Kleidung entsorgen: Hier sind deine alten Kleider auf dem richtigen Weg

Wie kann man Kleidung entsorgen und dabei alles richtig machen? Unsere Welt ist zunehmend von Fast Fashion geprägt – und damit von einem stetigen Zyklus aus Konsum und Entsorgung, Entsorgung und Konsum. Doch was passiert eigentlich mit unserer alten Kleidung? Viele von uns sind geneigt, aussortierte Kleidungsstücke in Altkleidercontainern zu entsorgen oder sie an karitative Organisationen zu spenden, in der Hoffnung, dass sie neuen Nutzen finden. Doch die Wahrheit hinter diesen gut gemeinten Gesten ist oft komplexer, als wir annehmen.

Kleidung richtig entsorgen, ein Karton, der mit einem Stapel Jeans gefüllt wird.

Im Jahr 2022 ermittelte Greenpeace, dass jede erwachsene Person in Deutschland durchschnittlich 87 Kleidungsstücke besitzt, Unterwäsche und Socken nicht eingeschlossen. Das Hot and Cool Institute in Berlin empfiehlt, pro Jahr nicht mehr als fünf neue Kleidungsstücke zu erwerben. Denn die Folge einer zu hohen Anzahl an Kleidungsstücken liegt auf der Hand: Überfüllte Kleiderschränke. Beim Ausmisten wird dann häufig noch gut erhaltene Kleidung entsorgt, die eigentlich zu schade zum Wegwerfen ist.

Dadurch sortieren die Deutschen jährlich etwa eine Million Tonnen an Textilien aus, eine Menge, die in den vergangenen drei Jahrzehnten um etwa 20 Prozent gestiegen ist, wie FairWertung e.V. berichtet. Diese Organisation setzt sich für einen sorgsamen Umgang mit gespendeten Textilien ein und fungiert als bundesweiter Dachverband für gemeinnützige Organisationen, die gebrauchte Textilien sammeln. Von dieser enormen Menge an Alttextilien, die die Ladung von circa 62.000 Lastkraftwagen füllen würde, werden rund 70 Prozent in Altkleidersammlungen entsorgt, während der Rest entweder im Restmüll landet oder privat weitergegeben wird.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) in Deutschland zielt darauf ab, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und Abfälle zu reduzieren. Im Kontext von Altkleidern legt es den Fokus darauf, die Wiederverwendung und das Recycling von Textilien zu verbessern. Ziel ist es, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Abfall zu minimieren, indem Ressourcen effizienter genutzt und recycelt werden.

Eine von FairWertung durchgeführte Studie gibt Aufschluss darüber, wie mit gesammelten Alttextilien umgegangen wird:

  • Bekleidung und Haushaltstextilien: Sie machen 81 Prozent der gesammelten Textilien aus. Acht Prozent dieser Textilien sind nicht recycelbar und werden daher verbrannt. Schuhe, die elf  Prozent der Sammlung ausmachen, werden aufgrund ihrer speziellen Beschaffenheit separat sortiert und vermarktet.
  • Tragbare Textilien: Etwa 55 Prozent der gesammelten Textilien sind noch tragbar. Von diesen sind zwei bis drei Prozent in sehr gutem Zustand und können auf dem europäischen Second-Hand-Markt verkauft werden. Der größere Teil wird auf globale Märkte, vorwiegend in osteuropäische und afrikanische Länder, exportiert.
  • Recycling untragbarer Textilien: Die restlichen, nicht mehr tragbaren Textilien werden, wenn möglich, recycelt. Ungefähr 16 Prozent davon werden zu neuen Materialien wie Vliesstoffen oder Isolationsmaterial verarbeitet, während zehn Prozent zu Putzlappen verarbeitet und wiederverwendet werden.

Altkleidercontainer: Gemeinnützig vs. Gewerblich

Bei Altkleidercontainern gibt es grundlegende Unterschiede zwischen gemeinnützigen und gewerblichen Betreibern:

  • Gemeinnützige Container: Diese werden von karitativen Organisationen betrieben. Der Erlös aus dem Verkauf oder der Wiederverwendung der Kleidung wird für soziale Zwecke verwendet. Sie sind in der Regel durch das Logo der Organisation gekennzeichnet und informieren über die Verwendung der Erlöse.

Gewerbliche Container: Diese werden von profitorientierten Unternehmen betrieben, die mit den gesammelten Textilien Handel treiben. Diese Container sind oft neutraler gestaltet und bieten weniger Informationen über den weiteren Verbleib der Kleidung, die hier entsorgt wird.

Erkennungsmerkmale, die helfen, Kleidung richtig zu entsorgen

Ein wichtiges Merkmal seriöser Betreiber von Altkleidercontainern ist die offizielle Genehmigung für ihre Standorte. Diese Standortgenehmigung gewährleistet, dass der Betreiber die notwendigen rechtlichen und umweltbezogenen Anforderungen erfüllt hat. Zudem ist Transparenz ein weiteres entscheidendes Kriterium. Vertrauenswürdige Betreiber stellen Informationen über die Verwendung der gesammelten Kleidung sowie über die von ihnen unterstützten Projekte offen und leicht zugänglich zur Verfügung. Diese Kombination aus offizieller Genehmigung und transparenter Kommunikation ist ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass die Kleidung verantwortungsvoll gesammelt und genutzt wird.

  • Kennzeichnung: Ein vertrauenswürdiger Container sollte klar gekennzeichnet sein, mit Informationen über den Betreiber und den Zweck der Sammlung.
    • Kommunale Sammelstellen: Ein Logo deiner lokalen Abfallbehörde auf einem Container ist ein gutes Zeichen. Diese kommunalen Sammelstellen nutzen oft den Gewinn aus der Kleidersammlung, um die Müllgebühren zu finanzieren. So trägst du mit deiner Spende indirekt zur kommunalen Unterstützung bei.
    • Gemeinnützige Organisationen: Viele Hilfsorganisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), finanzieren mit dem Handel von Altkleidern ihre sozialen Projekte. Eine Spende hier ist also gleichzeitig eine Unterstützung für wohltätige Zwecke.

Wenn du bei der Wahl einer Sammelstelle für deine Altkleider unsicher bist, gibt es auch einige vertrauenswürdige Siegel, die dir die Entscheidung erleichtern können. Diese Siegel sollen garantieren, dass deine Kleiderspenden verantwortungsvoll gehandhabt werden; du findest sie weiter unten aufgeführt.

Wichtige Siegel für Textilsammlungen

  • BVSE Qualitätssiegel Textilsammlung: Dieses Siegel steht für hohe Standards in der Sammlung, Sortierung und Verwertung von Textilien, wodurch Transparenz und Qualität in der Textilverwertung sichergestellt werden.
  • FairWertung: Dieses Siegel kennzeichnet gemeinnützige Sammelstellen, die sich verpflichtet haben, nach ethischen Grundsätzen zu handeln. Auf altkleiderspenden.de kannst du herausfinden, wo sich ein FairWertung-Container in deiner Nähe befindet.

DZI-Spendensiegel: Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt dieses Siegel an Organisationen, die Spendensammlung verantwortungsbewusst und transparent durchführen. Es ist ein Zeichen für vertrauenswürdige und effiziente Verwendung deiner Kleiderspenden.

FairWertung, ein Dachverband, zählt rund 150 gemeinnützige Organisationen zu seinen Mitgliedern, die ihre finanziellen Ressourcen teilweise durch Kleidersammlungen aufstocken. Darunter befinden sich bekannte Einrichtungen wie Oxfam, regionale Zweigstellen der Caritas und der Heilsarmee, die Arbeiterwohlfahrt (AWO) sowie viele lokale Hilfsorganisationen. Diese Mitgliedsorganisationen bieten oft sowohl Kleiderkammern als auch Container für Kleiderspenden an.

Wenn du also sinnvoll ausgemusterte Kleidung entsorgen möchtest, um Menschen in deiner Nähe zu unterstützen, kannst du dich direkt an diese sozialen Einrichtungen wenden. Dort wird deine Spende vor Ort auf ihre Qualität und Verwendbarkeit geprüft. Ein wichtiger Tipp: Erkundige dich im Vorfeld, ob bei der jeweiligen Einrichtung aktuell Bedarf an Kleiderspenden besteht. So stellst du sicher, dass deine Spenden dort ankommen und helfen, wo sie wirklich benötigt werden.

„Eine gemeinnützige Sammlung kann entweder die direkte Weitergabe der Textilien in Kleiderkammern oder Sozialkaufhäuser sein, oder, da wir oft mehr sammeln als wir für soziale Zwecke nutzen können, den Weiterverkauf an gewerbliche Sortierbetriebe beinhalten“, erklärt Thomas Ahlmann, Geschäftsführer von FairWertung. „In diesem Fall wird die Warenspende dann zu einer Geldspende umgewandelt.“ FairWertung arbeitet dabei ausschließlich mit sorgfältig ausgewählten Partnern zusammen, die sie selbst überprüfen. „Wir haben dafür einen eigenen Auditrahmen entwickelt.“

Kleidung richtig entsorgen

Um sicherzustellen, dass deine Kleidung tatsächlich wiederverwendet oder recycelt werden kann, solltest du Folgendes beachten:

  • Zustand der Kleidung: Kleidung sollte sauber und in einem tragbaren Zustand sein. Stark beschädigte oder verschmutzte Kleidung ist oft nicht geeignet für die Wiederverwendung.
  • Sortierung: Trenne Kleidung von anderen Textilien wie Bettwäsche oder Handtüchern.
  • Verpackung: Packe die Kleidung in geschlossene Säcke, um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen.
  • Materialien: Achte auf die Materialzusammensetzung, da manche Materialien besser recycelt werden können als andere.
Was gehört (nicht) in den Altkleider-Container?

Wenn du dich entscheidest, deine Kleidung in einem Altkleider-Container zu entsorgen, ist es wichtig zu wissen, was genau dort hineingehört und was nicht. Hier sind einige Richtlinien, die dir helfen, verantwortungsvoll zu spenden:

Was du spenden kannst:

  • Gut erhaltene Kleidung: Artikel, die noch tragbar sind und keine größeren Beschädigungen aufweisen.
  • Heimtextilien: Dazu zählen Bett- und Tischwäsche, Gardinen und Vorhänge.
  • Accessoires: Hüte, Handschuhe, Gürtel und Taschen, solange sie in gutem Zustand sind.
  • Plüschtiere: Auch diese sind willkommen, sofern sie sauber und intakt sind.
  • Schuhe: Paarweise gebündelt oder in Tüten verpackt, um sicherzustellen, dass sie als Paar zusammenbleiben und kein einzelner Schuh verloren geht.

Um deine Spenden zu schützen, verpacke sie bitte in Plastiktüten. Dies schützt sie vor Verschmutzung und Nässe und erleichtert die Weiterverarbeitung. Du kannst hierfür ältere, aber saubere Plastiktüten recyceln.

Was nicht in den Container gehört:

  • Nasse Kleidung: Sie kann Schimmel verursachen und andere Spenden beschädigen.
  • Schmutzige Kleidung oder Textilien: Artikel, die stark verschmutzt oder beschädigt sind, gehören nicht in den Container.
  • Stoff- und Wollreste: Diese sind für die meisten Recycling- und Spendenprogramme nicht geeignet.
  • Abgetragene Schuhe: Wenn Schuhe nicht mehr tragbar sind, sind sie auch für die Spende ungeeignet.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) empfiehlt, stark abgetragene und beschädigte Kleidung nicht in Altkleidercontainer oder Restmülltonnen zu entsorgen. Stattdessen sollten diese Textilien besser an kommunalen Wertstoffhöfen abgegeben werden. Nur in Ausnahmefällen, wie bei erheblichen Farbverschmutzungen, sollte Kleidung im Hausmüll landen. Zudem gibt es kreative Möglichkeiten, beschädigte oder verschmutzte Kleidung zu Hause wiederzuverwerten. So können solche Textilien beispielsweise als Putzlappen dienen oder für kleine Nähprojekte verwendet werden. Du musst alte Kleidung also nicht zwangsläufig entsorgen.

Kleidung bei Modemarken und Einzelhändlern abgeben

Immer mehr Rücknahmeprogramme großer Modeketten verlieren an Glaubwürdigkeit. Die Changing Markets Foundation, eine niederländische NGO, setzte Apple AirTags ein, um den Weg von 21 neuwertigen Kleidungsstücken – darunter Mäntel, Hosen und Jacken – zu verfolgen, die Teil von Rücknahmeprogrammen waren. Diese Kleidungsstücke wurden an Geschäfte großer Modeketten wie H&M, Zara, C&A, Primark, Nike, The North Face, Uniqlo und M&S in Belgien, Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich gespendet oder an ein Rücknahmeschema von Boohoo geschickt. Jedes dieser Programme wirbt mit wohlklingenden Slogans wie „We Take It Back“ und „Schenk deiner aussortierten Kleidung mehr als ein Leben” bei C&A oder „Let’s close the loop“ bei H&M.

Trotz dieser verheißungsvollen Slogans ergab die Studie, dass 16 der 21 (also 76 Prozent!) gespendeten Artikel entweder zerstört, in Lagern belassen oder nach Afrika exportiert wurden. In Afrika werden bis zur Hälfte dieser gebrauchten Kleidungsstücke rasch für andere Zwecke zerrissen oder weggeworfen. Einige Beispiele verdeutlichen das Schicksal dieser Kleidungsstücke: Eine an M&S gespendete Hose wurde innerhalb einer Woche zerstört; eine Jogginghose, die C&A erhielt, endete in einem Zementofen; und ein an H&M gespendeter Rock legte eine Reise von 24.800 Kilometern von London bis zu einem Abfallplatz in Mali zurück, wo er schließlich weggeworfen wurde. Drei weitere Artikel fanden ihren Weg in die Ukraine, wo aufgrund des Krieges die Importregeln gelockert wurden. Lediglich fünf  der ursprünglichen 21 Artikel – etwa ein Viertel – wurden in Europa wiederverwendet oder gelangten in Second-Hand-Läden.

Die meisten dieser Rücknahmeprogramme versprechen ausdrücklich, dass tragfähige Kleidung nicht zerstört wird. Doch keines der genannten Markenunternehmen führt öffentliche Aufzeichnungen über das Schicksal der an sie gespendeten Kleidung. Stattdessen übergeben sie die Kleidungsstücke an Unternehmen, die sich auf Wiederverwendung, Recycling und die endgültige Entsorgung spezialisiert haben.

Upcycling: Diese Brands nehmen deine alte Kleidung

Moot ist ein Unternehmen, das sich auf das Upcycling und die kreative Weiterverwendung von Textilien spezialisiert hat. Es arbeitet eng mit der Deutschen Kleiderstiftung zusammen und bietet in seinen Geschäften – einem Concept-Store am Berliner Ostbahnhof und im Flagship-Store in Berlin-Prenzlauer Berg – eine bequeme Möglichkeit an, gebrauchte Textilien direkt abzugeben.

Bridge & Tunnel, ein weiteres Unternehmen, das sich auf Upcycling spezialisiert hat, bietet eine besondere Möglichkeit für Privatpersonen, ihre alten Jeans sinnvoll zu spenden. Anstatt die Jeans wegzuwerfen, können diese für die Herstellung neuer Designobjekte verwendet werden. Dies schafft nicht nur Freude bei anderen, sondern fördert auch die Beschäftigung von Menschen in lokaler Produktion.

Bei Armedangels kannst du alte T-Shirts oder Denim-Hosen der Marke zurückgeben, die, sobald genügend Material vorhanden ist, zu neuen Fasern verarbeitet werden.

Titelbild:  © pexels

Über die Autorin:

Eigentlich träumte Medina immer davon, mit ein paar Hunden irgendwo im Nirgendwo zu leben. The simple life. Nach ihrem Studium des Völkerrechts tauchte sie dann als Juristin in die Welt der Menschenrechte ein und fand bei Fashion Changers Gleichgesinnte. Ob soziale Ungerechtigkeit, nachhaltige Geschäftsmodelle oder Arbeitsrechte – Medina schreibt bei Fashion Changers über verschiedene Themen, um Lesende zu einer Diskussion anzuregen.

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