Hallo Greenwashing! Wie Oceans Apart und Les Lunes uns hinters Licht führen

Aggressives Marketing und Rabattschlachten kombiniert mit nachhaltigen Versprechen – wie passt das zusammen? Wir haben mal hinter die Kulissen von Oceans Apart und Les Lunes geschaut.

Person macht Yoga in der Natur und trägt eine kurze creme-farbene Sporthose, ein weißes Oberteil und ein graues Stirnband

Seit ich bei Fashion Changers arbeite, fragen mich immer wieder Freund*innen, ob ich denn nicht einen Artikel über Sportbekleidung schreiben könnte. Immer wieder stolpern sie über Werbung für (vermeintlich) nachhaltige Yoga-Hosen, Leggings, Sport-BHs: Bekomme jetzt zwei Sets zum Preis von einem. Hol dir jetzt deinen Rabattcode und bekomme zusätzlich ein Set geschenkt. 

Sie sind skeptisch. Ein Blick auf die Webseite der vermeintlich grünen Sportbrands und ich sehe, was sie meinen. Es öffnen sich große Banner vor mir: Ich könne mich anmelden, um bei meiner ersten Bestellung einen sehr großzügigen Rabattcode zu bekommen oder an Gewinnspielen teilzunehmen, die mehrmals im Monat stattfinden. Auch fällt auf: Viele Brands setzen auf eine hohe Social-Media-Präsenz und Influencer-Marketing. Sogar nachhaltige(re) positionierte Influencer*innen machen Werbung für die Unternehmen. 

Ich bin verwirrt. Wie zahlt sich so etwas denn aus? 

Ich rede hier nicht etwa von Fabletics, die Fast-Fashion-Sportmarke von Kate Hudson, wo jeden Monat unzählige neue Styles hergestellt und zu einem unschlagbar günstigen Preis verkauft werden. (Mitglieder bekommen sogar zusätzliche Schnäppchen.) Ich rede auch nicht von Unternehmen wie My Protein, die Sportbekleidung, Fitnessriegel und Ernährungsergänzungsmittel mit einem Rabatt von bis zu 60 Prozent anbieten und einen Next-Day-Lieferservice.

Nein, ich rede hier von Brands wie Oceans Apart und Les Lunes, die sich als nachhaltig geben, das Business-Model von Fabletics jedoch quasi übernommen haben. Zugegeben, Les Lunes ist kein reines Sportswear-Label, aber es bietet auch zahlreiche Leggings und Bodysuits an.

Es ist kein Geheimnis: Athleisure boomt. McKinsey schätzt den globalen Wellnessmarkt auf mehr als 1,5 Billionen US-Dollar (ja, ihr habt richtig gelesen) mit einem jährlichen Wachstum von etwa fünf bis zehn Prozent. Das Business lohnt sich also. Gleichzeitig wird die Konkurrenz immer größer und dies erfordert – Kapitalismus sei Dank – Strategie und cleveres Marketing. 

Hinter den Kulissen Oceans Apart und Les Lunes

Oceans Apart gibt sich beispielsweise als moderne Sportswear-Brand aus, die nachhaltig und vegan ist. Wenn wir uns an die Definition von „vegan” halten, können wir die Behauptung der Marke sogar bestätigen, da sie keine tierischen Fasern verwendet. Dennoch ist dieses Argument eindeutig irreführend und ich bin es leid, dass sich Marken damit umweltbewusster und nachhaltiger geben, als sie es im Endeffekt sind. Polyester ist vegan, ja. Aber bitte hört auf, damit zu werben – das ist lächerlich.

Erst vor kurzem hat das Unternehmen „vegan und nachhaltig” aus seiner Social-Media-Bio rausgenommen. Ein Versuch, sich von den ursprünglichen Behauptungen zu distanzieren? Nein, meint Oceans Apart, nachdem es vom Funk-Format „offen un‘ ehrlich“ dafür kritisiert wurde. Sie hätten lediglich Platz gemacht für neue „wechselnde Themen und News”.

Manche kritisieren auch, dass das Label damit geworben hat, mit diversen Siegeln zertifiziert zu sein. Auf seiner Webseite erklärt es nun, dass dies „schlecht kommuniziert” wurde. Nur die Lieferanten seien zertifiziert, nicht das Label selbst.

Die Vermutung liegt nahe – das wurde doch absichtlich nicht kommuniziert, oder? Transparenz sieht anders aus. Immerhin, das Label entschuldigt sich und verspricht, es in Zukunft besser zu machen. Ich bin gespannt, aber auch skeptisch. Denn es gibt keine Informationen dazu, wie das Unternehmen es besser machen will. Klar, es will klimaneutral werden. Aber wie? Es arbeite mit Partner*innen zusammen, um seinen Footprint so gering wie möglich zu halten. Doch wie hat es das vor und mit welchen Partner*innen kooperiert es? Dieser Marketingdiskurs hört sich weiterhin stark nach Greenwashing an. Wann werden echte Maßnahmen ergriffen? Wann wollen sie denn beispielsweise klimaneutral werden?

Die Marke setzt ihre Hype-Kampagnen und Promo-Codes in Hülle und Fülle fort, und verkauft weiterhin minderwertige Kleidung, ohne sich wirklich für die Umwelt zu engagieren. Bio-Baumwolle, die sie für einige Produkte verwenden, reicht eben nicht aus. Oceans Apart wurde jedoch am 1. Juli 2021 von der Fair Wear Foundation als Mitglied aufgenommen. Vielleicht ein kleines Licht am Ende des Tunnels? 

Auch bei Les Lunes machen mich einige Dinge stutzig. Das Label wirbt mit Bambus-Viskose. Der Großteil von Bambus wird in China angebaut und kann durchaus nachhaltig sein: Er gehört zu der Familie der Gräser und wächst enorm schnell – der Weltrekord bei einer Bambus-Art liegt derzeit bei 91 Zentimeter pro Tag. Er benötigt außerdem keinen Dünger und nutzt die Energie der bestehenden Pflanze, um mehr Pflanzen zu produzieren und die Wurzelstruktur zu erweitern.

Das heißt jedoch nicht unbedingt, dass Bambus (immer) nachhaltig angebaut wird. Doch auch wenn Bambus keine Pestizide benötigt, gibt es keine Garantie dafür, dass diese nicht trotzdem zur Maximierung der Erträge verwendet werden. Außerdem werden in einigen Fällen riesige Waldstücke gerodet, um Platz für Bambusplantagen zu machen. 

Um Bambus-Viskose herzustellen, wird Zellulose durch den Einsatz von aggressiven Chemikalien aus der Pflanze extrahiert. Es wird dann durch eine Spinndüse geführt, damit sich die Stränge zu einer Faser verfestigen können. Zu den Chemikalien, die in diesem Prozess verwendet werden, gehören unter anderem Natriumhydroxid, Schwefelsäure und Schwefelkohlenstoff. Diese Chemikalien sind unglaublich schädlich für Lebewesen und die Umwelt.

Der Einsatz von Chemikalien in Fabriken wirkt sich auf Fabrikarbeiter*innen aus, verschmutzt die Luft und infiziert nahegelegene Wassersysteme. Hinzu kommt, dass beim Viskoseprozess je nach Fabrik Chemikalien wie Kohlendisulfat und Zinksulfat als Nebenprodukte freigesetzt werden. Beide Chemikalien sind hochgiftig für Organismen auf Wasserbasis. Wenn die Chemikalien nicht als Sondermüll entsorgt werden, werden sie in Wassersysteme gespült.

Les Lunes gibt nicht bekannt, wo es die Bambus-Viskose bezieht. Letztes Jahr schon hat die Influencerin Anina Gepp dem CEO ein paar Fragen gestellt. Seine Stellungnahme ist ernüchternd. Hier wird klar, warum das Label diese Information nicht preisgibt, denn es scheint selbst nicht so richtig zu wissen, mit wem es zusammenarbeitet: „Unser Lieferant ist der älteste und nach eigenen Angaben auch der professionellste Bambus-Verarbeiter in China. Für so eine große Firma, die auch viel Forschung betreibt, wäre es ruinös, wenn sie sich nicht an die chinesischen Vorgaben zum Umweltschutz halten würden. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass sie dagegen verstoßen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein Besuch vor Ort steht noch aus.” Ob der Besuch in der Zwischenzeit stattgefunden hat, ist unklar.

Ich suche nach Informationen, wie und wo hergestellt wird – vergeblich. Auf der Webseite finde ich ein Bild von Näherinnen, ohne weitere Auskunft. In der Zusatzinformation zu manchen Kleidungsstücken steht, dass sie in Europa beziehungsweise in China hergestellt werden. Wo genau und unter welchen Umständen, wird nicht kommuniziert. Das Ganze scheint mir zu performativ zu sein. 

Im Video-Gespräch mit „offen un‘ ehrlich“, meint der CEO Stefan Worthmann, dass das Unternehmen nicht nachhaltig sei und dass, wenn manche Influencer*innen dies behauptet hätten, es ein „Ausrutscher” gewesen wäre. Ich bin perplex. Das Label wirbt doch selbst damit auf seiner Webseite damit? Hier wird nach wie vor keine oder nur wenig Verantwortung übernommen. Kritik bekommen die Labels viel. Trotzdem boomt das Business. 

Seid ihr auch schon auf diese Masche von Oceans Apart und Les Lunes (oder einem anderen Label) reingefallen?

Titelbild © Oksana Taran via unsplash

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2 Antworten auf „Hallo Greenwashing! Wie Oceans Apart und Les Lunes uns hinters Licht führen“

Von les lunes, kann ich nur abraten. Mehrere Teile gekauft! Qualität wurde immer schlechter, Reklamationen werden ignoriert und oder man wird beschimpft

Hi Bina,
danke für deinen Kommentar. Das klingt echt dreist! Hast du doch noch eine Lösung gefunden und/oder konntest du schlussendlich die Kleidung zurückschicken und dein Geld zurückbekommen?
Liebe Grüße,
Medina