Hollywood und Fair Fashion: Der rote Teppich muss grüner werden

Immer noch ist faire Mode auf dem roten Teppich eine Seltenheit. Doch wie können Events wie die Oscar- oder Bambi-Verleihungen nachhaltiger gestaltet werden?

Illustration: Auf dem roten Teppich steht eine Frau in einem schwarzen langen Kleid und wird von einigen Kameras und Handykameras fotografiert

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Ich liebe Red-Carpet-Looks. Das ging sogar so weit, dass ich als Teenagerin einen eigenen Blog erstellen wollte, auf dem ich diese kommentiere. Gescheitert ist es dann doch an meiner Faulheit. Popkultur ja, aber dann bitte doch nur auf Vogue, die die Themen mundgerecht für mich aufbereitete. Ich musste mich dann nur noch berieseln lassen.

Doch war ich Feuer und Flamme, als wir bei Fashion Changers vor einigen Wochen die Gelegenheit bekamen, Shailene Woodley virtuell zu treffen. Zugegeben, ich durfte ihr nur eine Frage stellen – dafür hat sie aber sehr ausführlich geantwortet. Sie meinte, dass öffentliche Personen eine gewisse Verantwortung tragen und diese nutzen sollten, um andere Menschen zu inspirieren, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.

Doch wie sieht die Realität aus? Die sehnsüchtige Teenagerin in mir fing an, nachhaltige Red-Carpet-Looks zu recherchieren. Pandemie-bedingt wurden viele Events abgesagt. So auch die diesjährige Bambi-Verleihung – zum zweiten Mal hintereinander. Die Goldene Kamera wurde auf den 12. November 2021 verschoben.

In Hollywood scheinen Events jedoch langsam wieder Fahrt aufzunehmen. So fand die Oscar-Verleihung dieses Jahr Ende April statt. Endlich wieder Red-Carpet-Looks! Mein Herz schlug höher, bis ich ernüchternd feststellen musste: Nachhaltige Looks sind auch dieses Jahr wieder eine Seltenheit. Ja, einige Prominente tragen Vintage-Designeroutfits oder Kleider aus recycelten Materialien, aber da ist sehr viel Luft nach oben. 

Dann traf mich eine weitere überraschende Nachricht: Manche der Goodie Bags bei den Oscar-Verleihungen beinhalten Kreuzfahrten in die Antarktis, Luxustrips nach Fiji, kostenlose plastische Chirurgie. Einige Bags haben einen Wert von über 200.000 US-Dollar. Wer nicht nominiert ist, bekommt Schokolade und bedruckte T-Shirts. Niemand muss also mit leeren Händen nach Hause. Auf großen Events gibt es sogar „Gift Suites“. Das sind Räume, in denen sich die Promis ihre Geschenke aussuchen können. 

Weitere Minuspunkte: Der rote Teppich. Dieser erfordert fast 900 Stunden Arbeitskraft, um rechtzeitig faltenfrei verlegt zu werden. Was nach der Verleihung damit passiert, weiß niemand – doch er wird nicht wiederverwendet.

Als ich mich durch das Catering scrolle, wird mir noch unbehaglicher. Während für die Oscar-Verleihung Kaviar eingeflogen und bei der Bambi-Verleihung Rehrücken serviert wird (wie makaber!), steuern manche Länder auf eine klimabedingte Hungersnot zu. Parallelwelten, die sich vor mir und meinem popkulturellem Interesse auftun.

Ist Nachhaltigkeit bei Preisverleihungen, Film Festivals oder Promo-Touren unter einen Hut zu kriegen? Wie sollte der rote Teppich aussehen?

Red-Carpet-Looks aus alten Plastiktüten

2019 wurde Greta Thunberg mit der Goldenen Kamera geehrt – sie nahm den Sonderpreis für Klimaschutz entgegen. Nur wenige Minuten später bekam die Nachwuchsdarstellerin Milena Tscharnke, zusätzlich zu der Goldenen Kamera, ein Auto vom Eventsponsor VW geschenkt. Paradox, doch genauso laufen die meisten Red-Carpet-Events ab. 

Trotzdem zeigen immer mehr Prominente: Es geht auch anders. Sie laufen in Kleidern aus recycelten Plastikflaschen oder Stoffresten über den roten Teppich und setzen sich in ihren Dankesreden für eine vegane Ernährung ein. Andere verzichten auf ihre Goodie-Bags und spenden diese an lokale Organisationen.

Für die Promotion-Tour des Films „Beauty and the Beast“, legte Emma Watson einen eigenen Instagram-Account an, um ihre fairen Modeentscheidungen zur Schau zu stellen. Auch die deutsche Marie Nasemann zeigt sich öfters in nachhaltigen Looks. „So ein roter Teppich gibt mir auch immer die Möglichkeit ein Statement zu setzen”, meint sie auf Instagram. Sie trug bei der Berlinale 2019 ein Kleid aus alten Museumsplastiktüten.

 

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Dieser rote Teppich in Berlin macht es vor

Seit Januar 2010 gibt es die Green Carpet Challenge von Eco-Age, eine Beratungsagentur für nachhaltige Geschäftsstrategien. Damals trug Gründerin Livia Firth ein umfunktioniertes Hochzeitskleid auf dem roten Teppich der Golden Globes. Seitdem stellt die Green Carpet Challenge regelmäßig Hollywoodstars vor, die nachhaltige Looks auf den roten Teppichen tragen. Dazu gehören zum Beispiel Viola Davis, Jane Fonda, Lupita Nyong’o und Meryl Streep.

Bei der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) 2020 wurden die Gäste gebeten, im Rahmen der Bemühungen um eine klimaneutrale Preisverleihung, möglichst nachhaltige Entscheidungen zu treffen. So bekamen sie einen Ratgeber zu nachhaltiger Mode, zusammengestellt vom London College of Fashion. Dieser empfahl beispielsweise ein Ensemble zu mieten, anstatt etwas Neues zu kaufen oder ein Kleidungsstück zu tragen, das die Gäste bereits besitzen. 

Auch die Berlinale ist Vorreiter in Sachen Klimabewusstsein und Nachhaltigkeit. Letztes Jahr stand sie im Zeichen der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden. Damit unterstrichen die Veranstalter:innen ihr Engagement für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz – auch im Eventbereich.

Die Berlinale kooperiert zum Beispiel nicht nur mit der Deutschen Bahn, um klimafreundliches Anreisen anzubieten, sondern bezieht den Strom der Berlinale Büros seit fast zehn Jahren ausschließlich aus regenerativen Energien. Seit 2018 verzichten die Veranstalter:innen auch auf Einwegbecher. Neu ist außerdem, dass der rote Teppich, der aus recycelten Fischernetzen und anderen Kunststoffabfällen besteht, wiederverwendet wird.

Nach der ganzen Dekadenz der Oscar-Verleihung, bringen mir diese Nachrichten gute Laune und Hoffnung. Nachhaltigkeit auf dem roten Teppich scheint also ein immer wichtigeres Thema zu werden. Bald wird es überall wieder möglich sein, rote Teppiche auszurollen. Ich hoffe auf viele nachhaltige Kleider, klimabewusste Events und Prominente, die ihre öffentliche Verantwortung wahrnehmen.

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