Welche Chemikalien verstecken sich in unserer Kleidung?

Unzählige Giftstoffe werden bei der Textilproduktion verwendet. Wir analysieren 5 Chemikalien in Kleidung, die ihr kennen solltet.

Inzwischen ist vielen Menschen bekannt, dass die Produktion von Kleidung ein sehr ressourcenintensiver Prozess ist. In einem Fashion Changers Artikel aus dem Jahr 2019 habe ich bereits über den Einfluss der Textil- und Bekleidungsindustrie auf das Klima geschrieben. Entlang der Lieferkette werden unzählige Chemikalien eingesetzt: sei es zum Düngen der Baumwollfelder, um die Zellulosefasern aus dem Holz herauszulösen und Viskose herzustellen (oder die weniger umweltschädliche, patentierte Variante EcoVero), oder zum Weben und Färben der Kleidung. 

Zum Teil werden tagtäglich hochgiftige, hormonverändernde und krebserregende Chemikalien, Pestizide und Fungizide eingesetzt. Diese sind nicht nur schädlich für die Mitarbeiter:innen entlang der Lieferkette, sondern auch für die Umwelt und letztendlich für uns Konsument:innen. Denn selbst in der fertig produzierten Kleidung können teilweise noch Rückstände von Chemikalien nachgewiesen werden. Doch auf welche Chemikalien muss besonders geachtet werden und was wird dagegen unternommen?

5 Chemikalien, die du kennen solltest

Greenpeace hatte im Rahmen der „Detox my Fashion“ Kampagne im Jahr 2011 elf besonders gefährliche Substanzen definiert. Davon werden wir uns fünf Substanzen, die an verschiedenen Stellen in der Lieferkette verwendet werden, genauer anschauen und ihre Verwendungszwecke in der Textil- und Bekleidungsindustrie analysieren:

  1. Azofarbstoffe. Bestimmte Azofarbstoffe dürfen laut EU-Gesetzgebung nicht mehr für Textilien verwendet werden. Da aber viele Materialien außerhalb der Europäischen Union gefärbt werden, gelten diese Gesetzesbestimmungen dort nicht. Die Abbauprodukte der Azofarbstoffe stehen unter Verdacht bei Hautkontakt Krebs auslösen zu können. Auch wenn es im Endprodukt – aufgrund der geringeren Dosis – für Konsument:innen als weniger bedenklich gilt, ist es für Mitarbeiter:innen der Färbereien aufgrund der verwendeten Mengen des Farbstoffes durchaus gefährlich.   
  2. Zinnorganische Verbindungen, auch Organozinnverbindungen gennant. Diese werden in Sportbekleidung, Socken, Schuhen und vielen weiteren Konsumgütern verwendet. Als Biozid und Anti-Schimmelmittel verhindern Organozinnverbindungen Gerüche und wirken antibakteriell. Der Einsatz von einigen Verbindungen ist in der EU seit 2012 limitiert.
  3. Perfluorierte Chemikalien (PFC). Mit Hilfe von fluorierten Polymeren werden Textilien mit einer wasser-, fett- oder schmutzabweisenden Beschichtung versehen. Dazu zählen auch die Membranen von Multifunktionstextilien wie zum Beispiel Teflon oder Gore-Tex, welche für Outdoorkleidung verwendet werden.
  4. Chlorierte Lösungsmittel. Nachdem Textilien mit allerhand Chemikalien behandelt wurden, werden noch mehr Chemikalien zur Reinigung der Textilien verwendet. Darunter zum Beispiel chlorierte Lösungsmittel. Hierbei handelt es sich um eine besonders große Produktgruppe, aber generell wird angenommen, dass einige Substanzen die Ozonschicht schädigen (zum Beispiel Trichlorethan) und sich aufgrund der sehr begrenzten Abbaufähigkeit in der Umwelt im menschlichen Körper und Gewässern anreichern könnten.
  5. Schwermetalle. Es ist nur schwer vorzustellen, aber Schwermetalle sind in Farbstoffen enthalten. Dazu zählen Metalle wie Cadmium, Blei oder Kupfer. Da diese Substanzen ähnlich zu chlorierten Lösungsmitteln sind, können auch sie sich im Körper anreichern und das Nervensystem schädigen.

Dies nur ein Überblick über die verwendeten und potenziell gefährlichen Substanzen. Doch er verdeutlicht, dass gefährliche Chemikalien in der gesamten Lieferkette zum Einsatz kommen.

Wie wird der Einsatz von Chemikalien in Kleidung gesetzlich geregelt?

Bereits seit 2001 gibt es die Stockholm Konvention über persistente organische Schadstoffe (Persistent Organic Pollutants – POPs), welche die weltweite Verwendung von stark umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffen eingrenzen soll. Darunter zum Beispiel die oben genannten Chlorbenzole und PFCs, sowie deren Zwischen- und Abfallprodukte. 

Die Konvention wurde von insgesamt 152 Staaten unterzeichnet, darunter China und die Europäische Union. Das bedeutet, dass wichtige Standorte für Fair Fashion Unternehmen wie Portugal und Polen auf den Verbrauch von gefährlichen POPs verzichten müssen. Auch wichtige Produktionsländer im asiatisch-pazifischen Raum wie zum Beispiel Bangladesch, Indien und Vietnam haben die Konvention ratifiziert und sich damit gegen die Verwendung dieser Substanzen ausgesprochen. Jedoch hat ein anderer großer Material- und Bekleidungsproduzent, die USA, die Stockholm Konvention zwar unterschrieben, aber nicht ratifiziert und sich damit nicht aktiv einer geringeren Verwendung der Stoffe verschrieben.

Stecken Chemikalien in allen Textilien und Kleidungsstücken?

Generell werden alle Textilien mit Chemikalien behandelt. Auch wenn nachhaltig(er) hergestellte Kleidungsstücke beispielsweise aus Bio-Baumwolle oder Tencel bestehen, bedeutet das nicht sofort, dass sie ohne gefährliche Substanzen verarbeitet wurden. Die Lieferketten eines einzelnen Kleidungsstückes sind lang und gehen meist über mehrere Landesgrenzen hinweg.

Nur weil ein Kleidungsstück in Portugal genäht wurde, bedeutet dies nicht unbedingt, dass es frei von POPs und anderen gefährlichen Substanzen ist: Es kann durchaus sein, dass die konventionelle Baumwolle in China angebaut und demnach in den meisten Fällen mit zahlreichen Chemikalien verarbeitet wurde. Das ist für uns Konsument:innen jedoch nicht immer nachvollziehbar.

Andererseits bedeutet es aber auch, dass an anderen Stellen, zum Beispiel beim Anbau der Bio-Baumwolle, massiv an Chemikalien und Wasser eingespart werden kann. Das ist wiederum gut für Böden, Arbeitskräfte und in der Regel auch den CO2-Ausstoß ist.

Im Rahmen der „Detox my Fashion“ Kampagne hat Greenpeace es erreicht, dass 80 große Modeunternehmen und Textilproduzenten sich verpflichtet haben bis 2020 giftfrei zu produzieren. Dazu zählen unter anderem Adidas, Levi’s, Mango und Puma. Der aktuelle Stand bei den Unternehmen und ein überarbeiteter Report von Greenpeace ist abzuwarten.

Fair Fashion Unternehmen, und teilweise auch Fast-Fashion-Konzerne, probieren bereits das Färben mit natürlichen Farben aus. Die Kombination aus Kleidung, welche einerseits aus nachhaltigen Materialien hergestellt wird und andererseits möglichst natürlich gefärbt wurde, ist ein guter Anfang, um einen großen Teil der Produktion, in welcher normalerweise viele Chemikalien verwendet werden, auszuschließen und damit die Auswirkungen auf die Menschen und Umwelt zu verringern.  

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Wie vermeiden wir Chemikalien in unserer Kleidung?

Leider ist es für uns Konsument:innen auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar, mit welchen Chemikalien ein Kleidungsstück behandelt wurde und ob diese gefährlich für Mensch und Umwelt sind. Auch wenn die im Endprodukt nachgewiesene Menge einer gefährlichen Chemikalie für uns als Träger:innen nicht immer bedenklich ist, so gilt dies nicht für die Menschen, die unsere Kleidung herstellen: Sie kommen mit einer viel größeren Menge der Chemikalie in Verbindung und müssen deshalb geschützt werden.

Der Kauf von fair und nachhaltig produzierter Kleidung ist ein guter Schritt um sicherzustellen, dass bei der Produktion weniger Chemikalien verwendet werden. Zahlreiche Siegel verbieten hier die Verwendung von schädlichen Chemikalien für Mensch und Umwelt. 

Was muss sich ändern?

Es muss ein neues Bewusstsein entstehen, welches akzeptiert, dass – der Gesundheit von Mensch und Umwelt zuliebe – nicht mehr alle Stoffe und Produkte so bleiben können, wie wir sie kennen.

Nicht alle umweltschonenden Alternativen können den Materialien die gleichen Eigenschaften hinzufügen, wie die giftigen Verfahren, die Chemikalien ersetzen. Eine Outdoorjacke, welche auf PFC verzichtet und stattdessen eine PU-Membran (eine Schicht Plastik) verwendet, wird zwar einerseits zu einer regenfesten Jacke, andererseits jedoch weniger atmungsaktiv. Wir müssen also Kompromisse eingehen und Verständnis dafür haben.

Deshalb ist es umso wichtiger, die Kleidung, die wir bereits besitzen, richtig zu pflegen

Mit der Stockholm Konvention und dem Erfolg von Greenpeace, Bekleidungsproduzenten zu einer giftfreien Produktion zu verpflichten, sind bereits große Schritte eingeleitet worden, um gefährliche Substanzen in der Bekleidungs- und Textilindustrie zu ersetzen. 

Am Ende müssen wir aber auch hier die Politik dazu verpflichten, dass gefährliche Substanzen nicht mehr verwendet werden dürfen. Außerdem gilt es bereits bestehende Gesetze und internationale Abmachungen, wie zum Beispiel die Stockholm Konvention, einzuhalten. Nur dadurch können wir weitere gefährliche Substanzen eliminieren. Denn auch das ist aktiver Umweltschutz und Einsatz für Menschenrechte.

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