Was die COP26 für die Modeindustrie bedeutet

Bei der COP26 wurde unter anderem die Fashion Industry Charter for Climate Action erneuert. Was versprechen die Modeunternehmen und wie geht es nun weiter?

Die Designerin Stella McCartney im Gespräch mit Caroline Rush, Chief Executive beim British Fashion Council

Vom 30. Oktober bis 12. November fand in Glasgow die 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Es gab viele Veranstaltungen, Vereinbarungen, Streiks, Reden und Absichtserklärungen zum Thema Klimaschutz. Was bedeutet die COP26 für die Modeindustrie und wie geht es nun weiter?

Warum ist die COP auch für die Modeindustrie so wichtig?

Bei der COP treffen sich Staatschef*innen und Delegierte aus allen Ländern, mit dem Ziel, die Emissionsminderungen voranzutreiben. Die Textil- und Bekleidungsindustrie verursacht riesige Mengen an Treibhausgasemissionen – teilweise mehr Emissionen als der weltweite Schiffs- und Flugverkehr zusammen. Ein Bericht der Global Fashion Agenda für 2020 schätzt, dass die Emissionen der Modebranche bis 2030 auf rund 2,7 Milliarden Tonnen pro Jahr steigen werden, wenn sich nichts ändert. 

So massiv der Einfluss der Modeindustrie auch auf die Klimakrise ist, so groß ist auch ihr Potenzial für Veränderungen und positiven Wandel. Dessen werden sich auch die Teilnehmer*innen der COP immer bewusster. Deshalb wurde die erste Version der „Fashion Industry Charter for Climate Action“ im Dezember 2018 auf der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (COP24) ins Leben gerufen.

Was ist die COP?

Die Conference of the Parties zum Klimaschutz (kurz: COP) findet seit 1995 statt. Diese Vertragsstaatenkonferenz ist der aus dem internationalen Umweltgipfel im Jahr 1992 entstanden, auf welchem eine globale Klimarahmenkonvention verhandelt wurde. Diese wurde später durch das Kyoto-Protokoll und dessen Nachfolger, dem Pariser Abkommen, ergänzt.

Was sind die Updates von der COP26?

Medien wie Vogue Business und Business of Fashion haben über die Hoffnung für nachhaltige Veränderung in der Modeindustrie im Rahmen der diesjährigen COP geschrieben. So hatte Marie-Claire Daveu, Chief Sustainability and International Affairs Officer bei Kering, auf Vogue Business geschrieben, dass die „COP26 die Modewelt für immer verändern sollte“. Dabei wurden wichtige Schritte in die richtige Richtung genommen. 

Es gab zum Beispiel ein Update der in 2018 eingeführten Fashion Industry Charter for Climate Action. In dieser wird anerkannt, dass die globale Modeindustrie in Sachen Klimaschutz eine Schlüsselrolle spielt.

Die unterzeichnenden Unternehmen der Fashion Charta verpflichten sich, ihre Emission bis 2030 um 50 Prozent zu senken und bis 2050 Netto-Null Emissionen zu erreichen. Sie engagieren sich zudem, ihren Strom bis 2030 aus 100 Prozent erneuerbaren Energien zu beziehen sowie ihre Lieferant*innen und Produzent*innen ebenfalls aktiv zu Emissionsminderungen zu ermutigen, zum Beispiel durch Initiativen oder langfristige Abnahmevereinbarungen. Ziele der sozialen Gerechtigkeit bei der Produktion des Stroms aus erneuerbaren Quellen werden allerdings nur beiläufig in der Charta erwähnt. Wie dringend eine Energiewende in der Modeindustrie ist, könnt ihr in diesem Artikel lesen.

Weiteres wichtiges Versprechen: Die Nutzung von ausschließlich und messbar nachhaltigeren beziehungsweise recycelten Materialien bis 2030. Außerdem soll die Logistik und der Transport der Ware entlang der Lieferkette möglichst klimaneutral gestaltet werden. 

Wer hat die Fashion Charta bisher unterschrieben?

Die Charta wurde inzwischen von weit über 100 Unternehmen unterzeichnet, unter anderem von Luxusmarken wie Burberry, Chanel und der Kering Group (zu der auch Gucci, Balenciaga und Alexander McQueen gehören). Die deutschen Unternehmen KiK und Hugo Boss, welche damals Kleidung in der Rana-Plaza-Fabrik produzieren ließen, gehören ebenfalls zu den Unterzeichnenden. Fast-Fashion-Konzerne wie Inditex (zu dem auch Zara, Berschka, Pull & Bear und Massimo Dutti gehören), Primark und H&M sowie Fair-Fashion-Unternehmen und Produzenten wie SKFK und Lenzing haben sich auch zur Einhaltung des Netto-Null-Ziels bis 2050 verpflichtet. Zusätzlich unterstützen mittlerweile über 40 Organisationen, wie beispielsweise Fashion Revolution, die Charta.

Gemäß der neuen Vereinbarung haben Marken 12 Monate Zeit, um Pläne zur Erfüllung der neuen Verpflichtungen vorzulegen. Danach müssen sie alle drei Jahre Aktualisierungen vorlegen.

Was ist sonst so passiert?

Weitere interessante Aspekte sind Selbstverpflichtungen von großen Marken wie UGG und Chloé. UGG startete beispielsweise eine Partnerschaft mit einem Schuhreparaturunternehmen und versucht so seine Kundschaft zu ermutigen, ihre Schuhe zu reparieren, anstatt ein neues Paar zu kaufen. Chloé hat im Oktober 2021 als erste Luxusmarke die B-Corp-Zertifizierung erhalten. Auch der Aufruf von Textile Exchange nach Richtlinien, die Anreize für nachhaltigere Materialien wie Bio-Baumwolle schaffen möchten, wurde diskutiert.

Nicht zu verachten sind außerdem die aktuellen Bekenntnisse von Modeunternehmen außerhalb der COP26. So beschloss Mammut, bis 2030 seine Ware nur noch auf klimaneutralen Schiffen zu transportieren. Dieses Ziel verfolgen Inditex, Amazon und Patagonia jeweils bis 2040, indem sie sich der Cargo Owners for Zero Emission Vessels (coZEV) angeschlossen haben.

Die Designerin Stella McCartney diskutiert bei der COP26 Klimaprobleme in der Modeindustrie. © Kiara Worth, UNFCCC

COP26 Aftermath: Wie werden aus den Worten jetzt Taten?

Ziele festlegen ist ein erster wichtiger Schritt. Angesichts der eskalierenden Klimakatastrophe und der Tatsache, dass Wissenschaftler*innen einen Code Red für die Menschheit ausgerufen haben, reichen gutgemeinte Bekundungen jedoch nicht. So wurde ermittelt, dass acht von neun Marken, welche die Fashion Industry Charter for Climate Action unterschrieben haben, weiterhin immer mehr Emissionen verursachen: Die prozentualen Erhöhungen der ausgestoßenen Treibhausgasemissionen würden teilweise im zweistelligen Bereich liegen. Nun lässt sich argumentieren, dass sich innerhalb von 1,5 Jahren nach der Unterzeichnung der Charta kein Geschäftsmodell eines globalen Unternehmens um 180 Grad drehen lässt. Dennoch ist es kein gutes Zeichen und wenn die Emissionen nicht schnellstmöglich sinken, dann könnte die 1,5 Grad Erderwärmung bereits 2030 erreicht sein.

Versprechen seitens der Unternehmen sind also wichtig, aber nicht ausreichend. Die Fashion Charta sieht beispielsweise keine Strafzahlungen oder rechtliche Möglichkeiten vor, um die Unternehmen zum Erreichen der Ziele zu verpflichten. Diese müssten im Idealfall jedoch kontinuierlich von unabhängigen Stellen überprüft werden.

Konsument*innen müssen ebenfalls mehr Transparenz einfordern. Auch wenn die Fashion Charta sowie andere freiwillige Verpflichtungen ein erster Schritt sind, bleiben die größten und wichtigsten Druckmittel für die Unternehmen weiterhin wir Konsument*innen und die Politik. Immer wieder wird uns bewusst, dass der kapitalistische Markt sich nicht von alleine regelt: Druck von außen wird benötigt, um Unternehmen vor allem zu motivieren, die oben genannten Ziele weiterhin zu verfolgen. 

Das in Deutschland bereits eingeführte Lieferkettengesetz wäre zum Beispiel auch eine Basis, um mehr soziale Gerechtigkeit einzufordern. Zudem könnte es unter Umständen erweitert werden, um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu verpflichten. Anreizsysteme für nachhaltiges und sozialverträgliches Verhalten, zum Beispiel durch Steuererleichterungen, sind ebenfalls eine Idee. Nicht zuletzt dürfen wir als Konsument*innen unsere Stimme und Kaufkraft nicht unterschätzen und sollten diese weiterhin nutzen, um positiven Wandel voranzutreiben. Das wurde schon einige Male bewiesen, wie zum Beispiel bei der Einführung des Lieferkettengesetzes oder der #PayUp Kampagne. Gemeinsam können wir positiven und nachhaltigen Wandel vorantreiben. Wir müssen. Wir haben keine andere Wahl.  

Was sind eure Gedanken zu der COP26? 

Titelbild: Die Designerin Stella McCartney im Gespräch mit Caroline Rush, Chief Executive beim British Fashion Council. © Kiara Worth, UNFCCC, COP26

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