte für Konsumierende immer wichtiger werden. 

Wie können Unternehmen helfen, eine nachhaltige(re) Kreislaufwirtschaft zu gestalten?

Durch die Vielzahl der Möglichkeiten, die die Kreislaufwirtschaft bietet, gibt es auch verschiedene Schwerpunkte, die einzelne Unternehmen angehen. Ziemlich wichtig für eine nachhaltige Industrie sind aber die folgenden Punkte:

1. Neue Businessmodelle, die die Nutzung von Kleidung erhöhen

Die serviceorientierte Kreislaufwirtschaft bietet den Benutzer:innen neue Möglichkeiten, Kleidung zu konsumieren: Produkte müssen nicht mehr besessen werden, sondern können auch in Form einer Serviceleistung genutzt werden. Das holländische Label Mud Jeans bietet beispielsweise ein Leasingsystem an: Hier suchst du dir eine Jeans aus, die du monatlich bezahlst. Nach Ablauf der Leasingzeit kannst du dann entscheiden, ob du sie behalten oder gegen eine neue tauschen möchtest. Gibst du die Jeans zurück, wird aus der alten Jeans ein neues Produkt gestaltet, welches wiederum dem Leasing-Kreislauf hinzugefügt wird. Reparaturarbeiten sind fest im Geschäftsmodell verankert und für Kund:innen kostenlos. Bei diesem Geschäftsmodell steht also nicht das Besitztum der Jeans im Vordergrund, sondern vielmehr der Gebrauch der Jeans. 

© Frederike Bartzsch

2. Gebrauch von sicheren und wiederverwendbaren Materialien 

Langlebigkeit von Materialien ist ein Schlüsselelement der Kreislaufwirtschaft. Dieser wichtige Prozess beginnt im Design bei der Auswahl der Materialien. Im besten Fall, beinhaltet das Endprodukt keine Mischfasern und wurde ohne den Einsatz von schädlichen Chemikalien hergestellt (Hemkhaus).

Langlebigkeit umfasst auch den Prozess der Wiederverwendung: beispielsweise, wenn Besitzer:innen Kleidung spenden, weiterverkaufen oder in Altkleidercontainer geben. Der Secondhandmarkt boomt, jedoch größtenteils nur für Markenkleidung, da diese einen höheren Wiederverkaufswert hat und hält.. Der Wiederverkauf beinhaltet das Sammeln, Sortieren und Verkaufen der Kleidung. Die dafür aufgebrachte Energie liegt zehn bis 20 Prozent unter dem Aufwand für die Produktion eines neuen Kleidungsstücks.

3. Lösungen, um gebrauchte Kleidung in neue umzuwandeln

Was machen wir bloß mit den Tonnen an Altkleidern? Recycling ist wahrscheinlich der größte Faktor in der Kreislaufwirtschaft. Pro Jahr fallen in Deutschland circa 1,35 Millionen Tonnen gebrauchte Textilien und Schuhe an. Davon wird rund eine Million Tonnen recycelt. Durch die Corona-Pandemie sind diese Zahlen noch mal in die Höhe geschossen, da viele Menschen die Zeit nutzen, um ihren Hausstand auszusortieren.

Recycling von Textilien aus Misch- und Naturfasern ist bisher eher schwierig. Das liegt daran, dass die Eigenschaften der einzelnen Materialien so verschieden sind. Es gibt schon einige Unternehmen, die an Lösungen für Recyclebarkeit von Mischfasern arbeiten. Bis diese Verfahren industriell anwendbar sind, bleibt der Recyclingprozess komplex. Baumwolle wird  zum Beispiel in kleinste Fasern geschreddert und dann, durch die Zugabe neuer Fasern, zu einem neuen Garn versponnen. Polyester hingegen wird eher in einem chemischen Prozess aufgeschmolzen.

Allein dieser Vergleich zeigt, wie schwierig  der Recyclingprozess sein kann. Fast Fashion erschwert diesen Prozess zunehmend, da  der Großteil der Kleidung aus Mischfasern besteht. Außerdem wünschen sich immer mehr Kund:innen Produkte mit speziellen Eigenschaften: Die Kleidung muss atmungsaktiv, wasserabweisend, hautfreundlich, reflektierend oder gefärbt sein. Die Liste ist lang. Daher werden textile Flächen im Entstehungsprozess oft mit Chemikalien behandelt. Durch diesen Vorgang jedoch erfüllen sie die  Vorgaben für die Kompostierung nicht. Dadurch bleibt oft nur noch die Möglichkeit sie am Lebenszyklusende zu verbrennen – und das sind pro Sekunde gerade etwa eine LKW-Ladung voller Kleidung. 

Es bieten sich also viele Möglichkeiten an, die Kreislaufwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und das derzeitige System umzustellen. Wo jedoch die Tücken des Systems liegen, erkläre ich im nächsten Absatz.

Kreislaufwirtschaft? Ja, aber… 

Produkte unendlich lange zu konsumieren und weiterzuverarbeiten klingt im ersten Moment echt vielversprechend. Aber was muss passieren, damit dieser Gedanke möglich ist? Die Kosten hierfür sind nämlich auf den ersten Blick für uns nicht sichtbar. Wenn Kleidung in Containern gesammelt wird, muss diese im Anschluss in eine Sammelzentrale gebracht werden, und wird dort von Fachpersonal nach bestimmten Anforderungen vorsortiert.

Die eigentliche Sortierung passiert dann häufig in Osteuropa, da die Lohnkosten dort niedriger sind. Die sortierte Kleidung wird danach in A-, B- und C-Ware klassifiziert. Die A-Ware kommt zurück nach Westeuropa und wird in Secondhandshops verkauft, die B-Ware wird in Osteuropa verkauft und der Großteil, die C-Ware, macht sich auf den Weg nach Afrika. Die Auswirkungen unserer Altkleider auf den hiesigen Markt sind verheerend und tragen zur Zerstörung des kulturellen textilen Erbes vor Ort bei. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der uns oft nicht bewusst ist. 

Was muss passieren, damit wir einen richtigen Wandel erreichen?

Am Ende des Tages ist es eben doch noch das, was es ist: die KreislaufWIRTSCHAFT. Also ein Modell, das profit- und konsumorientiert funktioniert. Bruggeman kritisiert, dass „Circularity“ derzeit als Lösung für den verschwenderischen Zeitgeist unserer Gesellschaft verstanden wird und zu einem schuldfreien Gewissen des Konsumierenden führt, da immer mehr Kleidung als unendlich recyclebar proklamiert wird. Die eigentliche Problematik liegt jedoch im Überkonsum

Das System in dem wir gerade leben, wurde über Jahrzehnte aufgebaut. Es kann also nicht von heute auf morgen verändert werden.  Folgende Schritte sind wichtig für einen dringend benötigten Wandel:

  • Das Bewusstsein von Konsumierenden fördern: Wie viel Kleidung ist notwendig? Hier spielt die Aufklärung an Lehrinstituten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eine wichtige Rolle. 
  • Unternehmen zur Verantwortung ziehen: So machen es beispielsweise Frankreich mit dem  Lieferkettengesetz und die UK mit dem Anti Slavery Act. In Deutschland fehlt eine einheitliche Regulierung seitens des Staates, die hoffentlich bald durch das kommende Lieferkettengesetz eintritt. 

Zudem dürfen wir  nicht vergessen, dass der zirkuläre Ansatz eine stark eurozentrische Prägung hat. Der Großteil der Produktion findet jedoch in Ländern des globalen Südens statt. Diese Produktion wird durch Fremdkapital und Fremdinvestierungen durch den globalen Norden gesteuert und reguliert. Es existieren also starke Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, die es vor allem jetzt zu hinterfragen gilt.

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Kreislaufwirtschaft etablieren und alle Probleme sind gelöst?

Obwohl die Idee der Kreislaufwirtschaft viel Beachtung findet, ist sie in vielen Branchen mit Massenproduktion momentan mehr Vision als Realität. Laut Adelphi liegt dies vor allem daran, dass es für eine Umstellung vom linearen auf das zirkuläre Wirtschaften eines ganzheitlichen Paradigmenwechsels bedarf. Dieser entsteht leider nicht mal eben“. Der Systemwandel kann nur erfolgen, wenn sowohl Unternehmen, als auch wir als Gesellschaft zusammenarbeiten und uns diesem Paradigmenwechsel unterziehen. 

Damit kommen wir sofort zu einem weiteren Knackpunkt: Trotz aller ideeller Bestreben dürfen wir nicht vergessen, dass für den Konsum nachhaltiger Brands und Aneignung des Fachwissens sowohl monetäre als auch zeitliche Faktoren eine große Rolle spielen. Wir genießen das Privileg, uns mit diesen Themen auseinandersetzen zu dürfen. Können wir deswegen Menschen verurteilen, die diese Kapazitäten nicht aufbringen können?

In meinen Augen ist Bildung der Schlüssel zu einem Wandel. Derzeit wird  viel zu wenig über die Problematik von Textilien und Konsum gesprochen, und gleichzeitig fehlt es an positiven (Vor-)Bildern, die es überall bereits gibt. Viel eher wird medial ein Negativbild der Textilindustrie aufrechterhalten. So kommt es schnell zu Aussagen wie: „Ach, es macht doch keinen Unterschied, ob ich Fast Fashion oder Fair Fashion kaufe. Das eine ist halt billiger, als das andere.”. Genau hier liegt ein weiteres großes Problem der Textilindustrie, der westlichen Gesellschaft und des kapitalistischen Systems: Fehlende Bildung, Frustration und ein kaputtes System, das um jeden Preis am Leben gehalten wird. 

Fehlende Bildung?

Das Negativbild der Textilindustrie macht sich auch in meinem Alltag bemerkbar. Im Rahmen meines Textilstudiums war ich beispielsweise in Bangladesch, um Produktionsstätten zu besichtigen. Wenn ich anderen von dieser Erfahrung erzähle, kommen fast nur Fragen wie: “… und, ist es wirklich so schlimm in diesen Produktionsstätten? Wie viele Kinder haben da gearbeitet?”

Diese Fragen würden nicht so gestellt werden, wenn ausschließlich verzerrte Bilder von furchtbaren Produktionsstätten im Globalen Süden aufrechterhalten würden und die Lösung das resignierte Achselzucken ist, das mit der Aussage endet „Ach, es macht doch keinen Unterschied, ob ich Fast Fashion oder Fair Fashion kaufe. Das eine ist halt billiger als das andere”.

Denn es gibt Gegenbeispiele, vor allem im asiatischen Raum, die zeigen, dass eine faire und nachhaltigere Produktion möglich ist.

Die Kreislaufwirtschaft bietet gute und sinnvolle Ansätze für einen Wandel. Gleichzeitig müssen wir sowohl unseren Umgang mit Ressourcen als auch unser Kaufverhalten grundsätzlich verändern. Der Wandel von der Linearwirtschaft müsste also hin zu einem System, dass nicht nur monetäre Werte einbezieht, sondern eben auch soziale, kulturelle und ethische.

Eine globale Verkettung und gemeinschaftliche Veränderung der Textil- und Bekleidungsindustrie ist also notwendig, wenn die massiven sozial-ökologischen Auswirkungen verändert und eine zirkuläre und nachhaltigere Wirtschaft geschaffen werden sollen. Und diese Veränderung ist nunmal auch ein Kreislauf: Wir sind alle ein Teil davon. Trotzdem bin ich der Meinung, dass nicht die gesamte Verantwortung bei den Konsumierenden liegt, sondern dem System geschuldet ist, in dem wir uns bewegen. 

Was können wir als Einzelpersonen machen?

Wenn ich an das derzeitige kaputte System denke, fühle ich mich nicht nur als Textildesignerin ohnmächtig, sondern auch als Konsumentin. Wo soll ich  anfangen? Kann ich überhaupt richtig und guten Gewissens konsumieren? Was kann ich als Einzelperson konkret machen, um die Lebensdauer meiner Kleidung so nachhaltig und langlebig wie möglich zu gestalten?

Wenn wir den textilen Kreislauf betrachten, dann sehen wir viele verschiedene Kategorien. Übersetzen wir diese von Industrie zu Individuum, ergeben sich sofort viele Möglichkeiten, die auch Einzelpersonen ermutigen, den persönlichen Konsum auf nachhaltige Weise umzustellen. 

Du tätigst bewusste Kaufentscheidungen, achtest auf die verarbeiteten Materialien? Super! Du hinterfragst Massenproduktion und schaust nach nachhaltigen Alternativen? Nice! Du reparierst deine Kleidung? Tauschst ungeliebte Stücke mit Freund:innen oder verkaufst sie weiter? Entsorgst deine Altkleider ordnungsgemäß? Läuft doch!

Step by Step zu einem nachhaltigen & zirkulären Kleiderschrank

  1. Achtsam mit Kleidung umgehen (richtig waschen und pflegen, reparieren, et cetera)
  2. Vor dem Kauf hinterfragen: Brauche ich dieses Kleidungsstück wirklich? Wird es mich lange begleiten und mir Freude bereiten? 
  3. Kleine Labels unterstützen, die visionäre Ansätze verfolgen
  4. Beim Kauf auf Material achten (zum Beispiel Monomaterialien)
  5. Aussortierte Kleidung nicht in Container werfen, sondern bei lokalen, gemeinnützigen Sammelstellen abgeben (Obdachlosenhilfe, Frauenhäuser)
  6. Mit Freund:innen, Familie und Bekannten über Kleidungskonsum sprechen und Erfahrungen austauschen
  7. Sich ins Thema einlesen, Firmen anschreiben und nachfragen

Was denkt ihr? Ist die Kreislaufwirtschaft unsere Rettung?

Collage: © Vreni Jäckle

„RECYCELTE POLYESTERFASERN IN DER BEKLEIDUNGSINDUSTRIE“

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Quellen:

Bruggeman, Daniëlle. 2018. Dissolving the Ego of Fashion. Engaging with Human Matters. ArtEZ Press. 

Bundeszentrale für politische Bildung. 2020a. „Kreislaufwirtschaft“. 

Ditty, Sarah, Orsola De Castro, und Heather Knight. 2017. Loved Clothes Last. Fashion Revolution Zine. London. 

Cobbing, Madeleine, und Yannik Vicaire. 2017a. „Fashion at the Crossroads“. Hamburg: Greenpeace. 

Ellen Mac Arthur Foundation. 2021. „Fashion and the Circular Economy“. UK.

Fletcher, Kate. 2013. Sustainable fashion and textiles: design journeys. Routledge. 

Hemkhaus, Morton, Jürgen Hannak, Peter Malodobry, Tim Janßen, Nora Griefahn, und Christina Linke. 2019. „Circular Economy in the Textile Sector“. Studie. Berlin: German Federal Ministry for Economic Corporation and Development. 

Korolkow, Julia. 2014. „Konsum, Bedarf und Wiederverwendung von Bekleidung und Textilien in Deutschland“. Aachen: RWTH Aachen, Institut für Aufbereitung und Recycling. 

Mud Jeans. 2018. „MUD Jeans Sustainability Report“. Netherlands. 

Umweltbundesamt. 2020. „Abfall- und Kreislaufwirtschaft“. Umweltbundesamt. 

Wilts, Claas Henning, und Nadja von Gries. 2017. „Der schwere Weg zur Kreislaufwirtschaft“. 

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4 Antworten auf „Ab sofort läuft’s rund: Ist die Kreislaufwirtschaft unsere Rettung?“

Hey Stefan, danke für dein Feedback. Magst du deine Sicht zur Kreislaufwirtschaft im Bezug auf Textilien teilen? Liebe Grüße, Frederike

Ich sehe eine ganz große Chance darin, dass Kleidung wieder den Wert bekommt, der ihr zusteht: Sie ist ein wertvolles Produkt, das in einem langwierigen aufwendigen Prozess hergestellt wurde. Es steckt sehr viel Know How darin, diese vielen Prozessschritte optimal zu gestalten und zu koordinieren. Ich mache hier gerne folgenden Vergleich: Gib jemandem einen Sack voll Weizenähren und lass ihn ein Brot backen – mit einiger Mühe wird er etwas hinbekommen, was man durchaus essen kann. Gib ihm einen Sack voll Baumwolle und sag ihm, er soll ein T-Shirt oder eine Hose daraus machen. Er wird es kaum hinbekommen, da ihm eine ganze Menge an Maschinen, Geräten, Hilfsmitteln und Know How fehlt.
Sowohl das Brot als auch die Kleidung sind Grundbedürfnisse des Menschen. Das Brot wird als Nahrungsmittel wertgeschätzt, die Kleidung als „eitle Nichtigkeit“ betrachtet, sie ist etwas äußerliches, oberflächliches – „intelligente“ Leute setzen sich damit gar nicht auseinander und dennoch müssen sie irgendetwas anziehen! Und hier beginnt das Problem: Kleidung ist etwas öffentliches, wir zeigen damit, wer wir sind – die Frage, was man zu einem bestimmten Anlass anziehen soll, kann jeden zur Verzweiflung bringen!
„Intelligente“ Leute sollten sich also sehr gut überlegen, was sie anziehen. Aus meiner Sicht wäre das Kleidung, die eine hohe Qualität hat, lange hält und mich gut aussehen lässt – womöglich wurde sie sogar speziell für mich und meine Bedürfnisse (und Maße) angefertigt! Dann ist sie bestimmt sehr teuer – und dadurch wertvoll. Ich werde sie sicher nicht leichtfertig entsorgen, sondern reparieren (lassen) so lange es geht.
Womit wir beim Preis sind: Die Globalisierung ist nichts anderes als eine Form der Kolonialisierung und damit ein System der Ausbeutung der Armen, die in Abhängigkeiten von den Kolonialmächten feststecken. Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist deshalb in Billiglohnländer abgewandert, weil wir dort zu günstigeren Preisen produzieren können. Warum sind die Preise dort günstiger? Weil der Lebensstandard niedriger ist. Wenn man kritisiert, dass Näherinnen in Osteuropa nur einen Bruchteil dessen verdienen, was sie hier verdienen würden, wird oft argumentiert, dass dort ja alles billiger ist und sie dort ja einfacher leben. Ja, genau! Sie leben einfacher. Dort besitzt nicht fast jede Familie zwei Autos und fährt nicht jedes Jahr zwei Mal in den Urlaub. Wir können uns deshalb die zwei Autos und Urlaube leisten, weil wir z.B. an der Kleidung sparen. Auch das Handy, das jeder Jugendliche besitzt, hätte er nicht, wenn es zu unseren Löhnen hergestellt worden wäre. Wir sparen auch an Lebensmitteln, die für uns von billigen Arbeitskräften geerntet werden, z.B. in Spanien oder bei uns durch Erntehelfer aus Osteuropa. Deren Armut wird sozusagen zu uns transferiert, damit wir davon profitieren können. Wir aber fordern für uns hohe Löhne – wir würden niemals zu diesen Löhnen Erdbeeren ernten oder einen 24-Stunden Pflegedienst bei alten Menschen machen. Das klingt alles ganz bestimmt nicht fair…
Zurück zur Kleidung: Würden wir wieder hier bei uns qualitativ hochwertige Kleidung herstellen, hätte diese sehr hohe Preise. Das würde automatisch den Überkonsum stoppen, da man sich einfach nicht mehr so viel leisten könnte. Man würde wieder lernen wollen, wie man einen Reißverschluss ersetzt oder Socken stopft. Mit selber nähen könnte man richtig Geld sparen!
Oft kommt an dieser Stelle das „Totschlag-Argument“: Ja, aber auch bei uns gibt es Menschen, die nicht viel Geld haben! Wie soll sich denn eine alleinerziehende Mutter Kleidung für ihre Kinder leisten können, wenn es das günstige Discounter-Angebot nicht mehr gibt? Und die Näherinnen in Bangladesh – sollen die denn jetzt alle arbeitslos werden?
Gegenargument: Dass die alleinerziehende Mutter so wenig Geld hat, liegt an unserem Sozialsystem. Es gibt keinen Grund, deshalb ärmere Länder auszubeuten. Dass die Näherin in Bangladesh arbeitslos wird, ist wohl Tatsache – aber ihr Arbeitsleben als Näherin war ohnehin bescheiden… vielleicht kann man ihr Leben auf ganz andere Weise verbessern, nicht dadurch, dass man sie für Hungerlohn in einer Näherei schuften lässt?

Liebe Elke, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Du führst viele verschiedene Beispiele für soziale Ungerechtigkeit auf. Diese stützen die These, dass sich das System in dem wir uns als (globale) Gesellschaft befinden verändern muss. Ich stimme dir zu, dass Kleidung wieder einen höheren Wert haben sollte. Dies muss in meinen Augen aber nicht, wie du beispielsweise vorschlägst, durch eine Rückkehr zur lokalen Produktion passieren, sondern viel mehr durch faire und transparente Lieferketten (hierzu spannend die derzeitige Debatte um das Lieferkettengesetz). Menschen zu klassifizieren („intelligente“ Menschen) empfinde ich als sehr problematisch. Viele Grüße, Frederike