Brauchen wir Fashion Weeks eigentlich noch?

Bald ist wieder Fashion Week Season, die Vorfreude ist groß. Aber ist das Konzept der halbjährigen Modewochen nicht längst überholt? Und sind sie angesichts der zahlreichen Krisen, allen voran der Klimakrise, überhaupt noch vertretbar?

Zwei Personen posieren nebeneinander

Kaum ein Thema wird in Fashionkreisen derzeit heißer diskutiert als die Looks der Copenhagen Fashion Week. Und nach der Fashion Week ist bekanntlich vor der Fashion Week: Bald finden auch die Modewochen in New York, London, Paris und Berlin statt. Die Leute haben es vermisst. I get it.

Als Jugendliche habe ich nach der Schule oft Fashion TV geschaut – ein Fernsehsender, der sich ausschließlich Mode- und Lifestylethemen widmet. Lange Zeit war das eines meiner Lieblingsprogramme – ich konnte mir stundenlang Modenschauen reinziehen und die tollen Looks bewundern. Und irgendwann habe ich dann festgestellt, dass es bei alledem gar nicht nur um die Kleidung geht. Es geht um das große Ganze: die Location, die wochenlang vorbereitet wird, die Musik, die in manchen Fällen sogar extra für die Show geschrieben wird, das Casting der Models, das Make-up, die Energie.

Eine Fashion Week wird monatelang vorbereitet – und all das, um innerhalb von 10 bis 15 Minuten die Looks der Saison zu präsentieren. Schon damals habe ich mich gefragt, ob sich dieser Aufwand überhaupt lohnt. Klar, ich habe es geliebt. Aber sind Fashion Weeks als Konzept nicht überholt?

Modenschauen als Kunstform 

Der Laufsteg ist die Bühne der Exzesse. Denken wir nur einmal an die Modenschauen von Chanel oder Louis Vuitton: Rolltreppen, Springbrunnen und sich drehenden Karussells sind hier nicht selten Teil des Konzepts. Und auch bei Häusern wie Valentino, Prada und Alexander McQueen ähneln die Prêt-à-Porter-Kollektionen eher der Couture, so hoch sind die dargebotene Handwerkskunst, die Präzision und die Ideen. Modenschauen werden zum Spektakel, zum Social-Media-Push. Ich frage mich: Ist das noch Mode oder schon Unterhaltung? Wohl eher beides. Im Interview mit Vogue erklärt der Designer Dries van Noten, Modenschauen seien für ihn noch immer das große Finale eines kreativen Prozesses.

Modenschauen haben etwas Avantgardistisches, Kunstvolles an sich. Der Laufsteg wird zur Leinwand, zum Forum, um die künstlerische Identität der Designer*innen für die Saison aufzubauen und etwas Bahnbrechendes und Inspirierendes zu zeigen. Shows sind in gewisser Weise eine Form der Kommunikation, sie erzählen eine Geschichte.

Eine Fashion Week ist längst nicht mehr nur ein Mittel, um Mode zu präsentieren und zu zeigen, was in sechs Monaten in den Läden erhältlich sein wird, sie ist auch eine wichtige Gelegenheit für Modeschaffende, Einkäufer*innen, Redakteur*innen und Influencer*innen, um sich zu treffen, auszutauschen und Ideen zu sammeln.

Außerdem begeistert und inspiriert die Streetstyle-Fotografie, denn was wäre eine Modewoche ohne? Modeschaffende aus aller Welt reisen an und präsentieren jeden Tag neue ausgefallene Looks, um so die zahlreichen Shows zu besuchen oder auf After Partys zu tanzen. Mittlerweile mag ich den Streetstyle sogar lieber als die eigentlichen Shows. Die Looks sind irgendwie unaufgeregter, cooler, authentischer – gleiches gilt für die Bilder, die Momentaufnahmen der Showgäst*innen zeigen. 

Können Fashion Weeks nachhaltig sein?

Kopenhagen ist das beste Beispiel: Fashion Weeks sind wieder voll im Gange – und mit ihnen auch die Verschwendung. Modeschaffende reisen um die halbe Welt, um Kamerahandy-Schnappschüsse ihrer Lieblingslooks und -momente zu machen. Vor Ort fahren unzählige Autos Influencer*innen, Journalist*innen, Stylist*innen und Einkäufer*innen von Event zu Event.

Und dann wären da natürlich noch die Umweltauswirkungen der Showproduktion, die Sets und Requisiten, die erstellt werden, Einladungen und Shownotizen, nicht zu vergessen die enorme Menge an Strom, die für die Beleuchtung verbraucht wird, sowie die ganzen Goodie-Bags. Genau diese Verschwendung ist es, die mich bei aller Modebegeisterung frustriert zurücklässt.

Als Jugendliche vorm Fernseher habe ich über all das nicht nachgedacht. Aber aus heutiger Perspektive frage ich mich: Ist es nicht völlig unverantwortlich, Modewochen weiterhin auf die gleiche Weise zu veranstalten? Braucht die Fashionszene wirklich halbjährliche Zyklen oder geht das mittlerweile nicht auch irgendwie anders, besser, nachhaltiger? Immerhin: Die Macher*innen der Copenhagen Fashion Week haben mittlerweile Nachhaltigkeitsanforderungen eingeführt. So gibt es ein Mindestmaß an Standards, die alle Marken im Showplan einhalten müssen, wie etwa das Aufbauen einer Nachhaltigkeitsstrategie und Schulungen des Personals zu Nachhaltigkeitspraktiken. Ab dem 31. Januar 2023 werden nur noch Bewerber*innen für den Showplan berücksichtigt, deren Nachhaltigkeitsbemühungen die Mindeststandards erfüllen.

Fashion Weeks bleiben eine Konstante

Über den Sinn oder Unsinn der Fashion Weeks habe ich in den letzten Wochen im Zusammenhang der September-Ausgabe unserer Membership sehr viel nachgedacht und herausgefunden, dass selbst Designer*innen sich teilweise nicht sicher sind, ob Fashion Shows noch zeitgemäß sind. 

Nichtsdestotrotz bleibt die Veröffentlichung neuer, saisonaler Kollektionen, die als Modenschauen angekündigt werden, eine Konstante. So werden die beliebten Shows wohl auch in den nächsten Jahren die wichtigste Methode sein, um neue Ideen zu vermitteln – sei es für große oder kleine Marken. Und um ehrlich zu sein, freue ich mich darüber, denn so ganz ohne Fashion Week könnte ich mir die Modewelt dann doch nicht vorstellen. Trotzdem wünsche ich mir, dass die Fashion Weeks zukünftig in Sachen Nachhaltigkeit mitziehen und einen positiven Wandel generieren. Das kann nicht so schwer sein, oder?

Wie ist eure Meinung zu Fashion Weeks? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Titelbild: Shot by Cerqueira via Unsplash

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