„Es gibt regenerative Landwirtschaft, aber kein regeneratives Leder”

Unsere Autorin Frederike unterhält sich mit der Unternehmerin Nina Conrad über das Thema Leder. Diese erklärt unter anderem, wie schwierig es ist, Leder zurückzuverfolgen, was mit den Fellen passiert, die nicht für die Lederindustrie genutzt werden und was sie sich für die Lederindustrie wünscht.

Disclaimer: Spricht man über Leder, ist die Diskussion über die ethische Komponente dahinter unausweichlich. Wir verfolgen solche Debatten schon lange und auch auf Social Media kommt immer wieder ein Diskurs mit verschiedenen Meinungen zum Thema Leder auf – sei es Fairness, Ethik oder Nachhaltigkeit. Gerne möchten wir diese Komplexität aufgreifen und verschiedene Meinungen, Blickwinkel und Menschen aus der Branche zu Wort kommen lassen, um ein differenziertes Gesamtbild darstellen zu können. Ende 2021 haben wir bereits einmal mit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten über Leder gesprochen, in der es insbesondere um exotische Tiere ging. Viele Annahmen in Bezug zur Lederindustrie hängen jedoch stark vom Kontext und der Tiergattung ab. Der folgende Artikel erklärt, was sich aktuell in der Lederindustrie tut und wie sich Dinge (langsam) verändern. Die Erfahrung unserer Gesprächspartnerin, Nina Conrad, bezieht sich in diesem Artikel auf die Gattung Rind, Ziege, Schaf und Wildtiere im europäischen Raum im Rahmen ihrer Arbeit.
Triggerwarnung: Im Artikel wird der Vorgang der Tiertötung beschrieben.
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Vor einigen Wochen habe ich, Frederike, einen Artikel über sogenanntes Pilzleder geschrieben. Als meine Kolleginnen die von mir erstellte Grafik (die Pilzleder mit Tierleder vergleicht) online stellten, entfachte auf Instagram später ein interessanter Austausch zu den Themen Leder und fairen Produktionsbedingungen sowie der Notwendigkeit von Materialalternativen.

Eine Kommentatorin, nämlich Nina Conrad, fiel mir besonders auf, denn sie schrieb: Leder wird es geben, solange tierische Felle (aus der Lebensmittelindustrie) anfallen. Die Alternative zur Gerbung wäre, sie zu verbrennen – auch nicht unbedingt ökologisch, oder?” 

Ninas Meinung steht im Kontrast zu unserem Interview mit Vier Pfoten, das Ende 2021 veröffentlicht wurde. Die Tierschutzorganisation meinte damals, Leder sei kein Abfallprodukt, denn aus Tierschutzsicht gäbe es keinen Unterschied zwischen verschiedenen Endprodukten. Die Lederindustrie mache die Fleischindustrie nur noch profitabler. Denn: Wenn wir kein Leder mehr konsumieren würden, würden vor allem die Schlachthöfe Verluste machen – das umweltfreundliche Entsorgen der Felle sei ein erheblicher Kostenfaktor für die Industrie. 

Solche Aussagen führen in den sozialen Medien sichtlich zur Verwirrung und auch unsere Recherchen gehen weit auseinander. Ist Leder ein Abfallprodukt oder nicht? Kann Leder wirklich umweltfreundlich hergestellt werden? Die (wenig zufriedenstellende) Antwort: Es hängt stark vom Kontext und der eigentlichen Tiergattung ab. 

Wir wollten Nina Conrads Standpunkt jedoch genauer verstehen. Sie ist unter anderem Initiatorin des Leder-Start-ups Marai und Co-Gründerin von Fibershed DACH, und gibt zu, dass in der Lederindustrie einiges im Argen ist, parallel aber auch viel passiert, um die Lieferketten nachhaltiger und transparenter zu gestalten. Wie das aktuell aussehen kann, erklärt sie im folgenden Gespräch.

Frederike Bartzsch: Nina, du beschäftigst dich seit vielen Jahren mit Leder. Erst vor einigen Monaten fand die NGO Stand.Earth heraus, dass Brands wie Nike, Zara oder Deichmann mitverantwortlich sind für die Abholzung im Amazonas. Wie schwer ist es eigentlich, Leder zurückzuverfolgen? 

Nina Conrad: Eine komplette Rückverfolgbarkeit ist heutzutage eigentlich nur dann möglich, wenn das Unternehmen die eigene Lieferkette selbst aufbaut. Denn das große Problem der Lederindustrie ist, dass die Rückverfolgbarkeit der einzelnen Tiere bereits beim Schlachthof aufhört. Wenn man wirklich wissen will, woher das Tier stammt, muss die Lieferkette transparent und lokal sein.”

Wie gehst du dieses Thema denn an und mit welchen Partner*innen arbeitest du zusammen? 

Ich arbeite mit kleinen Schlachthöfen oder Metzgereien zusammen, die maximal zehn Tiere am Tag (oft auch weniger) schlachten und sich für die Tiere Zeit nehmen. Die Tiere sind in der Regel von biologisch zertifizierten Betrieben, wobei bio nicht ausschließlich einen Fokus auf Tierwohl hat. So kann etwa ein konventioneller Betrieb auch ein hohes Tier- und Naturwohl verfolgen, zum Beispiel durch Methoden der regenerativen Landwirtschaft. Deswegen richte ich meinen Fokus auf Bauernhöfe und kleine Betriebe, die artgerechte Tierhaltung verfolgen.

Außerdem ist mir wichtig, dass die Tiere eine möglichst kurze Reisezeit zum Schlachthof haben, um keinen unnötig hohen Stress ausgesetzt zu werden. Noch besser sind in meinen Augen Hof- oder Weideschlachtungen, die jetzt auch immer öfter durchgeführt werden.”

Artgerechte Tierhaltung ist eine Sache, aber kann es so etwas wie eine artgerechte Schlachtung geben? Beziehungsweise kann Schlachtung jemals fair oder ethisch sein?

Ein Tier zu töten, ist meiner Meinung nach nie fair. Es gibt keine ethische Schlachtung, aber es gibt Alternativen, das Tier möglichst stressfrei in den Tod zu begleiten. Bei der Weideschlachtung wird das Tier auf der Weide erschossen, aus einem Hochstand zum Beispiel. Das Prinzip ähnelt also dem der Jagd. Zudem gibt es die Hofschlachtung, wobei das Tier in der gewohnten Umgebung betäubt und getötet wird. Dieser Prozess ist jedoch an viele Auflagen gebunden, weswegen er nicht von vielen Bäuer*innen umgesetzt werden kann. Gleichzeitig fällt es vielen Landwirt*innen schwer, ihre Tiere zu töten. Der Abschied kann sehr emotional.”

Du meintest ja, du arbeitest mit verschiedenen Höfen zusammen. Welchen Zweck hatten die Tiere vorher? 

99 Prozent der Felle stammen aus der Nutztierhaltung, sprich: sowohl aus der Fleisch- als auch der Milchproduktion, wobei letztere etwa 20 Prozent ausmacht. Die Felle sind hauptsächlich von Rindern, Ziegen, Schafen, Schweinen und Wildtieren. Exoten wie Krokodile und Schlangen sowie die gesamte Pelzproduktion sind hierbei ausgeschlossen. 

In Schlachthöfen gibt es schon den leicht zynischen Ausdruck, dass Kälber Abfallprodukte der Milchwirtschaft sind. Das tut sehr weh, ist gleichzeitig aber auch Realität. Doch auch hier gibt es inzwischen andere Methoden, wie beispielsweise muttergebundene Kälberaufzucht, wo die Kälber länger bei den Kühen bleiben dürfen.”

Und was passiert mit den Nebenprodukten dieser Tiere?

„Von einem geschlachteten Tier sind circa 50 Prozent Fleisch, das für unseren Konsum verwendet wird. Die anderen 50 Prozent sind Schlachtnebenprodukte, die für unterschiedliche Verwendungen eingesetzt werden. Rund 15 Prozent wird in der Regel in der Biogasanlage verwendet. Weitere 15 Prozent sind für die Tierfutterherstellung für Haustiere vorgesehen, und das Fell macht circa 8 Prozent des Tieres aus. Die restlichen 12 Prozent setzen sich aus verschiedenen Reststoffen zusammen, die zu Tiermehl, Tierfett oder in der Kosmetikindustrie verarbeitet werden. Für die Felle gilt dasselbe wie für die anderen Schlachtnebenprodukte: Würden sie nicht genutzt, müssten sie verbrannt werden. So gesehen ist das Fell ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie und entsprechend durch die weitere Verwendung ein Recyclingprodukt.” 

Was aber passiert mit den Fellen, die nicht von der Lederindustrie genutzt werden?

Um die Lederindustrie einmal kurz aufzuschlüsseln: Ein Großteil geht mit knapp 40 Prozent in die Schuhindustrie, 20 Prozent wird für Taschen und Accessoires verwendet und circa 15 Prozent wird in der Möbelindustrie verarbeitet. Weitere 15 Prozent gehen in die Automobilindustrie und Luftfahrt. Für reine Bekleidung werden circa 8 Prozent verbraucht. Die Felle, die nicht verwendet werden, werden in der Regel verbrannt oder auf Mülldeponien entsorgt. Bei Tieren, die mittels Weideschlachtung in abgelegenen Regionen getötet werden, ist dies jedoch aus logistischen Gründen schwierig. Denn die Felle müssen schnellstmöglich konserviert werden, da sonst – innerhalb von 24 Stunden – der Fäulnisprozess einsetzt und das Fell Schaden nimmt.”

Ein Thema, was oft untergeht in dieser Debatte: Wie viel verdienen Landwirt*innen mit dem Tierfell? Kann man mit Tierfellen Profit machen?

„Aus meiner Erfahrung heraus, werden Landwirt*innen nicht immer und explizit für Tierfelle vergütet. Schlachthöfe dafür aber schon, denn sie sind letztlich für die Entsorgung der Nebenprodukte des Tieres verantwortlich. Felle werden also mit anderen Schlachtnebenerzeugnissen, die ordentlich entsorgt werden müssen, verrechnet. Der Preis wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt und unterscheidet sich je nach Region. Der Mechanismus ist einfach: Je mehr Rindfleisch gegessen wird, desto mehr Felle fallen an, desto tiefer der Preis. Die Felle der schlechtesten Qualität werden entsorgt, für sie gibt es keine Nachfrage.” 

Gehen wir doch über zu den Umweltauswirkungen der Lederproduktion. Wie können CO2-Emissionen hier beispielsweise reduziert werden?

Mit lokaleren Lieferketten – und zwar von der Rohware zum fertigen Produkt. Wir haben so viele Ressourcen hier vor Ort, nutzen diese aber kaum. Dass in Italien zum Beispiel rund 15 Prozent des weltweiten Leders hergestellt wird, ist in der Hinsicht irreführend. Denn nur 8 Prozent der in Italien zu Leder verarbeiteten Felle kommen aus Italien. Der Rest stammt aus globalen Importen. Es kann also durchaus sein, dass ein ,pflanzlich gegerbtes, hochwertiges italienisches Rindsleder’ aus einem brasilianischen Kuhfell hergestellt wurde und im Kontext der Abholzung des Regenwaldes steht.”

Auch der Gerbprozess ist sehr ressourcenintensiv und es werden viele toxische Chemikalien freigesetzt. Wie kann dieser umweltfreundlicher gestaltet werden?

Es gibt diverse Ansätze, wie eine Gerberei nachhaltiger sein kann. Dies betrifft unter anderem den Energieverbrauch und die Herkunft des Stroms, das Abfallmanagement, den Wasserverbrauch und die Abwassereinleitung. Diesbezüglich gibt es bereits sehr viele Richtlinien auf europäischer Ebene, an die sich auch Gerbereien halten müssen.

Dann ist natürlich auch der Gerbprozess entscheidend, wobei die eigentliche Gerbung – mit Chrom, Aldehyden oder pflanzlich – nur ein Schritt von vielen ist. Die Vorgerbung, in der das Fell gereinigt und die Haare entfernt werden, ist der wasser- und chemieintensivste Schritt. Auch hier sollte der Einsatz von Chemikalien reduziert werden. 

Das Finishing bringt auch wichtige Einflussfaktoren mit sich: Bleibt das Leder naturbelassen oder färbt man es ein? Welche Farbstoffe werden dabei verwendet? Wird es am Schluss beschichtet und wenn ja, womit? Oftmals wird pflanzlich gegerbtes Leder als die nachhaltigste Variante wahrgenommen, weil die Gerbstoffe aus erneuerbaren Ressourcen stammen. Ich mag pflanzlich gegerbtes Leder auch am liebsten, doch die Gerbstoffe sind nur begrenzt verfügbar, und sind auch nicht für alle Anwendungen geeignet. Es gibt daher viele Bemühungen, alternative chrom-, aldehyd- und schwermetallfreie Gerbstoffe auf den Markt zu bringen und die Lederproduktion nachhaltiger zu gestalten.”

Wenn ich mich als Konsument*in nun für ein Lederprodukt entscheide, welche Siegel kannst du zur Orientierung empfehlen?

Im Gegensatz zu anderen Materialien wie Baumwolle gibt es bei Leder nur wenige empfehlenswerte Siegel. Das liegt in erster Linie an der Komplexität der Lieferketten und auch daran, dass das Rohmaterial nicht für die Modeindustrie produziert wird. Für Landwirt*innen ist es auch nicht erstrebenswert, ihre Tierhaltung für ein bestimmtes Siegel umzustellen, wenn sie am Ende nicht für die Lederindustrie, sondern die Lebensmittelindustrie produzieren.

Wie bereits erwähnt ist es schwierig zu erfassen, woher die Tierfelle wirklich kommen. Die Spuren eines Tierfells verlieren sich bereits im Schlachthof. Von dort wird alles zu regionalen Fellhändler*innen geliefert, konserviert, nach Rasse, Gewicht, Qualität sortiert und schließlich an Gerbereien verkauft. 

Doch die Themen Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind in der Lederindustrie erst am Kommen. Auch bei einem LWG Gold zertifizierten Betrieb ist nicht ersichtlich, woher die verwendeten Felle kommen – sie können aus dem lokalen Bio-Schlachthof kommen wie aus dem Amazonas. Deswegen empfehle ich Unternehmen und Designer*innen immer, sich die Produktionsstätten selbst anzuschauen und nachzufragen. 

Der OEKOTEX Leather Standard setzt den Fokus auf verwendete Chemikalien. Das umfassendste Siegel ist aktuell meines Wissens das NATURLEDER IVN, das alle Herstellungsstufen entlang der Prozesskette von der Rohware bis zum Verkauf und Gebrauch des fertigen Leders berücksichtigt. Leider ist aber auch hier nicht alles Gold, was glänzt, denn das Leder kann auch synthetisch gegerbt worden sein – durch eine pflanzliche Nachgerbung wird es dann zu einer Naturlederzertifizierung zugelassen. Das ist schon verwunderlich.”

Wie schätzt du den Wandel gen einer nachhaltigeren und ethischeren Lederindustrie ein? Kannst du schon ein Umdenken bei Konsumierenden und Firmen feststellen?

Ich bewege mich natürlich schon in einer Bubble, das ist mir bewusst. Aber ich merke, dass in den letzten Jahren viel passiert ist. Ich mache unter anderem Sammelbestellungen für diverse Brands und lasse für diese Leder produzieren. Durch die bereits beschriebenen komplexen und schwierigen Strukturen in den Lieferketten ist dies für viele eine enorme Erleichterung. In dieser Hinsicht beobachte ich eine zunehmende Nachfrage, weil Unternehmen das Thema langsam auf dem Schirm haben. Aber gleichzeitig ist das Thema auch mit vielen Buzzwords verbunden und es werden Ausdrücke wie ,regeneratives Leder’ verwendet. Es gibt regenerative Landwirtschaft, aber kein regeneratives Leder. 

Gleichzeitig merken viele Brands, dass es mehr braucht als nur den Umstieg zu transparenteren Lieferketten und verantwortungsvoll hergestellten Materialien. Denn diese treiben sofort den Preis hoch. Wir brauchen also neue Unternehmensphilosophien und Produkte, die langlebig sind, repariert werden können und modular funktionieren. Das passt gerade noch nicht ins Geschäftsmodell, das vor allem auf Gewinn basiert. Materialien zu ersetzen, wie etwa konventionelles Leder durch lokales, transparent hergestelltes Leder, bringt noch nicht den gewünschten Wandel. 

Es gibt außerdem Labels, die die Geschichte rund um die Natur und die verantwortungsvolle Produktion erzählen möchten, aber Hautfalten oder Narben auf dem Fell werden nach wie vor als Qualitätsmangel behandelt. Das steht meiner Meinung nach aber im Widerspruch zum eigentlichen Storytelling. Wir sehen also: Letztlich liegt es nicht nur an den Konsumierenden, sondern auch an den Brands selbst. Wir brauchen ein branchenweites Umdenken.”

Lederprodukte, die umweltfreundlicher produziert wurden, sind oftmals teurer. Wird Leder durch den fairen Ansatz zu einem Luxusprodukt, das nur einem kleinen Kreis an Menschen zugänglich ist? 

Ich glaube nicht. Aber generell sind wir der Realität ferner denn je und können uns schlicht nicht mehr vorstellen, was es kostet, ein Produkt verantwortungsvoll herzustellen. Denn die günstige Ware ist schließlich immerzu verfügbar. Wenn sich nicht jede*r alles leisten kann, heißt es nicht gleich, dass die Ware ein Luxusprodukt ist.”

Was würdest du unseren Leser*innen gerne als Abschluss mit auf den Weg geben?

In der Lederindustrie ist wie in allen anderen Industriezweigen noch einiges im Argen, doch es gibt es auch viele Bemühungen, tolle Projekte und Vorreiter*innen, die eine lokale, langsame Produktion befürworten und somit einen positiven Wandel vorantreiben. Es ist also nicht immer ein schwarz-weiß. Solange Fleisch- und Milchprodukte konsumiert werden, solange werden Felle anfallen, die verarbeitet werden sollten – anstatt in Mülldeponien zu landen. 

Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen generell mehr Gedanken über diese Zusammenhänge machen und das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren. Ich überlasse es meinen Mitmenschen gerne selbst, ob sie Leder konsumieren möchten oder nicht. Dennoch bin ich mir sicher: Je näher wir der Natur sind, desto mehr Wertschätzung haben wir für die Produkte, die wir konsumieren.” 

Danke für das spannende Gespräch, Nina.

Für mich war das Gespräch mit Nina sehr aufschlussreich und hat wieder einmal gezeigt, wie komplex die Lederindustrie ist. Anstatt schwarz oder weiß über die Lederindustrie zu denken, sehe ich inzwischen eine große Palette an Grautönen. Aus ethischen Gründen sind tierische Produkte für mich persönlich weiterhin nur schwer zu vertreten. Gleichzeitig hat das Gespräch mit Nina neue Blickwinkel für mich geöffnet. Fakt ist jedoch: Wir brauchen Siegel in der Lederindustrie und sowohl Unternehmen als auch Konsumierende müssen Verantwortung übernehmen. Tiere sollen ein respektvolles Leben führen können. Vor allem aber ist die Erkenntnis: Die Frage nach fairem Leder ist nicht so einfach zu beantworten. 

Wie seht ihr das? Gibt es ethisch vertretbares Leder? Wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Über Nina Conrad

Nina Conrad ist seit mehreren Jahren als Nachhaltigkeitsberaterin in der Textil- und Lederindustrie tätig und hat sich auf die Herstellung von Leder und Lederwaren spezialisiert, die von Tieren aus zertifizierten Bio-Betrieben stammen.

Neben ihrer Beratertätigkeit hat sie 2018 die Accessoire-Marke LEIT & HELD mitbegründet. Zuvor hatte sie 2015 mit fin projects die erste Lieferkette für rückverfolgbares Leder aus Schweizer Rinderhäuten aufgebaut. Als aktives Mitglied von Textile Exchange und Gründungsmitglied der Sustainable Leather Foundation setzt sie sich ehrenamtlich für eine verantwortungsvollere Lederproduktion ein.

Titelbild: Unsplash | Ana Nichita

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